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Ben Bernanke´s Osterbotschaft an Deutschland

Redaktion

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Von Claudio Kummerfeld

Wie wir vor Kurzem berichteten, ist der ehemalige Chef der US-Notenbank „Federal Reserve“ Ben Bernanke unter die Blogger gegangen (endlich!??). Selbst am geheiligten Karfreitag, der sogar in den USA ein Feiertag ist, lies Bernanke es sich nicht nehmen in seiner neuen Funktion sozusagen eine „Osterbotschaft“ zu schreiben, gerichtet an das böse Deutschland, das wohl nicht anders kann als andere Länder mit zu viel Exporten zu unterjochen.

Ben Bernanke
Ben Bernanke, bis 2014 Chef der US-Notenbank „Federal Reserve“
Foto: Federal Reserve

Bernanke´s Thesen

In der Tat produziert Deutschland seit Jahren enorme Exportüberschüsse, während die meisten Euro-Länder wie auch die USA dauerhaft Defizite produzieren, d.h. sie importieren mehr als sie exportieren. Diese „zu vielen“ Importe muss die Volkswirtschaft als Ganzes über Schulden finanzieren. Deutschland mit seinen „zu vielen“ Exporten muss als Volkswirtschaft letztlich zusehen, wo es das viele überschüssige Geld anlegt. Ben Bernanke nennt drei (wie wir finden richtige) Gründe für den enormen deutschen Exportüberschuss. Wir haben sie hier in unseren eigenen Worten ausgedrückt und zusammengefasst.

1)
Deutschland produziert gute Produkte, die im Ausland nachgefragt werden. Punkt.

2)
Der schwache Euro beschert deutschen Unternehmen eine nie da gewesene Produktivität, die man so mit der D-Mark nicht haben könnte. Die „schwachen“ Euro-Länder wie Frankreich, Italien, Griechenland, Portugal usw ziehen den Euro nach unten – die EZB sieht sich durch die schlechte wirtschaftliche Entwicklung dieser Länder gezwungen Geld zu drucken und sorgt damit für eine Euro-Abwertung. Bernanke verweist in seinem Blog auf eine Studie des IWF aus 2014, wonach der Euro für Deutschland eigentlich schon damals 5-15% zu niedrig war; danach folgte nochmal eine 20%ige Abwertung gegenüber dem US-Dollar. Im Klartext: Hätte Deutschland noch die D-Mark, würde sie gegenüber anderen Währungen deutlich teurer sein als der Euro, was auch deutsche Produkte im Ausland teurer machen würde – dieser Effekt würde dann auch automatisch die deutschen Exportüberschüsse „auffressen“.

3)
Bernanke beklagt die politischen Entscheidungen in Deutschland, die die inländischen Ausgaben abwürgen. Er drückt sich recht blumig aus und kommt nicht recht raus mit den Fakten, aber man kann davon ausgehen, dass er hiermit erstens den fehlenden Willen der Bundesregierung beklagt, sich stärker zu verschulden, um die Wirtschaft anzukurbeln. Und zweitens beklagt er wohl die schon lange im Ausland negativ gesehene Zurückhaltung bei Lohnerhöhungen für deutsche Arbeiter.

Hier zum Original-Blogartikel von Ben Bernanke vom Karfreitag

Der Theoretiker Bernanke

Als ehemaliger Notenbanker ist es Ben Bernanke anscheinend immer noch gewohnt in den „ganz großen“ Dimensionen der Volkswirtschaftslehre zu denken. Zinserhöhungen- bzw. Senkungen können hunderte makroökonomische Auswirkungen nach sich ziehen und hunderte ökonomische Vorkommnisse konnten ihn als alten Notenbankhasen damals verleiten Zinsen zu erhöhen oder zu senken. In diesen Kategorien scheint er immer noch zu denken. Reine Volkswirtschaftslehre, reine Theorie, ohne Praxisbezug. Er scheint zu versuchen seine globalen wirtschaftlichen Theorien, die sich an sich ganz gut anhören, auf privatwirtschaftliche Unternehmen anwenden zu wollen.

