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Bertelsmann Stiftung: Deutscher Arbeitsmarkt robust und flexibel

Redaktion

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FMW-Redaktion

Die Bertelsmann Stiftung hat heute eine von ihr in Auftrag gegebene Studie veröffentlicht mit der Überschrift „Deutscher Arbeitsmarkt robust und flexibel“. Darin wird betont, dass der lange als unflexibel geltende deutsche Arbeitsmarkt inzwischen zu den dynamischsten in Europa gehöre. Auch deshalb sei er ohne große Beschäftigungsverluste durch die Wirtschaftskrise gekommen, und sei für künftige Strukturwandel gut gerüstet. Zitat Bertelsmann-Stiftung:

„Höhere Dynamik als Deutschland attestiert die Studie lediglich den skandinavischen und baltischen Ländern, während Frankreich, Italien und viele osteuropäische Länder als besonders unflexibel eingestuft werden. Vor allem in den als unflexibel eingestuften Ländern sieht die Studie einen hohen Bedarf an weiteren Reformen auf dem Arbeitsmarkt. Denn auch das gesamtwirtschaftliche Umfeld und viele Einzelfaktoren können die Entwicklung einer Volkswirtschaft bestimmen. Wie etwa Kündigungsschutz, Arbeitslosenversicherung und Qualifizierungsmaßnahmen gestaltet sind, hat großen Einfluss auf die Anpassungsfähigkeit der Wirtschaft. Darüber hinaus hängen auch die Perspektiven von Arbeitnehmern und Erwerbssuchenden entscheidend von der Durchlässigkeit des nationalen Arbeitsmarkts ab.“

Vergleich mit Frankreich:

„Während aber in Frankreich hoher Mindestlohn und starre Lohnsetzung hinzukommen, begleitet Deutschland den Kündigungsschutz mit flexibilisierenden Maßnahmen auf betrieblicher Ebene – was die Aufstiegschancen der befristet Beschäftigten in Deutschland erheblich erhöht. 36,3 Prozent der Arbeitnehmer mit befristetem Arbeitsvertrag gelingt in Deutschland innerhalb eines Jahres der Sprung in ein unbefristetes Beschäftigungsverhältnis. In Frankreich schaffen das lediglich 10,6 Prozent – der geringste Wert im EU-Vergleich. In Deutschland ist zudem die berufliche Mobilität der Arbeitnehmer deutlich größer als in der Mehrzahl der EU-Staaten. 8,4 Prozent von ihnen wechseln jährlich die Stelle, die Wahrscheinlichkeit eines Berufswechsels liegt bei knapp 4 Prozent. In Frankreich liegen die Wechselquoten nicht einmal halb so hoch.“

Vor allem Flexibilität sei wichtig, so betont es die Studie:

„Je flexibler, desto besser ist eine zu einfache Formel. Es kommt auf eine gesunde Balance an zwischen Sicherheit und Flexibilität. Eine gute Beschäftigungspolitik ist immer ein Gesamtkunstwerk“, sagte De Geus. Auswirkungen einer über lange Zeit verfehlten Arbeitsmarktpolitik, so die Studie, sind selten kurzfristig rückgängig zu machen. So haben etwa Spanien und Polen bis weit ins vergangene Jahrzehnt versucht, ihren Arbeitsmarkt vorwiegend durch eine Erleichterung befristeter Arbeitsverhältnisse zu flexibilisieren. Gleichzeitig ist jedoch der hohe Kündigungsschutz unangetatstet geblieben. Auch wenn die Politik bereits seit 2008 umsteuert, liegen Polen und Spanien mit 28,3 und 24 Prozent Anteil befristeter Beschäftigung nach wie vor weit über dem EU-Durchschnitt (14,6 Prozent im Jahr 2014). Zugleich gelingt nur vergleichsweise wenigen befristet Angestellten in Spanien und Polen der Sprung in ein dauerhaftes Beschäftigungsverhältnis. Diese Kombination aus hohen Befristungsanteilen und geringen Aufstiegschancen macht es Ländern besonders schwer, in einer Phase des Aufschwungs dauerhaft stabile neue Jobs zu schaffen.“

Wir möchten betonen: Das kann man immer so oder so sehen. Einerseits gesellen sich zu den offiziell in Deutschland vorhandenen Arbeitslosen mindestens 30% Arbeitslose hinzu, die von der Bundesagentur für Arbeit mit dubiosen Methoden aus der Statistik herausgerechnet wurden. Fakt bleibt aber, dass sie arbeitslos sind, egal mit welchem Argument sie nicht offiziell als arbeitslos dargestellt werden. Und dann wären da ja noch Zeit, Leih- und Werksarbeiter sowie Scheinselbständige, die die Lohnkosten für Arbeitgeber in Deutschland niedrig halten.

