Bitcoin

Bitcoin: Krypto-Crash – ein Fall für die Finanzmathematik?

Immer wieder wird behauptet: aber das sei doch normal für den Bitcoin - wenn er mal 50 oder gar 90 Prozent korrigiert. Stimmt das wirklich?

Bitcoin - Krypto-Crash und Finanzmathematik

Wer sich schon länger mit der Börse und den Entwicklungen von Kursen beschäftigt weiß, dass bei jeder exponentiellen Kursentwicklung ein schwerer Rücksetzer oder gar ein Kollaps folgen muss – ist der Crash bei Bitcoin und anderen Kryptowährungen also doch irgendwie logisch?

Das Extrembeispiel ist eine Inflation, wenn sie zur Hyperinflation wird, mit mehr als 50 Prozent pro Monat und auf längere Zeit. Die Folgen sind bekannt, bei 300 Staatsbankrotten in den letzten 200 Jahren. Was hat das mit Bitcoin und den Kryptowährungen zu tun? Bestimmt einiges, wenn man deren quantitative und qualitative Entwicklung binnen eines guten Jahrzehnts betrachtet.

Bitcoin: Eine exponentielle Geschichte

Von einer Kryptowährung im Jahr 2010 auf mittlerweile über 9900 Handelbare gestiegen, von ein paar Dollars bis auf 2,5 Billionen Dollar an Marktkapitalisierung in der letzten Woche, das ist die Beschreibung der unheimlichen Entwicklung einer Idee, die vermutlich entstanden ist aus Protest. Darüber, was das Finanz- und Bankensystem in den Jahren vor 2008 angerichtet hatte, als man für Abermilliarden wertlose Immobilienkredite, schön verpackt in undurchsichtige MBS, aber mit Triple A geratet, in alle Welt verkauft und die größte Krise seit dem Zweiten Weltkrieg auslöste.

Die Entwickler sowie die Verkäufer dieser Subprime-Kredite in Billionen- Höhe, für die es im übrigen über 3,2 Prozent an Provision gegeben hatte (anstelle von 2,65%), wurden im Endeffekt nie richtig dafür zur Rechenschaft gezogen.

Als bestes Beispiel für dieses System wurde von Insidern Robert Rubin genannt, US-Finanzminister unter Bill Clinton, der in seiner Amtszeit die Aufhebung des Glass-Steagall-Acts vorantrieb, einem Gesetz zur Trennung von Kredit- und Investmentbanken. Nach seinem Rücktritt arbeitete er viele Jahre als Berater für die Citigroup, bei der er 123 Millionen Dollar als Provisionen einschob. Im Jahr 2009 behauptete er, man habe diese Entwicklungen auf dem Immobilienmarkt nicht kommen sehen können. Citigroup-Chef Chuck Prince seinerseits: „Man muss auf der Party tanzen, so lange die Musik spielt, ….!“

Gegen eine Wiederholung derartiger Vorgänge hatte Satoshi Nakamoto den Bitcoin kreiert, nicht manipulierbar, nicht inflationär und nicht von einem Staat zu kontrollieren. Er oder sie haben damals natürlich nicht ahnen können, was seine Ideen für Nachfolger entstehen lassen würde.

Und was ist speziell in den letzten 12 Monaten geschehen?

Der Wert des Bitcoin hat sich von etwa 6000 Dollar nach dem Corona-Crash auf 64.000 Dollar verzehnfacht, die Bewertung aller Kryptowährungen ist mindestens im selben Umfang gestiegen, also grob geschätzt von 200 Milliarden Dollar auf 2,5 Billionen Dollar, vor einer Woche. Die neueste Version einer gewaltigen Fahnenstange, die Konsequenzen haben musste – und muss.

Die Rally - und dann der Krypto-Crash

Immer wieder wird behauptet: aber das sei doch normal für den Bitcoin – wenn er mal 50 oder gar 90 Prozent korrigiert. Das hieß früher von 200 Millionen auf 100 Millionen, oder von 10 Millionen auf eine Millionen Dollar.

Und heute? Da geht es von einer Billion Dollar auf 500 Milliarden Dollar, in wenigen Tagen. Das Ganze bei Depots, hinter denen Milliarden Dollar an Krediten stehen. Die Spekulation auf das Neue wird zu einer Bedrohung für das Alte.

Die Kursziele für den Bitcoin

Was wurden nicht alles an Kurszielen für den Bitcoin in nächster Zeit prognostiziert? Zuletzt von Cathie Wood, die auf ein Ziel von 500.000 Dollar kam oder Marc Friedrich, der theoretisch schon von einer Million Dollar gesprochen hatte.

Aber ist das Limit von Prof. Dr. Thorsten Hens mit seinem Deckel bei 100.000 Dollar nicht wahrscheinlicher?

