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Betriebsrenten – Nullzinsen sind tickende Zeitbombe

In einer Phase, in der Baby-Boomer in Industriestaaten vor der großen Pensionierungswelle stehen, treiben die Notenbanken die Zinsen ins Absurde

Wolfgang Müller

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am

Die Nullzinspolitik der EZB stellt eine akute Gefahr für die Betriebsrenten dar!

Das Problem der Nullzinsen für Sparer, bei gleichzeitigem Kaufkraftschwund infolge der Inflation, ist ein ständiges Tagesthema in den Wirtschaftsmedien. Die DekaBank berechnete bei der Summe von 2,23 Billionen Euro (laut Bundesbank) auf deutschen Geldkonten jüngst einen durchschnittlichen Wertverlust von 404 Euro pro Bürger, jährlich.

Die Schwierigkeiten für das Alter anzusparen – wenn man dies am Anleihe- und Geldmarkt erreichen möchte, genauso wie das Ansparen für den Eigenkapitalanteil bei der Aufnahme eines Immobilienkredits – dies alles sind unmittelbare Folgen der EZB-Politik. Aber es trifft auch viele Kapitalsammelstellen wie Versicherer, die aus gesetzlichen Gründen an den Bondmärkten anlegen müssen. Betroffen sind aber auch große Firmen, die bei ihren Betriebsrenten große Pensionsverpflichtungen eingegangen sind. Das wird aus aktuellen Zahlen deutlich.

 

Betriebsrenten – eine tickende Zeitbombe für die Beschäftigten

Es sind zwei Entwicklungen, die das Rentensystem parallel ins Wanken bringen: Die steigende Lebenserwartung der Menschen und das „herabmanipulierte“ Zinsniveau auf den Geldmärkten, zu dessem Hintergrund hier schon viel geschrieben wurde – Stichwort finanzielle Repression. So schön die Zunahme der Lebenszeit ist – seit über 150 Jahren beträgt diese gut zwei Jahre (ziemlich konstant) nach einer Dekade – so problematisch wird das für Arbeitsmärkte und Pensionszusagen. Ausgerechnet in einer Phase, in der die Baby-Boomer in den Industriestaaten vor der großen Pensionierungswelle stehen, treiben die Notenbanken die Anlagezinsen ins Absurde. Ein paar Zahlen zu den großen Zukunftsverpflichtungen:

In den USA belaufen sich die ungedeckten Rentenzusagen der Firmen auf derzeit 560 Milliarden Dollar.
Der älteste Dow Jones-Konzern, General Electric, hatte bereits Ende 2018 eine Rentenlücke von 22 Milliarden Dollar und zog letzte Woche die Konsequenzen. Man fror die Betriebsrenten von 20 000 Angestellten ein und machte 10000 Pensionären ein Angebot einer einmaligen Auszahlung.

In Deutschland beträgt die Finanzierungslücke der Konzerne bei Betriebsrenten circa 111 Milliarden Euro (laut Studien: Flossbach von Storch, Willis Watsons Tower).

 

Die Sorgen der Dax-Konzerne

Noch scheinen die Dax-Konzerne ihre Verpflichtungen bei den Betriebsrenten im Griff zu haben. Sinkende Zinsen an den Kapitalmärkten werden aber aufgrund der vorgegebenen Bewertungsvorschriften zu höheren Pensionsverpflichtungen in den Bilanzen führen.

Aber die Firmen mussten mit dem angelegten Pensionsvermögen bereits 2018 einen satten Rückschlag verkraften. Man ging von einem Gewinn von 5,2 Milliarden Euro aus – es wurde ein Verlust von 4,4 Milliarden Euro, denn die Schwäche der  Aktienentwicklung im letzten Jahr konnte durch die erodierenden Anleihezinsen nicht kompensiert werden. 2019 ging die Zinstalfahrt bekanntlich so richtig weiter. Die Pensionsverpflichtungen sind zwar durch Vermögenswerte gedeckt, stehen aber wie Schulden in der Bilanz. Eine Belastung für die Unternehmensergebnisse, da die Zinsen weiter fallen (auch durch das Auslaufen von Langläufern, wie die 10-jährige Bunds) und ein Ende der Zinsbaisse nicht in Sicht ist.

