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Crash vorbei, Rally voraus? Bitcoin: Bullen-Szenario trotz 1-Billion-Dollar-Crash

Bitcoin: Bullen-Szenario trotz 1-Billion-Dollar-Crash
Grafik: ChatGPT

Trotz eines Abverkaufs um mehr als 50 Prozent und einer Marktkapitalisierung, die um rund 1 Billion US-Dollar geschrumpft ist, bleibt die Infrastruktur rund um Bitcoin erstaunlich robust. Während viele Anleger auf fallende Kurse und negative Stimmung am Kryptomarkt blicken, formiert sich im Hintergrund ein konträres Bullen-Szenario. Die zentrale Frage lautet: Ist der jüngste Krypto-Crash ein Vorbote weiterer Verluste – oder die Basis für die nächste Rally?

Bitcoin im Paradox-Modus

Bitcoin hat seit seinem Hoch im Oktober bei rund 126.000 Dollar zeitweise mehr als die Hälfte seines Wertes eingebüßt. Gemessen an der Dynamik und am Ausmaß gilt der Crash als der heftigste seit dem Zusammenbruch von FTX. Dennoch zeigt sich im Zentrum dieses Kursdebakels ein bemerkenswertes Paradox: Das institutionelle Fundament, das während des Booms aufgebaut wurde, ist nicht kollabiert.

Laut einem Bericht von Bloomberg ist ein Großteil der ETF-Gelder investiert geblieben. Die Wall Street ist weiterhin engagiert. Zwar haben sich taktisch orientierte Investoren teilweise zurückgezogen, doch langfristig ausgerichtete Halter lassen sich deutlich schwerer aus dem Kryptomarkt drängen. Diese Diskrepanz zwischen massivem Preisverfall und relativer Marktstabilität bildet die Grundlage für ein konträres bullisches Szenario, das im Lärm des Abverkaufs bislang untergeht.

Nach einer Erholungsrally am Mittwoch zeigte sich Bitcoin im asiatischen Handel am Donnerstagmorgen erneut schwächer und fiel zeitweise um bis zu 1,9 Prozent auf rund 67.600 US-Dollar, bevor er wieder den Weg noch oben einschlug. Vom Oktober-Hoch bei über 126.000 US-Dollar ist der Kurs jedoch weit entfernt. Insgesamt entspricht der Rückgang einem Wertverlust von rund 1 Billion US-Dollar an Marktkapitalisierung. Der Gesamtwert aller im Umlauf befindlichen Kryptowährungen hat sich seit dem Oktober-Hoch ebenfalls in etwa halbiert – ein Verlust von mehr als 2 Billionen Dollar.

Kryptomarkt unter Druck: Bitcoin mit 1-Billion-Dollar-Crash
Bitcoins Marktwert ist seit dem Rekordhoch um 1-Billion-Dollar gefallen

Marktdruck und Skepsis

Rund 45 Prozent aller im Umlauf befindlichen Coins notieren aktuell unter dem Einstandspreis ihrer Besitzer. Optionshändler zahlen verstärkt Prämien für Absicherungen gegen weitere Kurseinbrüche. Der Glaube, dass institutionelle Adoption die Abwärtsbewegung begrenzen würde, ist spürbar geschwunden. Mehrere Wochen mit Nettoabflüssen aus Bitcoin-ETFs haben viele Marktteilnehmer zu der Einschätzung geführt, dass das „Mainstream-Experiment“ gescheitert sei.

Konträre Investoren mahnen jedoch zur Differenzierung. Seit dem Start der Spot-Bitcoin-ETFs im Januar 2024 summieren sich die kumulierten Nettozuflüsse auf mehrere Dutzend Milliarden US-Dollar. Der jüngste Abfluss entspricht lediglich rund 6 Prozent dieses Gesamtvolumens.

In einer Analyse heißt es, das Muster sei ein „klarer Beweis für Konsolidierung statt Kapitulation unter dieser Investorengruppe“, zudem hätten 17 der 25 größten Bitcoin-ETF-Inhaber ihre Positionen im vierten Quartal weiter aufgestockt.

Bitcoin-ETF-Vermögenswerte trotz Krypto-Crash gehalten
Bitcoin-ETF-Vermögenswerte trotz Kursrückgang gehalten

Am Mittwoch deutete Bitcoin ein positives Szenario an: Der BTC-Kurs legte zeitweise um mehr als 9 Prozent zu und näherte sich der Marke von 70.000 US-Dollar, während Aktienmärkte ebenfalls stiegen und sich die Risikostimmung verbesserte. Ob diese Erholung Bestand hat oder wie viele vorherige Gegenbewegungen verpufft, bleibt der zentrale Streitpunkt am Kryptomarkt.

Vergleich mit 2022

Bullen verweisen auf die Unterschiede zur Krise 2022. Damals geriet zunächst die Infrastruktur ins Wanken, bevor sie kollabierte. FTX, Celsius, BlockFi und Three Arrows Capital brachen in schneller Folge zusammen. Nicht nur Kapital wurde vernichtet, sondern auch zentrale Marktakteure wie Verwahrer, Kreditgeber und Handelsplattformen. Das Vertrauen erlitt nachhaltigen Schaden.

