Bitcoin, die größte Kryptowährung der Welt, ist zurück über 90.000 Dollar. Die Stimmung hat sich spürbar aufgehellt – doch die Rally kommt weiterhin nicht wirklich in Schwung. Zwar konnte die Kryptowährung in dieser Woche zulegen, viele Trader bleiben jedoch defensiv positioniert. Der aktuelle Kursanstieg wirkt eher wie eine Verschnaufpause als wie der Auftakt einer nachhaltigen Aufwärtsbewegung – obwohl die Voraussetzungen für eine neue Rally grundsätzlich vorhanden wären.
Bitcoin: Wo bleibt die Rally?
Laut einem Bloomberg-Bericht gibt es in den Krypto-Derivatemärkten bislang nur wenige überzeugende Signale für nachhaltigen Optimismus – trotz der jüngsten Erholung von Bitcoin. Zwar flossen in der vergangenen Woche wieder frische Mittel in Bitcoin-ETFs, doch die breitere Marktstruktur zieht noch nicht mit. Es fehlt bislang an Bestätigung durch steigende Handelsvolumina und spürbar mehr Risikobereitschaft.
Sowohl bei Bitcoin-Perpetuals als auch bei Futures mit festen Laufzeiten – also genau dort, wo sich Marktstimmung besonders gut ablesen lässt – konzentrieren sich die Wetten weiterhin stark auf kurzfristige Kontrakte. Das Interesse an länger laufenden Futures bleibt dagegen an der Chicago Mercantile Exchange (CME) gedämpft, die seit Jahren als wichtiger Gradmesser für institutionelle Nachfrage gilt.
Am Optionsmarkt zeigt sich dagegen ein völlig anderes Bild. Nach dem heftigen Jahresend-Crash signalisieren Bitcoin-Optionen ein überraschend klares Comeback-Szenario: Trader positionieren sich auffällig stark für einen erneuten Angriff auf die psychologisch wichtige Marke von 100.000 Dollar.
„Auch wenn die Stimmung Anzeichen einer Verbesserung zeigt, bleibt das Sentiment weitgehend vorsichtig und zurückhaltend – trotz des jüngsten Aufwärtstrends“, schrieb Vetle Lunde, Research-Leiter bei K33 Research, in einem am Dienstag veröffentlichten Bericht.
Wenig Volumen, wenig Risiko
Lunde zufolge liegen Spot-Volumen, Volatilität und der Einsatz von Derivate-Hebelprodukten weiterhin nahe den Tiefständen von vor Dezember. Besonders auffällig: 86 % des Open Interest entfallen auf den nächstfälligen Monatskontrakt. Auch die Funding Rates bei Perpetual Contracts – ein zentraler Indikator dafür, ob Trader aggressiv auf steigende Kurse setzen – bleiben niedrig. Das deutet auf begrenzte bullische Positionierung hin.
Bitcoin war im vergangenen Jahr um 6,5 % auf 87.648 US-Dollar gefallen. Am Mittwoch lag der Kurs um 15:30 Uhr in Frankfurt rund 2,6 % niedriger bei 91.646 US-Dollar.
ETF-Zuflüsse drehen die Stimmung
Gleichzeitig gibt es erste Zeichen, dass der Verkaufsdruck aus den letzten Wochen des Jahres 2025 nachlässt und sich die Stimmung aufhellt. Bereits in den ersten Handelstagen des neuen Jahres kehrte Kapital in den Kryptomarkt zurück und stützte die Preise. Besonders auffällig: Die Zuflüsse am 5. Januar waren der stärkste Netto-Tageszufluss in Bitcoin-ETFs seit dem 7. Oktober – und zugleich der zehntgrößte nominale Tageszufluss seit über einem Jahr.

Sollte Bitcoin weiter steigen, könnte auch die Aktivität in CME-Futures wieder zunehmen. Denn dann wird der sogenannte Basis-Trade erneut attraktiver – eine Strategie, bei der Trader von der Differenz zwischen Spotpreis und Future profitieren wollen.
Trotz der Erholung bleibt eine zentrale Diskussion bestehen: Bitcoin wirkt im Vergleich zu Gold und Aktien zuletzt ungewöhnlich träge. Diese relative Stagnation nährt Fragen nach dem langfristigen Wert von Kryptowährungen als Asset-Klasse.
„Sinkende Bitcoin-Volatilität – insbesondere im Vergleich zu Gold und Beta – deutet darauf hin, dass die besten Performance-Tage für Krypto-Assets bereits hinter uns liegen“, schrieb Mike McGlone, Senior Commodity Strategist bei Bloomberg Intelligence, in einer Notiz vom Montag.
FMW/Bloomberg
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