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BioNTech und Pfizer beantragen Impfstoff-Zulassung in Europa

Markus Fugmann

Veröffentlicht

am

Die deutsche Biotech-Firma BioNTech und Pfizer haben soeben mitgeteilt, dass ihr auf der mRNA-basierenden Technologie basierenden Impfstoff bei der Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA) eingereicht haben, sodass – eine Genehmigung vorausgesetzt – bereits Ende 2020 der Impfstoff eingesetzt werden könnte. Die Aktie von BioNtech reagiert mit einem Plus von 2,9% auf die Meldung – die Aktienmärkte ingesamt bleiben weitgehend unberührt, weil dieser Schritt erwartet worden ist, nachdem bereits am 09.November von beiden Unternehmen positive Ergebnisse vermeldet worden waren:

Der Aktienkurs von BioNTech

Hier die Pressemeldung von BioNTech und Pfizer im Wortlaut:

NEW YORK, USA und MAINZ, Deutschland, 1. Dezember 2020 — Pfizer Inc. (NYSE: PFE) und BioNTech SE (Nasdaq: BNTX) haben am Montag, den 30. November 2020, den Antrag für eine bedingte Marktzulassung für den mRNA-Impfstoffkandidaten BNT162b2 gegen COVID-19 bei der Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA) eingereicht. Dieser Antrag vervollständigt den am 6. Oktober 2020 mit präklinischen und den bis dahin vorhandenen chemisch-pharmazeutischen Daten (CMC-Daten; CMC: Chemistry, Manufacturing, and Controls) begonnenen Einreichungsprozess, der mit klinischen Daten aus den laufenden Studien von Pfizer und BioNTech ergänzt wurde. Falls die EMA zu dem Schluss kommt, dass die Vorteile des Impfstoffkandidaten zum Schutz gegen COVID-19 mögliche Risiken überwiegen, wird die Behörde die Erteilung einer bedingten Marktzulassung empfehlen. Dies könnte den Einsatz von BNT162b2 bereits vor Ende 2020 in Europa ermöglichen.

Die Einreichung basiert auf einem 95 %igen Impfschutz (p<0.0001) in Probanden ohne vorherige SARS-CoV-2-Infektion (erstes Hauptziel der Studie), wie die Phase-3-Studie zeigte. Auch in Probanden mit oder ohne vorheriger SARS-CoV-2-Infektion konnte ein Impfschutz erreicht werden (zweites Hauptziel der Studie). In beiden Fällen wurde der Impfschutz sieben Tage nach Verabreichung der zweiten Dosis erzielt. Die Wirksamkeit des Impfstoffs war über alle Alters- und Geschlechtsgruppen und die gesamte diverse Studienpopulation hin konsistent. Der Impfschutz bei Erwachsenen über 65 Jahren lag bei über 94 %. Die Abschlussanalyse des ersten Hauptziels der Studie wurde nach 170 bestätigten COVID-19-Fällen durchgeführt. Insgesamt wurde der Impfstoff in der Studie gut vertragen und das Data Monitoring Committee (DMC) konnte bisher keine schwerwiegenden Nebenwirkungen feststellen. 41 % der weltweiten Studienteilnehmer und 45 % der amerikanischen Studienteilnehmer sind im Alter von 56 bis 85 Jahren.

„Mit dem heutigen Tag erreichen wir einen weiteren wichtigen Meilenstein in unseren Bemühigen, diese schwere Krise zu bekämpfen. Wir bleiben unserem Versprechen treu, alles uns mögliche zu tun und den dringenden Bedarf addressieren zu wollen“, sagte Dr. Albert Bourla, Chairman und CEO von Pfizer. „Seit dem Beginn dieser Reise wussten wir, dass die Menschen auf einen Impfstoff warten und sobald uns eine mögliche Zulassung erteilt wird, stehen wir bereit COVID-19-Impfstoffdosen auszuliefern.“

