Bitcoin ringt mit der richtungsweisenden Marke von 75.000 US-Dollar, doch die Erholung leidet weiterhin an einem Glaubwürdigkeitsproblem. Während der BTC-Kurs anzieht, bauen gehebelte Trader zunehmend Short-Positionen gegen die Rally auf. Besonders auffällig ist die Entwicklung der Funding Rates, die als zentraler Indikator für die Stimmung im Derivatemarkt gelten. Löst sich diese Diskrepanz, könnte ein erheblicher Short Squeeze ausgelöst werden.
Bitcoin vor Short Squeeze?
Laut einem Bloomberg-Bericht sind die Funding Rates auf Perpetual Futures seit rund 46 Tagen durchgehend negativ – ein ungewöhnlich langer Zeitraum, der eine klar bearishe Positionierung signalisiert. Eine vergleichbare Phase gab es zuletzt im November und Dezember 2022, als der Zusammenbruch der Kryptobörse FTX den Markt erschütterte.
Diese anhaltende Divergenz zwischen Kursentwicklung und Trader-Positionierung deutet auf ein instabiles Gleichgewicht hin. Historisch betrachtet lösen sich solche Spannungen meist schnell auf – häufig mit starken Kursbewegungen. Sollte Bitcoin nachhaltig über 75.000 Dollar weiter steigen, geraten Short-Trader zunehmend unter Druck, ihre Positionen zu schließen, was zu einem beschleunigten Kursanstieg führen kann. Dieses Phänomen wird als Short Squeeze bezeichnet.
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„Trader bauen aktiv Short-Positionen auf und wetten gegen einen Ausbruch, wodurch die Wahrscheinlichkeit eines Short Squeeze steigt, wenn das Aufwärtsmomentum anhält“, erklärte Vetle Lunde, Research-Leiter bei K33.
Diskrepanz zwischen Spot- und Derivatemarkt
Die aktuelle Situation zeigt eine der größten Divergenzen in diesem Jahr zwischen dem Spotmarkt und den Erwartungen der Derivate-Trader. Bitcoin konnte seit seinem Tief im April um etwa 14 % zulegen. Unterstützt wurde diese Entwicklung unter anderem durch steigende Zuflüsse in US-Spot-ETFs sowie durch massive Käufe institutioneller Akteure.
Allein in dieser Woche verzeichneten US-gelistete Spot-Bitcoin-ETFs Nettozuflüsse von 332 Millionen US-Dollar, davon 26 Millionen am Donnerstag. Am Freitag notiert der BTC-Kurs bei rund 75.000 US-Dollar.

Institutionelle Käufe setzen Shorts unter Druck
Besonders kritisch für Short-Positionen ist die Häufung bullisher Katalysatoren. Mehrere Entwicklungen könnten kurzfristig starke Kursbewegungen auslösen. So tätigte der Bitcoin-Akkumulator Strategy in den vergangenen zwei Wochen Käufe im Umfang von insgesamt 2,6 Milliarden US-Dollar. Laut Bohan Jiang von FalconX stabilisieren diese Käufe den Kryptomarkt spürbar.
Zusätzlich kündigte Charles Schwab an, noch in diesem Jahr den Handel mit Spot-Kryptowährungen einzuführen. Gleichzeitig stellte das Unternehmen in Aussicht, dass Kunden bis zu 8,8 % ihres Portfolios in Bitcoin investieren könnten.
Auch große Wall-Street-Institute erhöhen ihre Präsenz im Kryptosektor. Goldman Sachs reichte erstmals einen Antrag für einen Bitcoin-ETF ein, während Morgan Stanley bereits einen eigenen ETF auf den Markt gebracht hat. Obwohl die anfänglichen Zuflüsse noch moderat sind, bezeichnete K33-Experte Lunde diesen Schritt als „monumental“, insbesondere aufgrund der Signalwirkung.
In der vergangenen Woche flossen über 800 Millionen US-Dollar in US-Bitcoin-ETFs – eine deutliche Trendwende gegenüber den vorherigen Abflüssen. Jeder weitere Kapitalzufluss erhöht die Kosten für Short-Positionen und verschärft die Bedingungen für einen möglichen Short Squeeze.
Laut Laurens Fraussen von Kaiko könnte ein Durchbruch über die Marke von 76.000 US-Dollar den Bitcoin-Kurs in Richtung 85.000 US-Dollar treiben. Eine solche Bewegung könnte viele Marktteilnehmer überraschen. Dennoch liegt Bitcoin aktuell noch rund 40 % unter seinem Hoch von etwa 126.000 US-Dollar im Oktober.
Risiken auf der Unterseite bleiben bestehen
Trotz der positiven Dynamik besteht weiterhin das Risiko eines weiteren Rücksetzers. Sollte die aktuelle Aufwärtsbewegung an der technischen Hürde scheitern, könnten bärisch positionierte Investoren profitieren. Optionsdaten zeigen eine erhöhte Nachfrage nach Absicherungen nach unten, insbesondere bei Strike-Preisen von 60.000 und 50.000 US-Dollar.
Zudem könnte Bitcoin auf dem Weg nach oben auf Widerstand stoßen. Optionshändler mit marktneutralen Strategien neigen dazu, bei steigenden Kursen zu verkaufen, um ihre Positionen abzusichern. Die größten Positionen konzentrieren sich laut Jiang derzeit im Bereich um 80.000 US-Dollar, was als potenzielle Widerstandszone fungieren könnte.
FMW/Bloomberg
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