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BTC gewinnt neue Dynamik Bitcoin-Rally: Short Squeeze treibt Kurs über 73.000 Dollar

Bitcoin-Rally: Short Squeeze treibt Kurs über 73.000 Dollar
Bitcoin-Logo. Fotograf: Chan Long Hei/Bloomberg

Bitcoin hat im Zuge eines Short Squeeze die Marke von 73.000 Dollar überschritten und damit ein starkes Signal an den Kryptomarkt gesendet. Steigende ETF-Zuflüsse, wachsendes Open Interest und zurückkehrende Volatilität treiben die Dynamik. Gleichzeitig bleibt die Lage im Iran ein Unsicherheitsfaktor für Investoren. Dennoch zeigt der Kryptomarkt neue Widerstandskraft, während institutionelle Anleger verstärkt auf Bitcoin und Ether setzen.

Short Squeeze treibt Bitcoin-Rally

Bitcoin sprang zeitweise um bis zu 8,9 Prozent auf rund 74.000 Dollar und erreichte damit den höchsten Stand seit etwa einem Monat. Der Anstieg – der stärkste Tagesgewinn seit der Vorwoche – verdeutlicht, wie stark Unsicherheit und schnelle Kursbewegungen derzeit den Kryptomarkt prägen. Ether legte ebenfalls deutlich zu und stieg um bis zu 13 Prozent auf fast 2.200 Dollar.

Laut einem Bericht der Blockchain-Analysefirma Glassnode entfernt sich der Kryptomarkt zunehmend von einer Phase der Krisenbewertung. Statt panikartiger Absicherungen rücken nun wieder strategische Positionierungen in den Mittelpunkt der Kursbewegungen.

Wie Bloomberg berichtet, hatten in den vergangenen Tagen Investoren aufgrund des Konflikts im Iran verstärkt Bitcoin leerverkauft, da sie riskantere Anlagen mieden und stattdessen in klassische sichere Häfen wechselten. Händler berichten, dass viele Marktteilnehmer auf weiter fallende Kurse gesetzt hatten.

Alex Kuptsikevich, Chef-Marktanalyst bei FxPro, erklärt: „Leerverkäufer waren zu überzeugt davon, dass der Kryptomarkt weiter fallen würde, und platzierten ihre Orders zu nahe am aktuellen Kursniveau. Als Bitcoin den oberen Rand der Februar-Handelsspanne erreichte, genügte ein kleiner Anstieg, um eine Short-Squeeze auszulösen. Zusammen mit den überverkauften Marktbedingungen seit Oktober entstand so die perfekte Mischung für eine Rally.“

Bitcoin klettert an die Spitze der Handelsspanne
Bitcoin klettert an die Spitze der Handelsspanne

Volatilität kehrt in den Markt zurück

Die zurückkehrende Volatilität ist selbst ein wichtiges Signal. Über Monate hinweg bewegten sich Kryptokurse überwiegend abwärts und in engen Spannen. Größere Kursschwankungen könnten nun wieder private Trader anlocken und institutionellen Trading Desks neue Chancen für Long- und Short-Strategien eröffnen.

Die Gewinne beschleunigten sich am Mittwoch, während Aktienmärkte zulegten und Ölpreise leicht nachgaben. Investoren reagierten damit auf Hinweise, dass der Konflikt rund um Iran möglicherweise kürzer ausfallen könnte als zunächst befürchtet.

Noch am Wochenende war Bitcoin nach US- und israelischen Luftschlägen gegen iranische Ziele auf etwa 63.000 Dollar gefallen. Seitdem hat sich der Kryptomarkt jedoch spürbar erholt. Laut Daten von Bloomberg flossen allein in den vergangenen zwei Tagen mehr als 680 Millionen Dollar in US-Spot-Bitcoin-ETFs.

Kryptomarkt: Bitcoin und Ether mit Erholung
BlackRocks Bitcoin-ETF verzeichnet starke Zuflüsse von Anlegern

Julio Moreno, Research-Chef bei CryptoQuant, sieht vor allem im Terminmarkt steigende Nachfrage: „Nach einem Monat der Konsolidierung steigt die Nachfrage im Perpetual-Futures-Markt deutlich. Das Open Interest ist parallel zu den Preisen gestiegen, was darauf hinweist, dass Händler neue Long-Positionen eröffnen.“

Trotz der jüngsten Erholung bleibt der Kryptomarkt jedoch angespannt. Selbst nach dem Kurssprung liegt Bitcoin weiterhin mehr als 40 Prozent unter seinem Hoch vom Oktober, nachdem monatelange Verkäufe den Markt belastet hatten.

