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Ben Bernanke´s Osterbotschaft an Deutschland

Redaktion

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Von Claudio Kummerfeld

Wie wir vor Kurzem berichteten, ist der ehemalige Chef der US-Notenbank „Federal Reserve“ Ben Bernanke unter die Blogger gegangen (endlich!??). Selbst am geheiligten Karfreitag, der sogar in den USA ein Feiertag ist, lies Bernanke es sich nicht nehmen in seiner neuen Funktion sozusagen eine „Osterbotschaft“ zu schreiben, gerichtet an das böse Deutschland, das wohl nicht anders kann als andere Länder mit zu viel Exporten zu unterjochen.

Ben Bernanke
Ben Bernanke, bis 2014 Chef der US-Notenbank „Federal Reserve“
Foto: Federal Reserve

Bernanke´s Thesen

In der Tat produziert Deutschland seit Jahren enorme Exportüberschüsse, während die meisten Euro-Länder wie auch die USA dauerhaft Defizite produzieren, d.h. sie importieren mehr als sie exportieren. Diese „zu vielen“ Importe muss die Volkswirtschaft als Ganzes über Schulden finanzieren. Deutschland mit seinen „zu vielen“ Exporten muss als Volkswirtschaft letztlich zusehen, wo es das viele überschüssige Geld anlegt. Ben Bernanke nennt drei (wie wir finden richtige) Gründe für den enormen deutschen Exportüberschuss. Wir haben sie hier in unseren eigenen Worten ausgedrückt und zusammengefasst.

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1)
Deutschland produziert gute Produkte, die im Ausland nachgefragt werden. Punkt.

2)
Der schwache Euro beschert deutschen Unternehmen eine nie da gewesene Produktivität, die man so mit der D-Mark nicht haben könnte. Die „schwachen“ Euro-Länder wie Frankreich, Italien, Griechenland, Portugal usw ziehen den Euro nach unten – die EZB sieht sich durch die schlechte wirtschaftliche Entwicklung dieser Länder gezwungen Geld zu drucken und sorgt damit für eine Euro-Abwertung. Bernanke verweist in seinem Blog auf eine Studie des IWF aus 2014, wonach der Euro für Deutschland eigentlich schon damals 5-15% zu niedrig war; danach folgte nochmal eine 20%ige Abwertung gegenüber dem US-Dollar. Im Klartext: Hätte Deutschland noch die D-Mark, würde sie gegenüber anderen Währungen deutlich teurer sein als der Euro, was auch deutsche Produkte im Ausland teurer machen würde – dieser Effekt würde dann auch automatisch die deutschen Exportüberschüsse „auffressen“.

3)
Bernanke beklagt die politischen Entscheidungen in Deutschland, die die inländischen Ausgaben abwürgen. Er drückt sich recht blumig aus und kommt nicht recht raus mit den Fakten, aber man kann davon ausgehen, dass er hiermit erstens den fehlenden Willen der Bundesregierung beklagt, sich stärker zu verschulden, um die Wirtschaft anzukurbeln. Und zweitens beklagt er wohl die schon lange im Ausland negativ gesehene Zurückhaltung bei Lohnerhöhungen für deutsche Arbeiter.

Hier zum Original-Blogartikel von Ben Bernanke vom Karfreitag

Der Theoretiker Bernanke

Als ehemaliger Notenbanker ist es Ben Bernanke anscheinend immer noch gewohnt in den „ganz großen“ Dimensionen der Volkswirtschaftslehre zu denken. Zinserhöhungen- bzw. Senkungen können hunderte makroökonomische Auswirkungen nach sich ziehen und hunderte ökonomische Vorkommnisse konnten ihn als alten Notenbankhasen damals verleiten Zinsen zu erhöhen oder zu senken. In diesen Kategorien scheint er immer noch zu denken. Reine Volkswirtschaftslehre, reine Theorie, ohne Praxisbezug. Er scheint zu versuchen seine globalen wirtschaftlichen Theorien, die sich an sich ganz gut anhören, auf privatwirtschaftliche Unternehmen anwenden zu wollen.

