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Benzinpreis: Das Aufregerthema – besonders in Deutschland

Benzinpreis steigt

Der Benzinpreis ist besonders in Deutschland ein sehr emotionales Thema!

Er hatte sich lange nicht mehr richtig gelohnt – der Tanktourismus zu den deutschen Nachbarländern Österreich und Tschechien, der vor einem Jahrzehnt am Beispiel unseres südlichen Nachbarn bis zu 25 Prozent Umsatz an den Tankstellen ausmachte. Zu Hoch-Zeiten von Corona war der Dieselpreis in Deutschland deutlich unter ein Euro gefallen, jetzt lag man bei 1,55 Euro im Schnitt, noch ganz anders die Preisschilder für Superbenzin an den Autobahnen. Der Tanktourismus hat wieder voll eingesetzt, wie viele Fernsehberichte live dokumentieren. Schon in zehn Wochen kommt der nächste administrierte Kostenschub beim Benzinpreis, unabhängig von der Ölpreisentwicklung. Die Politik wird sich etwas einfallen lassen (müssen?).

Benzinpreis: Die gestiegenen Kosten für Energie und die ersten Folgen

Sieben bis acht Cent pro Liter hatte der Benzinpreis laut Angaben des ADAC durch die Erhöhung der CO2-Abgabe zu Jahresbeginn zugelegt. Dann kam ziemlich überraschend der exorbitante Anstieg der Ölpreise, der sich aufgrund der Steuerbelastung in Deutschland auf extreme Weise ausgewirkt hat. Und das nicht nur beim Auto, sondern auch bei den Kosten für die Heizung, kurz vor dem Winter.

Etwa 4,7 Millionen Ölheizungen, 7 Millionen Gasheizungen (mit Zig-Millionen betroffenen Menschen) und rund 47 Millionen Pkw mit Verbrennungsmotor gibt es hierzulande, die Preissteigerungen belasten die Haushaltsbudgets, was man insbesondere bei Familien mit Durchschnittseinkommen oder auch darunter besonders spürt. Eine Forsa-Umfrage brachte in diesen Tagen ein wenig überraschendes Ergebnis:

  • 23 Prozent der Deutschen gaben an, sich bei steigenden Energiepreisen bei anderen Ausgaben stark einschränken zu müssen, 44 Prozent in gemäßigter Weise und 31 Prozent gar nicht.
  • Natürlich hängt dies in erster Linie mit dem verfügbaren Einkommen zusammen, bei einem Haushaltseinkommen von unter 1500 EUR sprachen 42 Prozent von sehr starken Einschränkungen, zwischen 1500 und 3000 Euro müsste sich etwa ein Drittel im Konsum zurücknehmen.
  • Fast ein Drittel aller Befragten nannten Essen und Lebensmittel bei den Einschränkungen, 24 Prozent Heizung oder Wasserverbrauch, 18 Prozent den Stromverbrauch und 20 Prozent die Fahrten mit dem Kfz.
  • Und natürlich Freizeit- und Reiseaktivitäten, aber auch Bekleidung.
  • Aus der Umfrage ist bereits zu erahnen, dass ein Ölpreis von 100 Dollar und mehr nicht nur die Inflation (vorerst) befeuern würde, in absehbarer Zeit auch den kleinen Post-Corona-Konsumrausch, der auch hiesige Lieferketten so strapaziert. Schon einige Weihnachtsgeschenke könnten bald auf einer Streichliste landen.

Es ist nicht nur der Ölpreis

Dieser ist zwar bei Brent Oil seit Jahresbeginn von 50 auf über 85 Dollar gestiegen, aber in Deutschland ist die Lage noch etwas spezieller.

Steuer- und Abgabenlasten heben den reinen Grundpreis gewaltig in die Höhe.

Die Mineralölsteuer belief sich bei Superbenzin zuletzt auf 65,45 Cent, bei Diesel waren es 47,07 Cent. Hinzu kommt die Mehrwertssteuer von aktuell 27 Cent (Super E10), 25 Cent bei Diesel und die CO2-Abgabe von etwa 7 beziehungsweise 8 Cent. Der Rest ist aufgeteilt auf Rohölpreis, Verarbeitung, Transport, die Tankstelle und der Gewinn für die Ölmultis. Damit ist klar, dass es bei den südlichen und östlichen Nachbarn Preisunterschiede von 20/30 Cent pro Liter geben kann.

Der Tanktourismus nimmt wieder Fahrt auf, die Zollbehörden bekommen neue Arbeit. Als Süddeutscher kann ich mich noch an das Kuriosum vor einem Jahrzehnt erinnern, als manche Autofahrer in Tirol mehrere 20 Literkanister an Benzin horteten und über die Grenze brachten. Nicht ungefährlich, ich hatte auch schon familiäre Zwistigkeiten verfolgt, als die Ehefrau sich weigerte in der „fahrenden Bombe“ mitzureisen.

