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Blamage für die EZB: Ihre eigene Umfrage bei Experten sieht Inflation erst in 5 Jahren am Ziel

Das EZB-Ziel von knapp 2% Inflation in der Eurozone wird erst im Jahr 2021 erreicht werden, und nicht wie erhofft vielleicht schon 2017 oder 2018. Das geht aus einem von der EZB selbst…

Redaktion

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FMW-Redaktion

Das EZB-Ziel von knapp 2% Inflation in der Eurozone wird erst im Jahr 2021 erreicht werden, und nicht wie erhofft vielleicht schon 2017 oder 2018. Das geht aus einem von der EZB selbst heute veröffentlichten Dokument hervor. Die EZB befragt regelmäßig Bankanalysten und sonstige Experten im „ECB’s Survey of Professional Forecasters“ nach ihrer Meinung zur Entwicklung von Inflation, Bruttoinlandsprodukt und Arbeitslosigkeit in der Eurozone.

Die Umfrage, von der EZB heute veröffentlicht, ergab für das laufende Jahr im Schnitt eine „Experten“-Erwartung von 0,2% Inflation, für 2017 1,2%, für 2018 1,4% und dann für einen „längerfristigen“ Zeitraum 1,8%. Weiter unten im Report erwähnt die EZB, dass mit „längerfristig“ da Jahr 2021 gemeint ist. Komisch, warum schreibt man nicht gleich die Jahreszahl aus?

Die durchschnittliche Expertenmeinung zeigt erneut eine Bekräftigung auch unserer Annahme, dass eine bevorstehende Belebung der Inflation in der Eurozone nicht zurückzuführen ist auf die Maßnahmen der EZB (Negativzinsen + Geldschwemme), sondern schlicht und einfach auf eine möglicher Erholung bei den Energiepreisen. Nochmal deswegen unsere Frage: Mario, warum der ganze Zirkus mit Negativzinsen und ständig frisch gedrucktem Geld? Laut Umfrage soll die sonstige Inflation abseits der Energiepreise nur sanft ansteigen. Wie die Grafik auch zeigt, wird das BIP-Wachstum all die nächsten Jahre grob gesagt an der 1,5%-Marke kleben, und die Arbeitslosigkeit leicht fallen von 10% auf unter 9%.

ezb

inflation-eurozone
So verlief laut EZB die Inflation in der Eurozone seit Einführung des Euros. Aktuell liegt sie bei +0,4%

3 Kommentare

3 Comments

  1. Avatar

    Lars

    21. Oktober 2016 22:07 at 22:07

    Ich frage mich ohnehin seit einigen Jahren, wo die „Experten“ eigentlich ihre Inflationsdaten herzaubern. Aus Griechenland, Bulgarien, Simbabwe und den Marshallinseln? ;)
    25% des Haushaltseinkommens müssen z.B. in unserer Region derzeit für Kaltmieten aufgebracht werden, ohne dass die Einkommen hier wesentlich höher wären als sonstwo. Rechnet man dann noch seine Wohn-Nebenkosten, die Unterhaltskosten für das/die Auto(s), die elementaren Versicherungen und weitere Vorsorgeaufwendungen, die das Finanzministerium nur bis zu einem Betrag anerkennt, der das Lächerliche schon längst überschritten hat und der noch weiter sinken wird (im Rahmen der großartigen Bürgerentlastung ;), ergibt sich schnell mal ein Anteil von 60 – 70% des Nettoeinkommens, den man für diese Positionen aufzubringen hat, ohne bis dahin einen Cent konsumiert zu haben.

    Bei Einzelgewerbetreibenden kann das Ganze gar bis zu 80 oder 90% gehen, da die nicht von Riester oder Rürup profitieren, sofern sie ihre Verträge vor 2005 abgeschlossen haben.
    Jedes Jahr erhalte ich bis zu je 2 (!!!) Preiserhöhungen von mindestens 4 Lieferanten, weil deren Preise „aufgrund gestiegener Rohstoff- und Produktionskosten sowie tariflicher Einkommenserhöhungen leider erhöht werden müssen“, um die ach so wichtige Service- und Produktqualität, die ihnen ja wegen ihrer Kunden so am Herzen liegt, aufrechterhalten zu können. Und das nicht um 1% oder 2% …