Eine Berechnung der Unternehmensberatung Willis Towers Watson hat ergeben, dass die Verpflichtungen um 56 Milliarden Euro steigen, wenn die Verzinsung um einen Prozentpunkt fällt. Allein 2019 entstand durch diesen Effekt eine Pensionslücke von circa 40 Milliarden Euro bei den Dax-Unternehmen. Zwar gibt es verschiedene Modelle bei den Betriebsrenten (Pensionsfonds, Direktversicherung u.a.), aber die Problemstellung bleibt dieselbe.

Dazu ein paar Beispiele aus dem Dax:

In einer Reihung der Pensionsverpflichtungen im Dax steht Volkswagen an erster Stelle. Der Automobilkonzern weist eine Lücke von 33 Milliarden Euro auf (Zusagen 43,0 Mrd minus Anlagen von 10,9 Mrd.). Danach folgen Allianz mit 8,9 Milliarden, Bayer mit 8,4, BASF mit 7,4, Siemens bis hin zu SAP mit 0,1 Milliarden Euro.

 

Fazit – die Nullzinsen sind bei den Betriebsrenten angekommen!

Man kann es drehen und wenden, wie man will. Ein ganzes System in marktwirtschaftlich organisierten Gesellschaften ist über Jahrzehnte mittels positiver Kapitalmarktzinsen aufgebaut worden. Über Negativzinsen hat sich kein Finanzmathematiker, in welcher Institution auch immer, große Gedanken gemacht. Die derzeitige Situation ist ein Experiment der Notenbanken mit unbekanntem Ausgang. Jetzt ist das Thema auch bei den Betriebsrenten angekommen.

Der Ursprung ist die Verschuldung der Marktteilnehmer, von Staat, über Unternehmen bis zu den Konsumenten. Die Rechnung wird kommen, bezahlen werden wir alle – Steuerzahler, Sparer, Rentner, Aktionäre, aber auch Immobilienbesitzer werden ihren Teil hierzu leisten müssen. Große Schulden wurden bisher stets innerhalb eines langen Menschenlebens entwertet, genau wie Vermögen, durch Bankrott, typischerweise beginnend mit Banken-, Wirtschafts- und Währungskrise.

Zur Vermeidung von Unruhen könnte es aber auch auf einen jahrelangen schleichenden Enteignungsprozess hinauslaufen. Wie lange kann die zinslose Phase andauern?

 

Für Betriebsrenten sind die Nullzinsen eine tickende Zeitbombe

3 Kommentare

3 Comments

  1. Pingback: Aktuelles vom 15.10.2019 | das-bewegt-die-welt.de

  2. Avatar

    Gixxer

    16. Oktober 2019 14:49 at 14:49

    Hierzu auch Friedrich & Weik:

    https://www.youtube.com/watch?v=0jcFVzYLyOE

  3. Avatar

    Prognosti

    16. Oktober 2019 16:08 at 16:08

    Fazit: Die Beschissenen sind die Trump Wähler in den Werkstätten u.die Profiteure die Schonhabenden.
    Die Umverteilungsbombe wird irgendwann auch platzen obwohl gewisse Poster auch diese grässliche Information der FMW wieder als tendenziös bezeichnen werden.
    Jamie Dimon kritisiert diese Umverteilung auch, obwohl er jahrelang auf dieser wunderbaren Welle mitgeritten ist.

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Aktien

Markus Koch LIVE vor dem Handelsstart in New York – Robuste Ergebnisse auf breiter Front

Redaktion

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Markus Koch meldet sich im folgenden Video LIVE vor dem Handelsstart in New York. Die gemeldeten und heute Abend anstehenden Quartalszahlen sind heute ein wichtiges Thema.

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Aktien

Wall Street: Kommen jetzt Regulierungen durch die Biden-Regierung?

Wird es für die Wall Street unter Biden sehr viel schwieriger als unter Trump? Was passiert mit den Monopolen der großen Tech-Firmen?

Wolfgang Müller

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Wird es für die Wall Street unter Biden sehr viel schwieriger als unter Trump? Bereits seit Monaten wird darüber spekuliert, wie eine demokratische Regierung den großen Techfirmen mit ihren monopolartigen Stellungen zu Leibe rücken wird. Schon die Bildung der Regierung wird Hinweise darauf geben, viele designierte Minister haben bereits in der Regierung unter Barack Obama politische Posten bekleidet.

