Bitcoin

Bitcoin und Co im „Risk On“-Modus nach dovisher Fed

Der Bitcoin profitiert von den gestrigen Aussagen der Fed. Auch im großen Bild korreliert er negativ mit der Zinsentwicklung.

Es gibt das Argument, dass der Kryptomarkt losgelöst vom sonstigen Kapitalmarkt agiert, und dass sich die Krypto-Nerds mit ihrer eigenen Welt eine Assetklasse erschaffen haben, die ein Eigenleben führt. Man befreit sich sozusagen von den „Fesseln der Matrix“? Charts zeigen aber klar, dass dem nicht so ist. Schauen wir zunächst auf das große Bild. Im folgenden TradingView Chart sehen wir den Bitcoin im Kursverlauf seit April 2022 als blaue Linie.

Bitcoin-Verlauf seit April 2022 im Vergleich zum US-Leitzins

Bitcoin korreliert im großen Bild negativ zur Zinsentwicklung

Der Kurs des Bitcoin fiel seit April 2022 von 44.000 Dollar im Tief auf unter 16.000 Dollar, um sich in den letzten Wochen wieder zu erholen auf fast 24.000 Dollar. Man sieht im Chart stufenweise in orange den gestiegenen Leitzins der Federal Reserve, der von 0,50 % auf jetzt 4,75 % angestiegen ist. Die gegenläufige Entwicklung zum Bitcoin zeigt die negative Korrelation. Je höher der Leitzins der Fed, desto schlechter für Risiko-Anlageklassen wie Kryptowährungen!

Auch im Chart sehen wir in türkis die Rendite für zehnjährige US-Staatsanleihen. Sie stiegen bis zum Herbst 2022 parallel mit zum US-Leitzins an. Aber seit November fallen sie wieder, in Erwartung eines sichtbaren Endes der Zinserhöhungszyklus der Federal Reserve. Wohl wegen dieser Aussicht konnte auch der Bitcoin in den letzten vier Wochen wieder ansteigen, von 16.700 Dollar auf 23.000 Dollar gestern kurz vor 20 Uhr. Dann durch die gestrige Entscheidung der Federal Reserve und die folgenden Aussagen von Jerome Powell stieg der Bitcoin bis jetzt auf 23.810 Dollar.

Die gestrige Zinsanhebung von 0,25 Prozentpunkten war erwartet worden. Und die Aussagen von Jerome Powell wurden von Anlegern in Risikoassets als dovish gewertet, als Ansage einer Abschwächung und eines absehbaren Endes der Zinsanhebungen. Wie eine Analystin heute früh schrieb: „Der Disinflationsprozess kommt in Gang“. Das war die wichtigste – und einzige – Aussage seiner gestrigen Rede, die die Märkte in die Höhe schnellen ließ.

Dovishe Hoffnung hilft aktuell Risikoassets

Und so sehen wir, dass Kryptowährungen wie der Bitcoin seit gestern Abend etwas mehr Hoffnung auf weitere Anstieg schöpfen. Auch der Nasdaq-Index für US-Technologieaktien legte seit gestern Abend 20 Uhr einen Sprung hin von 12.100 auf aktuell 12.537 Punkte auf CFD-Basis. Der US-Dollar fällt, und entsprechend können auch alle Assets derzeit leicht ansteigen, die gegen ihn gehandelt werden.

Bloomberg-Anmerkungen

Bloomberg schreibt aktuell über die Bewegung des Bitcoin seit gestern Abend: Bitcoin erreicht den höchsten Stand seit August, da die Investoren die Kommentare des Vorsitzenden der Federal Reserve Jerome Powell über die Fortschritte bei der Inflation als ein Zeichen für eine weniger harte geldpolitische Situation verstanden.

Eine Reihe von Investitionen von Aktien über Anleihen bis hin zu Kryptowährungen stiegen, nachdem Powell gesagt hatte, dass der Disinflationsprozess im Gange sei. Er ging nicht aggressiv auf die Rallye an den globalen Märkten in diesem Jahr ein, die die finanziellen Bedingungen gelockert hat, was es schwieriger machen kann, den Preisdruck zu dämpfen. Powell sagte, dass die politischen Entscheidungsträger „ein paar“ weitere Zinserhöhungen erwarten, bevor sie ihre aggressive Straffungskampagne auf Eis legen.

„Kryptowährungen erholen sich aufgrund der risikofreudigen Stimmung nach den dovishen Kommentaren der Fed über Nacht“, sagte Cici Lu, Gründerin von Venn Link Partners, einem Blockchain-Berater. Sie fügte hinzu, dass sie in den letzten Wochen mehr Käufe durch institutionelle Kunden festgestellt hat. Digitale Vermögenswerte erholen sich von den starken Verlusten des letzten Jahres, das von Pannen wie der FTX-Börse geprägt war.

„Nutzung, Akzeptanz und Innovation zeigen ein viel positiveres Bild, als es die Preise und die Stimmung der Anleger widerspiegeln“, sagte Richard Galvin, Mitbegründer des Fondsmanagers Digital Asset Capital Management. Galvin ist nicht davon überzeugt, dass Kryptowährungen weiterhin stark mit der makroökonomischen Entwicklung korrelieren werden, da sektorspezifische Faktoren einen größeren Einfluss ausüben werden.

Für andere sind digitale Vermögenswerte anfällig für Anzeichen, dass die Kreditkosten länger steigen müssen, sollte sich die Inflation als hartnäckig erweisen. Chart-Analysten haben Niveaus um 25.000 Dollar im Bitcoin als Zonen hervorgehoben, in denen die Rallye verpuffen könnte. Ein Beispiel dafür ist Mark Newton, Leiter der technischen Strategie bei Fundstrat, der 25.200 Dollar als einen Bereich mit potenziellem Widerstand ausgemacht hat. Im Moment haben virtuelle Vermögenswerte dank der zurückhaltenden Interpretation der Fed-Botschaften Rückenwind. Kleinere Token wie Avalanche, Aave, Polygon und Binance Coin gehörten am Donnerstag zu den besten Performern.

Bitcoin-Chart mit technischer Analyse

FMW/Bloomberg



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