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Blutbad an der Wall Street! Schlechteste Woche des Dow Jones seit Finanzkrise!

Redaktion

Veröffentlicht

am

FMW-Redaktion

Herber Abverkauf an den Märkten! Die große Enthebelung ist im Gange – der Dow Jones verliert über 1000 Punkte. Immerhin: nachbörslich gehen die US-Futures wieder etwas nach oben..

Was passiert da? Am Anfang standen der Anstieg der Renditen, dann die US-Arbeitsmarktdaten mit den stark gestiegenen Stundenlöhnen. Dann der Schiffbruch der VIX-Shorter, jetzt der allgemeine Abverkauf, und das obwohl die Renditen für US-Anleihen wieder leicht gefallen sind.

Die Boote waren zu einseitig besetzt – nicht mehr und nicht weniger. Alle waren „all in“ in Aktien und das ohne Hedges und mit viel Leverage, jetzt wird Geld teurer, damit die Hebelung kostspieliger. Vorher haben alle Aktien gekauft und Volatilität verkauft, jetzt müssen sie Aktien verkaufen und Volatilität kaufen als Hedge – daher legt der VIX heute wieder 30% zu, weil die Kosten für diese Absicherungen nach oben schießen, weil alle durch die selbe Tür wollen und jetzt Hedges brauchen!

Aber auffallend ist, dass die Devisenmärkte wenig reagieren. Die Panik startete am Anleihemarkt, der ungleich größer ist als der Aktienmarkt. Hier geht ein 30-jährige Abwärtstrend der Renditen zu Ende, daher das Erdbeben an den Märkten.

Im Hintergrund steht auch die Verschuldungs-Party der USA – und China scheint nicht mehr bereit, das Spiel mitzuspielen, während die USA mehr Schulden aufnehmen müssen über Anleiheemissionen. Nun sollen weiter 300 Milliarden an Schulden aufgenommen werden nach dem neuesten Plan, und die Märkte stellen die drängende Frage, wer überhaupt bereit ist, diese Schulden zu kaufen. Die heutige Anleiheauktion der 30-jährigen US-Anleihe schwach, Ausländer haben sich spürbar zurück gehalten. Das ist das eigentliche Problem – es ist, wenn man so will, ein Mißtrauensvotum der Welt gegenüber der Trumpschen Schulden-Party nach dem Motto „America first“, die faktisch ja besagt: wir leben über unsere Verhältnisse, und ihr habt dafür zu bezahlen. Die „Restwelt“ aber zeigt Trump jetzt den Stinkefinger!

Wir werden auch wieder impulsive Erholungen sehen intraday an den US-Aktienmärkten, aber das Chaos wird erst einmal anhalten. Die US-Indizes schließen unter wichtigen gleitenden Durchschnitten:

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14 Kommentare

14 Comments

  1. Avatar

    Denker

    8. Februar 2018 23:17 at 23:17

    Schöner Abverkauf, aber wo ist der ganze Cash mit so einem Volumen hingeflossen?
    … Anleihen, nein
    ….Rohstoffe, nein
    ….Währungen,nein
    ….Kryptos,nein

    auf private Konten und warten dort?

    • Avatar

      Hinterfrager

      8. Februar 2018 23:36 at 23:36

      Es soll strategische Investoren geben, die zunächst einmal im Cash verharren, und zwar dem eigenen…

  2. Avatar

    OZO

    9. Februar 2018 04:13 at 04:13

    @Denker: um zurück geforderte Kredite abzulösen, die vorher aus dem Nichts entstanden. Und damit ist das Geld wieder aus dem System verschwunden. Bemühen Sie sich darum, unser Geldsystem zu verstehen!

  3. Avatar

    Wolfgang M.