„Als Unternehmen mit Sitz im Herzen Europas ist der heutige Meilenstein für uns immens wichtig, da wir uns weiterhin darum bemühen, eine weltweite Verteilung nach der potenziellen Zulassung von BNT162b2 zu ermöglichen.“, sagte Prof. Ugur Sahin, CEO und Mitbegründer von BioNTech. „Wir wollen weiterhin mit den Zulassungsbehörden weltweit zusammenzuarbeiten, um im Falle einer Zulassung die schnelle globale Verteilung unseres Impfstoffs zu ermöglichen. Hiermit möchten wir zu den globalen Bemühungen bei der Bekämpfung des Virus beitragen, um wieder zu einem Normalzustand zurückzukehren“.

Der Impfstoffkandidat unterliegt weiterhin den üblichen strengen Qualitäts-, Sicherheits- und Wirksamkeitsstandards der EMA. Der BNT162b2-Impfstoffkandidat ist bis jetzt in keinem Land der Welt für den Gebrauch zugelassen.

Neben der Einreichung bei der EMA, der U.S. Food and Drug Administration (FDA) und der Medicines and Healthcare Products Regulatory Agency (MHRA) im Vereinigten Königreich, haben die Unternehmen weltweit zusätzliche rollierende Einreichungen initiiert, einschließlich in Australien, Kanada und Japan. Weitere Anträge bei anderen Zulassungsbehörden sind in Kürze geplant.

 

BioNtech beantragt Zulassung für Impfstoff

13 Kommentare

13 Comments

  1. Avatar

    Columbo

    1. Dezember 2020 12:22 at 12:22

    Der sehr baldige Einsatz von Impfstoffen wird viele diesbezügliche Schwarzseher auf dem falschen Fuß erwischen. Das Gros der Börsen/Finanzexperten hat, da meist medizinische Laien, keine Vorstellung davon, wie Impfung wirklich funktioniert und wie schnell und vielfältig die Forschung auf diesem Gebiet voranrast. Man vergißt, daß das weltweite Forschungsuniversum derzeit auf ein einziges Ziel fokussiert ist und ja nicht bei Null beginnen mußte. Das Know How war schon vor Corona enorm, Impfstoffe sind schließlich ein alter Hut in der Medizin. Noch dazu spielt Geld keine Rolle.
    Die Vorstellung vom Immunsystem gleicht bei manchen Zeitgenossen einem Fantasyfilm. Zugegeben, Recherche auf diesem Gebiet ist für Fachfremde nicht leicht. Daher auch manche abenteuerliche Phantasien.
    Wenn ich denke, wie vernachlässigbar gering die Nebenwirkungen der bisherigen „alten“ Impfstoffe sind, ein Aspirin ist gefährlicher… Ich habe dreissig Jahre lang unzählige Kinder und Erwachsene geimpft und NICHT EIN EINZIGES MAL eine ernstzunehmende Nebenwirkung gesehen.

    • Markus Fugmann

      Markus Fugmann

      1. Dezember 2020 12:31 at 12:31

      @Columbo, aber vielleicht sollte man fairerweise dazu sagen, dass diese verabreichten Impfstoffe ein vorheriges, jahrelanges Zulassungs-Verfahren hatten, also wirklich erprobt waren; das ist hier aufgrund der kurzen Dauer ja nicht möglich..

  2. Avatar

    Columbo

    1. Dezember 2020 13:07 at 13:07

    @Markus, sicher, ein jahrelanges Zulassungsverfahren ist beruhigender, aber halt ein Luxusproblem. Diese Zeit haben wir nicht. Angesichts eines Zusammenbruches der Wirtschaft mit ihren Folgen nehme ich das verkürzte Verfahren gerne in Kauf, ich sehe das Risiko als sehr gering an.
    Ein von den europäischen und/oder amerikanischen zuständigen Behörden zugelassener Impfstoff hat immer noch einen sehr hohen Sicherheitslevel, auch wenn das Verfahren verkürzt wurde. Da ist z.B. Rauchen, Autofahren, Radfahren oder sich als Fussgänger in der Großstadt bewegen um einiges riskanter.
    Gegen Kriege, Unfälle, Luftverschmutzung, ist der Mensch viel machtloser als gegen Viren und Bakterien. Das beweist die Geschichte.
    Ich werde mich jedenfalls sofort impfen, sobald der Impfstoff verfügbar ist.

