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Berkshire Hathaway: Buffetts Hauptversammlung und Branchenrotation

Value ist wieder in - gut für Berkshire Hathaway und Warren Buffett

Es wäre eigentlich wieder ein tolles Event von Berkshire Hathaway gewesen, das jährliche Aktionärstreffen der Buffett-Jünger in Omaha (Nebraska), dem Woodstock für Kapitalisten, wie es auch öfters genannt wird. Wäre, denn es sich können in der Endphase von Corona natürlich keine 40.000 Fans auf engstem Raum tummeln, um den Ausführungen ihres Idols zu lauschen. Deshalb wird es wieder eine Online-Veranstaltung geben, mit Fragen zur Strategie, aber auch zur Zukunft einer Firma, die von richtigen „Urgesteinen“ geleitet wird.

Die Rückkehr der Rendite bei Berkshire Hathaway

Unfassbare 417.000 Dollar kostet die A-Aktie von Berkshire Hathaway, derzeit – ungesplittet – und nach einem Anstieg nach 56 Jahren von anfangs 11,50 Dollar, als der Value-Investor und Schüler von Benjamin Graham das Zepter bei der Beteiligungsgesellschaft übernommen hat. Über Buffetts Engagement und das Wunder des Zinseszinseffekts hatte ich zuletzt am 17. März eine längere Übersicht angefertigt. Aus gegebener Veranlassung, wie man so schön sagt, denn die Aktie hat angefangen eine mehrjährige Underperformance gegenüber dem US-Leitindex umzudrehen.

Seit Jahresanfang ist die Aktie von Berkshire Hathaway schon 22 Prozent gestiegen, der große und mit Hightech-Titeln schwer gewichtete S&P 500 um 12 Prozent.

Auf 3-und 5-Jahressicht lag die Beteiligungsgesellschaft 20 Prozent hinter dieser großen Benchmark zurück, obwohl Buffett das Kunststück vollbracht hat, seit 1965 eine Performance per annum von 20 Prozent hinzulegen, gegenüber 10,2 beim S&P 500. Seit einigen Jahren jedoch hinkt der Maestro dem Markt hinterher, auch wegen seines großen Cashbestandes. Aber seit Ende des letzen Jahres läuft die Wende – im Rahmen einer großen Branchenrotation.

Jetzt brachte am Mittwoch Buffets Hauptinvestment, Apple, auch noch fantastische Zahlen. Die Firma, an der der Investor mit 5,4 Prozent beteiligt ist, womit sich die Beteiligung an Apple fast schon klumpenartig auf einen Wert von über 120 Milliarden Dollar auftürmt. Trotz seines späten Einstiegs bei diesem Technologieunternehmen, welches er schon mehrfach als eines der besten Unternehmen der Welt bezeichnet hat. Sein dafür investiertes Kapital: 31 Milliarden Dollar.

Jetzt kommt die Hauptversammlung von Berkshire Hathaway – und Warren Buffett wird wieder mit seiner stärksten Eigenschaft punkten, seiner Disziplin und seiner Geduld.

Er möchte Aktionäre, die ihr Geld langfristig anlegen, so wie er, der von sich behauptet: „Das meiste Geld habe ich auf meinem Hintern verdient.“

Eine Eigenschaft, die es immer weniger gibt, man denke nur an die vielen Meme-Aktien, die Wachstum von Dekaden in wenigen Monaten/Jahren einfahren wollen. Buffett hat mit seiner Gesellschaft bereits acht US-Rezessionen überstanden.

Der neue Zyklus

Bereits in mehreren Artikeln im August und November habe ich darauf hingewiesen, dass es den ewigen Kampf an der Börse zwischen Value und Growth gibt. Dass es lange Zyklen sind und es in Dekaden immer wieder zu einem Ausgleich bei den beiden Aktiengattungen kommt und manche Wachstumsaktien in den Value-Bereich wechseln werden, wie zum Beispiel Apple. Immer am besten erkennbar, wenn sich das KGV aus dem dreistelligen Bereich dem Marktdurchschnitt annähert – wenn es denn klappt.

Demzufolge könnte das Jahr 2020 bereits einen neuen Zyklus eingeläutet haben, sehr zugunsten von Berkshire Hathaway. Diese Grafik zeigt anschaulich, welche Performance Growth gegen Value im letzten Zyklus seit der Finanzkrise hingelegt hat.

