Nach dem jüngsten Kurssturz und massiven Liquidationen verharrt der Bitcoin-Kurs in einer engen Seitwärtsspanne. Ein Hinweis auf weiterhin verhaltene Risiko- und Kaufbereitschaft. Krypto-Hedgefonds erhöhen ihre Cash-Quote, während Volatilität, ETF-Nachfrage und makroökonomische Unsicherheiten bislang den Kryptomarkt in diesem Jahr prägen.
Bitcoin: Hedgefonds flüchten in Cash
Bitcoin bewegt sich weiterhin in einem engen Korridor und sucht nach klarer Richtung – fast zwei Wochen nach dem jüngsten Markteinbruch, der die letzten Kursgewinne seit Donald Trumps Wiederwahl vollständig auslöschte. Der abrupte Rückgang auf rund 60.000 Dollar markierte eine deutliche Zäsur für den Kryptomarkt und verstärkte die Unsicherheit unter professionellen Investoren.
Laut einem Bloomberg-Bericht hat der Abschwung offenbar zahlreiche Krypto-Hedgefonds dazu veranlasst, ihre Liquiditätsreserven deutlich aufzustocken. Diese Entwicklung verdeutlicht, wie stark die rund 2 Billionen US-Dollar schwere Marktkorrektur seit dem Oktober-Crash institutionelle Marktteilnehmer erschüttert hat. Mit Blick auf 2026 bleibt die Überzeugungskraft für neue Positionierungen gering.
„Bitcoin hat zwischen 65.000 und 70.000 Dollar eine neue Handelsspanne gefunden und schwankt ohne klare Richtungsüberzeugung“, erklärte Bohan Jiang, Senior Derivatives Trader bei FalconX.
Am Vortag bewegte sich die traditionell volatile Kryptowährung in einer Bandbreite von weniger als drei Prozent und notierte am Freitag während des asiatischen Handels bei rund 67.000 US-Dollar. Am 6. Februar war Bitcoin zeitweise um bis zu 13 Prozent eingebrochen – der stärkste Tagesverlust seit etwa vier Jahren. Vom Allzeithoch bei knapp 127.000 US-Dollar Anfang Oktober liegt der Kurs inzwischen fast 50 Prozent entfernt.

Volatilität lässt nach
Der Volatilitätsschub vom 6. Februar hat sich inzwischen deutlich abgeschwächt, so Paul Howard, Senior Director beim Market Maker Wincent. Die sinkende implizite Volatilität sowie selektive On-Chain-Nachfrage nach Spot-Bitcoin-ETFs deuteten darauf hin, dass gehebelte Positionen reduziert wurden – ein Umstand, der kurzfristig für eine mögliche Bodenbildung spricht.
Dennoch bleibt der Kryptomarkt fragil. Bereits im Oktober hatte eine Welle von Liquidationen das Vertrauen nachhaltig beschädigt. Bitcoin verlor im vierten Quartal 24 Prozent – der stärkste Quartalsrückgang seit 2022. Diese Entwicklung belastete auch die Handelsvolumina im gesamten Sektor digitaler Vermögenswerte.
Branchenumfragen der Crypto Insights Group zeigen, dass viele Fondsmanager im vierten Quartal gezielt Risiken reduzierten. Das Chance-Risiko-Verhältnis hatte sich spürbar verschlechtert. Während einige Fonds ihre Cash-Allokation erhöhten, wichen andere – aufgrund mandatlicher Vorgaben zur Vollinvestition – auf defensivere Strategien aus.
„Als sich das Risiko-Rendite-Profil im vierten Quartal eintrübte, haben wir 40 Prozent des Portfolios abgesichert“, schrieb der Sigil Fund in einer Mitteilung. Erstmals in der Geschichte des Fonds bestand keinerlei Engagement in Bitcoin oder Ethereum.
Strategiewechsel der Hedgefonds
Hedgefonds nutzten in der Vergangenheit häufig die sogenannte Basis-Strategie („Basis Trade“), um von Preisunterschieden zwischen Spotmarkt und Futures zu profitieren. Dabei kauften sie Bitcoin direkt oder über ETFs und verkauften gleichzeitig langfristige Futures-Kontrakte, um die Preisdifferenz bei bullischer Marktstimmung zu vereinnahmen.
Mit dem starken Preisverfall ist diese Strategie jedoch weitgehend unprofitabel geworden. Die gesunkene Nachfrage und die veränderte Terminstruktur haben die Arbitragemöglichkeiten deutlich reduziert.
Stattdessen priorisieren viele Manager nun Kapitalerhalt und Flexibilität. Laut Crypto Insights Group erweitern zahlreiche Fonds ihre Anlagestrategien um krypto-nahe Aktien. Dies ist ein deutlicher Unterschied zu früheren Erhebungen, in denen Aktien nur eine Nebenrolle spielten.

Die erhöhten Cash-Bestände deuten darauf hin, dass viele Marktteilnehmer auf klarere makroökonomische Signale, regulatorische Impulse oder eine nachhaltige Rückkehr institutioneller Kapitalzuflüsse warten, bevor sie erneut stärker in volatilere Krypto-Assets investieren.
Vor dem Hintergrund der anhaltenden Seitwärtsbewegung bleibt offen, ob der Kryptomarkt bereits eine tragfähige Akkumulationsphase begonnen – oder ob die aktuelle Stabilisierung lediglich die sprichwörtliche Ruhe vor dem nächsten Sturm ist.
FMW/Bloomberg
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