    9. Februar 2018 07:29 at 07:29

    Ich denke auch, dass Markus recht hat mit seiner Analyse, dass das Thema Enthebelung die Hauptursache für die heftigen Kursbewegungen ist. Geld war in den USA zu leicht zu verdienen. Deshalb trifft die Metapher von PK „Märkte gehen oft den Weg des größten Schmerzes“ den Nagel auf den Kopf. Oder wie André Kostolany bilanzierte: „An der Börse verdientes Geld ist Schmerzensgeld, erst kommen die Schmerzen, dann das Geld!“ Gilt gerade wieder. Dass es bereits wieder zur durchschnittlichen Baisse-Korrektur (60%) kommt, dagegen spricht eigentlich die Höhe des Zinsniveaus und der Inflation. Zur Erinnerinnerung. In den Jahren 2004 bis 2006 erhöhte die Fed den Leitzins von 1,0 auf 5,25% mit insgesamt 17! Anhebungen. Dann kam der große Einbruch an den Märkten. Die Finanzierungskosten waren nicht mehr zu stemmen und die Dickschiffe konnten das Geld erträglich parken. So weit sind wir noch nicht, glaube ich. Die Korrektur dauert an, weil es nicht mehr so einfach sein wird, an den Märkten Geld zu verdienen – es findet ein „Reappraisal“ in den USA statt. Aber für den großen Rückschlag muss die Inflation schon noch etwas steigen, damit die Fed zu heftigen Zinsschritten gezwungen wird. Derzeit sind die Zinssätze immer noch zu niedrig und die Schuldennation USA kann sich „noch“ günstig weiter „durchwursteln“. Ich habe es schon ein paar Mal erwähnt: Nahezu alle Baissen der letzten Jahrzehnte entstanden nach starken Anstiegen von Inflation/Leitzinsen – das wird wieder so kommen, aber noch in den nächsten Monaten, denke ich.

    • Avatar

      PK

      9. Februar 2018 08:34 at 08:34

      @Wolfgang,
      ich sehe es nicht kommen, daß die FED einen größeren Zinsanstieg zulassen wird.
      Aktuell gibt es schon etwas Stress in den langjährigen Bonds in USA. Gestern hat der ZB Future trotz des herben Abverkaufs NICHT zulegen können wie beim ersten Flashcrash und die Nachfrage bei der Auktion war mies.
      Ich bleib dabei – die FED wird früher oder später wieder zu den Käufern am Anleihemarkt gehören, wenn sie hier nicht einen echten Crash riskieren will. Die einzig interessante Frage ist nur, wo genau die Schmerzgrenze liegt.
      Und das alles führt dazu, weil sie zwar die Zinsen kontrollieren kann nicht aber die Inflation, daß die Realverzinsung deutlich negativ werden wird.
      Heftige Zinsschritte kommen – garantiert – nicht !

      • Avatar

        Wolfgang M.

        9. Februar 2018 09:35 at 09:35

        @PK. Klar ist sich die Fed der Folgen von starken Zinsanhebungen bewusst und könnte bei einem Kursrückgang an den Märkten mit über 20% (dem definierten Bärenmarkteintritt) mit der Anhebung der Leitzinsen aufhören und vielleicht QE 4 starten. Glauben Sie, dass dann die Inflation unter Kontrolle gehalten werden kann? Dass das Ausland weiter Vertrauen in die USA als wirtschaftliche Führungsnation hat – Folgen für US- $ als Reservewährung und ausländische Käufe von US-Treasuries? Die USA haben gerade noch 17% Anteil am Welt-BIP, vor nicht allzu langer Zeit waren es noch 25%. Zugleich eine Verschuldung von 108% mit steigender Tendenz infolge der Steuerreform und Trumps weiteren Plänen. Das Vertrauen in die USA schwindet eh schon und was hätte ein QE4 für Folgen? Die USA sind von ausländischem Kapital abhängig, auch am Anleihemarkt. Ich denke die USA sitzen mit ihren Verschuldungsexzessen ganz schön in der Falle. Ich weiß nicht, wie sie eine Rezession verhindern wollen, wenn die positiven Auswirkungen der Tax Reform abgeklungen sind. Gruß

        • Avatar

          PK

          9. Februar 2018 16:09 at 16:09

          @Wolfgang, ich widerspreche ja nicht.
          Die FED hat sich selbst gecornered. Ich sage ja nur, daß sie die Zinsen nicht ausreichend anheben kann. Daher gilt es Anleihen und Cash langfristig zu meiden.
          Für Aktien ist es jetzt noch zu früh, die kommen aber wieder wenn die Auswegslosigkeit erkannt wird in der die Zentralbanken stecken.
          Aber Gold ist auch eine Alternative für diesen Zeitraum.

