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Marketing - und Realität Bitcoin: Die geplatzte Illusion vom digitalen Gold

Ist das Blockchain-Ökosystem die digitale Zukunft?

Bitcoin wirklich digitales Gold
Foto: Bloomberg

Bis zum 6. Oktober 2025 war Bitcoin wieder einmal über einige Quartale auf dem Weg den Beweis anzutreten, eine Alternative als verlässlicher Wertaufbewahrungsspeicher abseits der klassischen physischen Krisen-Assets zu sein. Aber wie ebenfalls nicht zum ersten Mal in der Geschichte des „digitalen Golds“- was insbesondere im Zusammenhang mit Bitcoin als etablierteste Kryptowährung immer wieder als mediale Sau durchs Dorf getrieben wird – scheitert diese Assetklasse insbesondere am Anspruch, dem Halter eine gewisse Wertstabilität auch in turbulenteren Börsenzeiten zu bieten.

Bitcoin: Der innere Wert des „digitalen Golds“

Eigentlich war zuletzt wieder sogar das genaue Gegenteil der Fall: Bitcoin, der wiederholt beschworene sichere Hafen in digitaler Form, war in wenigen Wochen einem Wertverfall von bis zu einem Drittel von den Höchstständen ausgesetzt. Das hat als Auslöser von Unsicherheit und Liquidationen auch andere Assetklassen (Tech-Aktien) getroffen.

Der als Alternative zum herkömmlichen Zentralbankmonopol – der Ausgabe von FIAT-Währungen – erdachte dezentrale, privat erzeugte und betriebene digitale Token ist in seiner Stabilität in FIAT-Währung gemessen sehr starken Schwankungen unterworfen. Die Frage. was der innere Wert eines Assets ausmacht ist somit relativ einfach beantwortet – der Wert ist jener, der ein Käufer bereit ist mangels echter Bemessungs-Alternative in FIAT-Geld für dieses Asset an den Verkäufer zum aktuellen Zeitpunkt zu transferieren.

Das ist im Fall von Krypto offenbar eine äußerst volatile Zuschreibung – was nicht verwunderlich erscheint, da die Hürden des Erwerbs neben der für viele Marktteilnehmer undurchsichtige Erzeugung und Aufbewahrung den Kreis der Investoren nach wie vor sehr einschränken. Sowohl die Gesamtmarktkapitalisierung und deren vergleichsweise hohe anteilige Konzentration bei wenigen „Dickfischen“ – auch Whales genannt – als auch generell die Anzahl von Individuen (geringe Streuung), die bereit sind, sich unter diesen Bedingungen an der Spekulation zu beteiligen, ist weit kleiner als in den erwähnten klassischen Krisen-Assets wie Gold. Allein das ist per se eine wesentliche Stabilitätseinschränkung, die die hohe Volatilität von Bitcoin erklärt.

Bitcoin und die Endlichkeit als Wertargument

Auch sollte man sich bei einem Bitcoin-Engagement das ebenfalls als primäres Argument „langfristige“ Werthaltigkeit“ vor Augen führen, dass die Endlichkeit der Anzahl der Token und dem Ende deren Mining unbekanntes Terrain bedeutet. Nach aktuellen Schätzungen wird im Jahr 2140 der letzte der 21 Millionen Bitcoins berechnet. Ab diesem Zeitpunkt wird das Ökosystem allein nur mehr durch Transaktionsgebühren am Laufen gehalten werden müssen. Die Bitcoin-Miner werden zu reinen Abwicklern und Validierern von Transaktionen, deren Kosten (Infrastruktur und Energie, allenfalls Löhne) und Gewinne durch Transaktionsgebühren gedeckt werden müssen. Es bleibt zu diesem Zeitpunkt offen, wieviele dieser Transaktionen für ein funktionierendes Marktgleichgewicht notwendig sein werden, um einerseits für den User akzeptable Transaktionskosten zu bieten und dabei die Kosten der Validierer zu decken. Die Frage ist, was geschieht, wenn absehbar wird, dass dieses Gleichgewicht nicht erreichbar ist – weil die kritische Masse an Transaktionen bis dahin durch eine breitere Durchdringung und größeren Anwenderkreis zunimmt?