    Was am Ende oft noch von beispielsweise 3.000 EUR bleibt, sind konstant und ständig weiterschrumpfende 300 bis 500,- EUR p.m. für Nahrung und Kleidung.
    Da starre ich dann schon mal staunend auf die Preise in Restaurants für eine Pizza oder Pasta (10,- bis 15,- EUR) und ein Glas Hauswein (um die 5,- EUR), ganz zu schweigen von einem Glas Mineralwasser oder einem Cappuccino, was dann mal schnell 10% des monatlichen Einkommens für ein einziges nicht wirklich außergewöhnliches Abendessen in einer Pizzeria ausmachen kann.
    Im Supermarkt sind meine Favoriten Pistazien, die in den letzten beiden Jahren von 2,79 EUR auf 3,99 EUR (43%) erhöht wurden, oder Räucherlachs in einem Jahr von 2,79 auf 3,39 EUR (21%). Brezen und Laugengebäck sind mit gut 10% auch nicht zu verachten und kosten derzeit 50 Cent pro Stück (eine Breze !!!), wobei das Volumen deutlich geschrumpft ist.

    Die bereits weiter oben erwähnten Versicherungen haben sich seit einem Jahr von 10% bei der Krankenversicherung bis runter zu harmlosen 3% bei der Haftpflicht- oder Rechtsschutz erhöht. Dafür haften bzw. schützen die inzwischen für/vor nichts mehr…
    Die Stromkosten haben in den letzten Jahren einen Aufschwung erfahren, der seinesgleichen sucht…

    Die Kosten für meine Kreditkarte wurden heuer um 48% erhöht, für die Girokonten mit allen dazugehörigen Gebühren um 12%. Dividenden an Beteiligungen liegen in einem Bereich, der bestenfalls die Kontogebühren noch egalisiert. Überziehungszinsen hingegen klopfen noch immer an den zweistelligen Bereich und scheinen von Supermarios Zinspolitik recht unberührt zu bleiben…

    Apropos: Wie gerne hätte ich da einen Kredit zu den tollen Zinsen aufgenommen. Doch leider verdiene ich dafür zu wenig, ich kann mir die monatliche Rate laut Berechnung der Bank nicht leisten und erhalte den Kredit nicht. Ich darf und muss aber zu rund 10% überziehen, was kein Problem darstellt, auch wenn das faktisch eine wesentlich höhere monatliche Belastung darstellt. Teuere Kredite um die 10% sind also drin, günstige Kredite erhalten nur Firmen oder Personen, die sie eigentlich gar nicht benötigen.

    In der Summe haben sich relevante Positionen signifikant und fast unverschämt erhöht, während die „Inflation“ laut Draghi stagniert.

    Wem, außer ihm und seinesgleichen soll es also nutzen, wenn z.B. Öl oder andere Energiekosten auch noch weiter steigen? Dem Verbraucher sowieso nicht, dem Produzenten ist es wurscht, der leitet alles unauffällig an den Verbraucher weiter, ohne seinen Gewinn spürbar zu erhöhen (1% zusätzlich zu den gestiegenen Produktionskosten wird man vielleicht nochmal draufschlagen „zur Erhaltung der Service- und Produktqualität“, siehe oben).
    Das nutzt also nur den Oligarchen, Terroristen- und Scheichstaaten.
    Sollten die sich nur noch zwei Luxusjachten und 6 Ferraris pro Jahr leisten können, kann ich dennoch ruhig schlafen.
    Steigt die restliche Inflationsrate außerhalb der erörterten Themen auch noch, wird das zwar den anderen Konzernen, nicht aber 95% der Bevölkerung helfen. Die haben dann (noch) weniger Geld zum Konsumieren, erhalten sicher keine Gehaltserhöhungen (man muss sich ja um die Aktienkurse sorgen), doch Supermario aus Rom als Schüler von Goldmaxx & Son ;) würde es zufrieden zur Kenntnis nehmen.

    Müsste sich dieser römische Breitmaulfrosch von Goldmans Gnaden selber um seinen Lebensunterhalt kümmern, dürfte er sich nicht täglich auf Kosten der meisten europäischen Steuerzahler an überbordenen Buffets satt fressen, müsste er sich um sein Einkommen im Alter sorgen, bekäme er sicher einen etwas realistischeren Blick auf die Welt, wie sie wirklich ist.