  3. Avatar

    Wirrologe

    1. Dezember 2020 13:27 at 13:27

    Diese neuen Methoden heissen jetzt NOTZULASSUNG ODER ZULASSUNG AUF ZUSEHEN..Habe soeben am Radio gehört ,dass durch die Corona Krise das Ziel der Malariabekämpfung in Simbawe von 2030 verzögert oder gefährdet sei. Wer so träumerisch die Corona Krise abhacken will, ist genau das Gegenteil der sogenannten Schwarzseher.Erstaunlich was da medizinische „NICHT- LAIEN von sich geben.

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    worf2

    1. Dezember 2020 15:43 at 15:43

    Mir tun Ihre Patienten leid – nach Contergan haben doch auch alle gut geschlafen. Die Zeiten, in denen hoppla-hopp etwas zugelassen wurde, waren ja eigentlich spätestens mit der Nachzulassung von 1978! bis 2005 beendet.
    Worauf stützen Sie denn Ihr Wunschdenken? Auf den PCR Test – dann mal ran an diese Quelle – https://cormandrostenreview.com/retraction-request-letter-to-eurosurveillance-editorial-board/ – nebenbei bemerkt sind Impfschäden inklusive Toten nicht ganz so selten, auch in einem Fall in der eigenen Familie vorgekommen.
    Welche relevante Fragen können denn anhand des Studiendesigns mit ausreichender Sicherheit beantwortet werden? Offensichtlich zuwenige, um den Mummenschanz zu beenden, so auch der SPD-Experte xxbach ab Minute 3:11 in https://www.youtube.com/watch?v=nO0p3kWRido – Wie stehen Sie zu den berechtigten Einwänden von Kollegen, in den Kommentaren des Äezteblatts, siehe https://www.aerzteblatt.de/nachrichten/118870/PCR-Test-auf-SARS-CoV-2-zeigt-hohe-klinisch-diagnostische-Sensitivitaet-von-nahezu-100-Prozent – jeder hat dann ja seinen Platz gefunden, so gewiss auch die Funktionäre der Kammern, die Patienten zur Denunziation von nicht narrativkonformen Ärzten auffordern.
    Von einem Menschen Ihres Alters hätte ich etwas mehr Distanz zu bunten Prospekten erwartet.

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    Kritisch on fire

    1. Dezember 2020 17:14 at 17:14

    Schönen Nachmittag!
    Also, ich werde mich sicher nicht impfen lassen. An dieser mRNA Technologie, der angebliche Heilsbringer gegen COVID, wird seit Anfang der 1990-iger bereits geforscht. Die bestehenden Probleme mit diesen Wirkstoffen scheinen noch nicht gelöst und sind auch die zur Verfügung gestellten Daten an die Zulassungsbehörden angeblich lückenhaft und unzureichend. Ohne Langzeitstudien und durch den wirtschaftlichen Druck wird hier m.E. ein „Hypergeschäft“ am Rücken der Bürger getätigt. Wenn ich dann noch höre, dass in den Vorverträgen mit den Anbietern Haftungsausschlüsse für die Produzenten vereinbart sind, wird mir ganz schwummerig.
    So gesehen und nach Abwiegung der Pro und Contra warte ich zumindest 1 – 2 Jahre zu und beobachte die Meldungen über allfällige neg. Impffolgen, sofern diese überhaupt publik werden.

  6. Avatar

    Columbo

    1. Dezember 2020 18:23 at 18:23

    @Kritisch on Fire

    Sie sind mir ja ein ganz besonders Schlauer🤓. Wer hätte das gedacht?
    In 1-2 Jahren sind fast alle geimpft, da brauchen sie keine Impfung mehr, haha. Sowas von schlau, Kompliment zu so viel Durchblick👍.