Theorie scheitert an der Praxis

Bernanke rät dazu die Staatsausgaben für Infrastrukturprojekte wie Straßen und Brücken drastisch zu erhöhen, quasi jede Menge neue Schulden zu machen – also dasselbe, was die Grünen und die Linken fordern – Staatsausgaben als dauerhaftes Konjunkturkonzept. Es ist richtig brüchige Infrastruktur durch Neue zu ersetzen, und auch in den Ausbau von DSL-Verbindungen zu investieren uvm, aber dafür dauerhaft kräftig weiter verschulden? Dadurch würde bei den Arbeitern durch neue Arbeitsplätze auch der Konsum insg. steigen. Nur einen Haken an der Sache gibt es: Wann soll bei der ganzen Schuldenmacherei jemals die Schuldenlast reduziert werden, wenn nicht jetzt? Dann wird die nächste Generation eben mit noch mehr Schulden belastet, und die belastet die folgende Generation eben mit noch mehr Schulden. Das soll offenbar das Konzept dahinter sein. So wird es ja in den USA schon seit Jahren praktiziert. Resultat: eine jedes Vorstellungsvermögen sprengende Staatsverschuldung + Gelddrucken der Fed, durch die Billionen in die Wirtschaft flossen – eigentlich müsste in den USA längst Vollbeschäftigung herrschen…

In den zu geringen Lohnerhöhungen in Deutschland sieht Ben Bernanke eines der Hauptprobleme. Durch höhere Löhne gibt es mehr Konsum im Inland, dadurch mehr Importe von z.B. Textilien und Elektronik aus Asien, der Exportüberschuss schrumpft automatisch, so die logische Theorie. Auch sollen durch die Lohnerhöhungen automatisch die Produktionskosten in der deutschen Wirtschaft steigen, wodurch die Produktivität und Wettbewerbsfähigkeit sinkt. Theoretisch schön, nur: welcher Unternehmer senkt freiwillig seine Produktivität und Wettbewerbsfähigkeit, nur um der spanischen oder US-Wirtschaft was Gutes zu tun?

Gerade angelsächsische „Ökonomen“ scheinen mit dem Wort „Tarifautonomie“ nicht viel anfangen zu können. Bernanke spricht davon in einer „Kooperation zwischen Regierung, Arbeitgebern und Gewerkschaften“ den Arbeitern höhere Gehälter zukommen zu lassen. Da sei jeden Arbeiter gegönnt, so finden wir! Aber die Realität ist: Deutsche Arbeitgeber und Gewerkschaften verhandeln ihre Löhne frei von jeglicher Beeinflussung durch die Politik. Weder SPD noch CDU haben sich bisher jemals daran gewagt ernsthaft auf die Tarifparteien einzuwirken. Theoretiker wie Ben Bernanke oder auch Paul Krugman drängen schon lange darauf, dass man in Deutschland doch endlich mal die Löhne erhöhen solle. Geht das so einfach? Es war uns gar nicht bekannt, dass die Bundesregierung der Privatwirtschaft Anweisungen zu der Höhe der Gehälter erteilen kann!

Bernanke schlägt vor, dass der deutsche Staat durch diverse Maßnahmen den Binnenkonsum ankurbelt, was zu höherem Konsum führt und dadurch zu mehr Importen. Dazu sollen z.B. gehören: Steueranreize für private Investments, Vereinfachung der Voraussetzungen zum Hausbau, Reformen in Einzelhandels- und Servicesektor, Änderung von Regularien die deutsche Banken eher dazu bringen im Inland statt im Ausland zu investieren. Diese Maßnahmen-Vorschläge als solche sind gut – aber sie nur vorzuschlagen mit dem Ziel die deutschen Exportüberschüsse zu verringern… naja, der Effekt wäre wohl kaum messbar.

Fazit

Kann man jemand anders vorwerfen zu erfolgreich zu sein? Oder noch besser gefragt: kann man sich Schuldgefühle einreden lassen, dass man zu erfolgreich ist und dass deshalb andere ein Problem haben? Natürlich ist das möglich. Aber sollte man darauf anspringen? Nein. Manche Ökonomen verbringen einfach zu viel Zeit mit Zahlen und Theorien, und wissen anscheinend gar nicht mehr, wie die Realität aussieht.