Theorie scheitert an der Praxis

Bernanke rät dazu die Staatsausgaben für Infrastrukturprojekte wie Straßen und Brücken drastisch zu erhöhen, quasi jede Menge neue Schulden zu machen – also dasselbe, was die Grünen und die Linken fordern – Staatsausgaben als dauerhaftes Konjunkturkonzept. Es ist richtig brüchige Infrastruktur durch Neue zu ersetzen, und auch in den Ausbau von DSL-Verbindungen zu investieren uvm, aber dafür dauerhaft kräftig weiter verschulden? Dadurch würde bei den Arbeitern durch neue Arbeitsplätze auch der Konsum insg. steigen. Nur einen Haken an der Sache gibt es: Wann soll bei der ganzen Schuldenmacherei jemals die Schuldenlast reduziert werden, wenn nicht jetzt? Dann wird die nächste Generation eben mit noch mehr Schulden belastet, und die belastet die folgende Generation eben mit noch mehr Schulden. Das soll offenbar das Konzept dahinter sein. So wird es ja in den USA schon seit Jahren praktiziert. Resultat: eine jedes Vorstellungsvermögen sprengende Staatsverschuldung + Gelddrucken der Fed, durch die Billionen in die Wirtschaft flossen – eigentlich müsste in den USA längst Vollbeschäftigung herrschen…

In den zu geringen Lohnerhöhungen in Deutschland sieht Ben Bernanke eines der Hauptprobleme. Durch höhere Löhne gibt es mehr Konsum im Inland, dadurch mehr Importe von z.B. Textilien und Elektronik aus Asien, der Exportüberschuss schrumpft automatisch, so die logische Theorie. Auch sollen durch die Lohnerhöhungen automatisch die Produktionskosten in der deutschen Wirtschaft steigen, wodurch die Produktivität und Wettbewerbsfähigkeit sinkt. Theoretisch schön, nur: welcher Unternehmer senkt freiwillig seine Produktivität und Wettbewerbsfähigkeit, nur um der spanischen oder US-Wirtschaft was Gutes zu tun?

Gerade angelsächsische „Ökonomen“ scheinen mit dem Wort „Tarifautonomie“ nicht viel anfangen zu können. Bernanke spricht davon in einer „Kooperation zwischen Regierung, Arbeitgebern und Gewerkschaften“ den Arbeitern höhere Gehälter zukommen zu lassen. Da sei jeden Arbeiter gegönnt, so finden wir! Aber die Realität ist: Deutsche Arbeitgeber und Gewerkschaften verhandeln ihre Löhne frei von jeglicher Beeinflussung durch die Politik. Weder SPD noch CDU haben sich bisher jemals daran gewagt ernsthaft auf die Tarifparteien einzuwirken. Theoretiker wie Ben Bernanke oder auch Paul Krugman drängen schon lange darauf, dass man in Deutschland doch endlich mal die Löhne erhöhen solle. Geht das so einfach? Es war uns gar nicht bekannt, dass die Bundesregierung der Privatwirtschaft Anweisungen zu der Höhe der Gehälter erteilen kann!

Bernanke schlägt vor, dass der deutsche Staat durch diverse Maßnahmen den Binnenkonsum ankurbelt, was zu höherem Konsum führt und dadurch zu mehr Importen. Dazu sollen z.B. gehören: Steueranreize für private Investments, Vereinfachung der Voraussetzungen zum Hausbau, Reformen in Einzelhandels- und Servicesektor, Änderung von Regularien die deutsche Banken eher dazu bringen im Inland statt im Ausland zu investieren. Diese Maßnahmen-Vorschläge als solche sind gut – aber sie nur vorzuschlagen mit dem Ziel die deutschen Exportüberschüsse zu verringern… naja, der Effekt wäre wohl kaum messbar.