Damit hätte der Bitcoin eine Marktbewertung von fast zwei Billionen Dollar, was aber schon 10 Prozent des gesamten Bruttoinlandsprodukts der USA entspräche.
Oder fast 2,5 Prozent des Weltsozialprodukts, also aller Güter und Dienstleistungen, die in einem Jahr auf der Welt produziert werden.
Oder aktuell die Größe der zehntgrößten Volkswirtschaft der Welt!
Und das so nebenbei anonym und unreguliert.

Bitte klicken Sie hier um Teil 2 des Artikels zu lesen

Kommentare lesen und schreiben, hier klicken

Lesen Sie auch

9 Kommentare

  1. Das Problem beginnt schon damit das der Erfinder des Bitcoin schlicht nicht verstanden hat was Geld ist. Und zwar nicht mal im Ansatz.
    Womit er übrigens nicht alleine steht. Aber genau das hat natürlich den Erfolg als Spekulationsobjekt befeuert. Nicht der Bitcoin als Zahlungssystem (was er nicht ist), bedroht die Stabilität des Wirtschaftssystems, sondern das tut jede ausufernden Spekulation.

    Dazu muss der Unterschied zwischen Handel und Spekulation verstanden werden. Auf den ersten Blick sind Spekulation und Handel identisch. In beiden Fällen kauft der Händler/Spekulant etwas, nicht um es zu konsumieren, sondern um es weiterzuverkaufen.

    Beide haben aber ein unterschiedliches Ziel. Ein Händler (wie z.B. Aldi, Walmart oder ein industrieller Großhändler) haben als Ziel einen Kunden tatsächlich mit Gütern und Dienstleistungen zu versorgen. Sie sind der notwendige Rangierbahnhof in einem arbeitsteiligen System. Für sie sind starke und unkalkulierbare Preisschwankungen ein enormes Risiko, das schnell existenzgefährdend wird.

    Spekulanten dagegen verdienen ausschließlich an Preisschwankungen. Sie verhindern durch eine rechtzeitige Glattstellung ihrer Position das sie je in eine Lieferverpflichtung kommen.
    Spekulanten sind also, entgegen dem Händler, an möglichst heftigen Preisschwankungen interessiert (egal ob rauf oder runter, Hauptsache Bewegung).
    Deshalb schaukelt sich eine Spekulation auch immer auf. Wenn da Bewegung rein kommt kann man schneller Kohle machen, das erhöht die Ausschläge die dann wiederum zu höheren Gewinnpotentialen führen was wiederum mehr Leute anlockt (auf die Verlierer schaut ohnehin niemand).

    Geht immer mehr Geld (also echtes Geld, nicht Bitcoin) in das Spekulationsobjekt (ob Tulpenzwiebeln, Schlangenöl oder Bitcoin ist egal) schlagen die Volatilitäten irgendwann in die Realwirtschaft durch und gefährden das Wirtschaftssystem (siehe Aldi und Co.).
    Normallerweise werden diese Exzesse schließlich durch die Pleite von mindestens 95% der Spekulanten gestoppt. Bailed man die aber aus, was seit längerem der Fall ist, dann stoppt das Ding nie.

    Spekulation kann man nie ganz verhindern (schon wegen dem fließenden Übergang vom Handel zur Spekulation) und sie deckt natürlich auch Ungleichgewichte in der Wirtschaft auf und kann diese beseitigen. Allerdings funktioniert das nur dann, wenn erstens dafür gesorgt wird das alle Spieler fair spielen (was nie der Fall ist) und man zweitens die Verlierer gnadenlos Pleite gehen lässt. Was auch fast nie der Fall ist. Zumindest solange nicht, so lange einige Spieler einen direkten Einfluss auf die Politik haben.

    Deswegen ist der Satz „Der Glaube von Millionen Spekulanten mit der neuen Finanzrevolution reich zu werden.“ vollkommen richtig. Tatsächlich werden aber auch diesmal wieder Millionen Spekulanten mit einer angeblichen Finanzrevolution arm werden.
    Es ist nicht die erste Spekulationsblase und es wird auch nicht die Letzte sein. Es gibt Felder auf denen Menschen einfach nicht lernfähig sind. Aber das schöne, gerade an der Spekulation ist ja: Das Geld ist nicht weg, es hat nur jemand anders.

  2. Sehr gute Analyse. Dazu kommt die Psychologie der Anleger, die mit Bitcoin eine komplette neue Anlageklasse entdeckt und erkundet haben. Kurs wird aus Neugierde, Neuentdeckung, Gier und Angst gebildet:
    1. Linearer Anstieg auf niedrigem Niveau (Erkundung)
    2. Quadratischer Anstieg auf gehobenen Niveau (Entdeckung)
    3. exponentieller Anstieg (Euphorie)
    4. Einbuch 40% – 80% (Verlustangst)
    5. nach eine Weile der Ankunft neue Interessenten wider bei 1. angefangen
    6. usw. wiederholt sich so lange bis keine neuen Interessenten mehr dazukommen.

