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Gegenwind von mehreren Seiten Bitcoin: Jetzt wird es kritisch – Warnsignale an Schlüsselzone

Bitcoin: Richtungsentscheidung an Schlüsselzone
Grafik: ChatGPT

Bitcoin steht vor der vielleicht wichtigsten Bewährungsprobe dieser Korrektur. Nach dem stärksten Wochenverlust seit dem FTX-Kollaps 2022 kämpft die Kryptowährung erneut um die Marke von 60.000 Dollar. ETF-Abflüsse, steigende Anleiherenditen, neue Zinssorgen und geopolitische Risiken setzen den Markt unter Druck. Gleichzeitig mehren sich die Warnsignale aus der Marktstruktur. Die zentrale Frage lautet nun: Finden die Bullen an dieser Schlüsselzone einen Boden oder droht die nächste Abwärtswelle?

Warum Bitcoin unter Druck steht

Der Druck auf Bitcoin kommt derzeit nicht nur aus einer Richtung. Vielmehr wirken mehrere Belastungsfaktoren gleichzeitig. US-Spot-Bitcoin-ETFs verzeichneten zuletzt 13 Tage in Folge Nettoabflüsse. Einem Bericht von Bloomberg zufolge wurden dabei insgesamt rund 5,5 Milliarden Dollar aus den Fonds abgezogen. Das ist ein klares Warnsignal, denn die ETFs waren lange einer der wichtigsten Nachfragekanäle für die Kryptowährung.

Hinzu kommt der veränderte Zinsausblick. Statt weiterer Zinssenkungen durch die Fed rückt am Markt inzwischen sogar wieder die Möglichkeit einer Zinserhöhung in den Fokus. Gleichzeitig sind die Renditen von US-Staatsanleihen deutlich gestiegen und bieten Anlegern wieder attraktivere Alternativen zu risikoreichen Investments. Die aktuellen Belastungsfaktoren wirken im Vergleich zum FTX-Kollaps im Jahr 2022 zwar deutlich weniger dramatisch. Für spekulative Anlageklassen wie Bitcoin ist jedoch die Summe dieser Gegenwinde entscheidend.

Auch geopolitisch bleibt das Umfeld angespannt. Der Iran-Konflikt und die gestiegenen Ölpreise schüren neue Inflationssorgen. Das belastet die Risikobereitschaft und nimmt den Märkten die Fantasie auf eine schnelle geldpolitische Entlastung. Genau in diesem Umfeld trifft der Bitcoin Abverkauf auf eine ohnehin angeschlagene Charttechnik.

ETFs senden ein Warnsignal

Besonders schwer wiegt, dass die Schwäche nicht nur von kurzfristigen Tradern kommt. Die ETF-Abflüsse zeigen, dass auch institutionelle Anleger Kapital abziehen. Gleichzeitig wurde das Vertrauen zusätzlich belastet, nachdem Michael Saylors Strategy einen kleinen Teil ihrer Bitcoin-Bestände verkauft hatte. Zwar kaufte das Unternehmen anschließend wieder deutlich mehr Bitcoin zurück, doch das bisherige Narrativ, Strategy werde niemals verkaufen, bekam dadurch tiefe Risse.

Parallel dazu sucht Kapital offenbar dort Momentum, wo es zuletzt stärker war: bei KI-Aktien. Während die KI-Rallye hohe Aufmerksamkeit bindet und große Tech-Themen wie die Börsengänge von SpaceX, OpenAI oder Anthropic enorme Fantasie erzeugen, haben sowohl Bitcoin als auch Edelmetalle zuletzt deutlich an Attraktivität verloren.

Jetzt fällt die Entscheidung

Die Bitcoin Chartanalyse zeigt, warum die Lage so brisant ist. Bitcoin fiel zuletzt unter die 200-Wochen-Linie. Genau diese Linie gilt vielen Marktteilnehmern als langfristiger Gradmesser für den übergeordneten Trend. Wird sie nachhaltig unterschritten, wächst die Gefahr, dass sich die laufende Korrektur nochmal beschleunigt.

Griffin Ardern, Mitgründer des Multi-Asset-Managers Primal Fund, bleibt deshalb vorsichtig. „Ich glaube, dass weiteres Abwärtspotenzial besteht“, sagte er laut Bloomberg. „Wir sind noch ein gutes Stück von einem echten Tief entfernt.“ Besonders kritisch: Am Optionsmarkt fehlen laut Ardern bislang die typischen Signale einer belastbaren Bodenbildung.