Die Wall Street und der Abbau der Regulierungen

Die Ära Trump war für die Wall Street geprägt von Deregulierungen, insbesondere im Finanzsektor, was natürlich den oberen Einkommensklassen zugute kam – trotz seiner Beteuerungen dem Establishment auf den Leib rücken zu wollen. Joe Biden hat bereits im Wahlkampf davon gesprochen, gegen die wachsende Ungleichheit im Lande vorgehen zu wollen, was zwangsläufig auf einen Machtkampf mit der Wall Street hinauslaufen würde. Jetzt hat er aber mit der neuen Finanzministerin Janet Yellen, der einstigen Notenbankchefin, eine Entscheidung gefällt, die eher Kontinuität als Radikalität in Finanzfragen erwarten lässt. Sie unterstützt natürlich das Corona-Hilfspaket von 1,9 Billionen Dollar, zu dem die Ministerin vor dem Senat betonte, dass diese Verschuldung mehr nutze, als dass sie schade. Ihre Zielstellung seien mehr und besser bezahlte Jobs und höherer Wohlstand für mehr Amerikaner.

Die letzten Personalentscheidungen deuten aber daraufhin, dass man die Wall Street doch in Teilbereichen stärker regulieren wolle.

Chef der Börsenaufsichtsbehörde SEC soll Gary Gensler werden, ein Mann, der schon von 2009 bis 2014, also unter der Präsidentschaft von Barrack Obama, die Aufsicht über die Derivate CFTC innehatte. Er hatte damals die Untersuchungen bei den Manipulationen des Zinssatzes Libor geleitet und die Finanzreform umgesetzt. Er gilt als harter Hund in der Szene, aber wie könnte es auch anders sein – er hatte zuvor schon 20 Jahre bei Goldman Sachs gearbeitet.

Die Aufgaben der SEC dürften gewaltig sein, im Stadium der derzeitigen Spekulationsauswüchse. Zum Beispiel bei den Special Purpose Acquisition Companies, kurz SPAC genannt. Firmen, die zunächst Kapital über einen Börsengang einsammeln, um das Geld in die Übernahme eines noch nicht feststehenden Unternehmens zu investieren. Ein kaum regulierter Bereich, bei dem es wieder auf Kosten der Kleinanleger gehen könnte. Bereits in den ersten drei Wochen wurden im Bereich der SPACS schon wieder 56 solcher Mantelfirmen an die Börse gebracht und 16 Milliarden Dollar an Geldern eingesammelt. Nach 300 Firmen im Jahr 2020.

Was Gensler auch besonders auszeichnet, sind seine Kenntnisse im Bereich der Kryptowährungen – einem Thema, über welches er auch an seiner Universität gelehrt hat. Er hat sich zur Szene schon sehr kritisch geäußert und wird sich ganz besonders mit Fintech-Unternehmen und Kryptowährungen befassen.

Unterstützt wird Gensler von Rohit Chopra, der Chef der Verbraucherschutzbehörde für Finanzprodukte (CFPB) werden soll, die nach der Finanzkrise gegründet wurde.

Der Mann hatte sich bereits in in seiner Zeit bei einer anderen Behörde gegen die Macht der großen Tech-Konzerne ausgesprochen. Er stimmte für die Klage der Behörde gegen Facebooks ungesetzliche Monopolisierung, der sich auch eine Gruppe von Generalstaatsanwälten angeschlossen. Unter Trump war der Einfluss der Verbraucherschutzbehörde deutlich zurückgefahren worden.

Chef der Bankenaufsicht (OCC) soll Michael Barr werden, ein Mann der auch schon im Finanzministerium zu Obamas Zeiten gearbeitet hatte und nun auf 1200 Banken ein Auge werfen soll.

Die Personalauswahl Bidens zeigt in jedem Fall, dass dem Schutz der Verbraucher zulasten der großen Firmen mehr Bedeutung zukommen wird – und das könnte ein Problem für die Wall Street werden.

