Das Wort Goldilocks beschreibt die beste aller Welten. In Sachen Wirtschaft würde es bedeuten: Gutes Wirtschaftswachstum, steigende Aktienkurse, gute Unternehmensgewinne, niedrige Zinsen, niedrige Inflation. Alle sind glücklich – Unternehmen, Politik, Zentralbanken, Verbraucher. So ein Szenario schildert Goldman Sachs aktuell für die konjunkturelle Aussicht der USA in 2026.
Eines kann man vorab schon mal sagen: Auch zu unserer Überraschung haben Trumps Zölle in den letzten Quartalen nicht auf die Verbraucher durchgeschlagen und auch nicht die Wirtschaft in den USA abgewürgt. Importeure und Exporteure haben große Teile der höheren Preise auf die eigene Kappe genommen, und es gab auch Zollausnahmen für wichtige Importgüter. Von der Seite her droht den USA im Augenblick offenbar kein größeres Ungemach. Was Trump nicht ausgelöst hat, aber was ihm zugute kommt: Mitten in seine vor einem Jahr begonnene Präsidentschaft kam der KI-Boom, der in den USA für einen neuen Wachstumsschub gesorgt hat. Das Goldilocks-Szenario wird dadurch gestützt. Glück muss man eben auch haben!
Die US-Wirtschaft wird in diesem Jahr durch Steuersenkungen, Reallohnsteigerungen und steigenden Wohlstand einen Aufschwung erleben, während die Inflation nachlassen wird, so sagen es laut Bloomberg News aktuell die Ökonomen von Goldman Sachs. Angesichts der unsicheren Aussichten für den Arbeitsmarkt wird die Federal Reserve laut dem am 11. Januar veröffentlichten Bericht „2026 US Economic Outlook” der Bank zwei weitere Zinssenkungen um jeweils 25 Basispunkte vornehmen – im Juni und im September.
„Die Zusammensetzung des BIP-Wachstums wird sich in den kommenden Jahren von der des letzten Zyklus unterscheiden”, schrieb David Mericle, Chefökonom für die USA bei Goldman. „Ein größerer Teil wird aus dem Produktivitätswachstum stammen, das sich erholt hat und durch künstliche Intelligenz einen Schub erhalten dürfte, während der Anteil des Wachstums durch das Arbeitskräfteangebot aufgrund der deutlich geringeren Einwanderung zurückgehen wird.” Von Bloomberg Mitte Dezember befragte Ökonomen erwarteten für 2026 ein Wachstum von 2 % in den USA – genau wie in ihrer Prognose für 2025. Das Steuersenkungspaket von Präsident Donald Trump dürfte dazu beitragen, dass die USA weiterhin besser abschneiden als andere Industrieländer.
Die Prognosen von Goldman sind optimistischer:
BIP-Wachstumsrate von 2,5 % im Jahr 2026 (auf Q4/Q4-Basis) oder 2,8 % auf Jahresbasis.
Kern-PCE-Inflation von 2,1 % im Jahresvergleich bis Dezember, wobei sich die Kern-CPI auf 2 % verlangsamt.
Die Basisprognose geht von einer Stabilisierung der Arbeitslosenquote bei 4,5 % aus, aber es besteht das Risiko einer Phase des beschäftigungslosen Wachstums, da Unternehmen versuchen, durch den Einsatz von KI ihre Arbeitskosten zu senken. In Bezug auf den Handel geht Goldman davon aus, dass bei den bevorstehenden Zwischenwahlen Fragen der Lebenshaltungskosten zu einem wichtigen politischen Thema werden, was das Weiße Haus dazu veranlassen wird, weitere erhebliche Zollerhöhungen zu vermeiden.
Die Konsumausgaben in den USA dürften dank Steuersenkungen und realen Lohnerhöhungen stetig wachsen. Die Unternehmensinvestitionen werden 2026 die stärkste Komponente des BIP sein, da sie von günstigeren finanziellen Bedingungen, geringerer politischer Unsicherheit und Steueranreizen profitieren werden, schrieb Mericle.
FMW/Bloomberg
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Ich empfinde einerseits Genugtuung über die Prognose der Investmentbanking-Analysten von Goldman Sachs. Der 47. US-Präsident Donald John Trump ist jedoch der Auffassung, der UN-Vollversammlung ausschließlich mit den Regeln des Marktes gegenübertreten zu können. Präsident Trump hat den Bereich Völkerverständigung etwas aus den Augen verloren. Die neben den Vereinigte Staaten von Amerika weiteren UN-Mitgliedsländer können jeweils für sich in Anspruch nehmen, daß man ihnen auf Augenhöhe begegnet.