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Edelmetalle statt digitales Gold Bitcoin verliert den Status als digitales Gold – was jetzt?

Bitcoin verliert den Status als digitales Gold – was jetzt?
Ein Bitcoin vor geschmolzenem Gold. Fotograf: Luke MacGregor/Bloomberg

Das einst vielbeschworene Versprechen von Bitcoin als „digitales Gold“ bröckelt: Immer mehr Händler zweifeln daran, dass sich mit Bitcoin noch ein verlässlicher Schutz in Zeiten wirtschaftlicher Unsicherheit erzielen lässt. Stattdessen fließt das Kapital zunehmend in klassische Edelmetalle – allen voran in Silber, das als nächste große Wette der spekulativen Anleger gilt. Damit gerät ein zentrales Narrativ ins Wanken, das Bitcoin lange als Alternative zum traditionellen Wertspeicher erscheinen ließ.

Bitcoin ist kein digitales Gold

Laut einem Bericht von Bloomberg zeigt sich dieser Trend nicht nur an der Entwicklung der jeweiligen Preise, sondern auch an den Kapitalströmen: In der vergangenen Woche flossen 1,4 Milliarden Dollar in Fonds für Edelmetalle, während Bitcoin-nahe Fonds Abflüsse von etwa 300 Millionen Dollar verzeichneten. Im gleichen Zeitraum sackte der Bitcoin-Kurs auf fast 84.000 Dollar ab. Zeitgleich überschritt der Goldpreis die Marke von 5.550 Dollar, Silber kletterte auf mehr als 120 Dollar pro Unze – angetrieben durch einen vierjährigen Tiefstand des Dollar und geopolitische Spannungen.

Für jene Anleger, die fest davon überzeugt waren, dass Computercode dem Edelmetall überlegen sei, wurde die jüngste Schwäche des Greenback zum Weckruf: Bitcoin hat sich nicht als makroökonomischer Hedge bewährt – und das ausgerechnet zu einem Zeitpunkt, an dem das sogenannte “Debasement”-Szenario wieder aktuell wurde.

Obwohl auf Krypto-Plattformen wie Hyperliquid das Handelsvolumen weiterhin vor allem auf native Token und Memecoins entfällt, sind sie inzwischen auch ein Barometer für den makroökonomischen Wandel. Innerhalb von 24 Stunden wurden dort in dieser Woche Silber-Futures im Wert von über 1 Milliarde Dollar gehandelt – viermal so viel wie beim zweitmeistgehandelten Vertrag, der an einen Aktienindex gekoppelt war. Auf der Konkurrenzbörse Ostium entfallen inzwischen rund 80% des offenen Interesses auf Rohstoffe, vor allem Gold- und Silber-Perpetuals.

Perpetuals sind krypto-native Derivate, die Futures ähneln, aber niemals verfallen. Sie ermöglichen es Händlern, rund um die Uhr gehebelte Positionen zu halten – ideal, um makroökonomische Einschätzungen ohne Verzögerungen durch Clearingstellen umzusetzen. Diese Geschwindigkeit hat Perpetuals zu einem scharfen Gradmesser für spekulative Risikobereitschaft im rasant wachsenden Bereich des Retail-Finance gemacht.

Bitcoin kein digitales Gold: Krypto-Händler setzen auf Edelmetalle wie Silber

Gold statt Bitcoin im Debasement-Trade

“Unsere Händler sind überwiegend krypto-native Wale, die ihre ersten Erfahrungen mit Krypto gemacht haben und sich in den vergangenen sechs bis neun Monaten zunehmend anderen Anlageklassen zugewandt haben, insbesondere Rohstoffen”, erklärte Kaledora Fontana Kiernan-Linn, Mitgründerin von Ostium. Der Anteil der Krypto-bezogenen offenen Positionen auf der Plattform sei in den vergangenen Monaten auf etwa 5% gesunken, so Kiernan-Linn.

Das Konzept des “Debasement-Trades” besagte eigentlich, dass Bitcoin steigen sollte, wenn der Dollar schwächelt – als Absicherung gegen Inflation oder Wertverlust der Währung. Diese Theorie gewann während der Pandemie an Zuspruch, als die Angst vor hemmungsloser Geldschöpfung sowohl Krypto als auch Gold in die Höhe trieb. Dieses Mal aber, als der Dollar nachgab, stieg nur Gold, während Bitcoin schwächelte. Die 30-Tage-Korrelation zwischen den beiden liegt inzwischen bei -0,18, was darauf hindeutet, dass sie sich in entgegengesetzte Richtungen bewegen.