Berkshire Hathaway oder Value gegen Growth

Die Nachfolgeregelung und die Kritik an der Strategie

Während Warren Buffett nach wie vor sehr bescheiden lebt, mit einem für seine Verhältnisse sehr niedrigen sechsstelligen Einkommen und in einem Haus, welches er schon 1958 erworben hat, so lassen es seine designierten Nachfolger bereits schon richtig krachen. Greg Abel und Ajit Jain beziehen mittlerweile ein Grundgehalt von jeweils 16 Millionen Dollar. Hinzu kommen noch Boni, die Bezahlungen gehören damit zu den höchsten bei börsengehandelten Unternehmen, was sicherlich zu Nachfragen in der virtuellen Hauptversammlung führen wird.

Die Nachfolgeregelung ist ein sehr wichtiges Thema, schließlich wird Buffett im Sommer bereits 91 Jahre alt, sein Stellvertreter Charlie Munger hat sogar schon seinen 97. Geburtstag gefeiert. Die beiden haben jedoch schon viele Aufgaben an jüngere Manager übertragen, so wie an die beiden Investmentmanager Ted Weschler und Todd Combs, die zehn Prozent des Aktienportfolios von Berkshire Hathaway verwalten. Die große Aktiengesellschaft ist sehr auf die Investmentlegende Warren Buffett fixiert – und viele Anleger fragen sich bereits seit geraumer Zeit, wie die Strategie des Value-Investings nach Buffett fortgesetzt wird.

Aus Vorberichten zur Hauptversammlung ist bekannt, dass es bei dem Event auch Fragen zur künftigen Ausgestaltung des Portfolios kommen wird, zum Beispiel zum großen aktuellen Trend: ESG, oder Investieren unter den Gesichtspunkten Social, Environment und Governance.

Ein Kritikpunkt ist es, dass sich Warren Buffett in seiner Strategie zu wenig mit den Aspekten Umweltrisiken und Chancen durch den Klimawandel widme.

Der Trend zu Aktienrückkäufen

Das letzte Jahrzehnt war die Dekade der Aktienrückkäufe, den berühmten Buybacks, die das sagenhafte Volumen von fünf Billionen Dollar bei den S&P 500-Unternehmen ausgemacht haben. Auch das große Investment von Berkshire Hathaway, die Firma Apple, hatte davon regen Gebrauch gemacht und erst vor zwei Tagen die unglaubliche Summe von 90 Milliarden Dollar an weiteren Zukäufen angekündigt. Was natürlich auch den Lauf der Aktie von Buffett zugute kommen wird, die Kursentwicklung von Berkshire Hathaway am gestrigen Tag sprach Bände.

Aber auch die Beteiligungsgesellschaft setzt mehr und mehr auf immer aggressivere Aktienrückkäufe. Nachdem Buffett jetzt schon mehrere Jahre auf großen Cashbeständen sitzt, weil ihn viele Aktien einfach aus fundamentalen Gesichtspunkten zu teuer waren, hatte er bereits im Vorjahr eigene Aktien im Wert von 25 Milliarden Dollar zurückgekauft.

Investoren werden am Samstag bei der Bilanzvorlage aufmerksam lauschen, auch über diesen Aspekt. Denn die Aktie mit den über 80 Unternehmensbeteiligungen hat bereits den Unternehmenswert von 313 Milliarden Euro (über 380 Mrd. Dollar) erreicht, Platz 12 im Weltleitindex S&P 500 – und dabei sitzt man immer noch auf einem Cashbestand von etwa 140 Milliarden Dollar.

Fazit

Kommt jetzt die Zeit des Value-Investors Warren Buffett, mit seiner Beteiligungsgesellschaft? Sicherlich besteht eine große Wahrscheinlichkeit dafür, wenn man sich das jahrzehntelange Wechselspiel zwischen Growth und Value an den Börsen betrachtet. Die Weltwirtschaft wird durch riesige Schuldenaufnahmen, Stimulus- und Konjunkturpakete angetrieben, ein riesiges Reopening der Volkswirtschaften steht ante portas. Auch wenn die Märkte zunehmend korrekturanfällig, Zinsen und Inflation steigen werden, sollte dies Growth mehr tangieren als Value und damit die Core-Investments von Warren Buffetts Berkshire Hathaway.

Wie sagen manche erfahrene Analytiker der Investmentszene derzeit? 2021 wird anlagetechnisch nicht mehr so zu einem Stock Market werden (bei dem alles nach oben läuft), sondern eher zu einem Market of Stocks, also von Titeln, bei denen man wieder mehr auf die Bewertung schaut, als auf die Story. We will see!



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