Fazit

Kann man jemand anders vorwerfen zu erfolgreich zu sein? Oder noch besser gefragt: kann man sich Schuldgefühle einreden lassen, dass man zu erfolgreich ist und dass deshalb andere ein Problem haben? Natürlich ist das möglich. Aber sollte man darauf anspringen? Nein. Manche Ökonomen verbringen einfach zu viel Zeit mit Zahlen und Theorien, und wissen anscheinend gar nicht mehr, wie die Realität aussieht.

3 Kommentare

3 Comments

  1. Avatar

    Goldhase

    7. April 2015 14:25 at 14:25

    „Geht das so einfach? Es war uns gar nicht bekannt, dass die Bundesregierung der Privatwirtschaft Anweisungen zu der Höhe der Gehälter erteilen kann!“
    Gar nicht so lange her: Thema Mindestlohn. Da hat die Regierung sehr wohl ihre Finger im Spiel. Auch wenn es z.T. nur vorscheinlich einen bundesweiten Mindestlohn gibt. Es wurde dennoch den Arbeitgebern per Gesetz verordnet. Der restliche Teil Ihrer Ausführungen ist vollkommen richtig erkannt und widergegeben.Danke für Ihre Arbeit.

  2. Avatar

    Gehrmann

    7. April 2015 15:02 at 15:02

    Ich sehe nicht, dass der Staat sich verschulden muss, wenn es denn die Unternehmen täten. Tun sie aber nicht – die sind per Saldo Sparer! Warum ist das so? Nun, man hat denen von vorne und hinten die Kohle in den Hintern geblasen in der Hoffung, die würden dann mehr investieren:

    http://www.nachdenkseiten.de/?p=18433

    1999 gab es das „Bündnis für Arbeit“ im Kanzleramt, bei dem Arbeitgeber, Gewerkschaften und Politik beschlossen haben, den Produktvitätsfortschritt zukünftig für die Beschäftigung zu reservieren. Man wollte also durch Lohnzurückhaltung mehr Beschäftigung erreichen.
    Hat aber alles nicht so funktioniert, denn es hat lediglich eine Umverteilung von Arbeit statt gefunden, das Arbeitsvolumen hat sich kaum erhöht.
    Dann hat man die Gewerkschaften faktisch entmachtet, die gleiche Augenhöhe zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer abgeschafft: H4-Gesetzgebung.
    Das hat unserem Binnenmarkt schwer geschadet und nur dem Export genutzt.
    So viel zum Thema, die Politik könne sich in die Tarifautonomie nicht eimischen …
    Wenn in DE alle sparen – einschließlich der Unternehmen, wer soll sich denn dann verschulden und investieren? Wir wollen aber kein Wachstum auf Pump, oder? Tja, aber irgendwer hat sich ja verschuldet, wie sonst hätten wir einen Exportüberschuss von 220 Mrd. Euro allein in 2014 erreichen können? Es stellt sich überhaupt nicht die Frage, OB sich jemand verschuldet sondern WER und WOFÜR! Anders funktioniert das in unserem (Geld-) System nicht! Das kann man bedauern oder nicht, jedenfalls ist das so!
    Zur Zeit kann nur DE über eine Erhöhung der staatlichen Investitionen für eine Trendwende sorgen. Die Steuerung der Währungsunion muss aber hauptsächlich über eine Koordinierung der Lohnpolitik erfolgen. Das Inflationsziel der EZB von 1,9% für jedes Land der Eurozone muss eingehalten werden. Das hat man nicht gemacht – insbsondere DE ist durch die Lohnzurückhaltung weit darunter geblieben (Südeuropa hat zu viel gemacht). Stattdessen fährt man eine Politik, die die Eurozone mit absoluter Sicherheit zerbrechen lässt. Am Ende wird der Gläubiger, also WIR auf seinen Forderungen sitzen bleiben, von denen schon ca. 800 Mrd. verloren sind.
    Wenn die Eurozone zerbricht, werden wir die mit unseren Überschüssen exportierte Arbeitslosigkeit mit einem Schlag reimportieren (Neu-DM). Dann ist hier die Hölle los.