  3. Guter Kommentar der das Thema sehr schön zusammenfasst

  4. Bitcoin ist kein Geld(im Sinne von „das am einfachsten zu handhabene Tauschmittel / höherwerdene Geldumlaufgeschwindigkeit) .Es ist ein Spekulationsasset mit nur einem inneren/Mehrwert,der da wäre
    : Wenn man es schafft eine gewisse Anzahl an Transaktionen,mit örtlich und über Rechtsgrenzen hinaus platzierten selbst kontrollierten Wallets so zu verschleiern/verschlüsseln und in andere Assets oder Geld zurückzutauschen
    zum Zwecke des unendeckten Werttransports ( wie Tempelritter-Zahlungsversprechen) ,dann hat man den wahren Wert extrahiert.

  5. Ein staatliches (Teil)Verbot hätte schon auf einer vie niedrigeren Ebene Auswirkungen: Hinter jedem Vertrag, den ich schließe, steht als Garant der Staat. Wenn eine Partei ihn nicht erfüllt oder schlecht erfüllt, stehen die Gerichte zur Verfügung. Wenn ich Geschäfte mit einer verbotenen Kryptowährung mache, kann ich die Erfüllung aber nicht vor Gericht einklagen. Das käme einer Selbstanzeige gleich.

    Ein Teil(Verbot) von Kryptowährungen würde den Tausch in andere legale Währungen zumindest sehr schwer machen. Solange es keinen vollständig autarken Wirtschaftskreislauf basierend auf Kryptowährungen gibt (angefangen beim Schürfen von Bodenschätzen bis hin zu den vielen Formen des Kredits), ist der regelmäßige Umtausch aber zwingend. (Das schließt die Lohnzahlungen ein. Solange ich nicht alle Bedürfnisse destäglichen Lebens mit Krypto bezahlen kann, ist eine Lohnzahlung in Krypro unmöglich). Und spätestens wenn Steuern gezahlt werden müssen, braucht man die Landeswährung.

    Das wäre der letzte Punkt: Meinem Eindruck nach ist die Möglichkeit der Steuerhinterziehung etwas, was vielen Leuten die Kryprowährungen interessant erscheinen lässt (vorgetragen als Ablehnung staatlicher Kontrolle). Aber das ist Bockmist. Wenn ich in der realen Welt ein Unternehmen betreibe, dann fällt das auf. Ich benötige ein Grundstück, beschäftige Arbeitnehmer etc. Das kann ich vor den verschiedenen Abteilungen des Staates (Umweltbehörden, Gewerbeaufsicht, Sozialversicherung) nicht verbergen. Und dann steht auch schnell das Finanzamt vor der Tür. Und wenn ich dann 500 Leute beschäftige, aber angeblich keine der Unternehmensgröße entsprechende Einnahmen habe (da ja alles anonym über Krypto läuft),0dann dürfte auch der dümmste Finanzbeamte etwas misstrauisch werden. Das alles kann nur ignorieren, wer das Internet mit der wirklichen Welt verwechselt.

    Zusammengefasst: Einzelne Transaktionen kann ich mit staatlich missbilligten Zahlungsmitteln durchführen. Einen ganzen Wirtschaftskreislauf bekomme ich damit nicht hin. Geld wären die Krypto“währungen“ aber nur, wenn sie genau das leisten könnten.

  6. Der rettich bringt es auf den Punkt .Die Tech- und Internetgläubigen sollen ihre Ansprüche auf Altersguthaben u.s.w. vom Bitcoin Gründer
    den Niemand kennt abholen.Eine zweite Luftnummer neben der vollgeblasenen Notenbanknummer, die immerhin von den Bürgern verbürgt werden sollte, erträgt das System nicht mehr.

  7. Sehr guter Kommentar, man muss auf der Party tanzen solange die Musik spielt. Leider sind es die Notenbanken,die die Musik selber bestellt haben.Wenn sie jetzt die Musik nicht abstellen, kommt es soweit, dass sie die Musik nicht mehr abstellen dürfen wegen Systemrelevanz des ganzen Finanzsystems, d.h. die Notenbanken müssten auch noch Kryptos stützen.
    2008 hat eine Mutter dem 12Jährigen die Häuserkrise in den USA erklärt, darauf antwortete der Kleine,WARUM MACHEN SIE DAS??
    Ich frage heute, CHRISTINE, JEROME und Co.Warum macht ihr das?
    Zur Erinnerung: Die Volumen und Hebelungen sind heute um ein x-faches grösser als 2008 und zudem nicht nur regional ( USA) sondern weltweit, weil es Alle machen müssen.

