Folgen Sie uns

Indizes

Berichtssaison in den USA – bringt sie die Korrektur?

Wolfgang Müller

Veröffentlicht

am

Das erste Halbjahr ist vorbei und mit einem Anstieg von 17 Prozent (USA und Deutschland) war es an der Börse eine überaus gute Periode. Aber kann es so weitergehen, bei sich deutlich eingetrübten Indikatoren? Sicherlich ist die Hoffnung auf Zinssenkungen (zunächst Ende Juli) ein großer Faktor – das billige Geld. Aber in Kürze startet die Berichtssaison für das zweite Quartal und die könnte doch zu der ein oder anderen Gewinnmitnahme führen.


Werbung: Trade.com bietet einen der geringsten Spredas aller CFD-Broker beim Germany 30 CFD. Vollständiger Kunden-Support in deutscher Sprache! Und wir bieten Ihnen ein umfangreiches und kostenloses Ausbildungspaket für Ihr zukünftiges Trading. Handeln Sie zum Beispiel Google, Apple, GBP/USD, EUR/GBP, Gold, FTSE, DAX und über 2.100 weitere globale CFDs, einschließlich den neuen Cannabis-Aktien Mehr dazu erfahren Sie beim Klick an dieser Stelle.

Kann es eine Fortsetzung der Börsenrally geben, ohne Gewinnwachstum?

Inzwischen sind Sie nicht mehr zu übersehen, die tiefen Spuren im verarbeitenden Gewerbe: Der globale Einkaufsmanagerindex ist im Mai auf den tiefsten Stand seit der Eurokrise 2012 gefallen. Wie gestern beschrieben nehmen die Sorgen über die weitere Entwicklung zu, viele Unternehmen stellen ihre Investitionsvorhaben zurück. Auch auf dem Arbeitsmarkt ist allmählich eine Eintrübung erkennbar und die Bereitschaft für Neueinstellungen geht zurück.

Klar folgt die US-Notenbank höchstwahrscheinlich der Wirtschaftsabschwächung mit Zinssenkungen, aber wie wirksam können diese noch sein? Wir stehen vor der US-Berichtssaison für Q2 2019, also müsste auch die immer noch wirksame Triebfeder für die Märkte, die Aktienrückkäufe, für mehrere Wochen wegfallen. Was viele Optimisten vergessen, ist der riesige Basiseffekt der US-Steuerreform 2018, der die Unternehmensgewinne um bis zu 28 Prozent nach oben schraubte. Dieser verfällt mehr und mehr und man schätzt, dass dadurch allein ein Prozent Wachstum bis zum Jahresende wegfällt.

Was wird die Berichtssaison für Q2 bringen?

Das nachlassende Wirtschaftswachstum in den USA, bei einem gleichzeitig stagnierenden Welthandel sollte eigentlich dem Umsatzwachstum der Unternehmen schaden. Insbesondere die High-Tech-Branche hatte deshalb schon vor Kurzem gewarnt und nicht nur um Donald Trump von seinem Vorhaben abzubringen, die Zölle weiter zu erhöhen. Da die Lohnkosten im 50-Jahrestief der Arbeitslosigkeit recht stabil geblieben sind, müsste dies Marge gekostet haben. Über den starken Einbruch im Transport-Index, gerade im Mai inmitten des Quartals, habe ich gestern ausführlich berichtet. Ein Frühindikator, der sich in den Unternehmensausblicken bemerkbar machen müsste.

Eigentlich stand Q2 unter einem sehr schlechten Stern. Zölle, Gegenzölle, schwarze Listen und eine Unsicherheit in den Führungsetagen der Firmen wie schon lange nicht mehr.

Oder aber steht wieder eine Überraschung wie in Q1 ins Haus, als das Bruttoinlandsprodukt mit 3,1 Prozent annualisiert gewachsen war? Schwer vorstellbar. Die große Frage ist, hat der am 28. Juni beschlossene Waffenstillstand zwischen den USA und China die Unternehmen dazu gebracht, ihre abwartende Haltung aufzugeben? Wohl eher nicht, denn jeder weiß, wir sind nur ein paar Tweets entfernt von einer 10 Prozent-Korrektur.

