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Richtungsentscheidung am Montag Bitcoin nach Iran-Eskalation: Abverkauf oder Erholungsrally?

Bitcoin nach Iran-Eskalation: Abverkauf oder Erholungsrally?
Grafik: ChatGPT

Kryptowährungen geraten unter Druck, nachdem die US-Angriffe auf den Iran die geopolitische Spannungen verschärft und die globalen Finanzmärkte verunsichert haben. Bitcoin, Ethereum und der gesamte Kryptomarkt reagieren mit erhöhter Volatilität. Zwischen Gerüchten, Optionsdaten und ETF-Kapitalflüssen wird deutlich: Die Preisfindung nach dem jüngsten Markteinbruch ist noch nicht abgeschlossen.

Bitcoin zwischen Abverkauf und Erholung

Kryptowährungen gerieten am Wochenende zeitweise deutlich unter Druck, nachdem die militärischen Angriffe der USA und Israels auf iranische Ziele neue Unsicherheit . Laut einem Bericht von Bloomberg warten Händler weltweit nun auf Impulse aus den klassischen Finanzmärkten, um eine belastbare Richtung zu erkennen.

Bitcoin zeigte sich am Samstag extrem schwankungsanfällig, nachdem die Luftschläge in den frühen Morgenstunden begonnen hatten. Zunächst rutschte der BTC-Kurs deutlich ab, ehe er sich stabilisierte, als Gerüchte über den Tod des iranischen Oberhaupts Ayatollah Ali Khamenei die Runde machten. Nachdem iranische Offizielle seinen Tod bestätigten, sprang Bitcoin kurzfristig auf 68.196 US-Dollar, büßte jedoch einen Teil seiner Gewinne ein und notierte am Montagmorgen um 4:00 Uhr bei rund 66.700 US-Dollar – ein Plus von 1,4 Prozent. Auch Ether gab frühere Gewinne ab, legte dennoch um 1,6 Prozent auf 1.970 US-Dollar zu.

„Die eigentliche Preisfindung findet erst im Laufe des Handels am Montag statt“, erklärte Hayden Hughes, Managing Partner bei Tokenize Capital, mit Blick auf die Wiedereröffnung der US-Aktienmärkte und der Bitcoin-ETFs. Angesichts von Raketenangriffen auf Dubai, iranischen Gegenschlägen im Golfraum und dem Risiko einer Schließung der Straße von Hormus sei die Lage keineswegs isoliert zu betrachten.

Kryptowährungen reagierten bereits am frühen Samstagmorgen mit starken Ausschlägen, als die Nachricht über die gemeinsame Militäraktion publik wurde. Bitcoin fiel zeitweise auf etwa 63.000 US-Dollar, bevor eine Gegenbewegung einsetzte. Die gesamte Marktkapitalisierung des Kryptosektors schrumpfte laut CoinGecko zwischenzeitlich um rund 128 Milliarden US-Dollar.

Kryptowährungen schwanken nach Iran-Esakalation - Bitcoin erholt sich
Bitcoin unter Druck angesichts fragiler Stimmung

Entscheidende Rolle der ETFs

Für Marktbeobachter rücken nun die Kapitalflüsse in Bitcoin-ETFs in den Fokus. Laut Hughes werden die ETF-Zuflüsse „die mit Abstand wichtigste Kennzahl“ sein, sobald die Märkte wieder öffnen. In der Vorwoche verzeichneten Bitcoin-ETFs an drei aufeinanderfolgenden Handelstagen Zuflüsse von insgesamt rund einer Milliarde US-Dollar. Sollte sich dieser Trend umkehren, könnte Bitcoin die Marke von 63.000 US-Dollar nachhaltig unterschreiten.

Kryptomarkt-Erholung: Bitcoin-ETF-Zuflüsse nehmen zu
Bitcoin ETF-Ströme

Zusätzliche Hinweise liefert der Optionsmarkt. Auf der Terminbörse Deribit konzentrierten sich Bitcoin-Put-Optionen im Volumen von rund 1,9 Milliarden US-Dollar auf den Basispreis von 60.000 US-Dollar. Dies signalisiert eine anhaltend hohe Nachfrage nach Absicherungen gegen fallende Kurse. Im laufenden Jahr wurde die 60.000-Dollar-Marke lediglich einmal erreicht – am 6. Februar. Der gleitende 200-Wochen-Durchschnitt, der von vielen technischen Analysten als zentrale Unterstützungszone betrachtet wird, liegt aktuell bei rund 58.500 US-Dollar.

Nach den Angriffen reagierte der Iran mit Gegenschlägen auf mehrere Ziele, darunter Israel, Katar, die Vereinigten Arabischen Emirate und Bahrain. Zudem drohte Teheran mit weiteren Angriffen auf US-nahe Militärstützpunkte im Irak. Die geopolitische Eskalation erhöht damit nicht nur die Unsicherheit an den Energiemärkten, sondern auch den systemischen Stress im globalen Finanzsystem – ein Umfeld, in dem risikobehaftete Anlageklassen wie Kryptowährungen besonders sensibel reagieren.

Optionenmarkt und Erholungsszenarien

Trotz der angespannten Lage zeigen sich einige Marktteilnehmer optimistisch. Ihrer Einschätzung nach könnten die Kryptomärkte die Iran-Krise mittelfristig ausblenden, insbesondere wenn keine gravierenden wirtschaftlichen Folgeschäden eintreten. Teile des Marktes positionieren sich bereits für eine fortgesetzte Erholung.

„Die Händler erwarten im Allgemeinen keine gravierenden negativen wirtschaftlichen Konsequenzen aus dem Iran-Konflikt, und die Nachfrage nach Bitcoin-Call-Optionen mit Aufwärtspotenzial hat in den letzten Tagen klar zugenommen“, sagte Markus Thielen, Research-Chef bei 10x Research. Gleichzeitig bereiten sich Investoren auf die anstehende Sitzung der US-Notenbank Federal Reserve vor, die zusätzliche Volatilität in Bitcoin und Ethereum auslösen könnte.

Deribit-Daten zufolge konzentrieren sich Bitcoin-Call-Optionen insbesondere im Bereich von 75.000 US-Dollar. Dies deutet darauf hin, dass ein Teil des Marktes weiterhin auf eine Rally spekuliert, sofern sich das makroökonomische Umfeld stabilisiert.

Richard Galvin, Mitgründer des Hedgefonds Digital Asset Capital Management, erklärte, dass viele Händler den US-Angriff weitgehend eingepreist hätten. Die Kursschwäche sei genutzt worden, um Positionen aufzustocken oder Short-Positionen zu schließen – ein klassisches „Buy-the-Dip“-Szenario.

Auch auf Prognoseplattformen wie Polymarket wurde die Eskalation aktiv gehandelt. Dort wechselten Kontrakte im Volumen von 529 Millionen US-Dollar den Besitzer, die sich auf den Zeitpunkt eines US-Angriffs gegen den Iran bezogen. Die hohe Handelsaktivität unterstreicht, wie eng geopolitische Ereignisse, Spekulation und Kryptomärkte inzwischen miteinander verflochten sind.

FMW/Bloomberg



Stefan Jäger
Über den RedakteurStefan Jäger
Stefan Jäger berichtet als Finanzjournalist über das aktuelle Geschehen an den Aktien- und Edelmetallmärkten. Mit fundierter Fundamentalanalyse und präziser Technischer Analyse beleuchtet er zudem Chancen und Risiken verschiedenster Assets.
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