Andererseits beruht die Studie auf einem Vergleich zum Rest Europas. Und von dieser Sichtweise aus gesehen kann man in der Tat sagen bei uns ist der Arbeitsmarkt robust. Immer noch besser 8-9% Arbeitslosigkeit in Deutschland als realistisch gesehen ca. 15% in Frankreich, oder 20-30% in den Mittelmeerländern Europas. Alles eine Frage der Sichtweise. Würde man nur Deutschland isoliert betrachten, würde man feststellen, so unsere Meinung, dass es trotz hunderttausender offener Stellen gleichzeitig Millionen von Arbeitslosen gibt. Und trotz enormer Nachfrage nach Geringqualifizierten (Wachschutz in Flüchtlingsheimen laut Arbeitsagentur) verbleibt die große Masse der Langzeitarbeitslosen in ihrem Zustand. Das wäre auch mal eine tiefgreifende Studie wert, wo hier der Grund für diese Diskrepanz liegt.

6 Kommentare

6 Comments

  1. Avatar

    leser

    14. April 2016 17:11 at 17:11

    Spätestens seitdem unser Justizminister Aufgaben der Staatsanwaltschaft an eine Bertelmann-Tochter ausgelagert hat, bekomme ich, wenn ich den Namen Bertelsmann höre, so einen eigenartigen Hautausschlag.

  2. Avatar

    Peter Herrmann

    14. April 2016 18:12 at 18:12

    Der aufgabenverteilende Justizminister befindet sich in guter Gesellschaft:
    Landsmannschaftlich ist er wie Honecker, Lafontaine auch Saarländer;
    als „Polizeiminister“ hatte er nach dem WK1 einen Parteifreund ebenfalls als
    Innenministrer, der für die Polizei verantwortlich war, der sozialdemokrat Herr Noske (der lt. Geschichtsunterricht) auf streikende Arbeiter schießen lies.
    MfrGr. Petermax

  3. Avatar

    oscar

    14. April 2016 18:21 at 18:21

    diese „staatsnahen und gefütterten institute sind weder neutral noch ehrlich. es sind windige im auftrag einer entfesselten, lügenpolitik agierende diener. ja klaro, der lemming muß doch beruhigt werden. immerhin muss dieses volk vom neu invasiven, zuzug der hochqualifizierten, wirtschaft und altersarmut fördern…oh sry verhindernden und rettenden fachkräftelawiene, integrativ „überzeugt“, polemisiert werden. also erfolg kennt keine kritik. weiter so….warum soll ehrlichkeit den satnd haben , den sie nie hatte ;-) ausser in der politik. upps….

  4. Avatar

    Steven

    14. April 2016 18:55 at 18:55

    Joa der Arbeitsmarkt ist robust .
    Robust stellt er sich gegen die Eingliederung von Älteren und Langzeitarbeitslossen .

    Interessant wäre noch wer die Studie letztlich für Bertelsmann gemacht hat .
    Ach halt ….nein doch nicht .

    Etwas seriöses kann es nicht gewesen sein .
    Nur ein weitere Steuerfressende NGO.

  5. Avatar

    Besucher

    14. April 2016 20:04 at 20:04

    Die Studie kann ich aufgrund meiner persönlichen Erfahrung nur bestätigen, zeigt man sich besonders flexibel bei der Arbeitszeit, Urlaub, Einsatzbereich ist es kein Problem eine Beschäftigung zu finden. Das hat aber auch Schattenseiten: Mein Konsumverhalten hat sich verändert und zwar drastisch. Es bleibt halt kein Spielraum mehr für unnütze Ausgaben. ;-)