Institutionelles Interesse wächst wieder

Gerade dieses Umfeld könnte Bitcoin derzeit in eine besondere Position bringen. Während geopolitische Spannungen traditionelle Märkte bremsen könnten, sehen einige Anleger im Kryptomarkt erneut eine Chance auf überdurchschnittliche Renditen.

Glassnode beobachtet erste Stabilisierungstendenzen bei Bitcoin-ETF-Zuflüssen. Eine anhaltende Erholung dieser Kapitalströme würde auf wachsendes Vertrauen institutioneller Investoren hindeuten.

Auch politische Signale aus Washington sorgen bei einigen Marktteilnehmern für Optimismus. US-Präsident Donald Trump kritisierte kürzlich Banken, die sich gegen seine geplante Krypto-Regulierung einsetzen. Seine Regierung arbeitet derzeit an umfassenden Gesetzen zur Marktstruktur für digitale Assets.

In einem Beitrag auf seiner Plattform Truth Social erklärte Trump, die Kryptobranche dürfe „dem amerikanischen Volk nicht genommen werden“. Untätigkeit würde seiner Meinung nach China einen strategischen Vorteil verschaffen.

Diese Aussagen wurden von vielen Krypto-Befürwortern als politisches Signal interpretiert, dass digitale Vermögenswerte künftig stärker unterstützt werden könnten.

Bitcoin gegen Gold im Vergleich

In der Kryptoszene wird Bitcoin seit Jahren mit Gold verglichen. Viele Anleger sehen die Kryptowährung als digitales Pendant zum klassischen sicheren Hafen.

In den vergangenen Monaten hat sich diese Erzählung jedoch nicht bewahrheitet. Während Gold neue Höhen erreichte, fiel Bitcoin deutlich zurück.

In den letzten Tagen hat sich dieses Bild teilweise gedreht. Seit Freitag – noch vor Beginn der jüngsten Eskalation im Iran – legte Bitcoin etwa 12 Prozent zu. Gold verlor im gleichen Zeitraum rund zwei Prozent.

Frank Chaparro, Head of Content bei GSR, sieht mögliche Kapitalumschichtungen: „Kapital könnte wieder in Kryptowährungen rotieren, während Gold etwas in den Hintergrund tritt. Der Goldpreis hat sich verdoppelt, während Bitcoin zuvor halbiert wurde. Vor dem Hintergrund geopolitischer Spannungen, Sanktionen, Kriegen und steigender Staatsdefizite wirkt Bitcoin im Vergleich zu anderen Assets fast abgeschrieben. Solche Positionierungen können sich jedoch schnell drehen, wenn sich die Marktstimmung verändert.“

Erholung bleibt fragil

Trotz der starken Erholung bleibt der Ausblick unsicher. Die Kombination aus hoher Volatilität und geopolitischen Spannungen könnte dazu führen, dass eine mögliche Rally im Kryptomarkt nur von kurzer Dauer ist. Aus technischer Sicht trifft die Erholungsbewegung im Bereich von 75.000 bis 80.000 Dollar auf eine wichtige Widerstandszone. Diese muss zunächst überwunden werden, damit sich das Marktbild weiter aufhellt. Während des asiatischen Handels am Donnerstag notiert der BTC-Kurs bei rund 72.700 Dollar.

Der Konflikt zwischen USA/Israel und Iran trat am Mittwoch in seinen fünften Tag ein. Beide Länder setzten weiterhin Luftangriffe und Raketenangriffe ein. Berichten zufolge wurden im Iran bereits Hunderte Menschen getötet, während auch in anderen Teilen der Region zahlreiche Opfer gemeldet wurden. Die USA bestätigten zudem den Tod von sechs Soldaten.

Vor diesem Hintergrund warnen Analysten vor übermäßigem Optimismus.

Kuptsikevich betont: „Wir halten die Situation weiterhin für zu fragil, um sagen zu können, dass der Tiefpunkt bereits erreicht ist. Bitcoin bleibt anfällig, weil die steigende Volatilität an den Aktienmärkten institutionelle Investoren dazu zwingt, ihre Hebelpositionen zu reduzieren.“

FMW/Bloomberg



Stefan Jäger
Über den RedakteurStefan Jäger
Stefan Jäger berichtet als Finanzjournalist über das aktuelle Geschehen an den Aktien- und Edelmetallmärkten. Mit fundierter Fundamentalanalyse und präziser Technischer Analyse beleuchtet er zudem Chancen und Risiken verschiedenster Assets.
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