Devisen

Comeback des Greenback „Big Dollar Short“: Wenn eine sichere Wette zum Pain-Trade wird

Symbole verschiedener Währungen in einer Wechselstube in Bangkok. Foto: Bloomberg

Der „Big Dollar Short“ steht vor einer überraschenden Wende. Während Anleger weltweit auf einen schwächeren US-Dollar gesetzt haben, trotzt die Währung allen Prognosen. Was einst als sichere Wette galt, entwickelt sich nun zum Risiko – auch, weil die Fed möglicherweise nicht mitziehen wird. Der Greenback könnte die globalen Finanzmärkte bis zum Jahresende in Atem halten.

„Big Dollar Short“ wird zum Pain-Trade

Die Wette gegen die Leitwährung, bekannt als der „Big Dollar Short“, war lange Zeit der dominierende Trend im Devisenmarkt, der täglich rund 9,6 Billionen USD bewegt. Doch laut einem Bloomberg-Bericht wankt dieser Trade zunehmend. Trotz des anhaltenden Regierungsstillstands in den USA befindet sich der Dollar auf einem Zweimonatshoch. Händler in Asien und Europa berichten, dass Hedgefonds vermehrt Optionswetten eingehen, um auf eine weitere Dollar-Stärke bis zum Jahresende zu setzen.

Ausschlaggebend sind vor allem Entwicklungen im Ausland: Sowohl Euro als auch Yen haben zuletzt stark an Wert verloren. Gleichzeitig mahnten mehrere Vertreter der US-Notenbank Fed zur Vorsicht bei weiteren Zinssenkungen – was die Leitwährung zusätzlich stützt. Für Anleger, die weiterhin auf einen schwachen Greenback setzen, wird die Lage zunehmend schmerzhaft. Zu den prominenten Dollar-Bären zählen Goldman Sachs, JPMorgan Chase und Morgan Stanley.

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Die anhaltende Dollar-Stärke könnte erhebliche Folgen für die Weltwirtschaft haben. Sie erschwert es anderen Notenbanken, ihre Geldpolitik zu lockern, verteuert Rohstoffe und erhöht die Schuldenlast jener Länder, die in US-Dollar verschuldet sind. Zudem droht eine Dollar-Rallye die Kursfantasie an den Schwellenmärkten zu bremsen und US-Exportwerte zu belasten.

Wendepunkt bei großen Investoren

Ed Al-Hussainy von Columbia Threadneedle gehört zu jenen Marktstrategen, die ihre Einschätzung geändert haben. Ursprünglich setzte er Ende 2024 auf einen fallenden Greenback, als dieser nach der US-Wahl im Rahmen des sogenannten „Trump-Trade“ noch zulegte. Doch in den vergangenen Wochen reduzierte er seine Positionen in Schwellenländern deutlich. „Wir sind beim Dollar deutlich positiver geworden“, sagte Al-Hussainy. „Die Märkte haben eine sehr aggressive Serie von Zinssenkungen der Fed eingepreist, und es wird schwierig, diese umzusetzen, ohne dass der Arbeitsmarkt deutlich einbricht.“

"Big Dollar Short" bereitet Anlegern schmerzen - Fed im Fokus
Dollar-Verluste haben sich seit Juli abgeschwächt | Der Bloomberg-Dollar-Index ist in der zweiten Jahreshälfte um etwa 2% gestiegen.

Der Bloomberg Dollar Spot Index legte seit Jahresmitte rund zwei Prozent zu, nachdem er im ersten Halbjahr den stärksten Einbruch seit Jahrzehnten erlebt hatte. Nach dem Amtsantritt von Präsident Donald Trump war der Dollar zunächst gefallen, da Anleger davon ausgingen, dass moderate Inflation der Fed Spielraum für Zinssenkungen lasse. Mit Trumps Einführung neuer Zölle im April 2025 weitete sich die Schwächephase aus – Befürchtungen über eine Abkehr ausländischer Investoren und Spekulationen über Trumps Präferenz für einen schwächeren Greenback verstärkten den „Big Dollar Short“.

Doch die befürchtete Kapitalflucht blieb aus. US-Aktien, insbesondere Technologiewerte, blieben attraktiv, und auch bei Staatsanleiheauktionen blieb die Nachfrage solide. Zwar zeigen Daten der US-Terminmarktaufsicht CFTC, dass Hedgefonds und Vermögensverwalter weiterhin Short-Positionen halten, diese liegen jedoch deutlich unter den Niveaus vom Sommer.

Wende im Optionsmarkt und Fed-Unsicherheit

Zunehmend setzen Hedgefonds wieder auf die Leitwährung. Laut Mukund Daga, dem globalen Leiter für Währungsoptionen bei Barclays, werden verstärkt Optionen auf eine Dollar-Stärke gegenüber den meisten Währungen der G10-Staaten gehandelt. Auch zahlen Investoren derzeit mehr für Absicherungen gegen einen steigenden Dollar als für den gegenteiligen Fall – ein klares Zeichen wachsender Zuversicht.

Wohin der Greenback als Nächstes steuert, bleibt jedoch unklar. Entscheidend werden die weiteren Schritte der Fed sein. Der Markt rechnet derzeit mit zwei Zinssenkungen bis Jahresende und weiteren im kommenden Jahr. Doch die jüngsten Fed-Protokolle und Aussagen der Währungshüter zeigen, dass der Pfad keineswegs feststeht. Während sich der Arbeitsmarkt leicht abkühlt, bleibt die Inflation hartnäckig. „Die Märkte preisen nun einen vollständigen Zinssenkungszyklus der Fed ein“, sagte Mona Mahajan von Edward Jones. „Das erklärt die Dollarschwäche – aber eine gewisse Gegenbewegung war zu erwarten.“

Dollar-Sentiment dreht bullisch – Bloomberg-Dollar-Index ist in der zweiten Jahreshälfte gestiegen.

Bloomberg-Analyst Garfield Reynolds ergänzt: „Die wachsende Dynamik für den Greenback erzeugt neuen Druck auf überdehnte Dollar-Bären. Es hängt noch viel Kapital an der Hoffnung, dass die ‘Sell America’-Erzählung aus Anfang 2025 zurückkehrt. Wenn das so ist, drohen weitere Dollar-Short-Eindeckungen.“

Politische Risiken

Erschwert wird die Prognose durch den US-Regierungsstillstand, der wichtige Arbeitsmarktdaten verzögert. Sollte sich eine Schwäche am Arbeitsmarkt zeigen, könnte der „Big Dollar Short“ wieder an Fahrt gewinnen. Manche Wall-Street-Banken erwarten daher weiterhin eine Dollar-Abwertung in den kommenden Monaten.

Wall Street rechnet mit schwächerem Greenback bis Jahresende

Doch geopolitische Unsicherheiten verändern das Bild: In Japan schwächte sich der Yen ab, nachdem die designierte Premierministerin Sanae Takaichi expansive, schuldenfinanzierte Programme ankündigte. In Frankreich stürzt Präsident Emmanuel Macrons Regierung in eine neue Krise, was den Euro zusätzlich belastet. „Fakt ist“, sagt Andrew Brenner von Natalliance Securities, „der Dollar ist im Moment das relativ sauberste Hemd in der dreckigen Wäsche.“

Angesichts dieser Lage könnte die Stärke des Greenbacks bis Jahresende anhalten – und der „Big Dollar Short“ bleibt für viele Anleger eine schmerzhafte Wette.

FMW/Bloomberg



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