ETFs als Vehikel, die konservative Anlegerbasis zu erweitern

Krypto und speziell das Flagschiff Bitcoin hat somit seit Oktober wieder den Eindruck vermittelt, dass diese Assetklasse nach wie vor in erster Linie ein spekulativer Parkplatz für Überschuss-Liquidität von institutionellen Investoren ist. Bitcoin wird aber auch zunehmend zum Zocker-Biotop für die „neuen“ Gen Z Retail-Investoren, die schon mal den Hebel bis zum Anschlag durchziehen. Leichte Anzeichen von Hysterie und gleichzeitig die liebevolle, aber vereinnahmende Umarmung durch das „fette alte Beast“ mittels ETFs inklusive.

Das marketinggetriebene Messaging vom „digitalem Gold“ scheint eine wiederholte Themenverfehlung zum Zweck der Ausweitung der Investorenbasis zu sein! Und das über die junge Generation mit entsprechender digitaler Affinität hinaus. Auch konservative Anleger aufgrund nicht unendlichem Anlagehorizont, fühlen sich durch diese auch oft keinem rational nachvollziehbaren Grund zuordenbare Volatilität immer wieder in ihrer Skepsis bestätig. Denn der Speck an abholbarem Anlagevolumen liegt nicht bei der Gen Z, sondern den Boomern – und die sollen in erster Linie abgeholt werden.

Ist das Blockchain-Ökosystem die digitale Zukunft?

Bestenfalls über die nächsten Jahrzehnte wird sich herausstellen, welche digitalen Assets in einer volldigitalisierten Gesellschaft tatsächlich als stabiler und vor allem sicherer Wertspeicher taugen. Aktuell tun sich selbst die Etabliertesten Kryptos besonders als Anwendungsfall in kriminellen Vorgängen wie Drogengeschäften im Darknet/Geldwäsche/Anlagebetrug hervor. Oder auch als reines Spekulationsobjekt inklusive fragwürdiger Geschäftsmodelle – Stichwort: (Micro-)Strategy. Der geneigte Beobachter kann vermutlich absehbar beurteilen, ob ein (seriöses?) Unternehmen mit dem Hauptzweck der Bilanzausweitung mittels Bitcoin-Akkumulation es verkraften kann, dass sein Anlagevermögen je nach Marktlage schon mal um 50% schwankt.

Auch die erste tosend promotete Möglichkeit der Bezahlung von Teslas mittels Krypto wurde schon 2021 wieder aus dem Grund eingestellt, dass sowohl der Verkaufserlös und dessen bilanzielle Werthaltigkeit für einen CFO eine albtraumhafte Erfahrung sein kann. Die offizielle Begründung der „Umweltbelastung“ durch Elon Musk kann ebenfalls ins Reich seiner Märchenerzählungen eingeordnet werden.

Von Muscheln und Tulpen – Wertspeicher unterliegen einer Entwicklung

Die physische Finanzwelt hatte in ihrer jahrhundertelangen Entwicklung werthaltiger Vermögensspeicher auch zigfache Sackgassen mit nachträglichem Kopfschütteln durchgemacht – mit Muscheln, Gewürzen oder Tulpen. Und so sollte man das ebenfalls betrachten – die Entwicklung digitaler Assets hat nach herkömmlichen kulturhistorischen Maßstäben erst begonnen. Ob die klassische Blockchain ein dauerhaft überlebensfähiges Konzept ist, darf jedenfalls bezweifelt werden. Dafür sind die jetzt schon absehbaren technologischen Fortschritte (Quantencomputing) in ihrem Potential und Auswirkung noch überhaupt nicht abschätzbar!



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5 Kommentare

  1. Guter Beitrag! Künstliche Intelligenz, Blockchain oder was immer, stehen erst ganz, ganz am Anfang.
    Die Entwicklung läuft schwindelerregend schnell voran. Vielleicht schon morgen verschimmelt die aktuelle Blockchain im Museum.
    Im Vergleich dazu strahlt das 5000 Jahre alte Gold schon eine ganz andere Stabilität aus.

  2. Naja ich finde den Beitrag ziemlich schlecht und einseitig beleuchtet.

    „…Muscheln, Gewürzen oder Tulpen…“ ja alles Dinge die man beliebig vermehren kann und niemand am Ende weiß wie viel es weltweit davon gibt. Wie viel wäre denn ein Van Gogh wert wen der noch leben würde und täglich 1000 Bilder malt? Genau!