Im aktuellen Zyklus ist kein vergleichbarer Systembruch zu beobachten. Krypto-Börsen operieren weiterhin stabil. Verwahrer gelten als solvent. Banken ziehen sich nicht zurück, sondern intensivieren ihr Engagement. Laut dem Bitcoin-Finanzdienstleister River haben mehr als die Hälfte der größten US-Banken Krypto-Produkte angekündigt oder arbeiten aktiv an entsprechenden Angeboten.

In einer aktuellen Einschätzung heißt es: „Die aktuelle Bitcoin-Korrektur ist lediglich eine Vertrauenskrise. Nichts ist zerbrochen, keine verborgenen Probleme werden auftauchen.“ Weiter wird argumentiert: „Das bearishe Szenario für Bitcoin ist so schwach wie nie zuvor“, verbunden mit der Erwartung eines Kursziels von 150.000 US-Dollar bis 2026.

Institutionelle Expansion

Kritiker wenden ein, dass viele Aktivitäten der Wall Street weniger auf Bitcoin selbst als auf die zugrunde liegende Blockchain-Technologie abzielen. Tokenisierte Geldmarktfonds großer Banken laufen etwa auf Ethereum. Auch der Stablecoin-Sektor könnte wachsen, selbst wenn sich der Bitcoin-Kurs nicht erholt. Digitale Infrastruktur kann expandieren, ohne dass der Bitcoin-Preis parallel steigt.

Befürworter verweisen jedoch auf Zweitrundeneffekte. Jede Bank mit eigenem Krypto-Trading-Desk, jeder Broker mit integriertem Bitcoin-Kaufbutton und jeder Finanzberater mit ETF-Zulassung erweitert den potenziellen Käuferkreis erheblich.

Wenn Banken Tausenden Beratern erlauben, Krypto zu empfehlen, wirkt sich das nicht zwingend sofort auf den Kurs aus. Doch bei einer erneuten Stimmungswende steht dem Kryptomarkt eine deutlich größere Kaufkraft zur Verfügung als in früheren Zyklen. Die Infrastruktur mag preisneutral sein – beim Zugang ist sie es nicht. Und in früheren Bitcoin-Zyklen war verbesserter Zugang häufig der Katalysator für starke Rallys.

Ryan Rasmussen, Forschungsleiter bei Bitwise, sagte bei „Bloomberg Crypto“, Bitcoin stehe unmittelbar vor einer kräftigen Erholungsbewegung.

Nachfrage trifft auf verknapptes Angebot

Fidelity Digital Assets argumentiert strukturell: Börsennotierte Unternehmen und Spot-ETFs halten inzwischen nahezu 12 Prozent des zirkulierenden Bitcoin-Angebots. Öffentliche Unternehmen haben ihre Bestände – trotz Kritik am Geschäftsmodell des strategischen Akkumulierens – seit Anfang 2020 nahezu in jedem Quartal erhöht.

Dies könnte einen Nachfrageboden schaffen, der in früheren Zyklen fehlte: Ein wachsender Anteil des Angebots liegt bei Investoren mit langfristigem Anlagehorizont und geringer Verkaufsbereitschaft in Schwächephasen.

Im jüngsten Quartal hielten auch Universitätsstiftungen wie Harvard und Dartmouth weiterhin Krypto-ETFs, wie aktuelle 13F-Meldungen zeigen. Das in Hongkong ansässige Unternehmen Laurore Ltd. baute erstmals signifikant institutionelle Krypto-Positionen auf und erhöhte seine Beteiligung am BlackRock Bitcoin ETF um 8 Millionen Anteile.

Parallel verengt sich das Angebot. Das vierte Halving im April 2024 halbierte die neu erzeugte Bitcoin-Menge. Bei steigender institutioneller Bindung und sinkender Emission schrumpft die frei verfügbare Liquidität – selbst bei fallenden Preisen. Sollte diese Angebotskompression anhalten, könnte eine künftige Erholung deutlich dynamischer ausfallen, als es der Kryptomarkt derzeit einpreist.

Der Boden ist damit nicht zwangsläufig erreicht. Das bearishe Narrativ dominiert weiterhin Kursverlauf, Momentum und Schlagzeilen. Doch die Infrastruktur, die im letzten Zyklus tatsächlich zerbrach, ist heute nicht nur intakt, sondern wächst weiter. Aus charttechnischer Perspektive fungiert der Bereich zwischen 60.000 und 58.000 US-Dollar als zentrale Support-Zone und Taktgeber für die kurzfristige Trendstruktur.

Matthew Hougan, Chief Investment Officer bei Bitwise Asset Management sagt: „Alle Gründe, warum Bitcoin in den vergangenen 15 Jahren gestiegen ist, gelten weiterhin: Die Welt wird digitaler, globale Sorgen um Fiat-Währungen nehmen zu, Regulierung und Zugang verbessern sich, und die mit Bitcoin aufgewachsene Generation wird vermögender und älter.“

FMW/Bloomberg



Stefan Jäger
Über den RedakteurStefan Jäger
Stefan Jäger berichtet als Finanzjournalist über das aktuelle Geschehen an den Aktien- und Edelmetallmärkten. Mit fundierter Fundamentalanalyse und präziser Technischer Analyse beleuchtet er zudem Chancen und Risiken verschiedenster Assets.
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