    Quelle: Heiner Flassbeck

    LG A. Gehrmann

  3. Avatar

    AngstHase

    7. April 2015 21:28 at 21:28

    Mister Bernanke geht davon aus, er bräuchte bloß wie in der FED die Druckmaschine anzustellen.
    Die BRiD ist aber nur ein Verwaltungsunternehmen von Grund, Infrastruktur und Personal als Gouvernat oder Kolonie der USA. 90% aller großen exportierenden Unternehmen sind in direktem Eigentum der Wallstreet und der square Mile.
    Es gibt also kein Eigentum, das nicht schon durch die einzige Weltmacht mit eingetragener Sicherungshypothek zu 1000% seines Ertragswertes beliehen wäre.
    Jeder Exportüberschuß hat gefälligst im „steuerfreien“ Ausland zu verbleiben, denn das Geld wird dringend im Haus mit den 5 Ecken gebraucht. Der Rückzahlwert dieses Guthabens kann nur in jeder Währung 0 heißen, deswegen müssen überhöhte Binnenmarktpreise diesen Export finanzieren.
    Hatten wir schon mal in der DDR „Am Anfang waren 100.000 Tonnen Lehm ..“

    Die Beleihung eines Grundwerts ist nur durch Eigentümer möglich, also erst nach Friedensvertrag. Dazu brauchts die Wiederherstellung des Paßrechts mit Groß- und Kleinschreibung nach römischem Recht, Einführung einer Währung mit Zentralbank im Eigentum des Steuerzahlers, sowie Berg-,Grund-,Wasser-,Gesundheits-,Renten- und Sozialrecht ohne Kommerzialisierung via TTIP.

    Mister Bernanke kann das nicht wissen, denn in USA gilt spanisches Grundrecht, es gibt keine Katasterämter wie bisher auch in Griechenland.
    Der Verlust an Kaufkraft durch überhöhte Preise und Steuern ( vgl Spitzensteuersatz auf Einkommen in Tschechien ) läßt für niemand mehr Aufnahme von Krediten zu, weil Tilgungsende ungewiss.
    Nach der Planung unserer Eigentümer-Geschäftsleitung soll die Kulturbereicherung spätestens 2018 zum General Default führen.
    Das zur Grundidee der Mongolen des 21. Jh. aus dem Stamm der Gazari, bei Verlust von Macht dem Nachbesitzer keine blühende Wiese überlassen zu wollen.

    LG. AngstHase

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Aktien

Aber CFDs sind Termingeschäfte? Verbände für steuerliche Bevorzugung von Optionsscheinen

Claudio Kummerfeld

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am

Aktives Trading mit CFDs und Optionsscheinen könnte problematisch werden

Was sind CFDs? Die „Contracts for Difference“ erlauben gehebelte Wetten auf steigende und fallende Kurse. Die CFDs können Anleger zeitlich unbefristet lange halten. Und Optionsscheine? Die haben einen fest definierten Ablaufzeitpunkt. Und wie definiert man Termingeschäfte? In Kurzform: Dies sind Börsengeschäfte, bei denen die Erfüllung des Vertrags (Abnahme und Lieferung der Ware) zu einem späteren Termin erfolgt. Also sind Optionsscheine doch Termingeschäfte, und CFDs irgendwie nicht so richtig?

Egal. Wenn der Gesetzgeber eine Feststellung trifft, dann ist das eben so – weil es nun mal der Gesetzgeber ist? So wurde vor Kurzem die seit Anfang Januar gültige Novellierung des Einkommensteuergesetzes beschlossen, wonach Verluste aus „Termingeschäften“ nur noch bis zu 20.000 Euro pro Jahr mit Gewinnen aus Termingeschäften verrechnet werden dürfen. Dadurch wird die bizarre Realität entstehen, dass Anleger Steuern auf Gewinne zahlen müssen, obwohl sie effektiv in einem Börsenjahr im Handel keinen Gewinn erzielt haben (wir berichteten schon mehrmals). Danke Olaf Scholz, darf man da schon mal im Voraus sagen.