  6. Avatar

    Besucher

    14. April 2016 20:19 at 20:19

    Um oben gesagtes mal in Zahlen zu verdeutlichen: Vor fünf Jahren habe ich von jedem Euro ca. 0,60€ für ungeplante/spontane Ausgaben zu Verfügung gehabt, jetzt sind es gerade mal 0,10€- 0,20€ und das obwohl das Nettoeinkommen gestiegen(!) ist. Kein Wunder also das trotz Wirtschaftsbooms überall kleine und mittelständische Geschäfte sterben/schließen. Es bleibt halt keine Zeit für eine Zeitung, `n Brötchen oder `n Kaffee. Wie die an die Arbeitslosenzahlen kommen ist mir ein Rätsel… ;-)

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So tickt die Börse: Grenke, Wirecard und Steinhoff: Die Schwachstelle im System

Stephan Heibel

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Grenke droht nach Wirecard zum nächsten Debakel für die Börse zu werden, wenn das Unternehmen nicht schleunigst alle Vorwürfe entkräftet. Ich habe den Blick auf Gemeinsamkeiten mit Wirecard und Steinhoff geworfen und mit Hilfe eines Kunden die Schwachstelle im System gefunden, die Betrügereien zumindest ermöglicht. Ob Grenke die Schwachstelle genutzt hat, ist noch offen.

Nach Steinhoff und Wirecard spekuliert Fraser Perring nun auf betrügerische Machenschaften bei Grenke Leasing. Über seine Researchfirma Viceroy (Vize-König) hat er eine 64 Seiten lange Analyse zu Grenke veröffentlicht, die den Aktienkurs um über 50% hat einbrechen lassen. Das pikante daran: Perring selbst ist im Vorfeld der Veröffentlichung der Vorwürfe massiv short gegangen, verdient sich also eine goldene Nase an dem Kurseinbruch.

Inzwischen hat Firmenpatriarch Wolfgang Grenke zu den Vorwürfen Stellung bezogen. Wir befinden uns meiner Einschätzung nach erst am Anfang einer Auseinandersetzung, die in den kommenden Wochen und Monaten mit immer neuen Details Anleger verunsichern wird. Ausgang ungewiss.

Da es sich um eine Masche handelt, die sich zu wiederholen scheint, habe ich mich ein wenig dahinter geklemmt, was nun wirklich das Problem ist. Stark geholfen hat mir dabei ein Kunde, der bei einem US-Unternehmen vor vielen Jahren entsprechende Machenschaften aufgedeckt hatte. Das System ähnelt sich immer wieder. Ich will versuchen, die Schwachstelle im System zu identifizieren, damit wir als Anleger das Risiko besser einschätzen können.

Es gibt verschiedene Wege, immaterielle Vermögensgegenstände zu Geld zu machen. Ich denke mir hier mal ein eigenes Beispiel aus: Die Software, die ich zum Betrieb des Heibel-Tickers entwickeln ließ, hat mich viel Geld gekostet. Da ich ohne die Software meinen Laden nicht betreiben könnte und ich sehe, was ich dadurch verdiene, ist die Software für mich subjektiv ein Vielfaches dessen wert, was ich dafür ausgegeben habe. Doch niemand möchte mir einen entsprechenden Geldbetrag dafür geben, denn für Dritte ist meine individuelle Software nahezu wertlos. Daher laufen Entwicklungskosten bei mir als Kosten und nicht als Investition. Einen Wert erschaffe ich damit nicht.

Wenn man nun hohe Wachstumsziele verfolgt und jeden Cent locker machen möchte, um ihn zu investieren, dann ärgern einen diese Kosten. Ich kann den Wert meiner Software nicht als Sicherheit hinterlegen, weil es niemanden gibt, der der Software einen in meinen Augen auch nur annähernd fairen Wert bemisst. Also könnte ich doch eine Auslandsgesellschaft gründen und diese kauft mir meine Software für meinen Wunschpreis ab. Das Geld für den Kauf erhält die Auslandsfirma aus einer anderen Abteilung meines Unternehmens und so fließen meinem Unternehmen Bargeld zu, während irgendwo anders eine Forderung entsteht. Die Forderung ist natürlich, und davon wäre ich als Unternehmensgründer überzeugt, durch den hohen Wert der Software sehr gut besichert.

Okay, hier verlassen wir meinen kleinen Heibel-Ticker als Beispiel, denn hier ist nun schon ein Konzern mit einer etwas komplexeren Struktur erforderlich.

