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BioNTech diversifiziert – Deal mit Pfizer für Gürtelrose-Impfstoff

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Seit Tagen fallen die Aktien der Impfstoffhersteller, auch die von BioNTech. Denn es gibt einige Expertenstimmen, die in den nächsten Monaten das Ende der Coronakrise für möglich halten. Beschert die neue Omikron-Variante, die die Delta-Variante zunehmend überlagert, zwar mehr Infektionen, dafür aber harmlose Verläufe, welche Impfungen (vierte, fünfte, sechste Impfung usw) überflüssig machen? Wer kann das schon heute sagen, ob es wirklich so kommt. Aber aus Angst vor einbrechenden Umsätzen sinken die Impfstoff-Aktien. Von daher kommt diese aktuelle Meldung von BioNTech und Pfizer genau zum richtigen Zeitpunkt. Denn Diversifikation ist angesagt, wenn man wie BioNTech nur ein einziges Produkt hat, das droht im Umsatz zu erlahmen (vergleichbar mit dem Versuch bei Apple sich von der Abhängigkeit zum iPhone zu lösen?). Wenn eine Chance auf Diversifizierung des Portfolios besteht, ist das natürlich positiv zu bewerten. Daher steigt die BioNTech-Aktie in den letzten Minuten von 198 Euro auf 201,40 Euro.

Denn die beiden Unternehmen, die beim auf mRNA-Technologie basierenden Corona-Impfstoff Comirnaty bereits zusammenarbeiten, verkünden aktuell auch eine Kooperation im Kampf gegen die schmerzhafte Hauterkrankung Gürtelrose, an der laut Mitteilung einer von drei US-Amerikanern einmal im Laufe seines Lebens erkrankt. Dementsprechend ist das ein riesiger potenzieller Absatzmarkt für einen Impfstoff, der auf mRNA-Technologie basiert? Deswegen geben Pfizer und BioNTech jetzt offiziell ausgedrückt eine „neue Forschungs-, Entwicklungs- und Kommerzialisierungsvereinbarung zur Entwicklung eines potenziell ersten mRNA-Impfstoffs zur Vorbeugung von Gürtelrose“ bekannt.

Die Zusammenarbeit baut laut Mitteilung auf dem Erfolg der beiden Unternehmen auf, die den ersten zugelassenen und am weitesten verbreiteten mRNA-basierten Impfstoff zum Schutz vor einer COVID-19-Erkrankung entwickelt haben. Dies ist die dritte Partnerschaft zwischen Pfizer und BioNTech im Bereich der Infektionserkrankungen. 2018 initiierten die Unternehmen die Zusammenarbeit zur Entwicklung eines Grippeimpfstoffs, im Jahr 2020 startete die gemeinsame Entwicklung eines COVID-19-Impfstoffs.

Hier weitere Aussagen aus der Unternehmensmitteilung im Wortlaut:

Im Rahmen der Vereinbarung werden die beiden Unternehmen eine von Pfizers Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern entwickelte, unternehmenseigene Antigen-Technologie sowie die von BioNTech entwickelte unternehmenseigene mRNA-Plattformtechnologie nutzen. BioNTechs mRNA-Technologie wurde zuvor bereits für die Entwicklung des gemeinsamen COVID-19-Impfstoffs eingesetzt. Die Entwicklungskosten werden sich die Unternehmen teilen. Die klinischen Studien sollen planmäßig in der zweiten Jahreshälfte 2022 beginnen. Pfizer hat das Recht, den potenziellen Impfstoff weltweit zu vermarkten, mit Ausnahme von Deutschland, der Türkei sowie bestimmten Entwicklungsländern, in denen BioNTech die Vermarktungsrechte besitzen wird. Die Unternehmen werden die Bruttogewinne aus künftigen Produktverkäufen teilen.

„Pfizer und BioNTech haben gemeinsam den weltweit ersten mRNA-basierten Impfstoff entwickelt und somit ein gut verträgliches und wirksames Mittel geschaffen, das zur Bekämpfung von COVID-19 beiträgt – der verheerendsten Pandemie seit einem Jahrhundert. Außerdem haben die beiden Unternehmen eine beständige, flexible und qualitativ hochwertige Produktion in einem noch nie dagewesenen Umfang aufgebaut“, sagte Dr. Mikael Dolsten, Chief Scientific Officer und President, Worldwide Research, Development & Medical von Pfizer. „Mit dieser Vereinbarung setzen wir unsere gemeinsame Reise in der Entwicklung von Impfstoffen fort. Wir entwickeln die mRNA-Technologie kontinuierlich weiter und gehen so eine weitere gesundheitliche Herausforderung an, die reif für wissenschaftliche Innovationen ist. Dies wird unterstützt durch unser erstklassiges Produktionsnetzwerk.“

„Mit dieser Zusammenarbeit möchten beide Unternehmen ihr Know-how und ihre Ressourcen nutzen, um einen neuen mRNA-basierten Impfstoff gegen Gürtelrose zu entwickeln“, sagte Prof. Ugur Sahin, CEO und Mitgründer von BioNTech. „Erwachsene ab einem Alter von 50 Jahren sowie besonders gefährdete Bevölkerungsgruppen wie zum Beispiel Krebspatienten haben ein erhöhtes Risiko, an Gürtelrose zu erkranken. Unser Ziel ist es, einen mRNA-Impfstoff mit einem vorteilhaften Risikoprofil und hoher Wirksamkeit zu entwickeln, der gleichzeitig in seiner Herstellung einfacher skalierbar ist, um einen weltweiten Zugang zu ermöglichen.“

Im Rahmen der Vereinbarung erhält BioNTech Vorauszahlungen von Pfizer in Höhe von 225 Millionen US-Dollar, einschließlich einer Barzahlung von 75 Millionen US-Dollar sowie einer Kapitalbeteiligung von 150 Millionen US-Dollar. BioNTech hat Anspruch auf künftige Zulassungs- und Umsatzmeilensteinzahlungen in Höhe von insgesamt bis zu 200 Millionen US-Dollar. Pfizer erhält von BioNTech für die unternehmenseigene Antigen-Technologie 25 Millionen US-Dollar.



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