Fazit

Wieder einmal stellt sich bei einer neuen Regierung die Frage, wie viel von den Programmpunkten aus dem Wahlkampf im politischen Kampf und vor allem gegen das mächtige Kapital der Wall Street in den USA umgesetzt werden kann. Wer glaubt, dass es jetzt zu einer größeren Umverteilung von Wall Street zu Main Street kommen würde, dürfte ein bisschen blauäugig sein. Bidens Mannschaft besteht aus vielen älteren Semestern, die schon unter Barrack Obama im Einsatz waren.

Außerdem spielen die Wall Street und die Kapitalmärkte in den USA eine viel dominantere Rolle als in allen anderen Industriestaaten der Welt. Es dürfte kaum Gouverneure, Senatoren und Politiker in führenden Positionen geben, die nicht auf einem großen Aktienpaket sitzen. Den Ast ansägen, auf dem man selbst sitzt? Das beste Beispiel ist doch die ehrwürdige Sprecherin der Demokraten, die bereits 80-jährige Nancy Pelosi. Wenn die Grande Dame der US-Demokraten sogar eine halbe Million Dollar für Optionen auf die Tesla-Aktie gesetzt hat, erst vor Kurzem und bereits in der Gewissheit in Regierungsverantwortung zu stehen, was werden wohl die anderen Abgeordneten in ihrem Vermögensdepots haben? Bestimmt kein gefülltes Girokonto, wie unser Finanzminister.

Ergo: Regulierungen an der Wall Street werden kommen, aber wohl immer noch mit Schonung des Aktien-Wunderlandes USA.

Wird die Biden-Regierung die Wall Street bald stärker regulieren?

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Aktien

Aktien: Blase? Manches spricht wohl eher dagegen!

Erleben wir derzeit eine große Blase bei Aktien? Warum fallen die Börsen nicht bei den immer wieder aufs Neue präsentierten „Bad News“?

Wolfgang Müller

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Erleben wir derzeit eine große Blase bei Aktien? Derzeit wundern sich viele über die Langlebigkeit der Euphorie an den Märkten bei bestimmten Aktien: bei den ständig zitierten Mode-Aktien, ob im Elektromobil- oder im Wasserstoffbereich, oder bei Pennystocks, die teilweise jenseits von Gut und Böse notieren. Aber auch über unglaubliche Stories bei den wiederentdeckten aus dem Bereich Aktien . Dort ist nicht alles „Dreck“, der nach oben gespült wird. Es gibt hierfür sogar fundamentale Zusammenhänge. Unabhängig von einer bevorstehenden Korrektur, die aufgrund der Hemmungslosigkeit von bestimmten Anlegerkreisen, immer wahrscheinlicher wird.

Aktien und die Mutter aller Kursanstiege

„We are in a bubble, but it’s a rational bubble“, so der sehr geschätzte Pimco-Berater Mohamed-El-Erian kürzlich in einem Interview. Was meint er damit?

Natürlich den großen Einsatz der Notenbanken, der alte Relationen bei Gewinn- und Umsatzdaten von Aktien und Indizes relativiert, deshalb ist es stets etwas verwunderlich, warum man alte Daten als Vergleichsmaßstab für Übertreibungen heranzieht.

Was bereits seit vielen Jahren die Aktienmärkte unterstützt, ist die Marginalisierung der Anlageklasse Anleihen, wie an diesem Chart ersichtlich, der eine Korrelation zwischen Bilanzausweitung der Notenbanken und dem Welt-Aktienindex aufzeigt.

Aktien - eine Blase? Die Bilanzen der Notenbanken

Die Branchenrotation

Als man im Spätsommer 2020 erkannt hat, dass es in absehbarer Zeit eine medizinische Lösung für die Covid-19 Pandemie geben könnte, ist eine Gattung von Aktien angesprungen, die besonders unter den Wirtschaftseinbrüchen gelitten hat und bereits schon ein Jahrzehnt die Wachstumsaktien underperformt – der Sektor der Small Caps. Klar ist der Nebenwerte-Index Russell 2000 sehr schnell gestiegen und manche Branchen wie der Energiesektor haben kleine Fahnenstangen ausgebildet – aber ist das eine Bubble? Wenn man sich die langfristige Performance betrachtet? Ich habe bereits im Herbst in einigen Artikeln darüber berichtet, dass es langfristig immer zu einem Ausgleich zwischen den Großen und den Kleinen und zwischen Value und Growth gekommen ist. Mit Small Caps meine ich natürlich nicht die vielen Pennystocks, die von Neo-Zockern derzeit „gehypt“ werden. Auch diese scheinbare Erfolgsgeschichte wird ein Ende haben. Hier sieht man die großen Zyklen der Auf- und Abschwünge.