Nun kommen die Wirtschaftsprüfer ins Spiel: Alle Gesellschaften, also sowohl die Konzernmutter in Deutschland als auch die Töchter in Luxemburg, Malta, Dubai und Brasilien (das sind nur zufällig Standorte von Grenke-Töchtern), werden dann von lokalen Wirtschaftsprüfern geprüft. Da kommen dann ein paar hochbezahlte und erfahrende Akademiker für mehrere Tage in die Räume des Unternehmens, drehen alles auf links und schauen nach, ob die jeweiligen nationalen Gesetze eingehalten wurden.

In Brasilien wird nicht geprüft, ob deutsche Gesetze eingehalten wurden. Es werden die jeweiligen Jahresabschlüsse nach den nationalen Gesetzen testiert.

Nun kommt der Konzernbilanzbuchhalter ins Spiel. Er übernimmt die Zahlen der einzelnen Landesgesellschaften und „konsolidiert“ sie in die Konzernbilanz. Bei diesem Vorgang würde dann der obige Softwarekauf herausgerechnet, da es sich um ein internes Geschäft handelt. Doch bei der Konsolidierung befinden wir uns in einem Bereich, den ich als anfällig bezeichnen würde: eine Schwachstelle.

Denn selbst im SAP-System gibt es noch kein ausgereiftes Modul, das diese Problematik zufriedenstellend gelöst hat. Bei meinen Recherchen habe ich in Erfahrung gebracht, dass SAP mit einem Partnerunternehmen derzeit ein solches System entwickeln möchte. Bis heute ist im SAP-System noch viel Handarbeit erforderlich, um die Konsolidierung umzusetzen. Viele Unternehmen haben an dieser Stelle eigene Lösungen entwickelt, die inzwischen vollautomatisch laufen, aber einen internationalen Standard gibt es noch nicht. Zu komplex sind die Anforderungen durch die Vielzahl der Geschäftsmodelle und die Vielzahl der beteiligten Länder bis hin zur Vielzahl an Interpretationsmöglichkeiten bzw. Handlungsspielräumen.

Wir haben es hier also mit testierten Zahlen zu tun, die im Zuge der Konsolidierung in einer Art verwendet werden, die nicht internationalen Gesetzen unterliegen. Es gibt Best Practice Vorschriften für Buchhalter, es gibt Empfehlungen und Leitlinien, aber meines Wissens riskiert ein Buchhalter, der im Rahmen der Konsolidierung „Fehler“ macht, nicht Kopf und Kragen, sondern erst einmal nur eine Rüge, sollte es auffliegen. „Hoppla, da ist mir wohl ein Fehler unterlaufen“.

Auch die Konzernbilanz wird natürlich geprüft. Doch ist es dem Prüfer nicht zuzumuten, sämtliche oben genannten Feinheiten zu überblicken. Er muss die konsolidierten Zahlen als gegeben hinnehmen und prüft deren Konsistenz, nicht aber Herkunft. Fragen über die Herkunft wird der Konzernbilanzbuchhalter beantworten und da können Sie von ausgehen, dass er eine plausible Erklärung hat, denn er kennt das Geschäft ja wesentlich besser als der Prüfer.

Auch die Herkunft wird jedoch geprüft. Der oben genannte Kunde erzählte mir aus seiner Erfahrung, dass alle 5-6 Jahre zwei Hochschulabgänger von der Konzernzentrale in einzelne Landesgesellschaften geschickt wurden, um sich vor Ort ein Bild zu machen. Erfahrene Prüfer wurden kaum eingesetzt, da es sich hierbei um einen Pflichtbesuch handelte, nicht jedoch um eine Pflichtprüfung: Zur Pflichtprüfung würde es nur werden, wenn falsche Ergebnisse teuer würden. Mangels entsprechender internationaler Sanktionsmechanismen in diesem komplexen Umfeld ist es für Prüfungsgesellschaften ökonomisch sinnvoll, dort ein paar günstige Arbeitskräfte hinzuschicken. Diese Frischlinge hören sich dann vor Ort mit stauenden Augen die Hintergründe zu den Zahlen an und glauben letztlich alles, was ihnen erzählt wird.