3 Kommentare

3 Comments

  1. Avatar

    Goldhase

    7. April 2015 14:25 at 14:25

    „Geht das so einfach? Es war uns gar nicht bekannt, dass die Bundesregierung der Privatwirtschaft Anweisungen zu der Höhe der Gehälter erteilen kann!“
    Gar nicht so lange her: Thema Mindestlohn. Da hat die Regierung sehr wohl ihre Finger im Spiel. Auch wenn es z.T. nur vorscheinlich einen bundesweiten Mindestlohn gibt. Es wurde dennoch den Arbeitgebern per Gesetz verordnet. Der restliche Teil Ihrer Ausführungen ist vollkommen richtig erkannt und widergegeben.Danke für Ihre Arbeit.

  2. Avatar

    Gehrmann

    7. April 2015 15:02 at 15:02

    Ich sehe nicht, dass der Staat sich verschulden muss, wenn es denn die Unternehmen täten. Tun sie aber nicht – die sind per Saldo Sparer! Warum ist das so? Nun, man hat denen von vorne und hinten die Kohle in den Hintern geblasen in der Hoffung, die würden dann mehr investieren:

    http://www.nachdenkseiten.de/?p=18433

    1999 gab es das „Bündnis für Arbeit“ im Kanzleramt, bei dem Arbeitgeber, Gewerkschaften und Politik beschlossen haben, den Produktvitätsfortschritt zukünftig für die Beschäftigung zu reservieren. Man wollte also durch Lohnzurückhaltung mehr Beschäftigung erreichen.
    Hat aber alles nicht so funktioniert, denn es hat lediglich eine Umverteilung von Arbeit statt gefunden, das Arbeitsvolumen hat sich kaum erhöht.
    Dann hat man die Gewerkschaften faktisch entmachtet, die gleiche Augenhöhe zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer abgeschafft: H4-Gesetzgebung.
    Das hat unserem Binnenmarkt schwer geschadet und nur dem Export genutzt.
    So viel zum Thema, die Politik könne sich in die Tarifautonomie nicht eimischen …
    Wenn in DE alle sparen – einschließlich der Unternehmen, wer soll sich denn dann verschulden und investieren? Wir wollen aber kein Wachstum auf Pump, oder? Tja, aber irgendwer hat sich ja verschuldet, wie sonst hätten wir einen Exportüberschuss von 220 Mrd. Euro allein in 2014 erreichen können? Es stellt sich überhaupt nicht die Frage, OB sich jemand verschuldet sondern WER und WOFÜR! Anders funktioniert das in unserem (Geld-) System nicht! Das kann man bedauern oder nicht, jedenfalls ist das so!
    Zur Zeit kann nur DE über eine Erhöhung der staatlichen Investitionen für eine Trendwende sorgen. Die Steuerung der Währungsunion muss aber hauptsächlich über eine Koordinierung der Lohnpolitik erfolgen. Das Inflationsziel der EZB von 1,9% für jedes Land der Eurozone muss eingehalten werden. Das hat man nicht gemacht – insbsondere DE ist durch die Lohnzurückhaltung weit darunter geblieben (Südeuropa hat zu viel gemacht). Stattdessen fährt man eine Politik, die die Eurozone mit absoluter Sicherheit zerbrechen lässt. Am Ende wird der Gläubiger, also WIR auf seinen Forderungen sitzen bleiben, von denen schon ca. 800 Mrd. verloren sind.
    Wenn die Eurozone zerbricht, werden wir die mit unseren Überschüssen exportierte Arbeitslosigkeit mit einem Schlag reimportieren (Neu-DM). Dann ist hier die Hölle los.

