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Blitzprognose: Varoufakis wird Buchautor

Von Claudio Kummerfeld

Yanis Varoufakis wird Buchautor – das ist natürlich nur meine Prognose – aber für die gibt es viele Anhaltspunkte, und es ergeben sich interessante Fragen.

Yanis-Varoufakis-in-seiner-Lieblingsrolle
Griechenlands Finanzminister in seiner Lieblingspose. Reden und allen anderen die Welt erklären. Foto: Robert Crc/Wikipedia (FAL)

Publizist Varoufakis

Ich prognostiziere, dass Yanis Varoufakis nach seinem Rücktritt als griechischer Finanzminister Buchautor werden wird. Ich gehe sogar davon aus, dass er recht zügig ein Buch veröffentlichen wird. Denn betrachtet man die gigantische Masse an TV- und Zeitungsinterviews + Kolumnen, in denen er sich seit seiner Wahl zum Finanzminister mitteilte, ist es nur folgerichtig ein Buch zu schreiben, denn der Mann hat anscheinend ein großes Mitteilungsbedürfnis. Kaum anzunehmen, dass er mal eben so über Nacht aufhört sich der Welt mitzuteilen. Und kann jemand, den außerhalb seiner Hörsäle niemand kannte und fünf Monate im weltweiten Rampenlicht stand, auf die Publicity verzichten?

Ein Mann mit so großem Ego und Selbstdarstellungsdrang (Zitat heute: „Ich trage die Abscheu der Geldgeber mit Würde“) muss einfach ein Buch schreiben – das zeigt die Geschichte. Der Mann hat sein Leben lang Vorträge vor Studenten gehalten und wirtschaftstheoretische Texte verfasst – Regieren bzw. im Ministerium sitzen und arbeiten war wohl nicht sein Ding. Da dürfte es eine Erleichterung sein endlich wieder schreiben zu können. Meine persönliche Prognose: mit 99% Wahrscheinlichkeit wird er bald ein Buch veröffentlichen! Ein Werk, in dem er „als Retter der weltweit unterdrückten Massen“ einen Weg aus der Knechtschaft aufzeigt. Denn so drastisch waren seine Worte ja schon als Finanzminister – da dürfte die Rhetorik jetzt als „freier Mann“ noch drastischer ausfallen!

Varoufakis ging es vor allem um Varoufakis. Traurig aber wahr. Würde man sonst, während draußen vor der Haustür Menschen bitterste Not leiden, für eine Hochglanz-Homestory posieren vor Klavier und Bücherregal? Im März berichteten wir schon darüber, aber hier nochmal der legendäre Originaltweet von Paris Match.

Kann so jemand ohne Buch von der Weltbühne abtreten? Nein, er muss sich ein Denkmal erschaffen, in dem er zeigt, dass er Recht hatte.

Buchtitel

Der Buchtitel könnte lauten „wie ich unermüdlich gegen die terroristischen Finanzmonster kämpfte“ oder „wie ich aufrecht gegen das kriminelle Finanz-Europa kämpfte“. Sicherlich wird es eine Kultlektüre, die reißenden Absatz finden wird. Ein sehr kraftvoller Buchtitel wird es wohl sein, wenn man bedenkt, dass er noch am Wochenende die Gläubiger Griechenlands als Terroristen bezeichnete. Ihm war wohl schon lange klar, dass er nicht mehr tragbar war und in Brüssel keiner mehr mit ihm reden wollte. Dann wohl am besten noch einen lauten knalligen Abgang auf dem Teppich der Weltbühne – nach dem „kriminellen IWF“ waren dann die „terroristischen Gläubiger“ der Höhepunkt zum Abgang!

Fragen

Fakt ist: Ein reißerisches Varoufakis-Buch würde in kürzester Zeit zum weltweiten Bestseller werden. Der große Gewinner der Griechenlandkrise wäre Yanis Varoufakis selbst. Schreibt er wirklich ein Buch, ergeben sich daraus zwei interessante Fragen:

1)
Wird er die Einnahmen aus dem Buch dem griechischen Volk bzw. der griechischen Staatskasse spenden, um ihr Leid zu mildern? Denn er selbst ist ja wohl situiert.

2)
Geht man davon aus, dass er die Einnahmen aus dem Buch nicht spendet: in welchem Land wird er sie versteuern? Wohl kaum in Griechenland. Man darf davon ausgehen, dass er einen seiner Posten als Dauer-Vortragsredner in Großbritannien oder den USA wieder annimmt. Nach seiner fünfmonatigen Show im weltweiten Medienzirkus werden ihn seine Professorenfreunde an Elite-Unis mit Kusshand wieder aufnehmen. Also mehr als wahrscheinlich, dass die US-Steuerbehörde von seinen Buchverkäufen profitieren wird, und nicht die griechische.

Aber all das ist natürlich noch reine Spekulation. Warten wir mal ab – aber ich denke schon, dass das Buch in Kürze erscheinen wird. Denn wer als amtierender Finanzminister Zeit hat täglich Kolumnen zu schreiben und in Talkshows aufzutreten, kann auch bereits während seiner Amtszeit ein Buch schreiben!



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