Aktien in einer Blase? Small Caps

Zu Zeiten von Corona ein 42-Jahrestief, getrieben durch den Hype um die GAFAM-Titel. Die Small Caps befanden sich vor ein paar Monaten noch auf einem 20-Jahrestief und es ist nicht alles „Dirt“, der nach oben gespült wird.

Value gegen Growth

Wie bereits erwähnt, gibt es seit Jahrzehnten einen Zweikampf zwischen den Wachstums- und den langweiligen Aktien aus dem Bereich Value, bei denen es immer wieder zu einem Ausgleich in der Performance gekommen ist. Was liegt also näher, als dass der technogielastige Nasdaq-Index nach seinen 1100 Prozent Performance seit 2009 sich eine Zeitlang schlechter entwickeln wird, als die Aktien aus dem Bereich Value? Dafür dürften schon allein die Regulationen unter der neuen Regierung Biden sorgen. Deshalb wird die Breite der Kursanstiege zunehmen, weil die Big Seven mit ihren 27 Prozent Marktanteil an Dominanz verlieren könnten. Hier ein langfristiger Chart, der das Auf- und Ab zwischen den Anlageklassen dokumentiert.

Die Vergleiche zwischen Energie- und Finanztiteln und dem S&P 500 und zwischen Gesundheit, Konsumgüterherstellern, Versorgern und dem Leitindex.

Die Entwicklung der Aktien Zykliker und defensive Aktien

Fazit

Warum fallen die Börsen nicht „Stante Pede“ bei den immer wieder aufs Neue präsentierten „Bad News“? Zum einen, weil die oben beschriebene Branchenrotation läuft und weil die Märkte Corona abgehakt haben und aufgrund des zeitlichen Vorlaufs schon auf den Herbst blicken. Unabhängig von den jederzeit möglichen Korrekturen, aufgrund der vielen Anleger, die glauben an den Börsen einen „Free Lunch“ zu bekommen. Bei dem Irrsinn am Optionsmarkt mit kleinen Titeln, die immer wieder „Gamma-Squeezes“ auslösen. Deshalb kann jederzeit ein Washout einsetzen, die Volatilität steigen.

Vergessen wir aber bei all der Zockerei mit den kleinen Aktien nicht. Alle 2000 Werte im Russell zusammen besitzen nicht einmal ein Zehntel der Marktkapitalisierung des Aktienmarktes in den USA. Allein eine Enttäuschung bei einem FAANG-Wert in dieser Berichtssaison wird größere Marktreaktionen zeitigen, wie ein Wert GameStop, auch wenn er auf absurde 10 Milliarden Dollar gepusht wird, es ist nicht einmal ein halbes Prozent von Apple. Die große Gefahr lauert im Nasdaq.

Der Verlauf der Corona-Krise, Beispiel USA: Die Coronainfektionen haben bereits offiziell die schreckliche Zahl von 26 Millionen Bürger (7,7 Prozent der Bevölkerung erreicht). Nimmt man die Dunkelziffer in moderater Form hinzu, dürfte man schon bei 100 Millionen Menschen angelangt sein. Aber wie viele Menschen wurden schon in wenigen Wochen geimpft? Über 22 Millionen und es werden in Kürze mehr als eine Million pro Tag sein, wenn AstraZeneca, Johnson&Johnson, CureVac, Novavax, Inovio, Sanofi und viele andere auch noch auf den Markt drängen (nach BioNTech und Moderna). Die Zahl der Impfstoffprojekte beträgt aktuell 186, 60 davon sind in klinischen Studien. Da scheint das Vorhaben der USA die eigene Bevölkerung bis in den Spätsommer immunisiert zu haben, gar nicht so abwegig zu sein. Nicht so sehr in der EU, die sich beim Ordern der Impfdosen über den Tisch hat ziehen lassen (America und Money First). Darauf blicken die Märkte – aber was das mit Kapitalmarktzinsen, Inflation und Firmenpleiten zu diesem Zeitpunkt macht, das ist das Thema des Herbstes und kann auch heute nicht von den Börsen beurteilt werden.

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