Bitcoin

Extrem bärische Marktstimmung Bitcoin stürzt unter 71.000 Dollar: Kryptomarkt in Vertrauenskrise

Bitcoin stürzt unter 71.000 Dollar: Kryptomarkt in Vertrauenskrise
Bitcoin-Logo auf dem Plan B Forum in San Salvador. Foto: Camilo Freedman/Bloomberg

Der Kryptomarkt bleibt auch am Donnerstag deutlich unter Druck. Bitcoin, die größte Kryptowährung der Welt, ist auf ein neues Tief unter die Marke von 72.000 US-Dollar gefallen und entfacht damit erneut die Debatte über Vertrauen, Marktstimmung und seine Rolle als sicherer Hafen. Inmitten globaler Risikoaversion, anhaltender ETF-Abflüsse und wachsender Skepsis sprechen Analysten von einer echten Vertrauenskrise, während die Wetten auf tiefere Kurse zunehmen.

Bitcoin rutscht unter 71.000 USD

Bitcoin ist kurzzeitig bis in den Bereich von 71.000 US-Dollar gefallen – ein Kursniveau, das zuletzt vor rund 15 Monaten erreicht wurde. Auslöser war eine breite Risk-off-Bewegung, die die globalen Finanzmärkte erfasste, wie aus einem Bloomberg-Bericht hervorgeht.

Die weltweit größte Kryptowährung setzt damit ihren Abwärtstrend fort und hat seit ihrem Hoch im Oktober des vergangenen Jahres rund 44 % an Wert verloren. Im asiatischen Handel am Donnerstag fiel Bitcoin zeitweise auf 70.620 US-Dollar. Das ist der niedrigste Stand seit dem 6. November 2024 – dem Tag nach der Wiederwahl von Donald Trump zum US-Präsidenten. Bereits am späten Mittwochabend war der BTC-Kurs in New York auf 71.739 US-Dollar gesunken.

„Der Kryptomarkt bewegt sich derzeit durch eine echte Krise des Vertrauens“, sagte Shiliang Tang, Managing Partner bei Monarq Asset Management.

Während frühere Abwärtsbewegungen vor allem durch krypto-spezifische Liquidationen ausgelöst wurden, ist der aktuelle Verkaufsdruck eng mit einer breiteren Stressphase über mehrere Anlageklassen hinweg verbunden.

Am Mittwoch kam es zu synchronisierten Verkäufen an den Märkten. Der Nasdaq 100 verlor mehr als 2 %, Verluste weiteten sich auf Software-Aktien, Chip-Hersteller und andere zinssensitive Segmente des Aktienmarkts aus.

„Die Stimmung im Kryptomarkt befindet sich aktuell in extremer Angst, nachdem die Kryptowährungen in der vergangenen Woche regelrecht durchgerüttelt wurde“, erklärte Andrew Tu, Head of Business Development beim Krypto-Market-Maker Efficient Frontier. „Sollte die Marke von 72.000 US-Dollar nicht halten, ist es sehr wahrscheinlich, dass wir 68.000 US-Dollar testen – möglicherweise sogar einen Rückfall auf die Tiefstände von 2024 nach der ersten Rally.“

ETF-Abflüsse und Safe-Haven-Zweifel

Auch die Kapitalströme in US-notierte Bitcoin-ETFs bleiben volatil. Nachdem am Montag noch Nettozuflüsse von rund 562 Millionen US-Dollar verzeichnet wurden, zogen Investoren am Dienstag bereits 272 Millionen US-Dollar ab, wie aus von Bloomberg zusammengestellten Daten hervorgeht.

Parallel dazu wächst die Skepsis gegenüber Bitcoins Rolle als sicherer Hafen in Phasen erhöhter Marktunsicherheit. Die Kryptowährung liegt seit Jahresbeginn rund 17 % im Minus. Der gesamte Kryptomarkt hat allein in der vergangenen Woche fast 500 Milliarden US-Dollar an Marktkapitalisierung verloren – seit den Höchstständen im Okotber sind es sogar 1,7 Billionen. Der als „Big-Short“-Investor bekannte Michael Burry warnte in dieser Woche zudem, das Krypto-Ökosystem könne in eine „Todesspirale“ geraten, sollte sich der Kursverfall weiter beschleunigen.

Kryptowährungen verlieren 1,7 Billionen Euro seit Oktober-Höchststand.
Grafik zeigt den Rückgang des Kryptomarktwerts im Zeitraum Januar 2025 bis Januar 2026.

Seit dem Allzeithoch von über 126.000 US-Dollar im Oktober hat Bitcoin mehr als 40 % eingebüßt. Damit gingen nicht nur Kursdynamik, sondern auch das übergeordnete Narrativ und der Anspruch verloren, als Absicherung gegen makroökonomische Risiken zu dienen.

Extrem bärische Stimmung am Kryptomarkt

Einen besonders düsteren Ausblick liefern sogenannte Prediction Markets. Auf Polymarket, einer dezentralen Prognoseplattform, die bei krypto-affinen Spekulanten beliebt ist, implizieren aktuelle Kontrakte eine Wahrscheinlichkeit von 82 %, dass Bitcoin im laufenden Jahr auf 65.000 US-Dollar fällt. Das entspricht einem Rückgang von rund 9 % gegenüber dem aktuellen Niveau von etwa 71.300 US-Dollar.

Einige Marktteilnehmer rechnen sogar mit noch stärkeren Verlusten. Die Wahrscheinlichkeit, dass Bitcoin unter 55.000 US-Dollar fällt, ist auf rund 60 % gestiegen. Gleichzeitig sind die Chancen auf eine Erholung bis auf 100.000 US-Dollar deutlich gesunken – von 80 % zu Jahresbeginn auf nur noch 54 %.

Besonders ausgeprägt ist die negative Stimmung bei kurzfristigen Wetten. Ein Polymarket-Kontrakt für Februar weist inzwischen eine Wahrscheinlichkeit von 72 % aus, dass Bitcoin bis zum 1. März unter 70.000 US-Dollar fallen könnte. Das sind mehr als 35 Prozentpunkte mehr als zu Monatsbeginn. Rund 1,7 Millionen US-Dollar an Einsätzen stützen dieses Szenario – ein klares Signal für den aktuellen Pessimismus der Trader, verstärkt durch ETF-Abflüsse und ausbleibende makroökonomische Korrelationen.

„Das spiegelt im Grunde die derzeit extrem bärische Marktstimmung wider“, sagte Ilan Solot von Marex und verwies unter anderem auf Bitcoins jüngste Unfähigkeit, als sicherer Hafen zu fungieren.

FMW/Bloomberg



Kommentare lesen und schreiben, hier klicken

Lesen Sie auch

1 Kommentar

  1. Der Bitcoin zieht alles mit sich in die Tiefe. Hätte ich ihm nicht zugetraut.

Hinterlassen Sie eine Antwort

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert




ACHTUNG: Wenn Sie den Kommentar abschicken stimmen Sie der Speicherung Ihrer Daten zur Verwendung der Kommentarfunktion zu.
Weitere Information finden Sie in unserer Zur Datenschutzerklärung


Meist gelesen 7 Tage