Auch der Stablecoin-Anbieter Tether kauft indessen seit geraumer Zeit große Mengen Gold auf und bunkert es wortwörtlich in der Schweiz.

Edelmetalle rücken ins Krypto-Zentrum

Inzwischen ermöglichen Krypto-Wallets, die früher nur für Tokens genutzt wurden, auch den direkten Zugang zu Edelmetall-Perpetuals – ein weiteres Zeichen dafür, dass Metalle beim Kern der digitalen Investorenschaft an Bedeutung gewinnen.

Die Stimmung in der Szene schwankt zwischen opportunistischem Momentum-Handel und einer tiefergehenden, fast resignativen Kapitulation. Während viele Händler einfach der Angst etwas zu verpassen (“Fomo”) in Richtung Edelmetalle folgen, ist eine beachtliche Gruppe zunehmend verärgert darüber, dass Bitcoin weder als Momentum-Trade noch als Hedge während einer Phase signifikanter Dollar-Schwäche funktioniert hat.

“Der Fokus auf Rohstoffe in den vergangenen Wochen ergibt sehr viel Sinn”, sagte Laurens Fraussen, Analyst bei der Blockchain-Datenplattform Kaiko. “Die Kryptomärkte sind rund um die Uhr geöffnet und es gibt inzwischen liquide Handelsplätze für diese Rohstoffe.”

Krypto-Börsen öffnen sich Rohstoffen

Hyperliquid hat sich als die prominenteste unter einer neuen Generation von Krypto-Plattformen etabliert, die Perpetuals auf alles von Tokens über Rohstoffe bis hin zu Aktien und Pre-IPO-Anteilen anbieten. Während nicht-kryptobezogene Perpetuals an Bedeutung gewinnen, steigen inzwischen auch zentralisierte Börsen wie Coinbase und Binance in den Handel mit Futures auf traditionelle Anlageklassen ein.

“Wir beobachten, dass die Volumina bei Silber deutlich höher liegen als bei Gold, was die typische Neigung von Krypto-Händlern unterstreicht, stets nach der nächsten, noch stärkeren Wette zu suchen”, sagte Fraussen. “Wir sehen auch Bewegung in Richtung Kupfer – in Erwartung der nächsten ‘Rotation’.”

Der Markt für digitale Vermögenswerte hat sich von einem Einbruch Anfang Oktober, der an einem einzigen Tag rund 19 Milliarden Dollar vernichtete, bislang nicht nennenswert erholt. Das erklärt, warum Bitcoin bei der jüngsten Risikoneigung hinter Aktien und Edelmetallen zurückgeblieben ist. Die Nachfrage nach den neuen Produkten zog bereits Ende des vergangenen Jahres an, als ein an den Nasdaq gekoppelter Vertrag namens XYZ100 Aufmerksamkeit auf sich zog.

“Die relative Schwäche im Kryptomarkt hat viele On-Chain-Händler dazu veranlasst, sich auf die relative Stärke der Edelmetalle zu konzentrieren”, erklärte Charlie Ambrose, Mitgründer von Felix, einem Startup auf Hyperliquid, das Perpetuals auf Rohstoffe anbietet.

FMW/Bloomberg



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5 Kommentare

  1. bin gespannt wann die banken saylor anzählen weil bitcoin offensichtlich keine gute sicherheit ist

  2. es werden nur jene kryptos überleben, die ein entsprechendes underlying mit „realen“ werten haben. die limitierung der quantität ist nett, aber keine sicherheit.

    theter hat das als erster bockchain-token erkannt.

  3. Bin gespannt, was Marc Friedrich sagen wird…

  4. Offensichtlich hat er das schwer leck geschlagene BC-Schiff bereits verlassen.

    https://www.youtube.com/watch?v=aa0MLiObleI

    (Hab nur die Überschrift gelesen und ihn im neuen Goldaufschrift-T-Shirt gesehen… den Rest hab‘ ich mir nicht angetan. Vielleicht faselt er da ja irgend etwas von einem vorübergehenden Zwischentief. Keine Ahnung. Ist mir auch komplett egal.)

  5. Wenn Bitcoin bei ungefähr 0(Null) angelangt ist, würde ich ganz stark von einem Zwischentief ausgehen.
    Das wäre dann der große Moment des „Buy the Null“…😂.

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