Der Krypto-Crash setzt sich ungebremst fort. Bitcoin fiel im asiatischen Handel bis auf die Marke von 60.000 US-Dollar. Nach dem spekulativen Höhenflug bis auf rund 126.000 US-Dollar infolge von Donald Trumps Wahlsieg sind damit sämtliche Kursgewinne vollständig ausgelöscht. Die Verkaufswelle erfasst den gesamten Kryptomarkt: Hebelpositionen werden in großem Stil aufgelöst, während Anleger zugleich Kryptowährungs-ETFs abstoßen und das Risiko weiter reduzieren.
Bitcoin fällt auf 60.000 Dollar
Laut einem Bericht von Bloomberg ist Bitcoin unter die Schwelle von 60.000 US-Dollar gefallen, da sich der Abbau gehebelter Positionen und die zunehmende Volatilität an den Finanzmärkten zu einer breiten Verkaufswelle verdichtet haben. Damit sind sämtliche Kursgewinne ausgelöscht, die seit der Wahl von Präsident Donald Trump entstanden waren und eine spekulative Rally im Kryptomarkt ausgelöst hatten.
In den frühen Handelsstunden am Freitag in Asien fiel der BTC-Kurs zeitweise um bis zu 4,8 Prozent auf 60.033 US-Dollar und erreichte damit den tiefsten Stand seit Oktober 2024. Seit dem Allzeithoch vor rund vier Monaten hat Bitcoin über die Hälfte seines Wertes verloren. Der Ausverkauf erfasste nicht nur andere Kryptowährungen, sondern auch Spot ETFs sowie Unternehmen wie Strategy, die große Bitcoin-Bestände halten.
Der aktuelle Einbruch markiert eine abrupte Kehrtwende nach dem steilen Kursanstieg im vergangenen Jahr. Damals hatte die Rückkehr eines kryptofreundlichen Republikaners ins Weiße Haus Investoren in Scharen in digitale Vermögenswerte und die neu entstandenen Wall-Street-Produkte rund um Bitcoin getrieben. Erste Risse zeigten sich jedoch bereits vor Monaten, als steigende geopolitische Spannungen die globalen Finanzmärkte erschütterten und die Risikobereitschaft deutlich nachließ. Von Mitte Januar an setzte ein beschleunigter Kursverfall ein, der durch Fondsliquidationen, Rückgaben von ETF-Anteilen und den Abbau gehebelter Wetten zusätzlich verstärkt wurde.
„Die Angst und Unsicherheit am Kryptomarkt sind unübersehbar“, sagte Chris Newhouse, Leiter Business Development bei Ergonia. „Solange es keine überzeugungsgetriebenen Käufer gibt, die gegen den Verkaufsdruckhalten, verstärkt jede Welle von ETF-Abflüssen und Zwangsliquidationen den Abwärtstrend.“ Dies erhöhe die Intensität jeder weiteren Abwärtsbewegung und halte die organische Nachfrage weiter an der Seitenlinie.

Parallelen zum Krypto-Crash 2022
Der aktuelle Rückgang erinnert in vielerlei Hinsicht an das Jahr 2022, als Bitcoin nach der Pandemie-Rally infolge der geldpolitischen Straffung durch die US-Notenbank Fed stark einbrach. Auch diesmal bleiben die Auswirkungen nicht auf die Kryptowährungen selbst beschränkt. So haben die Aktien der Kryptobörse Coinbase Global seit Jahresbeginn mehr als 30 Prozent verloren. Gemini Space Station kündigte zudem an, bis zu 25 Prozent der Belegschaft abzubauen und sich aus Großbritannien, der Europäischen Union und Australien zurückzuziehen.
Anders als in früheren Zyklen konkurrieren Kryptowährungen inzwischen verstärkt mit anderen spekulativen Anlageformen. Legalisierte Sportwetten, Prognosemärkte zu Politik und Unterhaltung sowie hochriskante Optionen mit extrem kurzen Laufzeiten ziehen zunehmend Kapital ab. Gleichzeitig fließt weiterhin privates Anlegergeld in renditestarke, aber volatile Krypto-Strategien auf dezentralen Börsen.