  2. Avatar

    daulini

    22. Oktober 2016 01:59 at 01:59

    Wer hat eigentlich dieses System der unbeschränkten finanziellen Macht von Notenbanken instrumentalisiert, in dem sich einige wenige Damen und Herren scheinbar fernab jeglichen Bezuges zur Realität in wohlgefälliger Selbstbedienungsmentalität bedienen können? Dieses Phänomen ist rund dem Globus und nicht nur bei diesen Herrschaften zu konstatieren. Krankhafte egozentrische „Wir schaffen das“ Mentalität findet man recht oft bei Menschen in Führungsebenen. Warum dies so ist vermag ich nicht zu sagen, aber vielleicht wird man selbst genauso in ebensolcher Lage. Warum funktioniert dieses System aber nun schon seit Menschengedenken? Ganz einfach, weil die Masse der Menschen dumm (gehalten wird), bequem ist und gelenkt werden will. Hier leistet das erschreckend niedrige Niveau der Medien einen wesentlichen Beitrag zur Haltung der blökenden Menge naiver Schafe in engem Gehege, die nur noch auf ihre Rasur wartet. Schuld sind letztlich alle selbst, wenn den Praktiken der Führungseliten tatenlos begegnet wird.

    • Avatar

      Michael

      24. Oktober 2016 19:17 at 19:17

      @daulini

      Ganz einfach, hm?!

      Und was wären konkrete Taten, um den Praktiken der Führungseliten zu begegnen?
      Eine neue RAF?
      Ein Sit-In, bei dem alle „Kumbaya My Lord“ singen?
      Linke, Rechte oder Piratenpartei wählen?
      Eine Volksabstimmung mit zufälligem Ausgang à la Dummbritannien in Deutschland und Frankreich (der Rest erledigt sich dann von selbst)?
      Eine Petition mit 400.000 Unterschriften an Macho Draghi und Ja ned Bellen senden?

      Dieses theoretisch-pseudophilosophische Wischiwaschigesülze hinsichtlich dummer Masse oder niedrigem Niveau der Medien stößt mir als überzeugtem Empiriker immer etwas sauer auf.
      Wir haben Internet, wir haben Zugang zu Informationen wie noch nie.
      Es gibt auch gehobenes Medienniveau, es gibt Whistleblower, und es gibt Zugang dazu.

      Was also sollen wir konkret tun, um den Praktiken der Führungseliten zu begegnen?

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US-Wahl: Was passieren muß, damit Trump gewinnt!

Markus Fugmann

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Die US-Wahl rückt immer näher, laut Umfragen liegt Donald Trump derzeit recht deutlich hinter Joe Biden. Eines scheint klar: wenn Trump die US-Wahl gewinnen will, muß er zwingend den Bundeststaat Florida gewinnen – gewönne Biden in Florida, wäre ein Wechsel im US-Präsidentenamt praktisch sicher. Die Zwischenstände aus Florida werden also extrem wichtig – es gibt sogar einen kleinen Wahlbezirk in diesem Bundeststaat, der schon früh die Richtung anzeigen dürfte.

US-Wahl – das sind die Szenarien

Die US-Seite https://fivethirtyeight.com/ zählt zu den führenden Prognose-Quellen in den USA. Sie bietet ein interaktives Tool an, mit dem man Szenarien durchspielen kann: gewinnt etwa Biden den swing state Pennsylvania, dann hat das einen positiven Einfluß auch auf seine Sieges-Chancen auch in Nachbar-Bundestsaaten. Sehen Sie hier, was passieren muß, damit Trump gewinnen kann:

 

Und so ist die Lage in den USA unmittelbar vor der US-Wahl – es ist ein gespaltenes, zerrissenes Land, wie folgende ARTE-Dokumentation zeigt:

 

Was muß passieren, damit Trump die US-Wahl gewinnt?

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Aktien

Banken: Es hagelt sensationell gute Quartalsergebnisse!

Claudio Kummerfeld

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am

Hochhäuser von Banken im Londoner Viertel Canary Wharf

Was ist das los? Gerade in der schlimmsten Rezession seit Jahrzehnten sollten sich die Banken doch in einer dramatischen Schieflage befinden? Denn Kreditausfälle müssten aus Quartalsgewinnen eigentlich Verluste machen und damit folglich das Eigenkapital der Banken angreifen? Dieses Szenario steht womöglich bevor, wenn die anstehende Pleitewelle Löcher in die Bücher der Banken reißt.

Aber noch ist es nicht soweit. Derzeit hagelt es sensationell gute Quartalszahlen von Banken weltweit. Vor allem fällt auf, dass gerade die Banken tolle Zahlen melden, die stark im Kapitalmarktgeschäft tätig sind, und eher weniger im Privat- und Firmenkundengeschäft mit Krediten, wo Probleme mit Kreditausfällen drohen, und wo die Banken sich derzeit mehr denn je mühen neue Kundeneinlagen abzuweisen – weil sie selbst sonst Strafzinsen zum Beispiel bei der EZB entrichten müssten.