  4. Avatar

    Feldmaen

    9. Februar 2018 08:49 at 08:49

    „Die Boote waren zu einseitig besetzt – nicht mehr und nicht weniger. Alle waren „all in“ in Aktien und das ohne Hedges und mit viel Leverage, jetzt wird Geld teurer, damit die Hebelung kostspieliger. Vorher haben alle Aktien gekauft und Volatilität verkauft, jetzt müssen sie Aktien verkaufen und Volatilität kaufen als Hedge – daher legt der VIX heute wieder 30% zu, weil die Kosten für diese Absicherungen nach oben schießen, weil alle durch die selbe Tür wollen und jetzt Hedges brauchen!“

    @FMW und @Fugmann, wie funktioniert das mit dem “ all in“ wenn es doch immer einen Verkäufer und einen Käufer gibt? Mathematisch nicht lösbar! Auch „Alle haben Aktien gekauft“, wie geht das? Wo sind die Verkäufer? Ich verstehe diesen Absatz null!

    • Markus Fugmann

      Markus Fugmann

      9. Februar 2018 08:53 at 08:53

      @Feldmaen, die Verkäufer waren ja nicht verschwunden, sie haben zu immer höheren Kursen verkauft, die Käufer zu immer höheren Kursen gekauft, und das eben stark kreditgehebelt..

    • Avatar

      Gerd

      9. Februar 2018 10:35 at 10:35

      Feldmaen, das mit dem „all in“ verstehe ich genauso wenig. Die Verkäufer?!

      Wenn jemand „in“ gehen will, muss ja jemand „out“ gehen. Und Letzterer ist dann eben nicht mehr „in“, weil er „out“ ging. Demnach sind doch nicht alle „in“.
      Geht auch gar nicht, dass alle drin sind. Auch nicht, dass alle draußen sind.
      Was ginge, dass alle (bzw. viele) drin sein w o l l e n . Und das um jeden Preis. Und deshalb ging es so bergauf.
      Ähnlich bei Kryptos.
      Und zur Zeit wollen eben alle (bzw. viele) raus, auch um jeden Preis.

      Wobei sich am Ergebnis nichts ändert, egal welche Definition man wählt.
      Das eine führt gerne zu Übertreibungen nach oben und das andere nach unten.

    • Avatar

      Wolfgang M.

      9. Februar 2018 11:38 at 11:38

      @Feldmaen. Bei einem starken Kursrückgang setzt bei der Inanspruchnahme von Wertpapierkrediten auf z.B. Aktien (noch schlimmer bei Hebelprodukten) – sehr beliebt bei Direktanlageinstituten – ein fataler Mechanismus ein. Angenommen ich habe ein Standardwertpapierdepot in Höhe von 100 000 € und beleihe dies bis zur Grenze von 50%. Fällt der Markt um 10%, hat dies noch einen Wert von 135 000 €. Da ich den Beleihungswert unterschreite, bekomme ich von der Bank den Margin Call und ich muss Aktien im Wert von 20 000 € verkaufen. Dann hat mein Depot einen Wert von 115 000€ und ich habe statt 50 Tsd. noch 30 Tsd. Kredit. Der schuldenfreie Wert meines Depots beträgt 85 Tsd. € (abzgl. Kreditzinsen u.w.K.). Jetzt gibt es einen Käufer, der die Aktien zu 10% billiger gekauft hat, aus seinem Cash-Bestand, aber mein Verkauf hat insgesamt mehr Wert vernichtet. Bei einem erneuten Anstieg des Papiers um 10% habe ich meinen Einstand noch deutlich nicht erreicht. Bei weiteren Kurs-Rückgängen verschlimmert sich die Rechnung noch. Das ist der nicht lineare Zusammenhang bei Verlusten und Gewinnen, der bei Hebelprodukten noch heftiger zu Buche schlägt. Gruß