Fazit: Die Berichtssaison ist der Trigger

Die Märkte haben im ersten Halbjahr viel vorweggenommen, jetzt müssten die Unternehmen liefern, zumindest mit ihren Ausblicken. Erinnern wir uns an den Start des Jahres: Man erwartete ein ganz schwaches erstes Quartal, moderate Steigerungen in Q2 und Q3 und einen Sprung der Unternehmensgewinne in Q4. Es kam bisher anders. In Q1 überraschten die Unternehmen, allerdings begannen sie die Aussichten nach und nach nach unten zu setzen – derHandelsstreit hinterließ immer größere Schäden.

Auch wenn Zinsphantasie herrscht, müssen die Firmen jetzt liefern. Bei enttäuschen Ausblicken ziehen viele US-Investoren die Reißleine, dies haben wir schon nach Q1 gesehen, als selbst große Werte über Nacht zweistellige Einbußen verkraften mussten. Denn auch wenn es manch einer anzweifeln mag: Langfristig und geglättet hängt der Indexstand von den kumulierten Unternehmensgewinnen ab – trotz aller Ausreißer. Wie erwähnt, die Effekte der Steuerreform laufen aus, die Auslandsvermögen wurden bereits stark repatriiert. Börse bewertet Zukunft und dies sollte nach und nach berücksichtigt werden.

Deshalb sollten uns besonders die Ergebnisse und Ausblicke der großen Chiphersteller und der Transportunternehmen etwas Aufschluss über künftige Entwicklungen geben.

Die Berichtssaison steht vor der Tür

By Vlad Lazarenko – Own work, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=33219566

Ein Kommentar

Ein Kommentar

  1. Avatar

    Zimmermann

    2. Juli 2019 10:14 at 10:14

    Wenn man den Artikel liest, kann es eigentlich nur nach unten gehen. Sollte es so kommen, muss man wieder „dick“ rein gehen (Powell Put). Denn bis das Finanzsystem kollabiert, wird das Geld vornehmlich in den US-Markt gehen.

Hinterlassen Sie eine Antwort

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

ACHTUNG: Wenn Sie den Kommentar abschicken stimmen Sie der Speicherung Ihrer Daten zur Verwendung der Kommentarfunktion zu.
Weitere Information finden Sie in unserer Zur Datenschutzerklärung

Indizes

Rüdiger Born: Bullenmarkt in Frage gestellt

Rüdiger Born

Veröffentlicht

am

Der Bullenmarkt für Aktien ist erst einmal in Frage gestellt. Dies schaue ich mir im Video am Dow-Chart genauer an. Auch blicke ich auf eine mögliche Idee bei Gold.

Wollen Sie meine täglichen Analysen im „Trade des Tages“ erhalten? Dieses Angebot ist für Sie völlig kostenfrei! Melden Sie sich dafür einfach hier an.

BORN-4-Trading – Trading-Ideen kostenfrei aufs Smartphone! Aktuelle Trading-News, Handelsideen und Trader-Know-how, Rüdiger Born sendet seine Einschätzungen direkt auf Dein Smartphone, entweder als Video- oder Voice-Nachricht oder einfach als schneller Text mit Bild. Welche Märkte kann man handeln, wo gibt es interessante aktuelle Trading-Setups, wo wären Einstiege möglich oder aber Stopps sinnvoll? Brandaktuell, überall und in gewohnt professioneller und spritziger Art. Klicke dazu einfach an dieser Stelle.

Hier klicken, um den Inhalt von YouTube anzuzeigen

weiterlesen

Aktien

Markus Koch LIVE vor dem Handelsstart in New York – Bullen, Bären und fliegende Schweine

Redaktion

Veröffentlicht

am

Von

Markus Koch meldet sich im folgenden Video LIVE vor dem Handelsstart in New York. Ab morgen startet das verlängerte Thanksgiving-Wochenende in den USA. Die gut laufenden Kurse im November sind im Fokus seiner heutigen Berichterstattung.

Hier klicken, um den Inhalt von YouTube anzuzeigen

weiterlesen

Indizes

Aktienmärkte: Abkühlung gefällig nach dem Novemberwunder?

Der Börsenmonat November wird in die Statistik eingehen, als Ausnahmemonat für die Aktienmärkte, wie es ihn in Jahrzehnten nicht gegeben hat!