Banken mit starkem Kapitalmarktgeschäft im Vorteil

Wie gesagt. Wer stark im Kapitalmarktsegment engagiert ist, der feiert die Krise. Zum Beispiel lässt sich derzeit viel Geld machen mit den globalen Schuldenorgien. Wo die Banken zum Beispiel in Europa in den Erstauktionen der staatlichen Schuldenagenturen Staatsanleihen aufkaufen, können sie mutmaßlich schön und entspannt Gewinn machen mit dem Weiterverkauf der Anleihen an die EZB am Sekundärmarkt. Auch in vielen anderen Bereichen des Kapitalmarkts war die letzten Quartale viel los. Man beachte in diesem Zusammenhang die sensationell guten Quartalszahlen von Goldman Sachs vom 14. Oktober. Der Quartalsgewinn konnte gegenüber dem Vorjahresquartal verdoppelt werden (hier die Details). Bei den anderen großen US-Banken gab es keine Katastrophen-Meldungen. Und dann am Dienstag dieser Woche meldete die Schweizer Großbank UBS ebenfalls eine Gewinn-Verdoppelung (hier die Details).

Barclays

Heute nun hat die britische Großbank Barclays ihre Quartalszahlen veröffentlicht. Der Gewinn liegt mit 611 Millionen Pfund gut drei Mal so hoch wie erwartet, und auch dramatisch besser als im Vorjahr. Da war es noch ein Verlust von 292 Millionen Pfund – auch wenn man hier berücksichtigen muss, dass der Verlust aufgrund von Schadenersatzzahlungen an geschädigte Kreditnehmer zustande kam. Dennoch ist heute ein Gewinn, der drei Mal so hoch reinkommt wie erwartet, beachtlich. Außerdem hat Barclays wie viele andere Banken auch im dritten Quartal die Risikovorsorge für mögliche Kreditausfälle deutlich reduziert, nämlich auf 608 Millionen Pfund nach 3,7 Milliarden Pfund in den ersten sechs Monaten des Jahres.

Nordea

Bei der größten skandinavischen Bank Nordea könnte man glatt meinen, dass die Krise zeitlich auf den Kopf gestellt wurde. Auch hier gab es heute Quartalszahlen. Der operative Gewinn steigt binnen Jahresfrist von 875 Millionen auf 1,09 Milliarden Euro. Die Gründe für die guten Zahlen: Einerseits mehr Kreditvergabe-Volumen in der Krise – andererseits nicht mehr vorhandene Belastungen durch Schrottkredite (331 Millionen Euro Belastung im Vorjahresquartal). Dennoch erwartet Nordea für das Gesamtjahr Kreditausfälle von gut einer Milliarde Euro. Es klingt wie ein Witz, dass jetzt Belastungen durch Kreditausfälle weggefallen sind. Aber aktuell wirkt es noch schlüssig. Es werden weltweit auch mit Staatshilfen viele neue Kredite vergeben, wo die Kreditnehmer natürlich erstmal wieder liquide sind und auch die monatlichen Raten einige Zeit lang zahlen können.

Noch sieht es gut aus

Wenn die große Pleitewelle bei Unternehmen denn kommen sollte, dürfte sich die Lage für die Banken verdunkeln. Banken wie Goldman Sachs mit fast null klassischem Privatkundengeschäft könnten auch in einer Pleitewelle gut da stehen, weil man ja keine Kreditausfälle verkraften müsste. Und die deutschen Banken? Die Commerzbank meldet ihre Quartalszahlen am 5. November, die Deutsche Bank am 28. Oktober. Es ist möglich, dass sie schon vorab als Ad Hoc-Meldung ihre Finanzdaten berichten, wenn sie zu stark von den Erwartungen abweichen. Es könnte sein, dass auch die beiden deutschen Großbanken jetzt halbwegs akzeptable Zahlen melden, und dass die bitteren Verluste der Kreditausfälle erst noch anstehen, wenn die Pleitewelle wie von vielen Experten erwartet demnächst einsetzt. Aber es kann vielleicht noch einige Zeit dauern, bis eine Pleitewelle wirklich auf die Quartalszahlen der Banken durchschlägt. Denn bis die Bank wirklich einen Kredit als Verlust abschreibt, muss erstmal der Schuldner den Bach runtergehen, dann gibt es Verhandlungen über Umschuldungen usw. Also, kurzfristig könnten auch Deutsche Bank und Commerzbank noch akzeptable Quartalszahlen melden.

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Sahra Wagenknecht über die große Krise, und wie man sie lösen kann

Redaktion

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Sahra Wagenknecht hat den Ruf wirklichen wirtschaftlichem Sachverstand zu besitzen. Bei ihr kann man erkennen: Es wird nicht stumpf das sozialistische Lied abgespielt. Bei ihren Aussagen merkt man, dass sie das Gesamtbild im Blick hat und auch versteht. Natürlich kann und darf man über ihren Lösungsansatz für das große Gesamtproblem streiten. Aber auch ihren Lösungsansatz begründet sie inhaltlich nachvollziehbar.