  5. Avatar

    Beobachter

    9. Februar 2018 10:04 at 10:04

    Auf den Punkt gebracht die Analysen von FMW der letzten Tage ,wie schon seit Monaten.Leider wurden alle die das anscheinend richtig gesehen haben in den letzten Monaten als Unwissende bezeichnet.
    Alle diese Fakten die jetzt zum Vorwand für die Baisse genannt werden waren alle schon bekannt.
    Was jetzt neu ist, ist dass jetzt die totgeglaubte Inflation endlich sichtbar scheint, welch Wunder, hat man denn nicht schon x- mal gelesen dass die ausgewiesene Teuerung auch total verzerrt ist, oder sind irgendwo die echten Lebenskosten ( Miete ,Krankenversicherung u.s.w.) nicht gestiegen.
    Die extreme Hebelung ist natürlich ein Riesenproblem,
    super wenn es steigt, was passiert wenn es fällt hatte niemand auf der Rechnung.
    Ich denke,dass diese Vola-Produkte auch noch gehebelt waren.Ich kenne mich da nicht so aus ,aber ich denke dass es diese früher eher nicht gab.Für alle die meinen , die FED würde eine rechte Korrektur nicht zulassen könnten sich täuschen.
    Der DJ kommt von etwa 6500 u.ist bis ca.26600 gestiegen. (ca 400% ) Warum sollte die Welt untergehen bei einer Korrektur von ca. 25% auf etwa 20000 ?
    Die schwierige Aufgabe der FED ist den Druck in der Blase kontrolliert abzulassen, was sehr schwierig ist.

  6. Avatar

    Columbo

    9. Februar 2018 12:22 at 12:22

  7. Avatar

    Altbär

    11. Februar 2018 12:42 at 12:42

    Wie schon der mit allen Wassern gewaschene C. Icahn
    am 7.2. sagte ist die Hebelung wie auch schon von M.Fugmann erwähnt ein Problem das bei immer steigendenKursen vernachlässigt wurde.Der Mensch lernt eben nichts.War doch der Auslöser der letzten Krise 2008
    eine zu grosse Hebelung ( zu viel Kredit) auf Immobilien.
    Während der Preiszerfall bei Immobilien langsam geht,
    weil sie eben immobil sind ,geht das bei Finanzanlagen
    viel schneller.Dazu kommt ,dass die Banken in Krisenzeiten die Kriterien verschärfen u.das beschleunigt die Margin Calls.Jetzt ist vielleicht der Punkt erreichtI wo die Zwangsverkäufe die freiwilligen Verkäufe (Gewinnmitnahmen ) antreiben.Ich denke ,dass die Korrektur eher noch weitergeht ,haben wir doch in den US
    Indexes nicht einmal die 200 Tageslinie unterschritten,während dies beim günstiger bewerteten DAX schon passiert ist.
    Beispiel:
    Warren Buffett, Anlagen ça 400 Mia. EK.ca 90Mia.
    FK.ca.310 Mia. Hebel ca. 3,5 ( Stand vor 2-3 Monaten )
    Hätte er keine Absicherungen gemacht, hätte er jetzt bei ca.10% Korrektur ca. 40 Mia. D.H FAST DIE HÄLFTE DES VERMÖGENS VERLOREN!!!
    Hat er Absicherungen, was ich denke, oder er stellt glatt,
    oder er macht Leerverkäufe oder er kauft Puts,
    in jedem dieser Fälle verstärkt er die Baisse.Zukaufen wird dieser schlaue Fuchs erst wieder wenn irgendeine grosse Bank oder Firma für ein Butterbrot zu haben ist.
    ALSO MEIN MOTTO ,VORWÄRTS MIT DER ENTHEBELUNG ,WIR MÜSSEN ZURÜCK.