Klar zu sein scheint, dass die CFDs in die Kategorie der Termingeschäfte fallen im Sinne dieser Novelle des Einkommenssteuergesetzes – wohl ganz einfach, weil der Gesetzgeber es so will. Aber auch Optionsscheine, die per Definition doch viel eher Termingeschäfte sind? Wie man derzeit munkelt, wird das Bundesfinanzministerium noch eine Klarstellung für die ausführenden Steuerbehörden veröffentlichen, aus welcher hervorgehen könnte, dass auch Optionsscheine als Termingeschäfte zu betrachten wären. Das würde den Kreis der betroffenen Anleger deutlich erweitern.

Lobbyarbeit für Optionsscheine – von CFDs ist keine Rede

Aber halt. CFDs werden fast komplett von angelsächsischen und Offshore-Anbietern angeboten. Optionsscheine sind die Kinder der deutschen Bankenbranche. Und drei Mal darf man raten, wer den besseren Draht zu BaFin, Bundesfinanzministerium, Staatssekretären etc haben könnte? Diese Woche sieht man vom Deutschen Derivate-Verband, der Börse Stuttgart und der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) einen offiziellen Appell an das Bundesfinanzministerium (siehe hier), worin man eindringlich dazu auffordert Optionsscheine bezüglich dieser Neuregelung nicht als Termingeschäfte einzustufen. Man möchte also erreichen, dass Anleger auch weiterhin unbegrenzt Verluste aus Optionsscheinen mit Gewinnen aus Optionsscheinen verrechnen dürfen.

Gibt der Gesetzgeber dem nach, wäre dies ein glasklarer Vorteil für die Anbieter von Optionsscheinen, und ein riesiger Nachteil für die ausländischen CFD-Anbieter. Und wer ist denn Mitglied im Deutschen Derivate-Verband? Eben nicht die CFD-Anbieter, sondern so ziemlich alle deutschen Anbieter von Zertifikaten und Optionsscheinen, wie Deutsche Bank, Deka, Hypo, LBBW, DZ, Baader usw. Für CFDs bitten sie nicht um eine Ausnahme, sondern nur für Optionsscheine. Und die DSW? Hat sie die CFDs schon aufgegeben, und hofft nun noch darauf, wenigstens noch die Optionsscheine vor diesem Steuerirrsinn retten zu können? Aus dem Appell zitieren wir hier auszugsweise im Wortlaut:

Der Deutsche Derivate Verband (DDV), die Börse Stuttgart und die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) appellieren an das Bundesfinanzministerium, die Linie aus dem Juni 2020 beizubehalten und Optionsscheine nicht als Termingeschäfte einzuordnen. Im Entwurf des Anwendungsschreibens des BMF vom Juni 2020 wurden Optionsscheine nicht als Termingeschäfte klassifiziert und damit eine klare, angemessene Abgrenzung erreicht. Damit wird vermieden, dass Anleger in der Depotgestaltung beeinträchtigt werden und zudem aufwendige individuelle Veranlagungen vornehmen müssen. Anderenfalls drohen schwere steuerliche Nachteile, nachträgliche Steuerzahlungen und Unsicherheiten für hunderttausende von Anlegern. Für Termingeschäfte sieht das Jahressteuergesetz, das seit Jahresbeginn gilt, eine begrenzte Verlustverrechnungsmöglichkeit nur mit anderen Termingeschäften und Erträgen aus Stillhaltegeschäften vor.

Marc Tüngler, DSW-Hauptgeschäftsführer: „Die steuerliche Neuregelung der Verlustverrechnung ist ein weiterer herber Schlag für Privatanleger und führt zu massiven Verunsicherungen. Vom Grundsatz her halten wir die Regelung insgesamt für verfassungswidrig. Der Entwurf des BMF-Schreibens war immerhin ein fairer Vorschlag, wie die Anwendung zumindest in Bezug auf Optionsscheine zu regeln ist, und würde betroffenen Anlegern eine Perspektive geben. Wenn das BMF jetzt von diesem ursprünglichen Entwurf abweicht, weckt das Unverständnis und offenbart einmal mehr die feindliche Gesinnung gegenüber Privatanlegern.“

Würden Optionsscheine jetzt durch das Anwendungsschreiben des BMF den Termingeschäften zugerechnet, wird die neugeschaffene Unwucht im Steuerrecht weiter dramatisch verschärft.