  8. Zum Bitcoin :

    Siehe hier :

    https://www.heise.de/tp/features/War-s-das-mit-den-Kryptowaehrungen-6052699.html?seite=4

    „Dass die Tweets US-amerikanischer Techno-Milliardäre den Kurs so stark beeinflussen, spricht ebenfalls nicht für dessen Stabilität.

    Man könnte auch einmal darüber nachdenken, inwiefern hier eine Marktmanipulation vorliegt. Etwa in dem Sinne: Man kauft privat oder mit seiner Firma das Gut. Dann äußert man sich öffentlich positiv darüber. Dann laufen einem viele hinterher und kaufen. In die dann steigenden Kurse verkauft man vielleicht wieder mit Gewinn?“

    Und man sagt, dass man Bitcoins im Wert von 1,5 Milliarden USD gekauft hat (dies über Twitter schön laut heraus postet, als 2 reichster Mann der Welt, darf man das natürlich, ohne jedwede Hintergedanken, weil man weiß, seine „Jüngerschaft“ hat man sowieso dahinter stehen – dies ist natürlich keine wissentliche Marktmanipulation)

    Und Bitcoins ab sofort als offizielles Zahlungssystem für Teslas in Zahlung nimmt und weil man als US-Milliardär Krypto-„Währung“ grün, innovativ und passend zum eigenen grünen Image sowieso toll findet ?

    Und dann später sagt, ja der Bitcoin ist ja jetzt doch ein Umweltsünder ? – Ist er ja auch ? – ein Schelm, wer Böses dabei denkt ?

    Nur vergisst man dann schon schon, dass man gleichzeitig im Wasserschutzgebiet eine „grüne“, umweltfreundliche Gigafactory hinstellt, und dies ohne Baugenehmigung ?!?

    „Daher kann ich das demokratische Image, das dem Bitcoin anhaftet, nicht nachvollziehen. Das Schürfen ist für Kleinanwender schon lange nicht mehr rentabel. Das verteilte Netzwerk bietet zwar eine gewisse Stabilität – aber im Endeffekt hat die Gruppe mit der größten Rechenkapazität das letzte Wort. Falls sich verschiedene Gruppen zu einer großen Räuberbande zusammenschließen, kann man als einzelner Nutzer wenig dagegen tun.“

    Ja, genau beim Bitcoin kaufen die chinesischen Damen und Herren höchstleitungsfähige Grafikkarten auf von der Firma Nvidia, mit der Serverkapizität an sich ist es nicht getan, die CPU ist der Flaschenhals, ich benötige Leistung über die Grafikkarte.

    Zu dem sollte man sich über diese Sache im Klaren sein, Bitcoin = Spielwiese für Kriminelle. Schon mal was von Wallets-Diebstählen gehört ? So gesehen ist der Bitcoin , das Windows 4.0. Windows 4.0 beudeutet, für die Hacker ist Windows wesentlich lohnenswerter für deren Angriffe, als zum beispiel Linux, da zum meisten verbreitet …

    siehe hier :

    Über alldem hängt das Damoklesschwert der staatlichen Regulierung: Die weitreichende Anonymität und der Zahlungsverkehr rund um den Globus ziehen natürlich auch Kriminelle an. Nicht ohne Grund werden Lösegelder beispielsweise für gehackte Computersysteme gerne in Kryptowährungen eingefordert. Daher ist der Druck groß, bei Brokern und Börsen, wo man Bitcoin und Co in echtes Geld oder andere Güter tauschen kann, die Identifizierungsmaßnahmen zu verstärken.

    Und als allerletztes :

    Bitcoin ist KEINE WÄHRUNG ! Es ist kein „echtes Geld“.

    Wie gesagt, wenn mir Tesla, Aldi oder sonst wer eine Bezahlung von sagen wir mir einem Tesla in 2 Wochen oder sogar Monaten (!) zu X-Teslas… ähh Bitcoins zusagen kann, hat die Wirtschaft und das Geldsystem nicht verstanden.

    Dann gleicht der Kauf eines Gegenstandes über Bitcoin bzw der Verkauf für Händler und Käufer einem Lottospiel…

  9. Und ich verweise gerne auf einen aktuellen Artikel in der „Auto-Motor und Sport“, mit der Überschrift
    „Wie sauber ist Telsa wirklich ?“ Heft 12, vom 20 Mai 2020

Hinterlassen Sie eine Antwort

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.




ACHTUNG: Wenn Sie den Kommentar abschicken stimmen Sie der Speicherung Ihrer Daten zur Verwendung der Kommentarfunktion zu.
Weitere Information finden Sie in unserer Zur Datenschutzerklärung

Meist gelesen 7 Tage