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Trendwende oder Abverkauf? Bitcoin-Korrektur am Scheideweg: Entscheidung naht

Bitcoin-Korrektur am Scheideweg: Entscheidung naht
Ein digitaler Bildschirm zeigt das Bitcoin-Logo. Foto: Bloomberg

Die anhaltende Bitcoin-Korrektur belastet den Kryptomarkt. Seit vier Wochen fällt der Kurs – begleitet von hoher Volatilität an den Finanzmärkten, wachsender Risikoaversion und Unsicherheit über die wirtschaftlichen Auswirkungen von Künstlicher Intelligenz (KI). Während Tech-Aktien schwanken, gerät auch die Kryptowährungen unter Druck. Anleger fragen sich: Ist die Korrektur beendet und der Boden erreicht – oder droht ein noch tieferer Rücksetzer?

Bitcoin-Erholung stockt

Bitcoin weitete seine Verluste am Dienstag in New York zeitweise auf 3,2 % aus und fiel auf 66.604 US-Dollar, bevor sich der Kurs etwas stabilisierte. Zur Wochenmitte notiert der BTC-Kurs höher bei aktuell bei rund 68.000 Dollar. Wie Bloomberg berichtet, zeigte sich zuletzt eine enge Korrelation zwischen Bitcoin und Technologieaktien. Entsprechend spiegelte die Kryptowährung zunächst die Schwäche im US-Aktienmarkt wider, konnte jedoch von der späteren Erholung nicht im gleichen Maß profitieren.

Kryptowährung unter Druck: Bitcoin-Korrektur am Scheideweg
Bitcoin fällt zusammen mit Nasdaq-Futures

„Die Stimmung im Kryptomarkt ist eindeutig gedrückt“, erklärte Noelle Acheson, Autorin des Newsletters Crypto is Macro Now. Zwar schreite die institutionelle Adoption weiter voran, doch diese Entwicklung spiegele sich bislang nicht in steigenden Kursen wider. Die Diskrepanz zwischen fundamentalen Fortschritten und Marktpreisen verschärfe die negative Marktstimmung zusätzlich.

KI-Sorgen und Kapitalabflüsse

An der Wall Street sorgte die Unsicherheit rund um Künstliche Intelligenz erneut für starke Kursschwankungen. Marktteilnehmer ringen mit der Frage, in welchem Ausmaß KI einzelne Wirtschaftssektoren disruptieren könnte – und ob die milliardenschweren Investitionen kurzfristig Rendite liefern. Diese Unsicherheit verstärkt die Risikoaversion und belastet spekulative Anlageklassen wie Tech-Aktien und Kryptowährungen.

Auch die Kapitalflüsse bleiben ein Belastungsfaktor für Bitcoin. In der vergangenen Woche zogen Investoren rund 360 Millionen US-Dollar aus in den USA gelisteten Bitcoin-ETFs ab. Es war die vierte Woche in Folge mit Nettoabflüssen – ein klares Signal für Zurückhaltung institutioneller Anleger.

Die Marktstimmung bleibt fragil. Der „Fear and Greed Index“ von CryptoQuant lag am Montag bei lediglich 10 von 100 Punkten und damit tief im Bereich „extremer Angst“. Solche Werte deuten historisch auf starke Verunsicherung hin, können jedoch auch Vorboten einer Bodenbildung sein.

Paul Howard, Senior Director beim Market Maker Wincent, erwartet zunächst eine Phase der Konsolidierung. Bitcoin suche nach neuen Impulsen, die als Katalysator für eine nachhaltige Trendwende dienen könnten. Ein bevorstehendes Urteil des Obersten Gerichtshofs der USA zu Zöllen könnte laut Howard größere Marktauswirkungen haben als reguläre Protokolle der US-Notenbank oder aktuelle Inflationsdaten.

Krypto-Erholung stockt: Bitcoin fällt zeitweise unter 67.000 Dollar
Bitcoin fällt zeitweise unter 67.000 Dollar

Hält die 60.000-Dollar-Marke?

Zentral ist die Frage nach einem belastbaren Kursboden. Viele Marktteilnehmer betrachten das jüngste Korrekturtief von 60.000 Dollar sowie den 200-Wochen-Durchschnitt bei 58.400 Dollar als entscheidende technische Unterstützungen. Sollte sich die Risikoaversion jedoch weiter verschärfen, könnte auch dieses Niveau unter Druck geraten, warnt Robin Singh, CEO der Krypto-Steuerplattform Koinly.

„Ein makroökonomischer Rückschlag, eine neue Welle der Unsicherheit oder anhaltende Seitwärtsbewegungen im mittleren 60.000-Dollar-Bereich könnten leicht einen stärkeren Abverkauf bis in die 50.000er-Region auslösen“, so Singh.

Bobby Lee, CEO von Ballet und ein langjähriger Bitcoin-Bulle, warnt davor, dass die Kryptowährung einen noch stärkeren Abwärtstrend erleben könnte, wobei die 60.000-Dollar-Marke für gehebelte Trader ein großes Liquidationsrisiko darstellt. Lee erklärt bei Bloomberg Television, warum die jüngsten Schwankungen auf eine weitere Schwäche hindeuten.

Auch institutionelle Investoren passen ihre Positionierung an. Laut einer Bloomberg-Analyse der jüngsten Quartalsmeldungen reduzierte die Harvard University ihr Bitcoin-Engagement und verkaufte 1,5 Millionen Anteile des iShares Bitcoin Trust ETF (IBIT). Dennoch zählt die Position weiterhin zu den größten Beteiligungen der Universität – hinter Alphabet und Gold. Gleichzeitig baute Harvard erstmals eine Position im iShares Ethereum Trust ETF (ETHA) auf und sicherte sich damit Exposure zur zweitgrößten Kryptowährung Ether. Das Stiftungsvermögen des Dartmouth College hingegen erhöhte seine Engagements in Bitcoin und Ether.

Matt Hougan, Chief Investment Officer bei Bitwise Asset Management, rechnet nicht mit einer schnellen, V-förmigen Erholung. „Die Erholung aus diesem Bärenmarkt wird eher rund verlaufen als abrupt“, sagte er. Trotz zahlreicher positiver Entwicklungen im Kryptosektor erkenne der Markt diese Fortschritte bislang nicht vollständig an. Langfristig dürfte sich dies jedoch ändern.

FMW/Bloomberg



Stefan Jäger
Über den RedakteurStefan Jäger
Stefan Jäger berichtet als Finanzjournalist über das aktuelle Geschehen an den Aktien- und Edelmetallmärkten. Mit fundierter Fundamentalanalyse und präziser Technischer Analyse beleuchtet er zudem Chancen und Risiken verschiedenster Assets.
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1 Kommentar

  1. „Ein makroökonomischer Rückschlag, eine neue Welle der Unsicherheit oder anhaltende Seitwärtsbewegungen im mittleren 60.000-Dollar-Bereich könnten leicht einen stärkeren Abverkauf bis in die 50.000er-Region auslösen“, so Singh. Der BC könnte aber unter Umständen wenn’s optimal läuft auch förmlich explodieren, sagt Ludger.

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