    „…als Anwendungsfall in kriminellen Vorgängen wie Drogengeschäften…“
    Ja das gibt es sicher aber am häufigsten benutzen die bösen Jungs wohl USD und den verschmäht offensichtlich keiner deswegen. Aber hey niemand kann nen Bitcoin zusammenrollen und ne Line damit ziehen :)

    „Denn der Speck an abholbarem Anlagevolumen liegt nicht bei der Gen Z, sondern den Boomern“
    Aktuell .. ja. In 10-20 Jahren haben die das dann vererbt. Und dann?

    „…wird im Jahr 2140 der letzte der 21 Millionen Bitcoins berechnet…“
    Ich glaube nicht dass ein Leser dieses Artikels das erleben wird aber wenn das ein Problem ist dann muss ich mir im Jahr 2140 auch über Asteroidenmining im All und dem möglichen totalen Wertverlust von Gold Sorgen machen (Stichwort 16 Psyche).

    Man kann immer argumentieren dass man in irgendeiner Entwicklung ganz am Anfang steht aber würde man auf diese Leute hören würde es auch genau dabei bleiben. Stillstand direkt am Anfang.
    Hey das Internet steht nach „herkömmlichen kulturhistorischen Maßstäben“ ganz am Anfang deshalb setzt sich das eh nicht durch ich warte deshalb auf das Internet 2 :)

    Gold ist natürlich nicht schlecht und wird seit Jahrtausenden als etwas Wertvolles angesehen. Es ist auch nicht beliebig vermehrbar und wenn wir jetzt nicht anfangen es im All abzubauen recht selten. Trotzdem habe ich das Orakelproblem und niemand weiß wie viel überhaupt im Umlauf ist was die Wertbestimmung erschwert und Spoofing erleichtert. Gerade physisches Gold ist aber halt nicht so leicht zu verkaufen im Vergleich zu Bitcoin und auch viel schwieriger über Grenzen zu tranportieren.

    Ein paar Punkte sind sicher auch valide wie der Kommentar zu Strategy.
    Das reißt es aber nicht raus lieber Autor ;)

  3. Ein guter Artikel. Danke dafür!
    Da er den Jargon der Kryptojünger weitestgehend ausspart und im Gegenteil sogar erläutert (Dickfische Whales).

    Ansonsten wünschte ich mir nur einen langen globalen Blackout-Stromausfall, ruhig so lang wie der jüngste ShutDown. Denn im Anschluss beim Hochfahren, LogIn und Wieder-Inbetriebnahme würde sich zeigen was von den Coins, Token, AI, KI, IT noch existiert bzw funktion-irrt. Denn ich behaupte, das es keine fehlerfreie Applikationen, Anwendungen gibt, auch nicht in der digitalen Welt.
    Weshalb – natürlich auch – die virtuelle heile digitale Welt niemals vollkommen sein wird.

  4. Dr. Sebastian Schaarschmidt

    Abwarten Herr Stalzer….!

    Wenn die Notenbanken wieder die Druckerpresse anwerfen…dann ist alles möglich….!

    Diese Blase darf nicht platzen! Das ist das Motto der Notenbanken!

    Und zur Wahrheit gehört aber auch ,das Bitcoin zur Blase dazugehört. Wahrscheinlich sind viele,der ach so noblen Notenbanker dort selbst investiert.

    Zinsen auf Null und Geld drucken…mehr fällt denen doch nicht mehr ein..!

    Also warten Sie erstmal ab….!

    1. Da stimme ich zu.

      Zinssätze von 4% werden als hoch bezeichtet. Das war doch früher normal. Und um Inflation einzudämmen waren die auch schon zweistellig.

      Sie können nicht anders, behaupte ich.

      Höhere Sätze würde die Kreditblase stechen und weltweite Verwerfungen in vermutl. nahezu allen Alsgeklassen auslösen und Kreditausfälle würden das Bankensystem gefärden.

      To big to fail hieß es mal.

      Nimmt man das so hin, so ist ein immer enger werdender Handlungsspielraum die logische Folge. Ich würde darazs ableiten, dass die Inflation solch einem Szenario einem exponentiellem Wachstum unterliegen müsste.

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