Haben Sie schon mal was gehört von Bloom Energy? Es ist eines von vielen Unternehmen „hinter“ dem Boom von künstlicher Intelligenz. Man kennt die Mega-Konzerne wie Meta und Alphabet, oder Nvidia und Micron. Aber Bloom Energy? Eher was für eingefleischte Börsianer, die sich in die Materie vertieft haben. Ein tolles Unternehmen, das eine sinnvolle Technologie anbietet um Probleme zu lösen. Aber der Detailblick zeigt: Die Börsianer haben viel zukünftige Euphorie längst eingepreist. Für Neueinsteiger ist das gefährlich.
Bloom Energy – was das Unternehmen macht
Mit dem Firmensitz im Silicon Valley ist Bloom Energy genau da beheimatet, wo mit Firmen wie Meta oder Alphabet die Mega-Konzerne des KI-Booms sitzen. Inzwischen hat die Firma 86 Milliarden Dollar Marktkapitalisierung erreicht. Bloom Energy entwickelt und baut hocheffiziente Festoxid-Brennstoffzellen. Diese Anlagen erzeugen lokal und unabhängig von öffentlichen Stromnetzen kontinuierlich Strom. Wichtige Abnehmer sind KI-Rechenzentren, die große und grundlastfähige Energiemengen benötigen. Die Brennstoffzellen des Unternehmens erzeugen Strom aus Erdgas durch eine chemische Reaktion, anstatt den Brennstoff zu verbrennen. Das Unternehmen gibt an, dass sie im Vergleich zu Gasturbinen wenig Wasser benötigen und weniger Luftverschmutzung und Lärm verursachen.
In den USA läuft gerade auf Social Media ein Trend: Anwohner nahe frisch hochgezogener KI-Rechenzentren zeigen mit Videos eine konstante dramatische Lärmbelästigung durch KI-Rechenzentren. Ganze Ortschaften leiden unter einem konstanten lauten Summen. Man darf vermuten: KI-Rechenzentren werden in Windeseile hochgezogen, und in Sachen Energieerzeugung etc legen die Betreiber keinen Wert auf den Lärmpegel? Ist das eine große Chance für Bloom Energy, in der Branche noch viel stärker ins Geschäft zu kommen? Gut möglich.
Bewertung bereits sehr hoch
Auch wenn die Zukunftsaussichten für die Belieferung von KI-Rechenzentren rosig erscheinen: Die Börsianer haben zukünftiges massives Wachstum bei Umsatz und Gewinn bereits in die Aktie eingebaut. Der folgende Chart zeigt zunächst die bisherige Dimension der Kursanstiege. In den letzten zwölf Monaten stieg die Aktie um 1.556 % (alleine gestern 10 % Kursanstieg). Jüngst sagte der CEO, er benötige keine Kapitalerhöhung für sein Geschäftswachstum. Auch eine Analystenaufstufung hilft. SK Hynix schaffte binnen zwölf Monaten „nur“ 1.037 %, Micron „nur“ 983 %, ein US-Chipaktien-Index 184 %. Der Hype um die Aktie von Bloom Energy hat vor allem seit April nochmal enorm zugelegt.
Der Umsatz von Bloom Energy lag im Jahr 2022 bei 1,2 Milliarden Dollar, 2025 waren es schon 2 Milliarden Dollar. Für 2026 und 2027 werden Steigerungen auf 3,7 und 6,4 Milliarden Dollar erwartet. Das sind gewaltige Sprünge! Und beim Gewinn pro Aktie lag man 2022 noch bei 0,41 Dollar Verlust, 2025 waren es schon 0,76 Dollar Gewinn. Für 2026 und 2027 erwarten Analysten im Schnitt 2,1 und 4,34 Dollar. Auch hier: Gigantische Zuwächse! Aber nun zum Problem: Der Aktienkurs ist derart stark angestiegen, dass die Relation zwischen Aktienkurs und Gewinn pro Aktie (KGV) sehr schlecht ist. Für 2026 liegt die KGV-Erwartung bei 144, für 2027 bei 70, und für 2028 immer noch bei 46.
Man sieht: Für die kommenden Jahre ist ein deutlich sinkendes KGV zu erwarten, weil die Unternehmensgewinne derart massiv ansteigen sollen. Aber selbst ein KGV-Wert von 46 für 2028 ist für einen Ausrüster von Energieanlagen ein extrem teurer Wert. Normal wären Werte zwischen 10 und 20, günstig wären Werte unterhalb von 10.
Warnendes Beispiel Rheinmetall
Wir hatten letztes und dieses Jahr die Rheinmetall-Aktie immer wieder begleitet, wohlwollend, aber dennoch kritisch. Denn Die Börsianer hatten den Aktienkurs immer höher und höher getrieben. KGV-Bewertungen waren sehr hoch, die Umsatz- und Gewinnaussichten stiegen immer weiter an. Der Ukraine-Krieg und die große europäische Aufrüstung sorgten für grenzenlose Euphorie bei Rüstungsherstellern. Nach dem Rekordhoch im Herbst 2025 bei 2.008 Euro fiel die Aktie immer weiter zurück, bis jetzt auf 1.169 Euro. Die Luft ist erstmal raus. Bewertungen müssen realistischer werden. Ähnliches könnte auch bei Bloom Energy passieren. Erstmal müssen Umsätze und Gewinne sozusagen „aufholen“ und eine Gesundung der KGV-Bewertung herbeiführen, oder ein fallender Aktienkurs hilft bei der Verbesserung der Bewertung. In diesem Szenario spräche zukünftig nichts gegen weitere Kursanstiege so einer Aktie. Aber wie bei Rheinmetall ist es gut möglich, dass nach der Mega-Rally erstmal eine enttäuschende Phase mit einem deutlich fallenden Aktienkurs kommt, um die Bewertung wieder ins Lot zu rücken.
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Wer erinnert sich noch an den alten Andre Kostolany? Sein Leitmotiv ist zur Zeit aktueller denn je:An der Börse gibt es zwei Zustände:Entweder gibt es mehr Aktien als Idioten oder mehr Idioten als Aktien! Welchen Zustand erleben wir wohl gerade?