    Quelle: Heiner Flassbeck

    LG A. Gehrmann

  3. Avatar

    AngstHase

    7. April 2015 21:28 at 21:28

    Mister Bernanke geht davon aus, er bräuchte bloß wie in der FED die Druckmaschine anzustellen.
    Die BRiD ist aber nur ein Verwaltungsunternehmen von Grund, Infrastruktur und Personal als Gouvernat oder Kolonie der USA. 90% aller großen exportierenden Unternehmen sind in direktem Eigentum der Wallstreet und der square Mile.
    Es gibt also kein Eigentum, das nicht schon durch die einzige Weltmacht mit eingetragener Sicherungshypothek zu 1000% seines Ertragswertes beliehen wäre.
    Jeder Exportüberschuß hat gefälligst im „steuerfreien“ Ausland zu verbleiben, denn das Geld wird dringend im Haus mit den 5 Ecken gebraucht. Der Rückzahlwert dieses Guthabens kann nur in jeder Währung 0 heißen, deswegen müssen überhöhte Binnenmarktpreise diesen Export finanzieren.
    Hatten wir schon mal in der DDR „Am Anfang waren 100.000 Tonnen Lehm ..“

    Die Beleihung eines Grundwerts ist nur durch Eigentümer möglich, also erst nach Friedensvertrag. Dazu brauchts die Wiederherstellung des Paßrechts mit Groß- und Kleinschreibung nach römischem Recht, Einführung einer Währung mit Zentralbank im Eigentum des Steuerzahlers, sowie Berg-,Grund-,Wasser-,Gesundheits-,Renten- und Sozialrecht ohne Kommerzialisierung via TTIP.

    Mister Bernanke kann das nicht wissen, denn in USA gilt spanisches Grundrecht, es gibt keine Katasterämter wie bisher auch in Griechenland.
    Der Verlust an Kaufkraft durch überhöhte Preise und Steuern ( vgl Spitzensteuersatz auf Einkommen in Tschechien ) läßt für niemand mehr Aufnahme von Krediten zu, weil Tilgungsende ungewiss.
    Nach der Planung unserer Eigentümer-Geschäftsleitung soll die Kulturbereicherung spätestens 2018 zum General Default führen.
    Das zur Grundidee der Mongolen des 21. Jh. aus dem Stamm der Gazari, bei Verlust von Macht dem Nachbesitzer keine blühende Wiese überlassen zu wollen.

    LG. AngstHase

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Sparquote explodiert – der deutsche Michel sorgt in der Krise vor!

Claudio Kummerfeld

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Stapel an Geldmünzen als Symbol für höhere Sparquote

Zur Sparquote kommen wir gleich noch. Aber erstmal eine Frage für Sie: Was macht man in Krisenzeiten, wenn extrem viel Unsicherheit herrscht? Das Konsumverhalten hat sich schon nachweislich geändert. Die Deutschen geben weniger für Bekleidung aus, dafür mehr für die Einrichtung ihrer vier Wände, was aktuelle Daten belegen. Aber wenn man nicht gerade arbeitslos geworden ist, und nun dank entfallender Events, Restaurantbesuche und Urlaubsbuchungen viel Geld übrig hat, was macht man? Während die Amerikaner wie die Geisteskranken seit Monaten ihr Geld in die Börse pumpen, macht der deutsche Michel was?

Ja, Sie haben richtig geraten. Der deutsche Michel pumpt sein Geld aufs Sparbuch – offensichtlich ist es egal, dass man real sogar Geld verliert. Gut, seit drei Monaten schwankt die Inflation in Deutschland an der Null-Linie und ist derzeit sogar negativ. Aber seit Jahren verzeichnen die Sparer bei Nullzinsen nach Abzug der Inflation reale Wertverluste. Nimmt man an, dass die Inflation wieder über die Null-Linie steigt, geht dieser Trend so weiter. Aber wie wir es schon mehrmals die letzten Jahre thematisiert hatten – was der Sparer am Zins verliert, gleicht er ganz einfach aus, in dem er Monat für Monat einfach mehr Geld zurücklegt!

Sparquote in Deutschland explodiert

Dieses Verhalten untermauert eine heute veröffentlichte Studie des Bundesverbands der deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken (BVR). Die Sparquote, also der Anteil vom verfügbaren Einkommen der Bürger, der auf die hohe Kante gelegt wird, lag von 2015-2019 immer im Bereich zwischen 10,1 und 10,8 Prozent. Jetzt soll dieser Anteil (die Sparquote) in 2020 aber laut BVR auf 15 Prozent hochspringen! Was sich auf das gesamte Einkommen bezogen nicht nach viel anhört, ist aber mal eben ein Plus von grob gesagt 50 Prozent in der Sparquote bei den privaten Haushalten.

