Bitcoin

Krypto-Stärke im Krisenumfeld Bitcoin als ruhiger Hafen im Nahostkonflikt: Darum steigt der Kurs

Bitcoin als ruhiger Hafen im Nahostkonflikt: Darum steigt der Kurs
Kryptowährungen. Grafik: Bloomberg

Bitcoin zeigt sich überraschend stabil im Umfeld geopolitischer Spannungen und rückt als vermeintlich ruhiger Hafen in den Fokus. Der Krieg mit dem Iran erschüttert klassische Märkte wie Aktien, Gold und Öl deutlich, während Kryptowährungen überraschende Stärke zeigen. Die zentrale Frage bleibt, ob die aktuelle Outperformance nachhaltig ist oder nur eine Momentaufnahme darstellt.

Bitcoin überrascht als ruhiger Hafen

Seit dem Ausbruch des Kriegs mit dem Iran zählen Kryptowährungen zu den klaren Gewinnern unter den Anlageklassen – doch die Widerstandsfähigkeit digitaler Assets könnte vor allem eine Frage des Timings sein.

Bitcoin sowie zahlreiche kleinere Token zeigen sich im Vergleich zu den starken Schwankungen bei Aktien, Gold und Öl bemerkenswert stabil. Während der Ölpreis um mehr als 40 % gestiegen ist, verlor Gold im Monatsverlauf rund 5 % und der MSCI World Index etwa 4 %. Gleichzeitig durchbrach Bitcoin am Dienstag in Asien die wichtige technische Hürde von 75.000 US-Dollar. Seit Beginn des Kriegs Ende Februar belaufen sich die Kursgewinne damit auf nahezu 14 %. Ausgehend vom Korrekturtief bei 60.000 US-Dollar am 6. Februar hat Bitcoin rund 25 % zugelegt.

Laut einem Bericht von Bloomberg steht diese Entwicklung in starkem Kontrast zum massiven Einbruch im Oktober, als der Kurs der Kryptowährung von über 126.000 US-Dollar um mehr als die Hälfte fiel. Die vorsichtige Erholung, die Ende Februar im Zuge geopolitischer Unsicherheiten begann, hat sich in diesem Monat deutlich beschleunigt. Ein wesentlicher Treiber dafür ist die Rückkehr von Kapital in börsengehandelte Krypto-ETFs.

Krypto-Markt im Aufwind: Bitcoin mit neuer Aufwärtsdynamik
Bitcoin schneidet seit Beginn des Iran-Kriegs besser ab als Aktien und Gold

Institutionelle Nachfrage treibt Markt

„Die Widerstandsfähigkeit von Bitcoin ist aktuell weniger eine Frage der Narrative, sondern vielmehr der Marktmechanik“, erklärte Rachael Lucas, Analystin bei BTC Markets. „Institutionelle Käufer, insbesondere Unternehmensreserven, absorbieren bei jedem Rücksetzer das Angebot.“

US-Spot-Bitcoin-ETFs verzeichneten laut Bloomberg-Daten allein in diesem Monat Zuflüsse von rund 1,5 Milliarden US-Dollar.

Kryptowährungen stabil: Bitcoin als ruhiger Hafen in der Iran-Krise
Zu- und Abflüsse bei Spot-Bitcoin-ETFs

Ein weiterer bullischer Impuls ergibt sich daraus, dass Händler ihre Wetten auf fallende Kurse zunehmend auflösen. Markus Thielen, Research-Leiter bei 10x Research, zufolge hatten viele Marktteilnehmer zuvor darauf gesetzt, dass Bitcoin unter die Marke von 55.000 bis 60.000 US-Dollar fällt. Mit dem Schließen dieser Positionen setzte eine Kursrally ein, die zusätzlich durch einen Short-Squeeze beschleunigt wurde.

„Das Schließen von Put-Optionen reduziert den Absicherungsdruck nach unten und zwingt Market Maker dazu, Bitcoin zu kaufen, um ihre Positionen auszugleichen. Das erzeugt unterstützende Kapitalflüsse, die die Preise nach oben treiben können“, schrieb Thielen in einer Analyse.

Rund 1,5 Milliarden US-Dollar an Put-Optionen konzentrieren sich derzeit um die Marke von 60.000 US-Dollar, während Call-Optionen im Wert von etwa 1,3 Milliarden US-Dollar bei 75.000 US-Dollar liegen, wie Daten der Derivateplattform Deribit zeigen.

Kurzfristige Dynamik mit Risiken

Nach Beginn der Bombardierungen durch die USA und Israel gegen den Iran am 28. Februar fiel Bitcoin zunächst deutlich und erreichte ein Tief von 63.038 US-Dollar. Die anschließende Erholung sei jedoch „durch echte Positionierungen gestützt“ gewesen, so Hayden Hughes, Managing Partner bei Tokenize Capital.

„Was als strukturell unterstützte Erholung begann, hat sich inzwischen zu einem Momentum-Trade entwickelt, bei dem frühe Investoren bereits Gewinne realisiert haben“, erklärte er.

Bitcoin zeigt weiterhin Aufwärtsdynamik. Perpetual Futures weisen aktuell positive Finanzierungsraten auf, was bedeutet, dass Long-Positionen Gebühren an Short-Positionen zahlen müssen. Gleichzeitig deutet die Coinbase-Prämie auf eine starke Nachfrage aus den USA hin. Auch Michael Saylors Strategy Inc. hat zuletzt weitere Bestände aufgebaut.

Dennoch warnen Analysten, dass diese Dynamik noch nicht von einer breiten, aggressiven Nachfrage nach Call-Optionen begleitet wird. Laut Thielen spricht dies dafür, dass die Kursbewegung bisher eher durch das Auflösen von Absicherungspositionen als durch neue bullische Wetten getrieben ist.

Hughes sieht daher das Risiko einer baldigen Trendwende. Zwar könnte Bitcoin kurzfristig die Marke von 80.000 US-Dollar erreichen, doch bereits im kommenden Monat könnte die Rally an Schwung verlieren und sich bis August deutlich abschwächen.

FMW/Bloomberg



Stefan Jäger
Über den RedakteurStefan Jäger
Stefan Jäger berichtet als Finanzjournalist über das aktuelle Geschehen an den Aktien- und Edelmetallmärkten. Mit fundierter Fundamentalanalyse und präziser Technischer Analyse beleuchtet er zudem Chancen und Risiken verschiedenster Assets.
Kommentare lesen und schreiben, hier klicken

Lesen Sie auch

Hinterlassen Sie eine Antwort

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert




ACHTUNG: Wenn Sie den Kommentar abschicken stimmen Sie der Speicherung Ihrer Daten zur Verwendung der Kommentarfunktion zu.
Weitere Information finden Sie in unserer Zur Datenschutzerklärung


Meist gelesen 7 Tage