Sahra Wagenknecht mit Bestandsaufnahme der Krise

In ihrem aktuellsten Video (am Ende dieses Artikels) wirft Sahra Wagenknecht die Frage auf, ob eine große Finanzkrise bevorsteht. Dafür arbeitet sie sich an vielen Ungleichgewichten und wirtschaftlichen Schieflagen ab, die in dieser Form in der Tat auch bestehen. So bespricht sie die gigantische Geldschwemme der Notenbanken, in der Europa verursacht durch die EZB. Diese sorge für einen riesigen Push bei den Aktienkursen. Profitieren würden vor allem die Reichen, die in großem Umfang Aktien besitzen. Der Kleinsparer, der sein Geld nur auf dem Sparkonto parkt, würde durch Nullzinsen (neuerdings immer öfters auch Negativzinsen) und Inflation laut Sahra Wagenknecht real jedes Jahr Geld verlieren.

Die Großkonzerne würden in der Coronakrise mit billigem Geld überschwemmt, so dass sie gar keine Probleme hätten durch diese Krise zu kommen (ja, dafür gibt es zahlreiche Beispiele). Gleichzeitig haben es laut Sahra Wagenknecht kleine Unternehmen und Unternehmer derzeit sehr schwer überhaupt an Geld zu kommen, um die Krise überleben zu können. Demnach seien die großen Konzerne die Krisengewinner, die kleinen Betriebe die Verlierer. Sahra Wagenknecht nennt in diesem Zusammenhang auch die Anleihekäufe der EZB, wo auch in großem Stil Unternehmensanleihen gekauft werden. Und hier geht es eben um Anleihen großer Unternehmen, und nicht um Schulden kleiner Betriebe, die eh keine Anleihen ausgeben.

Als weiteres Ungleichgewicht benennt Sahra Wagenknecht auch die Immobilienblase. Bei den niedrigen Zinsen lohne sich die große Spekulation, welche die Preise immer weiter nach oben treibe. Und letztlich beleuchtet sie die (von uns bei FMW oft angesprochene) steigende Bedrohung für das Bankensystem in Europa. Schon vor der Krise habe es laut Sahra Wagenknecht 600 Milliarden Euro Volumen an faulen Krediten bei Banken in Europa gegeben – jetzt drohe diese Summe auf 1,4 Billionen Euro zu steigen.

Problemlösung

Was sei nun die Lösung des Problems? Laut Sahra Wagenknecht seien immer neue Schulden und immer tiefere Zinsen nicht die Lösung des Problems. Die Wirtschaft könne auch nicht so kräftig ansteigen, dass Volkswirtschaft und Staat aus dem gigantischen Schuldenberg „herauswachsen“ könnten, wie sie es formuliert. Inflation sei auch keine Lösung, da hierbei die kleinen Leute mit ihren Sparguthaben enteignet würden. Die reichen Leute würden mit ihren Immobilien und Betriebsvermögen ihren Wohlstand behalten, während die kleinen Leute bei einer spürbaren Inflation den Preis bezahlen müssten.

Für Sahra Wagenknecht gibt es nur eine Lösung des Problems. Und da kommt natürlich die linke Politik wieder zum Vorschein. Man müsse die enorme angehäufte Schuldenlast restrukturieren, und zwar zu Lasten der wirklich Vermögenden. Dazu kann man anmerken: Das ist eine politische Frage, was man will. Diese Lösung kann man befürworten, oder eben auch nicht. Ansichtssache. Aber abgesehen davon: Die anderen Alternativen sind auch nicht berauschend. Man darf vermuten: So wie die aktuelle Merkel-Regierung wird wohl auch ein Nachfolger wie Herr Laschet keinen großen Wurf machen, sondern stillschweigend zusammen mit der EZB auf die Lösung setzen, die auch die Amerikaner seit Jahrzehnten praktizieren, wenn es um Problemlösungen geht. „Kick the can down the road“ – die Dose die Straße weiter runter kicken. Das Problem also in die Zukunft verschieben. Also jetzt immer neue Rettungsprogramme auflegen (letztlich finanziert durch die EZB, das neue EU-Schuldenprogramm uvm), – und diese Probleme darf irgendwer in ferner Zukunft abzahlen.

Sahra Wagenknecht
Sahra Wagenknecht. Foto: Ferran Cornellà CC BY-SA 4.0

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