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Neue Marktdynamik durch Optionen Bitcoin unter Druck: 14-Mrd.-Optionsverfall als Gamechanger

Bitcoin-Logo in der Nationalbibliothek in San Salvador, El Salvador. Foto: Camilo Freedman/Bloomberg

Bitcoin steht vor dem größten Optionsverfall des Jahres im Volumen von rund 14 Milliarden Dollar, während geopolitische Spannungen im Nahen Osten weiter eskalieren. Parallel dazu beobachten Investoren eine ungewöhnlich geringe Volatilität am Kryptomarkt trotz makroökonomischer und politischer Belastungsfaktoren. Mit dem Auslaufen der Optionen könnte sich die Preisstruktur grundlegend verändern und neue Dynamik für Kryptowährungen freisetzen.


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Bitcoin-Optionen im Fokus

Rund 14 Milliarden US-Dollar an Bitcoin-Optionen laufen am Freitag aus, gemessen am sogenannten Open Interest, also der Anzahl offener Kontrakte. Laut einem Bloomberg-Bericht löscht dieses vierteljährliche Ereignis etwa 40 % der offenen Positionen auf der dominierenden Deribit-Börse aus. Gleichzeitig bleibt es fraglich, ob es im seit fast einem Monat andauernden Konflikt im Nahen Osten zu einer Waffenruhe kommt.

Diese Überschneidung wirft eine zentrale Frage für Trader auf: Haben die Optionen bislang die Kursbewegungen künstlich gedämpft, und führt ihr Auslaufen nun zu stärkeren Ausschlägen, die stärker von geopolitischen Faktoren getrieben werden?


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Bitcoin bewegte sich in den vergangenen Wochen weitgehend seitwärts zwischen etwa 60.000 und 75.000 US-Dollar. Damit liegt der Kurs deutlich unter dem Hoch von rund 126.000 US-Dollar im Oktober 2025, das vor dem Marktcrash am 10. Oktober erreicht wurde. Trotz geopolitischer Spannungen und zeitweiliger Zuflüsse in US-ETFs fehlte es an klarer Richtung. Am Donnerstag fiel Bitcoin in den USA um bis zu 4 % auf rund 68.122 US-Dollar, nachdem Investoren 171 Millionen US-Dollar aus Spot-ETFs abzogen. Am Freitag knüpte die Kryptowährung an die Vortagsverluste an und rutschte zeitweise um 3,5 % auf rund 67.600 US-Dollar ab.

Kryptomarkt blickt auf Bitcoin-Optionen - Optionsverfall birgt Risiken
Bitcoin-Optionen: Open Interest nach Ausübungspreis am 27. März

Marktdynamik durch Derivate geprägt

Marktteilnehmer sehen die aktuelle Ruhe vor allem in der Positionierung am Derivatemarkt begründet. Institutionelle Investoren verkauften im ersten Quartal verstärkt Call-Optionen, also Wetten auf steigende Kurse, um in einem schwachen Marktumfeld Einnahmen zu generieren. Laut James Harris, CEO des Vermögensverwalters Tesseract, verlagerte sich dadurch das Risiko auf Market Maker.

Diese wiederum stabilisierten ihre Positionen, indem sie bei Kursrückgängen kauften und bei Anstiegen verkauften. Dieses Verhalten führte laut Tradern zu einer spürbaren Dämpfung der Volatilität. Der Bitcoin-Kurs orientierte sich dabei wiederholt an einem sogenannten „Max Pain“-Level – jenem Punkt, an dem die meisten Optionen wertlos verfallen – in der Nähe von 75.000 US-Dollar.

In der Praxis wirkten diese Absicherungsströme wie ein Magnet: Sie stützten den BTC-Kurs nach unten hin, begrenzten aber gleichzeitig das Aufwärtspotenzial. Harris erklärte dazu, dass diese Mechanismen die Kursbewegung in Richtung dieses Niveaus ziehen, während sie gleichzeitig die Handelsspanne begrenzen.

Mit dem Auslaufen der Optionen verschwinden diese mechanischen Kauf- und Verkaufsbewegungen. Dadurch könnte Bitcoin anfälliger für externe Einflüsse werden – und genau diese nehmen derzeit zu. US-Präsident Donald Trump verschob am Donnerstag seine Frist für ein Abkommen mit dem Iran und erklärte, die Gespräche verliefen „sehr gut“, während gleichzeitig weitere militärische Maßnahmen im Raum stehen.

Neue Impulse durch Geopolitik

Ohne klare Signale aus dem Nahen Osten dürfte Bitcoin laut Andreja Cobeljic, Leiter des Derivatehandels bei der AMINA Bank, zunächst in einer Spanne zwischen 68.000 und 75.000 US-Dollar verharren. Die obere Grenze fungiere dabei sowohl als Anziehungspunkt als auch als Widerstand.

Ein glaubwürdiger Waffenstillstand könnte den Kurs über die Marke von 75.000 US-Dollar treiben und weitere Gewinne auslösen, da Short-Positionen aufgelöst werden. Scheitern die Verhandlungen hingegen, könnte Bitcoin nachhaltig unter die steigende Trendlinie bei etwa 68.500 US-Dollar fallen.

Bitcoin verharrt in einer Seitwärtsbewegung

Auch das breitere Marktumfeld liefert nur begrenzte Unterstützung. Zwar verzeichneten Bitcoin-ETFs im März Nettozuflüsse von etwa 1,4 Milliarden US-Dollar – eine Stabilisierung nach vier Monaten mit Abflüssen –, doch diese Kapitalbewegungen reagieren empfindlich auf makroökonomische Veränderungen. Bereits ein einzelner Tag Mitte März führte zu Abflüssen von 163 Millionen US-Dollar, ausgelöst durch veränderte Zinserwartungen.

Diese Fragilität verdeutlicht die zentrale Erkenntnis des aktuellen Optionsverfalls: Die geringe Volatilität bei Bitcoin ist eher strukturell bedingt als fundamental gerechtfertigt.

Jasper De Maere, OTC-Trader bei Wintermute, erklärte, dass Optionsdynamiken zwar eine leichte Aufwärtstendenz erzeugen können, die Überzeugung am Kryptomarkt jedoch gering bleibt. Nach dem Verfall werden die Kräfte, die die Volatilität unterdrückt haben, nachlassen – wodurch makroökonomische und geopolitische Faktoren wieder stärker in den Vordergrund rücken.

Das erhöht das Risiko plötzlicher Kursbewegungen, insbesondere wenn sich die Marktstimmung schnell dreht. Harris warnte, dass das Risiko nicht im Fehlen institutioneller Investoren liege, sondern darin, dass diese bei negativen Entwicklungen schnell aus dem Kryptomarkt aussteigen könnten.

„Das Risiko besteht nicht darin, dass Institutionen fehlen. Das Risiko besteht darin, dass sie vorhanden sind, aber schnell aussteigen werden, wenn das Wochenende ein negatives Ergebnis bringt und die strukturelle Unterstützung, die letzte Woche vorhanden war, nicht mehr existiert. Die Volatilität wird ab Freitag eher steigen als fallen“, erklärte Harris.

FMW/Bloomberg



Über den RedakteurStefan Jäger
Stefan Jäger berichtet als Finanzjournalist über das aktuelle Geschehen an den Aktien- und Edelmetallmärkten. Mit fundierter Fundamentalanalyse und präziser Technischer Analyse beleuchtet er zudem Chancen und Risiken verschiedenster Assets.
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