Es gibt gute sachliche Argumente dafür, warum Optionsscheine steuerlich als sonstige Finanzinstrumente und nicht als Termingeschäfte zu klassifizieren sind. Die Klassifizierung sollte anhand der Erfüllungsweise von Optionsgeschäften vorgenommen werden. Diese ist bei Optionsscheinen „Zug-um-Zug“, sie sind daher bei der steuerlichen Behandlung den Kassageschäften zuzurechnen, und nicht den Termingeschäften. Diese Einschätzung wird auch von Wissenschaftlern geteilt.

Eine Studie der WHU aus dem vergangenen Jahr zeigt, dass hunderttausende von Privatanlegern von einer solchen Klassifizierung betroffen wären. Zudem stellt die Studie der WHU fest, dass 68,8 Prozent der Nutzer von Hebelprodukten wie Optionsscheinen diese zur Absicherung einsetzen. Die Beschränkung der Verlustverrechnung erschwert es Anlegern von dieser Möglichkeit Gebrauch zu machen.

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Ölpreis: Aufwärtstrend geht weiter? Was macht Biden? API-Daten lassen aufhorchen

Claudio Kummerfeld

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Eine Öl-Pumpe in der Wüste

Der Ölpreis war seit dem 5. Januar im Aufwärtstrend. Nach einer Mini-Pause ging es Anfang dieser Woche weiter nach oben, von unter 48 Dollar im WTI-Öl am 5. Januar bis auf derzeit knapp unter 53 Dollar. Zahlreiche Gründe für die jüngst gestiegenen Preise und womöglich auch weiter anziehenden Preise hatten wir die letzten Tage genannt.

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Positiv für den Ölpreis zu werten waren die inzwischen seit fünf Wochen fallenden Lagerbestände für Öl in den USA, die großen Stimulus-Hoffnungen an den neuen US-Präsidenten, und vor allem die zusätzlichen freiwilligen Kürzungen der Öl-Fördermenge durch Saudi-Arabien (minus 1 Million Barrels pro Tag für Februar und März).

Gestern Abend wurden die privat ermittelten API-Lagerbestände für Öl veröffentlicht mit einer Wochenveränderung von +2,6 Millionen Barrels. Die API-Daten gelten stets als Vorschau auf die am folgenden Tag vermeldeten offiziellen Lagerdaten. Diese Woche verschieben sich viele Konjunkturdaten in den USA um einen Tag nach hinten, weil am Montag Feiertag war. Die offiziellen Lagerdaten aber verschieben sich aufgrund der gestrigen Amtseinführung von Joe Biden um noch einen weiteren Tag nach hinten auf Freitag Nachmittag. Bis dahin könnte der Ölpreis also zittrig bleiben, in der Vorschau auf möglicherweise steigende Lagerbestände in den USA.

Was bringt Joe Biden für den Ölpreis?

Positiv für die Öl-Bullen ist zu werten, dass Joe Biden gestern im Rahmen diverser präsidialer Dekrete die Keystone XL Pipeline gestoppt hat, deren Bau in den USA noch nicht begonnen hat. Damit wird zukünftig nicht noch mehr Öl aus Kanada in Texas ankommen. Grundsätzlich ist dies vorsichtig positiv für den Ölpreis zu werten, da die Angebotsmenge geringer ausfallen dürfte. Aber na ja… werden die Kanadier ihr Öl dann nicht anderweitig auf dem Weltmarkt anbieten?