Nach einigen Jahren könnte der Konzern dann die 100%ige Softwaretochter aus Brasilien wieder übernehmen und in den Konzern eingliedern. Die Softwarefirma hat eine Software im Bestand, die über Jahre einen stabilen Wert ausgewiesen hat. Der entsprechende Kredit der Firma wird dann vom Konzern unter gleichen Bedingungen mit der gleichen Bescherung weitergeführt. Über die Zeit bläht sich die Bilanz des Unternehmens auf.

Grenke nutzt eine Partnerfirma im Ausland, CTP, um Leasingfirmen im Ausland zu betreiben. Diese Leasingfirmen werden nur dann zu Töchtern (also gekauft), wenn sie sich als erfolgreich zeigen. So werde das Risiko ausgelagert, sagt Patriarch Wolfgang Grenke. Viceroy Research behauptet, diese Auslandstöchter würden keinen Gewinn abwerfen, sondern nur über immer höhere Kredite einer anderen Konzerntochter, Grenke Finance, subventioniert.

In der Telco wurde Grenke nach den Eigentümern von CTP von VOR 2020 gefragt und ist einer Antwort ausgewichen, was von Perring über Twitter sofort mit Wirecard verglichen wurde, die auch lange Zeit Fragen zu Verhältnissen zwischen Partnergesellschaften nicht beantworten wollte. Mann Oh Mann, echt spannend!

Natürlich dürften Unternehmensteile Verluste erwirtschaften, das macht das ganze System noch nicht korrupt. Beispielsweise könnte so strategisches Wachstum verfolgt werden.

Ich würde die Situation derzeit so beschreiben: Es ist durchaus möglich, über ein Netz von Auslandsgesellschaften Zahlen vorzutäuschen, die nicht der Wirklichkeit entsprechend. Es gibt deutliche Schwachstellen in unserem System und es gab immer wieder Unternehmen, die diese Schwachstellen betrügerisch ausgenutzt haben. Viceroy hat nun bei Grenke viele Elemente entdeckt, die auch Unternehmen ausgewiesen haben, die diese Schwachstellen betrügerisch genutzt haben. Das allein reicht jedoch noch nicht, um Grenke den Betrug nachzuweisen.

Wer jetzt in Grenke investiert, weil die Aktie „günstig“ ist, der sollte sich der Gefahr bewusst sein. Sollten sich die Vorwürfe als richtig herausstellen, ist die finanzielle Basis des Leasing-Anbieters gefährdet. Grenke ist nun gefordert, die Vorwürfe vollumfänglich zu entkräften. Das ist, sofern Grenke sauber wirtschaftet, ärgerlich, weil es ein Riesenaufwand bedeutet! Auf der anderen Seite ist es natürlich auch sehr riskant, wenn Grenke tatsächlich die oben genannte Schwachstelle das ein oder andere Mal genutzt haben sollte.

Wer also in Grenke spekulieren möchte, der sollte forensische Blanzprüfungsfähigkeiten haben, um sich eine Meinung zu bilden. Andernfalls gilt meine alte Regel: Bilanzierungsunregelmäßigkeiten = Finger weg! Warten wir’s ab, denn der Ausgang ist einmal mehr ungewiss.

Einer, der öffentlich darauf spekuliert, dass an den Vorwürfen nichts dran ist, ist Fondsmanager Hendrik Leber von Acatis. Mindestens genauso wichtig wie das, WAS gesagt wird, ist, WER sagt es. Acatis ist mit 5,02% Anteilen an Grenke einer der Großaktionäre des Konzerns. In der Situation, wie sie ist, hat Leber keine andere Wahl, als die Vorwürfe als haltlos zu bezeichnen. Er hatte drei Möglichkeiten: Viceroy zustimmen, dann wäre seine Beteiligung schon morgen wertlos. Das kann er seinen Anlegern nicht antun, in diesem schlimmsten Fall müsste er zumindest versuchen, die Beteiligung noch irgendwie mit Verlusten loszuschlagen. Möglichkeit zwei wäre „nichts sagen“. Das kann ein so wichtiger Aktionär nicht ewig tun, sein Schweigen würde ihm irgendwann negativ ausgelegt. Möglichkeit 3 ist, die Vorwürfe als haltlos zu erklären. Entweder er trennt sich nun von seiner Beteiligung unter Verlust, oder aber er hat recht und steht am Ende als Fels in der Brandung da. Ungeachtet dessen, ob Leber tatsächlich weiß, was los ist, ist seine Aussage damit ziemlich wertlos, schade.

