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Berliner FinTech kauft sich Bank in Frankfurt – so ändern sich die Zeiten

Vorgestern trumpfte das Berliner FinTech „Raisin“ groß auf mit dem Einwerben von 100 Millionen Euro Investoren-Kapital. Die Firma ist besser bekannt über seine Webseite weltsparen.de, wo man die Vermittlung von höherverzinslichen Geldanlagen vor allem bei ausländischen Banken anbietet. Das hat natürlich seine Risiken, wenn man an die Finanzkrise zurückdenkt (supertolle Zinsen bei Banken in Island…..). Aber genug der Kritik. Hier kurz einige Angaben von Raisin im Wortlaut (auszugsweise):

An der Finanzierungsrunde beteiligen sich die bestehenden Investoren Index Ventures, PayPal, Ribbit Capital und Thrive Capital. Das frische Kapital wird in strategische Übernahmen und die weitere Internationalisierung investiert. Damit erhöht sich das in das Fintech investierte Kapital auf insgesamt 170 Millionen Euro. Seit dem Start vor fünf Jahren hat Raisin mehr als 10 Milliarden Euro an Partnerbanken aus Europa vermittelt und für Sparer über 80 Millionen Euro Zinsen erzielt.

Und nur kurz nach dieser Mega-Finanzierung gibt das FinTech „Raisin“ bekannt, dass man eine Bank kauft. Nämlich die „MHB Bank“ in Frankfurt. Tja, soweit ist es schon gekommen, mögen Spötter in der Bankenbranche sagen? Nicht die Banken beteiligen sich wie in den letzten Jahren an FinTechs, sondern das FinTech wird von Finanzinvestoren vor allem aus Übersee mit richtig dick Kohle ausgestattet, und kauft sich nun eine Bank. In diesem Fall ist es offensichtlich. Es geht Raisin wohl vor allem um die Vollbank-Lizenz der MHB.

So kommt man aus einem Status des Vermittlers heraus, und kann mit voller Bank-Power auch „Bankgeschäfte“ machen, und nicht mehr nur als Vermittler agieren. Wer selbst Bank ist, hat Zugang zur ganzen Bandbreite von Zinsmargen und Provisionserträgen, kann Geschäfte mit der EZB und anderen Banken machen, kann seine Produktpalette mal eben auf Baufinanzierungen, Kredite uvm ausweiten, ohne erst um Partnerschaften mit Banken bitten zu müssen. Denn man ist ja nun selbst eine Bank.

Man kauft sich eine Bank also nicht als Partner, sondern braucht die Bank als voll lizenziertes Vehikel, um in Sachen Geldprodukte alles anbieten zu können, und um unbeschränkt agieren zu können. So darf man es wohl interpretieren. Und dass Raisin gleich die 100 Millionen Euro aus der Kapitalrunde in die MHB Bank gepumpt hat, daran dürften Zweifel wohl mehr als angebracht sein. Denn die eh ziemlich kleine MHB Bank (35 Mitarbeiter und 4,3 Millionen Euro Umsatz in 2017) schien zuletzt ziemlich schwach auf der Brust gewesen zu sein. Es dürfte wohl ein relativ billiges Schnäppchen für Raisin gewesen sein, wie die aktuellen Recherchen von finanz-szene.de es zeigen (hier nachlesen). Raisin sagt zur Übernahme im Wortlaut (auszugsweise):

Während Banken Beteiligungen an Fintechs erwerben, geht Raisin den umgekehrten Weg und übernimmt die Frankfurter MHB-Bank, die das Open Banking Fintech seit seinem Marktstart als Service Bank begleitet. In Raisins größtem Markt Deutschland übernimmt die MHB-Bank als Service-Bank die Wertschöpfung rund um Kontoführung, Kundenidentifikation und den Zahlungsverkehr, die ausschließlich lizenzierten Instituten vorbehalten sind. Gleichzeitig wird das Anbinden von Einlagebanken und Distributionspartnern wie zum Beispiel o2 Banking von Telefónica Deutschland und N26 noch stärker aus einer Hand erfolgen. Für Georgadze ist klar: “Mit den geplanten Veränderungen können wir nachhaltig noch bessere Dienstleistungen für unsere Kunden und Partner anbieten. Wir wollen mit ‚Deposits as a Service‘ einen weit akzeptierten Marktstandard für Banken aus Europa schaffen.“

Fintech Raisin
WeltSparen Gründerteam: Michael Stephan, Dr. Tamaz Georgadze und Dr. Frank Freund. Foto: Raisin GmbH



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