Also, bringt Joe Biden tendenziell für die nächsten Jahre dank dem Pipeline-Stop und sicherlich diversen schärferen Umweltgesetzen die Öl-Förderung in den USA zu einem Wachstumsstop, oder sogar zu einer Schrumpfung? Das wäre gut für alle Trader, die einen höheren Ölpreis sehen wollen. Aber da gibt es noch die andere Seite der Medaille. Man darf annehmen, dass sich die Beziehung zwischen den USA und dem Iran unter dem neuen US-Präsidenten entspannt. Sollten die US-Sanktionen gelockert werden, dürfte der Iran wohl zügig mehr Öl fördern und auf dem Weltmarkt verkaufen. Denn das Land braucht wohl jeden Petro-Dollar. Dies wäre folglich schlecht für den Ölpreis. Also ist es nicht so einfach zu beantworten, ob Joe Biden nun gut oder schlecht für einen potenziell weiter steigenden Ölpreis zu betrachten ist. Schaut man auf den Chart 30 Tage zurück, dann ist der Ölmarkt noch im Aufwärtstrend. Die Grundstimmung ist vor allem wegen dem möglichen anstehenden Mega-Stimulus in den USA positiv.

Chart zeigt Kursverlauf im Ölpreis in den letzten 30 Tagen
Chart zeigt Ölpreis-Verlauf in den letzten 30 Tagen.

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Christine Lagarde: Headlines der PK der EZB: entscheidende Fragen unbeantwortet

Markus Fugmann

Veröffentlicht

am

Hier die wichtigsten Aussagen von Christine Lagarde auf der heutigen Pressekonferenz der EZB – im offiziellen Statement bislang wenig Neues:

– Lagarde beginnt mit warmen Wünschen für 2021

– Impfungen wichtiger Meilentstein

– Industrie weiter robust, Dienstleistung weiter schwach, wenngleich weniger schwach als in der ersten Corona-Welle

– Inflation bleibt niedrig

– Kurzfristig überwiegen die Risiken

– Wirtschaft der Eurozone dürfte auch im 4.Quartal geschrumpft sein

– Pandemie wird auch 1.Quartal 2021 belasten

– es wird trotz Impfungen noch dauern, bis Herdenimmunität erreicht ist

– Impfungen und Brexit-Deal sind ermutigend, aber übergeordnet bleiben die Risiken bestehen

– Headline-Inflation dürfte bald ansteigen, auch wegen deutscher Wieder-Anhebung der Mehrwertsteuer

– Inflation dürfte mittelfristig anziehen, Inflationserwartungen sind gestiegen

– Kreditvergabe: Banken etwas vorsichtiger geworden

– Europäische Länder sollen schnell beschlossene EU-Hilfsmaßnahmen in ihren Parlamenten beschließen, um Erholung anzuschieben

– Lagarde „hat fertig“, jetzt Fragen

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– Lagarde: positiv sind Impfungen, dass der Brexit-Dealk zustande gekommen ist, dazu bessere Aussichten auf Kooperation mit der neuen US-Regierung

– schärfere Lockdowns wegen Mutationen durchaus möglich

– Frage nach Zombiefirmen: bislang weicht Lagarde einer Antwort aus – da redet sie minutenlang herum, aber die Frage zielte letztlich auf die negativen Konsequenzen der EZB-Politik, und das ließ sie (wieder einmal!) unbeantwortet!

– Frage nach (unausgesprochener) yield curve control der EZB (Berichte darüber, dass EZB versucht, die Renditen für Anleihen vor allem italienischer Anleohen nicht zu stark gegenüber deutschen Anleihen als Benchmark steigen zu lassen:: wieder keine konkrete Antwort von Lagarde!

– Frage nach digitalem Euro: was soll der für die Menschen bringen? Lagarde: ein digitaler Euro würde das Bargeld nicht ersetzen (FMW: echt??)
Lagarde: wir wollen in Sachen Digitaleuro sehr transparent sein (FMW: wohl eher pseudo-transparent..)
Lagarde:Einführung des digitalen Euros würde noch Jahre dauern; viele Fragen darüber noch offen und schwierig, wenn er käme, wäre er für alle gut, nicht nur für Elite

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