Auch Paul Howard vom Krypto-Handelsunternehmen Wincent spricht von einem „stillen Bärenmarkt“. Anders als beim FTX-Kollaps gebe es keinen großen Schock, doch die Marktstruktur habe sich spürbar verschlechtert. „Der Fall unter den 200-Wochen-Durchschnitt liefert eine wichtige Bestätigung dafür, dass die Märkte möglicherweise in eine Bärenphase eingetreten sind“, sagte Howard.

Bitcoin im Krypto-Winter - Droht der nächste Absturz?
Bitcoin-Kursrückgänge in vergangenen Krypto-Wintern

Bitcoin vor nächster Verkaufswelle?

Für die kurzfristige Bitcoin Prognose bleibt die Zone um 60.000 Dollar damit der Schlüsselbereich. Hält diese Unterstützung, könnten die Bullen eine spürbare Erholung einleiten und die jüngste Verkaufswelle zunächst stoppen. Fällt Bitcoin hingegen nachhaltig darunter, rücken die nächsten Unterstützungen bei 53.700 bis 50.000 Dollar in den Fokus. Dort dürfte sich zeigen, ob Käufer wieder entschlossen zugreifen.

Zusätzlichen Druck erzeugen derzeit die Derivatemärkte. Berichte verweisen auf hohe Liquidationen und eine verstärkte Absicherung über bearish positionierte Put-Optionen im Bereich zwischen 50.000 und 55.000 Dollar. Damit konzentrieren sich auch am Terminmarkt wichtige Erwartungen auf genau jene Kursregion, die aus charttechnischer Sicht als nächstes relevantes Zielband gilt.

Bleibt auch dort eine Reaktion aus, droht sogar ein tieferer Absturz. In diesem Fall wäre selbst ein Rückfall in Richtung 44.000 bis 40.000 Dollar nicht ausgeschlossen. Verstärkt wird dieses Risiko durch die laufende Enthebelung am Terminmarkt. Fallen wichtige Unterstützungen, können Liquidationen und automatische Verkaufsprogramme eine neue Abwärtsdynamik auslösen.

Bitcoin in US-Dollar vor Schlüsselzone - 200-Wochen-Linie entscheidet über die Korrektur

Bitcoin steht damit vor einer Richtungsentscheidung. ETF-Abflüsse, steigende Renditen, Zinssorgen, geopolitische Risiken und eine angeschlagene Marktstruktur treffen ausgerechnet auf eine der wichtigsten Unterstützungszonen des gesamten Zyklus. Die Bullen kämpfen nun darum, die Marke von 60.000 Dollar zu verteidigen. Scheitern sie, könnte die aktuelle Korrektur noch nicht ihr letztes Kapitel geschrieben haben.

FMW/Bloomberg

Hinweis: Die im Artikel enthaltenen Marktanalysen und charttechnischen Einschätzungen dienen ausschließlich Informationszwecken und stellen keine Anlageberatung oder Handelsempfehlung dar.



Stefan Jäger
Über den RedakteurStefan Jäger
Stefan Jäger berichtet als Finanzjournalist über das aktuelle Geschehen an den Aktien- und Edelmetallmärkten. Mit fundierter Fundamentalanalyse und präziser Technischer Analyse beleuchtet er zudem Chancen und Risiken verschiedenster Assets.
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1 Kommentar

  1. Dr. Sebastian Schaarschmidt

    Bis zur Finanzkrise spielten die kryptographischen Währungen noch überhaupt keine Rolle….ich darf daran erinnern das die erste Transaktion angeblich eine Pizza war …die wohl mit 10 000 Bitcoins bezahlt wurde..so zumindest die Legende…aus dem Mai 2010….( ob das stimmt …weiß man nicht)…

    Die Notenbanken… mit ihrer jahrelangen Niedrigzinspolitik…waren dafür verantwortlich …das die kryptographischen Währungen ….von praktisch 0….im Jahre 2009…. auf über 4,5 Billionen US Dollar in der Marktkapitalisierung explodierten….
    Nun sind wir um knapp 60 Prozent zurückgegangen…das ist Börse….die Luft entweicht aus der künstlichen Blase…

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