Ein milliardenschwerer Bitcoin-Raub bringt die USA und China in einen brisanten Cyber-Konflikt. Im Zentrum steht der chinesische Unternehmer Chen Zhi, dessen Name plötzlich in einem der größten Krypto-Raubüberfälle der Geschichte auftaucht. Doch wer steckt wirklich hinter dem Diebstahl – und welche Rolle spielt die US-Regierung dabei?
Bitcoin-Hack: China beschuldigt die USA
Wie Bloomberg berichet, beschuldigt China die USA, einen Bitcoin-Hack durchgeführt zu haben. Die Cybersicherheitsbehörde des Landes warf der amerikanischen Regierung vor, den Diebstahl von Bitcoin im Wert von etwa 13 Milliarden Dollar orchestriert zu haben. Dies ist Chinas jüngster Versuch, große Cyberangriffe den USA zuzuschreiben.
Der Diebstahl von 127 272 Coins aus dem LuBian-Bitcoin-Mining-Pool im Dezember 2020 gilt als einer der größten Krypto-Raubüberfälle der Geschichte. Das chinesische Nationale Computer-Virus-Notfallzentrum stuft den Hack als „Hacker-Operation auf staatlicher Ebene” unter der Führung der USA ein. Die stille und verzögerte Bewegung der gestohlenen Bitcoins deute laut dem Zentrum eher auf eine Aktion auf Regierungsebene als auf typisches kriminelles Verhalten hin.
Der letzte Woche veröffentlichte Bericht bringt die gestohlenen Bitcoins von LuBian – einst einer der größten Bitcoin-Mining-Betriebe der Welt – mit Tokens in Verbindung, die von der US-Regierung beschlagnahmt wurden. Laut Angaben der USA stehen diese Tokens mit Chen Zhi, dem Vorsitzenden des kambodschanischen Mischkonzerns Prince Group, in Verbindung. Chen wurde im Oktober von den USA wegen Beteiligung an einer Verschwörung zum Telekommunikationsbetrug und der Durchführung eines Geldwäschesystems angeklagt.
In der am 8. Oktober in New York gegen ihn erhobenen Anklage behaupteten die USA, er und seine Mitverschwörer hätten illegale Gewinne gewaschen, indem sie diese zur Finanzierung „groß angelegter” Krypto-Mining-Betriebe, darunter LuBian, verwendet hätten. In der Anklageschrift heißt es, dass Adressen, die mit LuBian in Verbindung stehen, „große Summen an Kryptowährung aus Quellen erhalten haben, die nichts mit neuem Mining zu tun haben”.
Rätsel um beschlagnahmte Bitcoins
Im Fall Chen lehnte die Bundesstaatsanwaltschaft es ab, sich dazu zu äußern, wie und wann sie die Kontrolle über die Bitcoins erlangt hat. Das Justizministerium reichte eine entsprechende zivilrechtliche Einziehungsklage ein, um die 127.271 Bitcoins zu beschlagnahmen. Dies wäre die größte Einziehungsmaßnahme der USA.
John Marzulli, Sprecher des US-Staatsanwalts Joseph Nocella aus Brooklyn, dessen Büro den Fall gegen Chen und die Beschlagnahmung der Bitcoins bearbeitet, lehnte eine Stellungnahme gegenüber Bloomberg ab.
In dem Bericht heißt es: „Die US-Regierung hat möglicherweise bereits 2020 Hacking-Techniken eingesetzt, um die 127.000 Bitcoins von Chen Zhi zu stehlen.“ „Dies ist eine klassische ‚Black eats Black‘-Operation, die von einer Hacking-Organisation auf staatlicher Ebene orchestriert wurde.“
Die chinesische Regierung hat in letzter Zeit zunehmend lautstark die amerikanische Regierung wegen Hacking-Kampagnen angeklagt. Anfang dieses Jahres warf China den USA vor, eine Schwachstelle in Microsoft-Exchange-Servern ausgenutzt zu haben, um chinesische Unternehmen anzugreifen. Im vergangenen Monat behauptete die chinesische Regierung, sie habe „unwiderlegbare Beweise“ für einen Cyberangriff der USA auf das chinesische National Time Service Center. Chinas Vorwürfe sind in der Regel sehr allgemein gehalten und lassen die forensischen Details vermissen, die manchmal enthalten sind, wenn die USA einen ausländischen Akteur des Hackings beschuldigen.
Anwalt zweifelt Vorwürfe an
Ein Anwalt von Chen reichte diese Woche einen Antrag bei einem US-Gericht ein, in dem er um mehr Zeit bat, um die gestohlenen Bitcoins von LuBian zurückzuverfolgen. In seinem Antrag bezeichnete Rechtsanwalt Matthew L. Schwartz die Vorwürfe der Regierung gegen Chen als „völlig fehlgeleitet“. Chen befindet sich nicht in US-Haft, teilten die Staatsanwälte mit, als die Anklage letzten Monat veröffentlicht wurde.
„Wie wir in unserer Eingabe an das Gericht dargelegt haben, arbeiten wir eng mit Kryptowährungsexperten zusammen, um die Bitcoins aufzuspüren, die die Regierung vor über einem Jahr beschlagnahmt hat und die bereits 2020 gestohlen wurden“, sagte Schwartz, der Vorsitzende von Boies Schiller Flexner und Rechtsbeistand von Chen und der Prince Group, in einer Erklärung gegenüber Bloomberg.
Vertreter der chinesischen Botschaft in Washington reagierten nicht auf eine Bitte um Stellungnahme.
FMW/Bloomberg
Kommentare lesen und schreiben, hier klicken