  7. Avatar

    Lausi

    1. Dezember 2020 18:42 at 18:42

    Diese RNA-Impfstoffe sind ein ganz neues Wirkungsprinzip, was bis jetzt noch kaum am Menschen getestet wurde. Es wird zwar schon seit Jahren an diesen RNA-Impfstoffen geforscht, und anscheinend sind auch schon viele Tierversuche durchgeführt worden, aber – wie gesagt – noch kaum beim Menschen getestet. Es wird ja sehr viel Hoffnung auf dieses neue Wirkungsprinzip gesetzt, was möglicherweise auch gegen Krebs eingesetzt werden kann, und vielleicht auch ein Ersatz für Antibiotika sein kann, wo ja schon viele Resistenzen bestehen. Vielleicht werden diese RNA-Impfstoffe ja die neue Wunderwaffe der Medizin sein, aber noch steht man ganz am Anfang bei dieser Entwicklung und beim Einsatz am Menschen. Über Nebenwirkungen wird man wohl erst in ein paar Jahren Bescheid wissen. Übrigens ist das Immunsystem so mit das Komplizierteste, was es in der Medizin gibt…

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    Kritisch on fire

    1. Dezember 2020 19:03 at 19:03

    @Columbo
    Hallo! Nein, nicht schlau, nur schon lange auf der Welt. Ihren vorigen Ausführungen entnehme ich, dass sie Mediziner sind. Überlegen sie einmal! Freunde von mir und Kollegen ihrer Zunft vergewissern mir, dass mRNA durchaus problematisch ist und ganz besonders für Personen mit Gerinnungsproblemen. Da ich APC Resistent bin, unzählige Trombosen und 2 Lungeninfarte hinter mir habe, fällt es mir ziemlich schwer dieser gar nicht so neuen Technologie mein Vertrauen zu schenken und Leben anzuvertrauen. Ich glaube auch nicht wie sie an die gewünschte oder erhoffte Herdenimmunität in 1 – 2 Jahren, da ich nicht glaube, dass sich 70% der Population impfen lassen werden. Ich hoffe viel mehr darauf, dass es in absehbarer Zeit einen wirksamen Impfstoff auf Basis herkömmlicher Technologie geben wird (Z.Bsp. von ASTRA ZENECA). Bis dahin sitze ich in meinem abgeschiedenen Eigenheim und passe wie ein Schießhund darauf auf nicht infiziert zu werden, da dieser Umstand bei meinem Lebensalter wohl oder übel das Ende bedeuten würde. Und, wenn es sein soll, fahre ich nächsten Herbst wieder in die Toskana und genieße im Umfeld von Weingärten die mir so lieb gewonnene italienische(korrekterweise toskanische) Lebensfreude.
    LG

  9. Avatar

    Columbo

    1. Dezember 2020 19:22 at 19:22

    @Kritisch on Fire

    Das mit der Toskana ist eine hervorragende Idee. Stellen Sie sich vor, wir träfen uns da unten bei einem guten Glas Wein und plauderten über FMW. Herrlich!
    Passen Sie inzwischen auf sich auf!

  10. Avatar

    Quintus

    2. Dezember 2020 10:08 at 10:08

    @Columbo
    Ist ihnen dieser Fakt bekannt und wie beurteilen sie die Aussagen darüber?

    ADE bei Coronavirus-Infektionen
    ……dies könnte letztlich für den COVID-19-Impfstoff von Bedeutung sein. Hypothetisch gesprochen: Wenn SARS-CoV-2 wie Dengue wirkt, das ebenfalls durch ein RNA-Virus verursacht wird, dann könnte jeder, der nicht positiv auf SARS-CoV-2 getestet wurde, nach der Impfung tatsächlich ein erhöhtes Risiko für schweres COVID-19 haben, und nur diejenigen, die sich bereits von einem Anfall von COVID-19 erholt haben, wären durch den Impfstoff vor schweren Erkrankungen geschützt.