Wolfgang Müller

Veröffentlicht

am

Wenn es noch ein paar Tage so weitergeht, wird der Börsenmonat November in die Statistik eingehen, als Ausnahmemonat für die Aktienmärkte, wie es ihn in Jahrzehnten nicht gegeben hat. Doch gemach, zieht man die zwei vorherigen Monate mit in die Betrachtung, sieht es schon erheblich unspektakulärer aus. Dennoch lagen die Indizes am gestrigen Börsenschluss wieder deutlich im Plus und die Frage wird täglich aufs Neue gestellt: Wann kommt die Abkühlung?

Aktienmärkte: Die aktuelle Novemberbilanz

Vier Handelstage vor dem Monatsultimo – in den USA wegen Thanksgiving nur zweieinhalb – bahnt sich eine extrem gute Monatsbilanz der Aktienmärkte an. Am Ende des gestrigen Tages lagen sowohl Dow Jones, als auch S&P 500 mit 10 Prozent auf Monatssicht im Plus. Besonders spektakulär das Durchbrechen der 30.000-Punkte-Marke beim altwürdigen Index. Hatte nicht Präsident Trump davon gesprochen, dass die Aktienmärkte dramatisch einbrechen würden, falls er nicht wiedergewählt werden sollte? Ich hatte schon am 5.11. in einem Artikel („Aktienmärkte und Wahlausgang: Warum fallen die Märkte nicht?“) mit historischen Daten belegt, warum die Rolle des Präsidenten für die Aktienmärkte überschätzt werde, es geht um andere Kriterien. Erstaunlicherweise liegt der Dax mit 11,5 Prozent seit der US-Wahl plus noch vor den US-Indizes, sicher auch wegen der Branchenrotation hin zu Value und weil der deutsche Leitindex einfach stets volatiler daherkommt.

Damit hätte der Monat bereits die durchschnittliche Jahresperformance der großen Indizes, über mehrere Jahrzehnte gerechnet, übertroffen. Und dies in einer Phase, in der viele Staaten gerade wieder in eine Rezession abrutschen. Aber das ist wiederum sehr häufig an der Börse, auch wenn Beobachter wieder viele unheimliche Kräfte für das Spiel verantwortlich machen. Wenn ein Wirtschaftsabschwung auf ein Ende zugeht, kommen oft die größten Zuwächse, wenn er dokumentiert wird, die Gewinnmitnahmen. Oder, „wenn die Nacht am dunkelsten ist, ist die Dämmerung am nächsten.“

Die aktuelle Konjunkturlage

Am gestrigen Tag wurde das Wachstum des Bruttoinlandsprodukts für das dritte Quartal in Deutschland veröffentlicht, es fiel mit plus 8,5 Prozent besser aus, als die vorherige Schätzung. Was aber kurstechnisch keine Rolle spielt, denn „fürs Gehabte gibts nichts“ so ein bekannter Börsenspruch aus der Vergangenheit. Aber vermutlich auch nicht für den Ifo-Index, der bereits zum zweiten Mal in Folge gefallen ist und die ständig weiter nach unten geschraubten Wachstumszahlen für Q4 des laufenden und Q1 des kommenden Jahres. Eine „Double-Dip-Recession“ steht in vielen Industriestaaten an, dennoch dürfte sich der Kursschaden (temporär) sehr in Grenzen halten, denn es gibt gewaltige Gegenkräfte. Doch dazu später mehr.

Die Branchenrotation

Auch wenn es bisher nicht zum Abverkauf der dominanten Hightech-Titel gekommen ist, wie ETFs auf „Information Technology“ beweisen, so ist doch eine gewaltige Rotation hin zu Value, zu Industrietiteln und vor allem zu Nebenwerten erkennbar (Russel 2000). Die Techwerte laufen seitwärts, die Zurückgebliebenen haussieren.

So im SPDR Industrial erkennbar, einem ETF auf amerikanische Industriewerte, genau wie in einem Sammelindex für die Luftfahrtindustrie, in einem Bankenindex, bei Versicherungen, bei Reise- und Freizeitindizes, im Energiesektor und bei Grundstoffwerten. Am stärksten lief die Rally bisher im Nebenwerte-Segment, dessen Index sich schon über 25 Prozent von seinem Aufwärtstrend nach oben abgesetzt hat.

Was sagt uns das alles? Die Aktienmärkte blicken nicht auf die Aktualität, wie eigentlich immer, auch wenn dies viele, gebannt durch die tägliche Berichterstattung nicht wahr haben wollen, sondern deutlich in die Zukunft. Und da erwartet man die Rückkehr zur Normalität, die Coronazeit wird ausgepreist.