Ich bleibe am Ball und werde Updates in meinem Heibel-Ticker veröffentlichen. Bei Interesse geht es zur Anmeldung über www.heibel-ticker.de

So tickt die Börse

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Banken: Nach den großen jetzt die kleinen – Aufseher biegen Vorgaben zurecht

Claudio Kummerfeld

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Türme von Banken in Frankfurt

In der aktuellen Coronakrise sieht man es in vielen Bereichen. Wo es nicht passt, wird es von staatlicher Seite eben passend gemacht. Das ändert nichts an der miesen Lage, aber es sieht dann eben optisch besser aus. So zum Beispiel bei zahlreichen Zombieunternehmen, die auch nach der Krise wohl nicht wieder gesunden werden, die aber dank Aussetzung der Insolvenzantragspflicht bis Jahresende weiter machen können. Völlig überschuldet, aber noch liquide. Läuft. Und die Banken, die bekamen auch schon Hilfe.

Aufsicht hilft Banken mit verschiedenen Maßnahmen

Seit März müssen die Banken Kredite, die sie ihren Kreditnehmern gestundet haben, nicht als Kreditausfälle abschreiben. Also sind offiziell keine Verluste sichtbar, obwohl diese Kreditforderungen in vielen Fällen wohl ganz oder teilweise wertlos sind. Und heute verkündet die BaFin, dass die kleineren Banken in Deutschland, die unter direkter Aufsicht der BaFin stehen, ab dem 22. September bis Juni 2021 eine Erleichterung erhalten. Es wird ihnen nämlich erlaubt „gewisse Risikopositionen“ gegenüber der Zentralbank zeitlich befristet nicht zu berücksichtigen, wenn sie die Verschuldungsquote berechnen. Details der Regelung und den Voraussetzungen zur Nutzung kann man hier nachlesen. Weiter sagt die BaFin heute, Zitat:

Der europäische Gesetzgeber hat mit Artikel 500b der Europäischen Eigenmittelverordnung (Capital Requirements Regulation – CRR) vor dem Hintergrund der Covid-19-Pandemie eine zeitlich befristete Möglichkeit geschaffen, um gewisse Risikopositionen aus der Berechnung der Verschuldungsquote (Leverage Ratio) auszunehmen. Dies soll die Durchführung geldpolitischer Maßnahmen erleichtern. Gemäß Artikel 500b der CRR erklärt die BaFin nach Konsultation der Europäischen Zentralbank (EZB) als betroffener Zentralbank und in Koordination mit der Deutschen Bundesbank, dass außergewöhnliche Umstände vorliegen, die diesen Ausschluss rechtfertigen.

Die selbe Erleichterung zur Berechnung der Verschuldungsquote bei Banken hatte die EZB als Aufsichtsbehörde letzte Woche schon den großen Banken gewährt, die unter ihrer direkten Aufsicht stehen. Beim Klick an dieser Stelle finden Sie unseren heutigen Artikel über eine aktuelle Veröffentlichung der Bundesbank, wonach die Banken in Deutschland (als Gesamtbetrachtung) letztes Jahr 2 Milliarden Euro Verlust gemacht haben, nach 12,2 Milliarden Euro Gewinn in 2018.

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Bundesbank veröffentlicht erschreckende Zahl für deutsche Banken

Claudio Kummerfeld

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Banken in Frankfurt

Die Coronakrise trifft die Wirtschaft und auch die Banken, das ist verständlich. Aber bei der folgenden Zahl möchten wir betonen, dass es um das Gesamtjahr 2019 geht, also die Zeit noch vor dem Ausbruch der Coronakrise. Las man die großen Medienpublikationen, dann lief ja noch in 2019 alles total rosig in der Wirtschaft. Gut, hier und da eine „kleine Delle“ bei den Autoherstellern. Aber es gab doch de facto Vollbeschäftigung, die Steuereinnahmen sprudelten. Alles war doch irgendwie in Ordnung?