    Das Swiss Medical Weekly Paper überprüft auch die Beweise für ADE bei Coronavirusinfektionen und zitiert Forschungen, die zeigen, dass die Impfung von Katzen gegen das FIPV (feline infectious peritonitis virus) – ein felines Coronavirus – die Schwere der Krankheit erhöht, wenn sie auf denselben FIPV-Serotyp trifft wie der im Impfstoff enthaltene Serotyp……
    https://smw.ch/article/doi/smw.2020.20249

    Vielen Dank
    Quintus

  11. Avatar

    Columbo

    2. Dezember 2020 11:06 at 11:06

    @Quintus

    Eine Aussage, eine Hypothese von vielen. Ob es ein Fakt ist, muß noch bewiesen werden.
    Den Polio Impfstoff gibt es seit ca. 60 Jahren. Was gab es am Anfang alles für Horroraussagen. Der Impfstoff würde uns allen zu Poliokrüppeln machen usw.
    Ohne den Impfstoff gegen Kinderlähmung würden so einige von uns und unseren Kindern heute als Krüppel herumlaufen.

  12. Avatar

    Corona Nix Fertig

    2. Dezember 2020 12:08 at 12:08

    Noch eine Meldung an die IMPF -STOFF -SÜCHTIGEN. In einer CH Zeitung stand heute. Es würden zuerst Risikogruppen un ältere Menschen geimpft in der Hoffnung auf weniger schwere Krankheitsverläufe und Entlastung der Intensivstationen.
    EINE DURCHIMPFUNG DER BEVÖLKERUNG SEI NOCH NICHT GEPLANT,WEIL DIE GEPRÜFTEN IMPFSTOFFE NICHT DIE ERWARTETEN EIGENSCHAFTEN AUFWEISEN.
    Zudem sind ca.50% der Leute gegen diese Impfung.
    Fazit: Corona ist noch nicht vorbei nur weil es die Börsianer so haben möchten.

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Aktien

Aber CFDs sind Termingeschäfte? Verbände für steuerliche Bevorzugung von Optionsscheinen

Claudio Kummerfeld

Veröffentlicht

am

Aktives Trading mit CFDs und Optionsscheinen könnte problematisch werden

Was sind CFDs? Die „Contracts for Difference“ erlauben gehebelte Wetten auf steigende und fallende Kurse. Die CFDs können Anleger zeitlich unbefristet lange halten. Und Optionsscheine? Die haben einen fest definierten Ablaufzeitpunkt. Und wie definiert man Termingeschäfte? In Kurzform: Dies sind Börsengeschäfte, bei denen die Erfüllung des Vertrags (Abnahme und Lieferung der Ware) zu einem späteren Termin erfolgt. Also sind Optionsscheine doch Termingeschäfte, und CFDs irgendwie nicht so richtig?

Egal. Wenn der Gesetzgeber eine Feststellung trifft, dann ist das eben so – weil es nun mal der Gesetzgeber ist? So wurde vor Kurzem die seit Anfang Januar gültige Novellierung des Einkommensteuergesetzes beschlossen, wonach Verluste aus „Termingeschäften“ nur noch bis zu 20.000 Euro pro Jahr mit Gewinnen aus Termingeschäften verrechnet werden dürfen. Dadurch wird die bizarre Realität entstehen, dass Anleger Steuern auf Gewinne zahlen müssen, obwohl sie effektiv in einem Börsenjahr im Handel keinen Gewinn erzielt haben (wir berichteten schon mehrmals). Danke Olaf Scholz, darf man da schon mal im Voraus sagen.