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EZB ebnet argumentativen Weg für lang anhaltende Rettungsmaßnahmen

Claudio Kummerfeld

Veröffentlicht

am

Die EZB-Zentrale in Frankfurt

Seit der Finanzkrise 2008 veranstaltet die EZB ein Anleihekaufprogramm nach dem nächsten. Die Zinsen sinken im großen Bild gesehen immer weiter. Egal wie gut es der Konjunktur in der Eurozone zwischen 2008 und 2020 wieder ging. Die EZB druckte immer weiter Geld, kaufte immer weiter Anleihen. Länder wie Italien wurden mit EZB-Geld und immer weiter sinkenden Zinsen am Leben erhalten. Nach der Krise war vor der Krise.

Und nun, kommt nach der Coronakrise (die Impfstoffe kommen ja bald) wieder die nächste Krise, nämlich die Rettung der überschuldeten Unternehmen? Deswegen muss die EZB (wie es auch die Fed macht) zusammen mit den Regierungen der Mitgliedsstaaten immer weiter retten, retten und retten. Denn ja, wir wissen es alle. Mit gigantischen Kreditprogrammen, Zuschüssen, Kurzarbeitergeld uvm werden in Europa die Nöte der Coronakrise gemildert, und Probleme optisch versteckt. Am besten erkennt man das beim Thema Kurzarbeitergeld. In Deutschland wurde die ausgeweitete Funktion dieses Instruments erst letzten Freitag im Bundestag bis Ende 2021 verlängert – welch ein Zufall, bis zur Bundestagswahl kann die Kurzarbeit in ihrer jetzigen Form also weiterhin als neuer Dauerzustand für eigentlich arbeitslose Arbeitnehmer genutzt werden. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt.

EZB kommt mit „Nicht zu früh aufhören“-Argumentation

Aber zurück zur EZB. Die einfache wie auch clevere Aussage der EZB lautet am heutigen Montag (frei und sinngemäß zusammengefasst): „Wenn wir die Hilfen zu früh einstellen, gefährden wir den Erfolg“. Tja, und wann das Ende der Hilfen angebracht ist, das ist bei der EZB bekanntermaßen eine sehr dehnbare Ansichtssache (siehe Anleihekäufe seit 2008 bis heute – hier eine wunderschöne historische Übersicht zu dem Thema). Im Rahmen ihres heute veröffentlichten Finanzstabilitätsberichts hat die EZB auch einen einzelnen Artikel veröffentlicht, bei dem es um die „Bewertung von Schwachstellen von Unternehmen“ in der Eurozone geht.

Und die Schwachstelle scheint offenbar darin zu bestehen, dass EZB und Regierungen ihre Hilfsprogramme zu früh auslaufen lassen könnten. Man sieht die Probleme wohl auch vor allem beim Zugang zu Krediten und bei steigenden Finanzierungskosten. Die Unterstützung durch die Geldpolitik der EZB habe dazu beigetragen, die tatsächlichen Insolvenzen bisher unter Kontrolle zu halten. Staatliche Kreditgarantien und Konkursmoratorien hätten eine groß angelegte Welle Unternehmenspleiten verhindert. Aber eine beträchtliche Anzahl von Unternehmen könnte gezwungen sein Konkurs anzumelden, wenn diese Maßnahmen zu früh aufgehoben werden oder die Kreditvergabebedingungen der Banken verschärft werden, so die heutige Aussage der EZB. Tatsächlich deute die historische Ko-Bewegung des Anfälligkeitsindikators mit den Unternehmensinsolvenzen und dem BIP-Wachstum darauf hin, dass sowohl die Regierungspolitik als auch die niedrigen Fremdfinanzierungskosten dazu beigetragen hätten, die Auswirkungen der Verschlechterung des Gesundheitszustands der Unternehmen auf die tatsächliche Zahl der Insolvenzen zu dämpfen – auch wenn die Auswirkungen je nach Land, Sektor und Unternehmensgröße unterschiedlich seien.