Laut dem Bankenverband sei dieser massive Anstieg des Sparens ist ein Corona-Sondereffekt. Ausgefallene Urlaubsreisen und verschobene Autokäufe würden nur allmählich nachgeholt. Auch in 2021 dürfte die Sparquote noch erhöht bleiben und erst danach wieder auf rund 11 Prozent zurückgehen, so der BVR. Und der Verband bestätigt unsere These, dass die Menschen bei ausbleibenden Zinsen einfach mehr Geld auf die Hohe Kante packen, als Ausgleich. Zitat BVR:

Die Sparquote sei in Deutschland im internationalen Vergleich in den vergangenen Jahren vergleichsweise hoch und stabil geblieben, so der BVR. Martin: „Die Sparkultur ist in Deutschland fest verankert.“ Die historisch niedrigen Zinsen senkten die Sparanreize, erhöhten aber wegen des fehlenden Zinseszinseffekts das für ein Vorsorgeziel nötige Sparvolumen. Ein nachlassendes Sparen war in den vergangenen Jahren allerdings bei Sparern mit niedrigen Einkommen festzustellen.

Der deutsche Michel bleibt Sparbuch-Liebhaber, und kann mit der Börse nach wie vor kaum etwas anfangen. Dies kann man aus den folgenden Aussagen des BVR herauslesen:

Die Deutschen seien bei der Geldanlage weiterhin risikoscheu. Dies zeigten die vorliegenden Zahlen zur Geldvermögensbildung der Bundesbank. Im Zeitraum vom zweiten Quartal 2019 bis zum ersten Quartal 2020 hätten die privaten Haushalte 282 Milliarden Euro neues Geldvermögen gebildet. Dieser Betrag ergebe sich im Wesentlichen aus dem Sparen zuzüglich der Netto-Kreditaufnahme und abzüglich der Sachinvestitionen, hauptsächlich in Form des Wohnungsbaus. Mit 49 Prozent sei fast die Hälfte der Geldvermögensbildung in Form von Bargeld und Bankeinlagen geflossen, sehr hoch liege mit 28 Prozent auch der Anteil des Versicherungssparens.

Der Anteil des Wertpapiersparens, wozu neben Investmentfonds, Aktien und an anderen Anteilsrechten auch Schuldverschreibungen zählen, habe bei 23 Prozent gelegen. Wertpapiere hätten als Anlageform zuletzt etwas an Bedeutung gewonnen, im internationalen Vergleich sei ihr Anteil aber ausbaufähig. Beispielsweise liege der Anteil der Wertpapieranlage in Schweden und Finnland bei rund 50 Prozent. Martin: „Mit einer stärkeren Geldanlage in Investmentfonds und Aktien können Sparer höhere Renditechancen bei überschaubaren Risiken erreichen, wenn grundlegende Anlageprinzipien eingehalten werden.“ Hierzu zählt eine breite Streuung der Investments, wie sie über Investmentfonds erreicht werden kann, eine langfristige Anlageperspektive und ausreichende Liquiditätspolster für den Fall unvorhergesehener Ausgabenotwendigkeiten.

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Einzelhandelsumsätze: Krise vorbei – nur Bekleidungsgeschäfte haben ein Problem

Claudio Kummerfeld

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Frau mit Einkaufstaschen

Erst vorgestern berichteten wir über das veränderte Konsumverhalten der Deutschen im Zuge der Coronakrise. Die Menschen würden den Rotstift zuerst bei Urlaub, Bekleidung oder Schmuck ansetzen. Und diese Erkenntnis, gewonnen aus Umfragedaten von Creditreform, erkennt man auch in den heute veröffentlichten Einzelhandelsumsätzen vom Statistischen Bundesamt für den Monat August. Noch nicht wieder auf dem Vorjahresniveau sind demnach nämlich die Einzelhandelsumsätze in den Bereichen Textilien, Bekleidung, Schuhe, Lederwaren, sowie der Einzelhandel mit Waren verschiedener Art (zum Beispiel Waren- und Kaufhäuser) mit real -10,1 % und -2,5 % gegenüber dem Vorjahresmonat.