Klar zu sein scheint, dass die CFDs in die Kategorie der Termingeschäfte fallen im Sinne dieser Novelle des Einkommenssteuergesetzes – wohl ganz einfach, weil der Gesetzgeber es so will. Aber auch Optionsscheine, die per Definition doch viel eher Termingeschäfte sind? Wie man derzeit munkelt, wird das Bundesfinanzministerium noch eine Klarstellung für die ausführenden Steuerbehörden veröffentlichen, aus welcher hervorgehen könnte, dass auch Optionsscheine als Termingeschäfte zu betrachten wären. Das würde den Kreis der betroffenen Anleger deutlich erweitern.

Lobbyarbeit für Optionsscheine – von CFDs ist keine Rede

Aber halt. CFDs werden fast komplett von angelsächsischen und Offshore-Anbietern angeboten. Optionsscheine sind die Kinder der deutschen Bankenbranche. Und drei Mal darf man raten, wer den besseren Draht zu BaFin, Bundesfinanzministerium, Staatssekretären etc haben könnte? Diese Woche sieht man vom Deutschen Derivate-Verband, der Börse Stuttgart und der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) einen offiziellen Appell an das Bundesfinanzministerium (siehe hier), worin man eindringlich dazu auffordert Optionsscheine bezüglich dieser Neuregelung nicht als Termingeschäfte einzustufen. Man möchte also erreichen, dass Anleger auch weiterhin unbegrenzt Verluste aus Optionsscheinen mit Gewinnen aus Optionsscheinen verrechnen dürfen.

Gibt der Gesetzgeber dem nach, wäre dies ein glasklarer Vorteil für die Anbieter von Optionsscheinen, und ein riesiger Nachteil für die ausländischen CFD-Anbieter. Und wer ist denn Mitglied im Deutschen Derivate-Verband? Eben nicht die CFD-Anbieter, sondern so ziemlich alle deutschen Anbieter von Zertifikaten und Optionsscheinen, wie Deutsche Bank, Deka, Hypo, LBBW, DZ, Baader usw. Für CFDs bitten sie nicht um eine Ausnahme, sondern nur für Optionsscheine. Und die DSW? Hat sie die CFDs schon aufgegeben, und hofft nun noch darauf, wenigstens noch die Optionsscheine vor diesem Steuerirrsinn retten zu können? Aus dem Appell zitieren wir hier auszugsweise im Wortlaut:

Der Deutsche Derivate Verband (DDV), die Börse Stuttgart und die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) appellieren an das Bundesfinanzministerium, die Linie aus dem Juni 2020 beizubehalten und Optionsscheine nicht als Termingeschäfte einzuordnen. Im Entwurf des Anwendungsschreibens des BMF vom Juni 2020 wurden Optionsscheine nicht als Termingeschäfte klassifiziert und damit eine klare, angemessene Abgrenzung erreicht. Damit wird vermieden, dass Anleger in der Depotgestaltung beeinträchtigt werden und zudem aufwendige individuelle Veranlagungen vornehmen müssen. Anderenfalls drohen schwere steuerliche Nachteile, nachträgliche Steuerzahlungen und Unsicherheiten für hunderttausende von Anlegern. Für Termingeschäfte sieht das Jahressteuergesetz, das seit Jahresbeginn gilt, eine begrenzte Verlustverrechnungsmöglichkeit nur mit anderen Termingeschäften und Erträgen aus Stillhaltegeschäften vor.

Marc Tüngler, DSW-Hauptgeschäftsführer: „Die steuerliche Neuregelung der Verlustverrechnung ist ein weiterer herber Schlag für Privatanleger und führt zu massiven Verunsicherungen. Vom Grundsatz her halten wir die Regelung insgesamt für verfassungswidrig. Der Entwurf des BMF-Schreibens war immerhin ein fairer Vorschlag, wie die Anwendung zumindest in Bezug auf Optionsscheine zu regeln ist, und würde betroffenen Anlegern eine Perspektive geben. Wenn das BMF jetzt von diesem ursprünglichen Entwurf abweicht, weckt das Unverständnis und offenbart einmal mehr die feindliche Gesinnung gegenüber Privatanlegern.“

Würden Optionsscheine jetzt durch das Anwendungsschreiben des BMF den Termingeschäften zugerechnet, wird die neugeschaffene Unwucht im Steuerrecht weiter dramatisch verschärft.