Laut ADAC müsste aber der Ölpreis schon deutlich über 100 Dollar steigen, damit der Benzinpreis auf über 2 Euro (nicht an Autobahnen) klettern.

Aber wie bereits erwähnt: Die OPEC+ und speziell Saudi-Arabien werden dies wahrscheinlich nicht zulassen, außerdem gäbe es spätestens dann die Wiedergeburt der US-Fracking-Industrie. Ohne großen Widerstand von Joe Biden, der an die Stimmung im Lande und an die Midterm Elections denken muss.

Die Warnungen der Industrie, was macht die Politik?

Nicht nur die große Industrie in Deutschland lamentiert immer stärker über die Preisexplosion bei Energie. Auch der Mittelstand spricht von einer Belastung, die Wirtschaft, Arbeitsplätze, Wachstum und Wohlstand gefährdet. Deswegen auch die Forderung nach Senkung der Mineralölsteuer und postwendend die Notwendigkeit einer Erhöhung der Pendlerpauschale. Oder wie es der Chefvolkswirt des Bundesverbandes mittelständische Wirtschaft, Hans-Jürgen Völz, in einem Interview betonte. Die Corona-Krise könne hierzulande nahtlos in eine Wirtschaftskrise münden. Viel prophylaktisches Engagement, aber wann hatte Deutschland schon einmal höhere Inflationsraten als die südlichen Länder?

Fazit

So lange es nicht absehbar ist, dass die Gewerkschaften die berüchtigte Lohn-Preis-Spirale in Gang setzen, hat der extreme Preisanstieg hierzulande ein Verfallsdatum – nicht eine höhere Inflationsrate allgemein. Weil der fast schon exponentielle Anstieg bei Produzenten- und Verbraucherpreisen verschiedene Mechanismen in Gang setzten wird. Auf Seiten der Verbraucher und der Firmen. Zunächst durch Verzicht, Verhaltensänderung, aber wenn das alles nicht temporär ist, dann kommt der Wirtschaftsabschwung, die Rezession, die rapide Abnahme der so extremen derzeitigen Nachfrage.

Nichts anderes legt die von mir schon öfters gezeigte Inflationshistorie nahe.

Benzinpreis und Inflation

Gestern sah man einen gigantischen Anstieg der Produzentenpreise von 14,2 Prozent auf Jahressicht. Aber was bedeutet dies für die Zukunft und vor allem für den Basiseffekt? Ginge es in diesem Stile weiter, würde die Produktion nicht schon in ein paar Monaten einbrechen, infolge der Rentabilität? Auch bei einem Benzinpreis von über zwei Euro würde so manche Fahrt ins Wasser fallen.

Aber der größte Fehler, der bei der Börsenberichterstattung meines Erachtens gemacht wird, ist die Ausklammerung des Antizipationseffekts – der Vergleich von aktuellen Wirtschaftsdaten mit dem Stand der Aktienindizes. Die Börse blickt bereits auf den Sommer 2022 – und wenn die Produzentenpreise tatsächlich so munter weiterstiegen, bekämen wir eine veritable Wirtschaftskrise. Einen Nachfrageeinbruch, eine rezessive Wirtschaft und keine steigenden Kapitalmarktzinsen.

Die aktuelle Preisentwicklung trägt aus meiner Sicht aufgrund ihrer Dynamik den Keim für eine rasche Änderung in wenigen Monaten in sich. Jeder exponentielle Preischart führt rasch zur Umkehr. Oder soll ein Schiffscontainer von China nach Europa bald 20.000 oder 30.000 Dollar kosten?



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2 Kommentare

  1. Wie wäre es mit dem folgendem Szenario:

    FED = restriktivere Geldpolitik, da Löhne in den USA bereits steigen. Starker Dollar gleich leicht sinkende oder gleichbleibend hohe Inflation in den USA.

    EZB= laxere Geldpolitik, da Löhne in der EU nicht steigen dürfen/ sollen oder man dies einfach ignoriert.

    Ergebnis= noch höhere oder bleibend hohe Inflation in der EU aufgrund eines tendenziell schwächeren Euros gegenüber dem Dollar, mit die Importe (vor allem Energie und Rohstoffe) bezahlt werden müssen.

  2. Bravo, was schnell steigt, könnte sich schnell wieder beruhigen, oder auf ein niedriges Niveau zurückfallen.
    STEUERN.
    JA WAS WOLLEN WIR DEN STEUERN?
    Größter Posten Mineralölsteuer, dann Mehrwertsteuer, KLIMMARETTUNGSSTEUER 1, KLIMMARETTUNSSTEUER 2 nächstes Jahr.
    Ist o.k. wenn BEZAHLBAR.
    WARUM DIE RUMMACHEREI? MINERALÖLSTEUER SENKEN?
    AUSSETZEN DER Co 2 Steuer?
    Das eine Einführen, das eine SENKEN?
    WER FÜHRT DAS STEUER?
    GLÜCK? UND ALLES ERLEDIGT SICH VON SELBST.

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