Bitcoin

Neue Dynamik, alte Zweifel Bitcoin springt über 82.000 Dollar – warum dennoch Zweifel bleiben

Bitcoin-Rally dank Dollar-Einbruch
Illustration: KI-generiert mit ChatGPT

Ein Short-Squeeze und der Einbruch des US-Dollar haben Bitcoin nach einer kurzen Konsolidierung auf mehr als 82.000 Dollar katapultiert. Auslöser waren Spekulationen über eine erneute Yen-Intervention und deutlich gesunkene Erwartungen an eine Zinserhöhung der Fed. Doch hinter der explosiven Bewegung steht bislang nur eine uneinheitliche US-Nachfrage. Ob Bitcoin vor der nächsten Rally steht, entscheidet sich deshalb erst oberhalb einer wichtigen Kurszone.

Waller schwächt den Dollar

Vom Mittwochstief bei rund 76.300 Dollar schoss Bitcoin innerhalb eines Tages bis auf 82.200 Dollar – ein Anstieg von knapp 8 Prozent. Damit hat die Kryptowährung nicht nur die jüngste Korrektur aufgeholt, sondern auch das Hoch vom 28. August bei etwa 81.400 Dollar überwunden und den kurzfristigen Aufwärtstrend bestätigt. Aktuell notiert der BTC-Kurs knapp unter der Marke von 81.000 Dollar.

Auftrieb erhielt Bitcoin unter anderem von der US-Notenbank. Fed-Gouverneur Christopher Waller signalisierte, dass er bei einer weiter nachlassenden Inflation eine Zinspause auf der Sitzung am 15. und 16. September unterstützen würde. Nur bei überraschend hohen Inflationsdaten käme für ihn eine Zinserhöhung infrage.

Damit setzte Waller einen Kontrapunkt zur restriktiven Rede von Fed-Chef Kevin Warsh in Jackson Hole. Die am Markt eingepreiste Wahrscheinlichkeit einer Zinserhöhung im September brach innerhalb von 24 Stunden von rund 70 auf etwa 50 Prozent ein. Die Renditen von US-Staatsanleihen gaben nach, während Aktien, Gold und Kryptowährungen zulegten.

Zusätzlichen Rückenwind erhielt Bitcoin durch die kräftige Yen-Aufwertung. Der Dollar stürzte gegenüber der japanischen Währung innerhalb kurzer Zeit um mehr als 3 Prozent ab. Die ungewöhnlich heftige Bewegung löste Spekulationen über eine erneute Intervention japanischer Behörden aus. Bestätigt wurde ein direkter Eingriff bislang nicht. Zugleich verstärkten Aussagen aus der Bank of Japan die Erwartungen, dass die Notenbank ihre Zinsen bereits im September anheben könnte.

Der Yen-Anstieg setzte den Dollar auf breiter Front unter Druck. Davon profitieren derzeit Gold und Bitcoin, die nach deutlichen Rücksetzern wieder anzogen. Bereits im August hatten beide Anlagen eine starke Rally hingelegt, nachdem US-Finanzminister Scott Bessent die Buybacks lang laufender Staatsanleihen von maximal 2 auf mindestens 4 Milliarden Dollar je Operation verdoppelt hatte. Die Liquiditätshilfe für den Anleihemarkt belebte zugleich den sogenannten Debasement-Trade. Anleger setzten wieder verstärkt auf knappe Anlagen, die nicht beliebig vermehrt werden können.

Bitcoin: Über 82.000 wird es ernst

Trotz des Kurssprungs ist der Ausbruch noch nicht endgültig bestätigt. Wie Bloomberg berichtet, bleibt die Nachfrage amerikanischer Anleger uneinheitlich. Zwar nahmen die Zuflüsse in die US-Spot-Bitcoin-ETFs im August wieder zu, zuletzt kam es jedoch auch zu größeren Abflüssen. Zudem ist der Sieben-Tage-Durchschnitt der Coinbase-Prämie seit mehr als vier Monaten negativ. Bitcoin wird auf der größten US-Handelsplattform somit weiterhin mit einem Abschlag gegenüber internationalen Börsen gehandelt.

Bitcoin-Rally dank Dollar-Einbruch und Fed-Signalen - Nachfrage aber fragil

Auch die Handelsaktivität fällt geringer aus als in früheren Bullenmärkten. Nach Angaben von Glassnode erreichten die durchschnittlichen täglichen ETF-Zuflüsse während der Rally zwar 290 Millionen Dollar, doch der Bewegung fehlt bislang eine breitere Dynamik. Zuflüsse, die hauptsächlich durch einzelne politische Schlagzeilen ausgelöst werden, fallen laut Glassnode häufig mit lokalen Wendepunkten zusammen.

Entscheidend ist nun der Bereich oberhalb von 82.000 Dollar. „Eine nachhaltige Bewegung über 82.000 Dollar, begleitet von kontinuierlichen ETF-Zuflüssen und einer moderaten Finanzierung über den Terminmarkt, wäre eine stärkere Bestätigung dafür, dass der Kryptomarkt für die nächste Aufwärtsbewegung bereit ist“, sagte Lacie Zhang, Research-Analystin bei Bitget Wallet.

Darüber wartet bereits die nächste Hürde. Glassnode sieht zwischen 83.000 und 86.000 Dollar eine Zone, in der langfristige Bitcoin-Halter verstärkt Gewinne mitnehmen könnten. Wegen der geringen Marktliquidität können schon kleine Stimmungsänderungen überproportional starke Kursbewegungen auslösen, warnt Adam McCarthy, Research-Chef beim Handelshaus LO:TECH.

Ein erheblicher Teil der Rally dürfte zudem durch die Eindeckung von Short-Positionen getragen worden sein. Ohne anhaltende ETF-Zuflüsse könnte der Bewegung schnell die Kraft ausgehen. Hält sich Bitcoin dagegen nachhaltig über 82.000 Dollar und absorbiert die Verkäufe langfristiger Anleger, wäre der Weg in Richtung 86.000 Dollar frei. Die Rückkehr über 80.000 Dollar ist ein starkes Signal – der eigentliche Belastungstest beginnt jedoch erst jetzt.

FMW/Bloomberg



Stefan Jäger
Über den RedakteurStefan Jäger
Stefan Jäger berichtet als Finanzjournalist über das aktuelle Geschehen an den Aktien- und Edelmetallmärkten. Mit fundierter Fundamentalanalyse und präziser Technischer Analyse beleuchtet er zudem Chancen und Risiken verschiedenster Assets.
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