Es gibt gute sachliche Argumente dafür, warum Optionsscheine steuerlich als sonstige Finanzinstrumente und nicht als Termingeschäfte zu klassifizieren sind. Die Klassifizierung sollte anhand der Erfüllungsweise von Optionsgeschäften vorgenommen werden. Diese ist bei Optionsscheinen „Zug-um-Zug“, sie sind daher bei der steuerlichen Behandlung den Kassageschäften zuzurechnen, und nicht den Termingeschäften. Diese Einschätzung wird auch von Wissenschaftlern geteilt.

Eine Studie der WHU aus dem vergangenen Jahr zeigt, dass hunderttausende von Privatanlegern von einer solchen Klassifizierung betroffen wären. Zudem stellt die Studie der WHU fest, dass 68,8 Prozent der Nutzer von Hebelprodukten wie Optionsscheinen diese zur Absicherung einsetzen. Die Beschränkung der Verlustverrechnung erschwert es Anlegern von dieser Möglichkeit Gebrauch zu machen.

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Ölpreis: Aufwärtstrend geht weiter? Was macht Biden? API-Daten lassen aufhorchen

Claudio Kummerfeld

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am

Eine Öl-Pumpe in der Wüste

Der Ölpreis war seit dem 5. Januar im Aufwärtstrend. Nach einer Mini-Pause ging es Anfang dieser Woche weiter nach oben, von unter 48 Dollar im WTI-Öl am 5. Januar bis auf derzeit knapp unter 53 Dollar. Zahlreiche Gründe für die jüngst gestiegenen Preise und womöglich auch weiter anziehenden Preise hatten wir die letzten Tage genannt.

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Positiv für den Ölpreis zu werten waren die inzwischen seit fünf Wochen fallenden Lagerbestände für Öl in den USA, die großen Stimulus-Hoffnungen an den neuen US-Präsidenten, und vor allem die zusätzlichen freiwilligen Kürzungen der Öl-Fördermenge durch Saudi-Arabien (minus 1 Million Barrels pro Tag für Februar und März).

Gestern Abend wurden die privat ermittelten API-Lagerbestände für Öl veröffentlicht mit einer Wochenveränderung von +2,6 Millionen Barrels. Die API-Daten gelten stets als Vorschau auf die am folgenden Tag vermeldeten offiziellen Lagerdaten. Diese Woche verschieben sich viele Konjunkturdaten in den USA um einen Tag nach hinten, weil am Montag Feiertag war. Die offiziellen Lagerdaten aber verschieben sich aufgrund der gestrigen Amtseinführung von Joe Biden um noch einen weiteren Tag nach hinten auf Freitag Nachmittag. Bis dahin könnte der Ölpreis also zittrig bleiben, in der Vorschau auf möglicherweise steigende Lagerbestände in den USA.

Was bringt Joe Biden für den Ölpreis?

Positiv für die Öl-Bullen ist zu werten, dass Joe Biden gestern im Rahmen diverser präsidialer Dekrete die Keystone XL Pipeline gestoppt hat, deren Bau in den USA noch nicht begonnen hat. Damit wird zukünftig nicht noch mehr Öl aus Kanada in Texas ankommen. Grundsätzlich ist dies vorsichtig positiv für den Ölpreis zu werten, da die Angebotsmenge geringer ausfallen dürfte. Aber na ja… werden die Kanadier ihr Öl dann nicht anderweitig auf dem Weltmarkt anbieten?