Dieser neu entwickelte Indikator mache laut EZB deutlich, dass die Anfälligkeit des Unternehmenssektors auf ein Niveau gestiegen ist, das zuletzt während der Staatsschuldenkrise im Euroraum beobachtet wurde. Finanzierungsrisiken hätten sich dank verschiedener Unterstützungsmaßnahmen bisher nicht materialisiert, aber die Anfälligkeit der Unternehmen könne weiter ansteigen und ein Niveau erreichen, das während der globalen Finanzkrise beobachtet wurde. Insbesondere wenn die zweite Welle der Pandemie die wirtschaftliche Erholung zum Stillstand bringe und das Wachstum schwächer ausfällt als prognostiziert, könnte ein frühzeitiger Ausstieg aus den Stützungsmaßnahmen schließlich zu einem deutlichen Anstieg der Unternehmenskonkurse führen, mit Auswirkungen auf die Finanzstabilität auch für die Banken im Euroraum, so die EZB.

Aus Rettung wird Dauerzustand

Tja, haben sie es auch rausgelesen? Diese Aussagen (wie auch jüngst die Warnung von Christine Lagarde vor der Rezession) bieten die perfekte Vorlage, damit KfW-Kredite, Null- und Negatzvinsen, Kurzarbeitergeld, Anleihekäufe in Billionenhöhe etc immer so weitergehen, Jahr für Jahr. Nicht denkbar? Nochmal, ich möchte erinnern an die letzten zwölf Jahre seit der Finanzkrise! Natürlich sind viele Maßnahmen sicherlich gut und richtig wie die KfW-Kredite, Zuschussprogramme etc. Aber vor allem was die EZB da anrichtet mit ihren Kaufprogrammen und abgeschafften Zinsen. Diese Maßnahmen, wenn sie jahrelang immer weiter beibehalten werden, schaffen ein Gesamtumfeld, das nicht mehr ohne zinslose Kredite leben kann, und Staaten die nicht mehr ohne negative Anleiherenditen leben können. Man gewöhnt sich an diese schöne neue Welt sehr schnell – oder besser gesagt, man hat sich längst daran gewöhnt. Ein Ende dieser Geldpolitik der EZB, ist die überhaupt noch vorstellbar bei der Schuldenexplosion bei Staaten und Unternehmen? Entweder immer so weitermachen, oder man riskiert einen großen Knall.

EZB-Grafik zur Verwundbarkeit der Unternehmen
Grafik: EZB

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Coronavirus: Die Impfung und die praktischen Folgen

Deutschland rüstet sich für die ersten Impfungen gegen das Coronavirus. Aber was passiert nach erfolgreicher Impfung? Wie wird man mit den verschiedenen Gruppen im praktischen Leben umgehen?

Wolfgang Müller

Veröffentlicht

am

Deutschland rüstet sich für die ersten Impfungen gegen das Coronavirus. Impfzentren werden bereits für Mitte Dezember vorbereitet, obwohl noch gar kein Vakzin zugelassen ist. Die Politik macht Druck.

Mindestens 96 Corona-Impfzentren sollen allein in Bayern bis Mitte Dezember einsatzbereit sein. In jedem Landkreis und in jeder kreisfreien Stadt im Freistaat ist mindestens ein Impfzentrum geplant, so ein Sprecher des Gesundheitsministeriums am Donnerstag.

Aber was passiert nach erfolgreicher Impfung? Wie wird man mit den verschiedenen Gruppen im praktischen Leben umgehen? Darüber wird man bald diskutieren.

Coronavirus: Immunisiert oder nicht

Im Prinzip müsste es im neuen Jahr vier verschiedene Gruppen innerhalb der Bevölkerung geben: Menschen, die bereits eine Infektion mit dem Coronavirus überstanden haben. Und dann die, die  registriert sind: eine diffuse Gruppe mit Bürgern, die selbst nicht genau wissen, ob sie vielleicht nicht schon infiziert waren, die große Gruppe derer, die sich noch vor der Infektion geschützt haben – und schließlich die Geimpften. Wie verfährt man in Zukunft mit den Menschen, die die Infektionskrankheit überwunden haben und die mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit immun sind gegen die Krankheit und auch als Spreader des Coronavirus für die Mitmenschen wegfallen? Gibt es nach erfolgreicher Impfung so etwas wie einen Impfpass?

Der Impfpass, jetzt eine zweifelhafte Angelegenheit?