Aber abgesehen davon sind die gesamten Einzelhandelsumsätze im Vergleich zu Februar und auch im Jahresvergleich zu August 2019 inzwischen wieder höher! Damit kann man also sagen: Die Menschen konsumieren wieder mehr als vor der Krise, von daher ist die Konsum-Angst offenbar verflogen – nur das Konsumverhalten hat sich verschoben, zum Beispiel von Bekleidung hin zu Wohnungseinrichtung. Deutlich zugenommen hat auch der Handel mit Einrichtungsgegenständen, Haushaltsgeräten und Baubedarf mit einem realen Plus von 8,1 Prozent.

Die gesamten Einzelhandelsumsätze sind im August im Jahresvergleich um 3,7 Prozent gestiegen (der August 2019 hatte sogar einen Verkaufstag mehr), und im Monatsvergleich um 3,1 Prozent. Hier weitere Details der Statistiker im Wortlaut:

Der Einzelhandel mit Lebensmitteln, Getränken und Tabakwaren setzte im August 2020 real 2,6 % und nominal 5,4 % mehr um als im August 2019. Dabei lag der Umsatz bei den Supermärkten, SB-Warenhäusern und Verbrauchermärkten real 2,9 % und nominal 5,6 % über dem des Vorjahresmonats. Der Facheinzelhandel mit Lebensmitteln (wie zum Beispiel der Facheinzelhandel mit Obst und Gemüse, Fleisch, Backwaren oder Getränken) setzte im entsprechenden Vergleich real 0,3 % und nominal 3,7 % mehr um. Im Einzelhandel mit Nicht-Lebensmitteln stiegen die Umsätze im August 2020 im Vergleich zum Vorjahresmonat real um 4,5 % und nominal um 5,4 %. Das größte Umsatzplus zum Vorjahresmonat mit real 23,0 % und nominal 24,4 % erzielte der Internet- und Versandhandel.

Grafik zeigt Details der Einzelhandelsumsätze im August

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Das ist die erfolgreichste deutsche Anlegerin – Werbung

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Lieber Börsianer,

vorgestern ist Beate Sander mit 82 Jahren einem Krebsleiden erlegen. Hierzulande wurde sie bekannt als die „Börsen-Oma“, die in den 90er-Jahren völlig unbeleckt an die Börse startete und aus 60.000 DM weit über 2 Millionen Euro machte. Sie gilt zu Recht als die erfolgreichste Privatanlegerin Deutschlands.

Dabei war ihr der Börsenerfolg definitiv nicht in die Wiege gelegt. Sie wuchs in Rostock auf und hat im Arbeiter- und Bauernstaat sicherlich nicht viel über den freien Markt gelernt. Als Jugendliche kam sie nach Süddeutschland und schlug dort eine Laufbahn als Realschullehrerin ein.

Im Alter von 60 Jahren hat sie dann ihrem Leben eine Wende gegeben und wurde Börsianerin, ohne dabei ihre Aufgaben als Pädagogin zu vernachlässigen. Ich wiederhole mich, ihrem Sohn hinterlässt sie nun ein Depotvermögen von weit über 2 Millionen Euro. Daneben setzte sie sich erfolgreich für die Aktienkultur in Deutschland ein, schrieb einige Börsenratgeber und verfasste regelmäßig Börsen-Kolumnen etwa in der Bild-Zeitung.

Ihre Erfolgsformel: Kaufen, wenn die Welt vermeintlich untergeht

Was war ihr Erfolgsrezept? Frau Sander pflegte einen offensiven Anlagestil und war in besonderem Maße an Technologie und Innovation interessiert. Gewissermaßen war das Silicon Valley ihre zweite Heimat. Daneben zeichnete sie sich durch einen streng antizyklischen Ansatz aus. So nutzte sie die Finanzkrise bzw. den Börsen-Crash von 2008, um ihr Depot nochmals auszubauen. Sie hat damals, als viele Anleger…..

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