Also, bringt Joe Biden tendenziell für die nächsten Jahre dank dem Pipeline-Stop und sicherlich diversen schärferen Umweltgesetzen die Öl-Förderung in den USA zu einem Wachstumsstop, oder sogar zu einer Schrumpfung? Das wäre gut für alle Trader, die einen höheren Ölpreis sehen wollen. Aber da gibt es noch die andere Seite der Medaille. Man darf annehmen, dass sich die Beziehung zwischen den USA und dem Iran unter dem neuen US-Präsidenten entspannt. Sollten die US-Sanktionen gelockert werden, dürfte der Iran wohl zügig mehr Öl fördern und auf dem Weltmarkt verkaufen. Denn das Land braucht wohl jeden Petro-Dollar. Dies wäre folglich schlecht für den Ölpreis. Also ist es nicht so einfach zu beantworten, ob Joe Biden nun gut oder schlecht für einen potenziell weiter steigenden Ölpreis zu betrachten ist. Schaut man auf den Chart 30 Tage zurück, dann ist der Ölmarkt noch im Aufwärtstrend. Die Grundstimmung ist vor allem wegen dem möglichen anstehenden Mega-Stimulus in den USA positiv.

Chart zeigt Kursverlauf im Ölpreis in den letzten 30 Tagen
Chart zeigt Ölpreis-Verlauf in den letzten 30 Tagen.

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Christine Lagarde: Headlines der PK der EZB: entscheidende Fragen unbeantwortet

Markus Fugmann

Veröffentlicht

am

Hier die wichtigsten Aussagen von Christine Lagarde auf der heutigen Pressekonferenz der EZB – im offiziellen Statement bislang wenig Neues:

– Lagarde beginnt mit warmen Wünschen für 2021

– Impfungen wichtiger Meilentstein

– Industrie weiter robust, Dienstleistung weiter schwach, wenngleich weniger schwach als in der ersten Corona-Welle

– Inflation bleibt niedrig

– Kurzfristig überwiegen die Risiken

– Wirtschaft der Eurozone dürfte auch im 4.Quartal geschrumpft sein

– Pandemie wird auch 1.Quartal 2021 belasten

– es wird trotz Impfungen noch dauern, bis Herdenimmunität erreicht ist

– Impfungen und Brexit-Deal sind ermutigend, aber übergeordnet bleiben die Risiken bestehen

– Headline-Inflation dürfte bald ansteigen, auch wegen deutscher Wieder-Anhebung der Mehrwertsteuer

– Inflation dürfte mittelfristig anziehen, Inflationserwartungen sind gestiegen

– Kreditvergabe: Banken etwas vorsichtiger geworden

– Europäische Länder sollen schnell beschlossene EU-Hilfsmaßnahmen in ihren Parlamenten beschließen, um Erholung anzuschieben

– Lagarde „hat fertig“, jetzt Fragen

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– Lagarde: positiv sind Impfungen, dass der Brexit-Dealk zustande gekommen ist, dazu bessere Aussichten auf Kooperation mit der neuen US-Regierung

– schärfere Lockdowns wegen Mutationen durchaus möglich

– Frage nach Zombiefirmen: bislang weicht Lagarde einer Antwort aus – da redet sie minutenlang herum, aber die Frage zielte letztlich auf die negativen Konsequenzen der EZB-Politik, und das ließ sie (wieder einmal!) unbeantwortet!

– Frage nach (unausgesprochener) yield curve control der EZB (Berichte darüber, dass EZB versucht, die Renditen für Anleihen vor allem italienischer Anleohen nicht zu stark gegenüber deutschen Anleihen als Benchmark steigen zu lassen:: wieder keine konkrete Antwort von Lagarde!

– Frage nach digitalem Euro: was soll der für die Menschen bringen? Lagarde: ein digitaler Euro würde das Bargeld nicht ersetzen (FMW: echt??)
Lagarde: wir wollen in Sachen Digitaleuro sehr transparent sein (FMW: wohl eher pseudo-transparent..)
Lagarde:Einführung des digitalen Euros würde noch Jahre dauern; viele Fragen darüber noch offen und schwierig, wenn er käme, wäre er für alle gut, nicht nur für Elite

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