In Kürze, wenn die Zulassung des Impfstoffes vollzogen ist, wird es rasch zwei Gruppen von Bürgern geben, die annehmen können, die Krankheit bezwungen zu haben – die vormals Infizierten und die Geimpften. Nach dem Stand der Wissenschaft gilt eine rasche Wiederinfektion mit dem Coronavirus als unwahrscheinlich. Bei Abermillionen von Infektionen müsste dies schon aufgefallen sein. Die Zahl der Infizierten in Deutschland nähert sich der Ein-Millionen-Grenze (Ende dieser Woche?), die Dunkelziffer dürfte in Deutschland bei Faktor 3 bis 5, liegen, so die Annahme einiger Wissenschaftler aufgrund der Antikörpertests.

Jedenfalls wird die Zahl der „Immunen“ bald im Millionenbereich liegen. Während man den ehemals Infizierten nach langen Diskussionen keinen Immunitätsausweis zusicherte, so wird nach einer Impfung gegen Covid-19 sicherlich eine Impfbescheiningung ausgestellt werden, wie beim Impfpass nach jeder Standardimpfung.

Was wird passieren, wenn sich geimpfte Menschen sagen, „so jetzt bin ich geschützt, warum weiter eine Maske tragen?“ Nur eine von vielen praktischen Fragen.

Aber da beginnt bereits das Dilemma. Die Neufassung des Infektionsschutzgesetzes sieht eine „Impf- und Immunitätsdokumentation“ vor. Was wird diese für Folgen haben? Eine Wiedergewährung von Mobilitäts- und Freiheitsrechten? Der Ethikrat ist bereits bei der Beratung der Problembereiche.

Wo könnte der Impfpass Anwendung finden?

Trotz aller ethischen Bedenken, werden Impfungen bei Reisen in fremde Länder empfohlen oder sind sogar Verpflichtung (z.B. gegen Gelbfieber in bestimmten afrikanischen Ländern). Wie werden asiatische Länder auf die Impfung reagieren, Staaten wie Taiwan, Vietnam, Thailand, Südkorea, Australien, Neuseeland, die die Infektion bisher erfolgreich eindämmen konnten? Könnte ein Impfausweis nicht Voraussetzung werden, dass man nach der Einreise von Menschen aus Risikogebieten keine 14-tägige Quarantäne absolvieren muss?

Gibt es aktuell vor einer Reise mit einem Kreuzfahrtschiff nicht bereits die Verpflichtung zu einem Corona-Schnelltest, in dieselbe Richtung laufen Bestrebungen im Luftverkehr?

Und was ist eigentlich mit den vielen Unternehmen aus den Corona-geschädigten Branchen, sei es der Kulturbereich, bei Messen, oder jeglichen Veranstaltungen (Fußball) mit größerem Publikumsverkehr? Werden diese sich für das ethisch etwas zweifelhafte Instrument Impfbescheinigung einsetzen, weil es ihnen sofort Luft zum Atmen bringen würde? Oder wird dies der Staat abwiegeln und versuchen, die Branchen mit immer weiteren Notgeldern über Wasser halten? Eines ist doch schon heute absehbar: Bei einer Bevölkerungszahl von 83 Millionen Menschen, abzüglich der bereits Betroffenen und den Impfverweigerern wird es lange dauern, bis all die Freiwilligen oder auch Zwangsläufigen (Pflegepersonal?) im großen Umfang gegen das Coronavirus geimpft sind.

Fazit

Sicher ist es noch etwas früh, sich über die praktischen Folgen einer Impfung Gedanken zu machen. Allerdings werden Regelungen kommen, ja vermutlich sogar gefordert werden. Schließlich steht manchem Unternehmer das Wasser bis zum Hals und man sehnt sich nach Kunden, nach Menschen, die kein Risiko in Sachen Coronavirus darstellen, für sich und für andere. Wann werden die Diskussionen über die neue Sachlage starten?

Was werden die praktischen Auswirkungen der Impfungen gegen das Coronavirus sein?