Zudem mehren sich erneut Zweifel am realwirtschaftlichen Nutzen digitaler Vermögenswerte. Bitcoin wurde lange als Inflationsschutz, digitales Gold oder gar als Alternative zum US-Dollar beworben. In der Praxis verhält sich die Kryptowährung jedoch weiterhin wie ein klassisches Hochrisiko-Asset. In Phasen erhöhter Marktunsicherheit hat Bitcoin bislang kaum als sicherer Hafen fungiert. Im Gegenteil: Die stärkere Einbindung in institutionelle Portfolios macht den Kurs anfälliger für breit angelegte Risiko-Reduktionen – insbesondere bei gleichzeitiger Volatilität in Technologieaktien und Edelmetallen, wie zuletzt zu beobachten war.
„Der Markt wird aktuell vollständig von Momentum getrieben, und Krypto-Bärenmärkte enden historisch eher in Gleichgültigkeit als in Panik“, sagte Ryan Rasmussen, Forschungsleiter bei Bitwise Asset Management. Derzeit befinde sich der Kryptomarkt jedoch in einer Vertrauenskrise. „Dieses Momentum dominiert aktuell das Geschehen.“
ETF-Abflüsse verstärken den Abwärtsdruck
Über weite Strecken des Jahres 2025 hatten Zuflüsse in US-amerikanische Spot-Bitcoin-ETFs den Kurs gestützt. Zehn Milliarden Dollar und mehr flossen in diese Produkte und sorgten für zusätzliche Nachfrage. Diese Entwicklung hat sich nun deutlich umgekehrt. Allein im vergangenen Monat wurden laut von Bloomberg zusammengestellten Daten rund zwei Milliarden US-Dollar aus Bitcoin-ETFs abgezogen. Über einen Zeitraum von drei Monaten summieren sich die Abflüsse sogar auf mehr als fünf Milliarden Dollar.
Der Preisverfall der größten Kryptowährung hat Schockwellen durch den gesamten Digital-Asset-Markt geschickt. Besonders kleinere, weniger liquide Token verzeichneten noch deutlich stärkere Verluste. Der MarketVector Digital Assets 100 Small-Cap Index, der die 50 kleinsten Werte eines 100-Token-Universums abbildet, ist im vergangenen Jahr um rund 70 Prozent eingebrochen.
Auch am Optionsmarkt zeigen sich Anleger zunehmend defensiv. Mittelfristige Kontrakte mit Laufzeiten bis Ende Juni deuten auf ein weiter rückläufiges Kursumfeld hin. Das höchste offene Interesse konzentriert sich derzeit auf Preisniveaus um 60.000 und sogar 20.000 US-Dollar, wie Daten der Derivatebörse Deribit zeigen.
Ilan Solot, Senior Global Markets Strategist bei Marex, führt den jüngsten Krypto-Crash auf mehrere Faktoren zurück: die Schwäche ausgewählter Technologieaktien, die relative Stärke von Gold, eine ausgeprägte Risk-off-Stimmung sowie grundlegende Unsicherheiten bei der Bewertung von Kryptowährungen. „Der Ausblick bleibt kurzfristig wahrscheinlich negativ, auch wenn das Schlimmste womöglich bereits hinter uns liegt“, sagte Solot. Historisch betrachtet seien solche starken Rückgänge jedoch häufig attraktive Einstiegsgelegenheiten für langfristig orientierte Investoren – und viele dürften den aktuellen Einbruch genau so interpretieren.
FMW/Bloomberg
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Witzig, jetzt wird nicht unter jedem zweiten Youtube-Video gepostet „Kauft Bitcoin, alles andere ist Murks“….Seltsam. Seltsam….
Ich bin kein Bitcoinista, aber ich würde ihn noch nicht abschreiben. Die Welt ist heute anders als zu Zeiten von Tulpen und Missisippi. Wir haben Fiat-Geld.
Es ist ja nicht mehr so, dass die Leute ihre wertlosen Zwiebeln oder Papiere wegwerfen, weil sie niemand mehr will. Vielmehr findet alles was verkauft wird, auch einen Käufer. Sonst müßten die Menschen es ja behalten und der Preis könnte nicht sinken.
Ein Problem hat immer nur der, der auf Pump etwas gekauft hat. Außer es wird systemisch. Dann haben alle ein Problem und schätze, dass anders als 2008, diesmal auch die Deutschen dran sind.