Die Notenbankpolitik

Hat nicht vor kurzem eine US-Großbank von einem Re-Balancing bei Mischfonds gesprochen, dergestalt, dass man die Aktien/Anleihe-Relation von 60/40 wiederherstellen müsse und damit bis zum Jahresende weltweit Aktien in Höhe von 300 Milliarden Dollar zu verkaufen wären? Aber was ist diese Summe gegen die Geldflut der Notenbanken (Fed, EZB, BoJ, BoE, SNB), um nur die Größten zu nennen, die demnächst aktiv werden? Soll nicht Janet Yellen neue US-Finanzministerin werden, die ehemalige Chefin von Jerome Powell? Der Fed-Chef wird sich eher mit der Professorin in Verbindung setzen, als mit Steven Mnuchin zu diskutieren, der in gut 30 Handelstagen sowieso nichts mehr zu sagen hat und wenn, könnte es die Neue umgehend wieder korrigieren.

Was nichts anderes heißt, als dass man in der schwierigen Phase des nochmaligen Anschwellens der Coronazahlen die Notenpresse in Gang hält, um zu unterstützen, wie es Jerome Powell erst kürzlich betont hat. In Kürze jährt sich der Kommunikationsgau von Powell zum zweiten Mal, als er 2018 die Aktienmärkte mit „hawkishen“ Bemerkungen bis fast ins Bärenterritorium gejagt hatte. Er wird gerade in der Phase der „transition“, des Übergangs, alles Marktschädliche unterlassen.

Die Impfhoffnung und die möglichen Konsequenzen

Auch wenn die Kursreaktionen nach jeder Impfstoffmeldung abnehmen, verbleibt das Vakzin gegen Covid-19 der fast alles bestimmende Faktor. Hunderte Impfzentren entstehen allein in Deutschland und wie viele werden es wohl weltweit werden, demnächst? Wird die Meldung für die Zulassung eines Impfstoffes und damit dem Beginn der Impfungswelle nicht noch einmal für einen Kurssprung sorgen? Wenn es Realität würde, dass man in 2 Minuten einen Menschen impfen könnte, so wie es in Deutschland berichtet wurde und das tausendfach in hunderten Impfzentren.

Würde dann die Zahl der Geimpften nicht schneller steigen, als es die Zahl bei den Infektionen in der Spitze getan haben – nur dann kontinuierlich? Ist es das, was die Märkte für das nächste Halbjahr einpreisen?

Fazit

Es kommt schon Vieles zusammen im Nebelmonat November. Ein Wahlkrimi, der anlegertechnisch in eine gewaltige Short Squeeze mündete und in eine Branchenrotation, die es nur ganz selten in dieser Ausprägung gab. Dann kamen noch die Impfstoffmeldungen, als Game Changer oben drauf, die das Ganze noch verstärkten. Als Turbo für viele ängstliche Investoren, die plötzlich Licht am Horizont sahen und eine Notwendigkeit für viele Investmentfonds, wenn man nicht endgültig gegen die passiven Vehikel ins Hintertreffen geraten will.

Am 9. November wurde durch die Märkte das Ende von Corona ausgerufen. Das Ergebnis ist eine Euphorie, die in normalen Situationen in einen gewaltigen Kurseinbruch münden würde. Wahrscheinlich aber nicht zum Ende des Coronajahrs 2020, in dem sich zwei Kräfte gegenseitig potenzieren: Die Hoffnung auf einen Anstieg der Wirtschaft zur Jahresmitte 2021, wenn „tote“ Branchen aufgrund der Impfauswirkungen zum Leben erweckt werden und eine Geldversorgung durch Notenbanken, die die Kapitalanleger „noch“ in eine Anlageklasse zwingt. Dennoch: Sollte es tatsächlich noch bis zum Monatsende mit den Kursen weiter nach oben gehen, der Monat November zum Jahrhundertrekord avancieren? Ich denke spätestens dann im Anschluss sollte die Schwerkraft mal kurz und kräftig zuschlagen. Ich bin nur auf den Anlass gespannt, wenn es wieder heißt „die Kurse machen die Nachrichten“  und die Aktienmärkte dann eine Zwischenkorrektur einlegen..

Die Aktienmärkte erleben im November eine Art Wunder

weiterlesen

Anmeldestatus

Meist gelesen 7 Tage