Nein, einige Kritiker wie zum Beispiel Markus Krall weisen seit Jahren auf eine schwelende Krise hin, und auch speziell auf den sich immer weiter fortsetzenden Niedergang der Banken. Und dieser Niedergang sei eine sehr, sehr ernste Angelegenheit für die ganze Volkswirtschaft. Denn wenn Banken Verluste machen, schrumpft ihr Eigenkapital. Und je weniger Eigenkapital, desto weniger neue Kredite können Banken vergeben. Denn jeder Kredit muss mit einem gewissen Eigenkapital-Anteil als Sicherheit für Kreditausfälle hinterlegt werden.

Bundesbank präsentiert Jahresverlust für deutsche Banken

Und jetzt sehen wir was? Die Bundesbank schreibt ganz frisch in ihrem heute veröffentlichten Monatsbericht September, dass die deutschen Banken in der Gesamtbetrachtung (im Jahr 2019) 2,2 Milliarden Euro Verlust nach Steuern gemacht haben. Und das nach einem Gewinn in 2018 in Höhe von 12,2 Milliarden Euro. Und wie gesagt, in diesen 2,2 Milliarden Euro Verlust im deutschen Bankensystem war die gesamte Coronakrise ja noch überhaupt nicht berücksichtigt. Die kommt erst im folgenden Jahr 2020 noch oben drauf.

Der Chart im folgenden Tweet der Barkow Consulting zeigt, wie die deutschen Banken also zu Ende letzten Jahres insgesamt ins Defizit gerutscht sind, nach jahrelangen Gewinnen. Zuletzt waren sie im Zuge der Finanzkrise 2008 zwei Jahre im Minus gewesen. Zur Ehrenrettung der Bankenbranche darf man erwähnen, dass die Großbanken diesen Verlust im Jahr 2019 verursacht haben. Die große Bundesbank-Tabelle zeigt Finanzdaten nach Bankensektoren. Nur die Großbanken machten Verlust. Sparkassen, Volksbanken etc lagen in der Gewinnzone. Aber abwarten, wie das Gesamtjahr 2020 aussehen wird! Können die Zahlen möglicherweise optisch deutlich besser ausfallen, als sie es tatsächlich sind? Denn bis Ende September gilt eine Sonderregel, nach der Banken wegen Corona gestundete Kredite nicht als Kreditausfall abschreiben müssen. Wird diese Sonderregel bis Jahresende verlängert, könnten die Jahreszahlen der Banken für 2020 rein optisch weniger katastrophal aussehen.

Grafik zeigt Finanzdaten deutscher Banken im Jahr 2019

Hier auszugsweise Aussagen der Bundesbank im Wortlaut:

Die Betrachtung der einzelnen Bankengruppen zeigt, dass die Gesamtentwicklung wesentlich durch die Großbanken getrieben wurde. Vor allem aufgrund eines negativen Sondereffekts infolge des strategischen Umbaus bei einem Institut verringerten sich bei den Großbanken der Zins- und Provisionsüberschuss, wodurch die Großbanken einen starken Rückgang ihrer operativen Erträge um 3,1 Mrd € auf 27,6 Mrd € verzeichneten. Die Sparkassen wiesen 2019 mit 29,7 Mrd € um 0,9 Mrd € geringere operative Erträge aus als noch im Jahr zuvor. Die Kreditgenossenschaften konnten hingegen ihre operativen Erträge im Vergleich zum Vorjahr leicht um 0,2 Mrd € auf 22,1 Mrd € steigern. Den mit 1,6 Mrd € größten Anstieg bei den operativen Erträgen auf 20,8 Mrd € im Jahr 2019 verzeichneten die Regional- und sonstigen Kreditbanken.

Auch die Entwicklung der Eigenkapitalrentabilität wurde wesentlich durch den Sondereffekt bei einem Institut aus der Gruppe der Großbanken getrieben. Die Eigenkapitalrentabilität vor Steuern in dieser Bankengruppe brach von 1,14 % im Vorjahr auf – 16,63 % im aktuellen Berichtsjahr ein.

Die Eigenkapitalrentabilität der Sparkassen sank

leicht um 0,33 Prozentpunkte auf 6,86 %. Dagegen steigerten die Kreditgenossenschaften ihre Eigenkapitalrentabilität um 1,04 Prozentpunkte auf 9,23 % und näherten sich damit anders als die Sparkassen ihrem langfristigen Mittel (10,76 %) an.

Chart zeigt Eigenkapitalrentabilität der Banken

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