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Was den schwachen Goldpreis aktuell bewegt

Claudio Kummerfeld

Veröffentlicht

am

Ein Barren aus Gold

Der Goldpreis ist die letzten Tage ohne Stärke unterwegs. Eigentlich ist das merkwürdig, denn der US-Dollar schwächelt seit Tagen, und müsste Gold (das in Dollar gehandelt wird) daher doch eigentlich Auftrieb geben. Der Dollar-Index (Währungskorb des US-Dollar gegen andere Hauptwährungen) hat binnen einer Woche von 92,80 auf 92,18 Indexpunkte verloren.

Corona-Impfstoffe dämpfen Aufwärtstrieb im Goldpreis

Mit aktuell 1.865 Dollar sieht man, dass die seit Donnerstag letzter Woche kurz aufgeflackerte Erholung mit Anlauf Richtung 1.900 Dollar wieder verpufft ist. Eindeutig ist zu sehen, dass die Anleger, die über das Vehikel der ETF (Exchange Traded Funds, hier die Begriffserklärung) in Gold investieren, letzte Woche auf der Verkäuferseite waren mit gut 30 Tonnen. Der folgende aktuelle Chart der Commerzbank zeigt seit Jahresanfang in gelb den Goldpreis-Verlauf, und in schwarz die Gold-ETF-Bestände. Die Nachfrage schlafft derzeit ab.

Chart zeigt ETF-Bestände in Gold im Vergleich zum Goldpreis

Die letzte wie auch die vorletzte Woche waren die Kapitalmärkte gefangen im Fieber der Corona-Impfstoff-Hoffnung. Nach Biontech und Pfizer kam letzte Woche Moderna mit einem fertigen Impfstoff, und heute früh dann auch noch AstraZeneca. Daher laufen die Aktienmärkte auch heute zum Wochenstart erfreulich nach oben. Alles was die Märkte positiv stimmt für eine Erholung der Weltwirtschaft, schwächt tendenziell den „Sicheren Hafen“ namens Gold. Im Chart sehen wir den Goldpreis im Verlauf der letzten 30 Tage. Der große Absturz in der Mitte des Charts rührt her von der ersten Impfstoff-Meldung gegen das Coronavirus vom 9. November von Biontech und Pfizer.

Laut heutiger Aussage des Commerzbank-Analysten Carsten Fritsch dürfte der aktuelle Optimismus hinsichtlich der Impfstoffe dagegen sprechen, dass es schon in Kürze zu einem neuerlichen Run auf die Gold-ETFs kommt. Entsprechend gedämpft sei der kurzfristige Ausblick für den Goldpreis. Die spekulativen Finanzanleger seien seiner Meinung nach durch den Preisrutsch Mitte letzter Woche offensichtlich auf dem falschen Fuß erwischt worden. Denn sie weiteten ihre Netto-Long-Positionen in der Woche zum 17. November auf gut 90.000 Kontrakte aus, nachdem sie diese in der Woche zuvor reduziert hatten. Entsprechend dürfte der Preisrückgang auf rund 1.850 Dollar letzten Mittwoch seiner Meinung nach auch durch spekulative Verkäufe begünstigt worden sein.

Mittel- und langfristig bergauf?

Bleibt es bei dem Szenario, welches wir letzte Woche schon erwähnten? Kurzfristig bleibt der Goldpreis trotz schwachem US-Dollar und dank der Corona-Impfstoff-Hoffnungen schwach? Aber mittel- und langfristig sieht man wieder Kurse über 1.900 Dollar und auch Richtung 2.000 Dollar? Das ist die Frage. Denn im großen Bild, da ist die Meinung der Notenbanker ja relativ eindeutig, wie man die letzten Tage und Wochen auch bei der EZB heraushören konnte. Die Geldpolitik (Anleihekäufe und Zinsen) wird noch sehr lange Zeit extrem locker bleiben, um die wirtschaftliche Erholung der Volkswirtschaften zu unterstützen. Also weiterhin Optimismus im größeren Bild für einen steigenden Goldpreis? Dieses Szenario bleibt vorhanden.

Chart zeigt Goldpreis-Verlauf in den letzten 30 Tagen

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