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Berichtssaison: Was kommt auf uns zu?

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Nach langen Diskussionen über Zinssenkungen, Arbeitsmarktsmarktdaten und Frühindikatoren steht in Kürze das an, was auf lange Sicht betrachtet die Indizes maßgeblich bestimmt: Die Berichtssaison, also die Unternehmensergebnisse, aktuell für das zweite Quartal – und vor allem die Ausblicke auf die weiteren Monate. Das derzeitige Kurs/Gewinnverhältnis (KGV) für den S&P 500 beträgt derzeit 17, ganz schön ambitioniert und über dem langjährigen Durchschnitt von 15,5 bis 16.

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Die derzeitigen Erwartungen für die Berichtssaison

Betrachtet man die Erwartungen auf die kommende Berichtssaison, so kann man eigentlich in summa nur grottenschlechte Zahlen erwarten:

  • 82% aller S&P 500-Unternehmen haben ihre Gewinnaussichten gesenkt, die höchste Quote seit Langem.
    Laut Datendienst Refinitiv kamen im großen Aktienindex S&P 500 bislang auf jede positive Unternehmensmeldung 3,7 negative, der langjährige Schnitt liegt bei 2,7.
  • Der Ifo Geschäftsklimaindex ist in den letzten 10 Quartalen neunmal gefallen
    Für Deutschland erwartet JPMorgan für Q2 sogar ein Negativwachstum, im Gegensatz zu unseren deutschen Prognoseinstituten.
  • Offiziell wird die deutsche Berichtssaison am 18.Juli mit SAP eröffnet, richtig los geht es aber erst am 24.Juli.
    Interessant sind aber auch die Wochen vorher, in denen noch die ein oder andere Gewinnwarnung veröffentlicht wird.

Ganz aktuell äußerten sich zwei Dickschiffe negativ über die Aussichten für die Aktienmärkte in der zweiten Jahreshälfte: Die US-Großbank Morgan Stanley und der größte Vermögensverwalter der Welt, BlackRock. Auch bewegt sich unser viel beachteter Frühindikator gerade wieder gen Süden, der Dow Jones Transport Index. Er trat nicht nur wieder in den Korrekturmodus ein (minus 10% Rückgang), sondern durchbrach am Montag auch die 200-Tageslinie – von oben.

In Deutschland gab es am gestrigen Abend noch eine saftige Gewinnwarnung von BASF. Dazu das Unternehmen: Der Umsatz werde 2019 im Vergleich zum Vorjahr leicht zurückgehen. Bisher war ein Plus von ein bis fünf Prozent angepeilt worden. Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) sowie vor Sondereinflüssen wird demnach um bis zu 30 Prozent unter Vorjahresniveau liegen. Eigentlich war ein Anstieg zwischen einem und zehn Prozent erwartet worden. Ein Wink mit dem Zaunpfahl? Der Konzern BASF gilt mit seiner weit gefächerten Produktpalette als Frühindikator für die gesamte Industrie.

Exkurs: Vorsicht Leerverkäufe

Es ist ein Phänomen an der Börse, welches vor allem an dem so genannten „gesunden Menschenverstand“ verzweifeln lässt. Das Short Selling oder die Leerverkäufe, beziehungsweise die daraus resultierenden seltsamem Kursreaktionen. Wenn sich negative Meldungen häufen, reagieren Spekulanten mit Leerverkäufen, indem sie sich Aktien für eine Gebühr ausleihen, diese dann verkaufen, um sie bei einem Kursrutsch billiger zurückkaufen zu können – ein schönes Zusatzgeschäft.

Aber was passiert, wenn es zu keiner negativen Unternehmensmeldung kommt, es braucht dafür nicht einmal eine positive, es reicht bereits die Meldung, dass die Talsohle erreicht sein könnte? Die Kurse steigen leicht und die Shortseller kaufen zurück und treiben die Kurse zumindest kurzfristig nach oben – der Spruch von Casino macht die Runde, obwohl es nur eine markttechnische Reaktion ist.

Derartiges dürfte sich gerade bei der Aktie der Deutschen Bank vollzogen haben, die noch vor der Ankündigung des Konzernumbaus von gut 6 Euro in der Spitze am Freitag bis auf 7,35 Euro gestiegen war. Trotz des „Inaussichtstellens“ eines möglichen Verlustes von drei bis fünf Milliarden Euro für 2019. Aber zurück zu den Quartalszahlen, wo es im Vorfeld ja zu einer Vielzahl von Gewinnwarnungen kam, eine Einladung zu manchem Leerverkauf. Betrachten wir uns die Entwicklung in Deutschland, die sich in den vergangenen Tagen aber ein bisschen abgemildert haben könnte.

Die Shortseller im DAX und MDAX haben sich in den letzten vier Wochen ziemlich eindeutig positioniert. Die Shorts sind stark gestiegen. Laut DZ-Bank befürchten man eine weitere Verschlechterung der Gewinnerwartungen. Hier ein paar Daten über die IHS Markit berichtete: Bei Daimler stieg der Anteil der verliehenen Aktien (als Indikator für Short-Engagements am Markt) um 326 % auf 3,6 % des Marktwertes, bei Bayer um 112 %, bei Conti und Lufthansa um 75 % bzw. 73 %, bei HeidelCement sogar um 369 %, um nur ein paar Beispiele zu nennen.

Ähnliches ist auch für die Kategorie unterhalb des Dax feststellbar.

Im MDAX sprangen die Anteile von verliehenen Aktien bei Metro um 205 % auf 8,3 % und für Rocket Internet sogar um 859 % auf 5,6 % des Marktwertes. Bei Osram waren 17,4 % aller Aktien verliehen bzw. short.

Shorts müssen eingedeckt werden. Wie auch immer, es besteht einmal mehr die Gefahr, dass viele Spekulanten auf dem falschen Fuß erwischt werden.

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Fazit

Diese genannten Zahlen wurden von den Börsianern erfahrungsgemäß bereits in den Kursen eingepreist. Die wirklichen Überraschungen sind nicht vorhersehbar und kommen daher unerwartet. Das ist das eigentliche Thema für die Berichtssaison. Haben die Unternehmen ihre Gewinnerwartungen prophylaktisch so weit gesenkt, dass sie am Tage der Veröffentlichung übertroffen werden können (ein Spielchen, welches die US-Unternehmen beherrschen) oder sorgte die weltweite Konjunktureintrübung für weiteren Abschreibungsbedarf?

Interessant ist in diesem Zusammenhang eine Auswertung der Beratungsfirma EY. Im letzten Jahr ist der Aktienkurs bei einem großen Unternehmen am Tag einer Gewinn-oder Umsatzwarnung um 8 Prozent gefallen, im Falle einer Gewinnüberraschung aber nur um drei Prozent gestiegen, im Durchschnitt.

 

Die Berichtssaison steht vor der Tür

Foto: Deutsche Börse AG

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Dax, Euro und Goldpreis nach EZB-Entscheidung und US-Daten

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Wie haben Dax, Euro und Goldpreis auf die aktuelle Entscheidung der EZB reagiert, und danach auf die US-Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe? Schauen wir uns das mal an. Um 13:45 Uhr verkündete die EZB (hier die Details und hier die PK-Erläuterungen), dass das Notkaufprogramm für Anleihen in der Coronakrise namens “PEPP” in Höhe von bislang 750 Milliarden Euro um 600 Milliarden Euro aufgestockt wird. Das war der wichtigste Punkt der Verkündung. Um 14:30 Uhr wurden die Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe in den USA veröffentlicht. Mit 1,88 Millionen lag die Zahl im Rahmen der Erwartungen (1,8).

Dax

Unterm Strich hätte der Dax kräftig weiter steigen müssen, wenn die EZB zusätzlich 600 Milliarden Euro ins System pumpt? Direkt vor der EZB-Verkündung notierte der deutsche Leitindex bei 12.415 Punkten, stieg dann ab 13:45 Uhr schnell an auf bis zu 12.558 Punkten in der Spitze, um dann auf 12.323 Punkte zu fallen. Unterm Strich notiert der Dax jetzt mit 12.451 Punkten nur minimal höher als vorher. Es könnte sein, dass die Euphorie der letzten Tage fortgesetzt wird, dass aber nach der doppelten Datenflut die ALGOS (Computerprogramme), die den Handel beherrschen, etwas verrückt gespielt haben die letzten drei Stunden?

Euro

Der Euro hätte bei noch mehr Gelddrucken in Euroland eigentlich fallen müssen? War offenkundig eine größere Stimulus-Summe am Markt erwartet worden? Denn ab 13:45 Uhr stieg der Euro gegen den US-Dollar von 1,1203 schnell auf 1,1271. Mit aktuell 1,1317 kann der Euro dieses erhöhte Niveau sogar noch ausbauen. Im größeren Bild (Kursverlauf im Chart seit dem 5. Mai) kann man sagen, dass der Euro trotz EZB-Geldschwemme seinen Aufwärtstrend fortsetzen kann. Der Dollar ist derzeit echt schwach unterwegs, auch gegen andere Währungen.

Euro vs US-Dollar seit dem 5. Mai

Goldpreis

Der Goldpreis notierte kurz vor 13:45 Uhr bei 1.709 Dollar. Aber erst dank der US-Daten konnte er bis auf 1.718 Dollar steigen, was aber keine nachhaltige Stärke war. Aktuell notiert Gold wieder bei 1.705 Dollar. Die neue Geldschwemme der EZB stärkt also (zumindest ganz aktuell) nicht das Vertrauen der Anleger in den Fluchthafen Nummer 1. Aber wir bleiben dabei, auch wenn wir keine Glaskugel haben. Man sollte Gold nicht aufgeben, und schnelle Anstiege im Goldpreis bleiben möglich, die dann wieder nachhaltiger sind als vorhin.

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