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Boeing-Aktie: „The Big Short“?

Claudio Kummerfeld

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am

Symbolbild für Boeing Flugzeug im Landeanflug

Sie kennen den Film „The Big Short“ nicht? Wir machen hier sicher keine Werbung dafür bestimmte DVDs zu kaufen, aber er ist einer der zwei sehr guten Filme über die Finanzkrise 2008. Warum das Thema Finanzkrise in Sachen Film und Fernsehen fast gar nicht vorkommt, ist sowieso eine gute Frage. Dieser Film thematisiert die Wette mehrerer querdenkender Hedgefondsmanager auf einen Kollaps am US-Immobilienmarkt für das Jahr 2007. Damit lagen sie goldrichtig und verdienten Milliarden. Auch wenn die exakte Parallele natürlich nicht vorhanden ist, so ist der Filmtitel „The Big Short“ ideal geeignet für die Frage: Ist die Boeing-Aktie ein Kandidat auf eine große Short-Wette? Denn man könnte glatt denken, dass die Börsianer das, was da gerade bei Boeing geschieht, immer noch viel zu optimistisch einschätzen.

Probleme für Boeing ohne Ende?

Ich formuliere die Sache mit der möglichen Short-Wette bewusst als Frage, denn letztlich muss das jeder Anleger mit sich selbst ausmachen. Wir haben schließlich genau so wenig eine Glaskugel wie Sie zuhause. Und auch die „cleversten“ Experten an der Wall Street wissen letztlich nicht, wie sich die Boeing-Aktie entwickeln wird. Aber als Szenario ist es interessant, sich mal darüber Gedanken zu machen, ob Boeing so richtig heftig abstürzen könnte. Der Grund ist natürlich das Debakel um den ehemaligen Verkaufsschlager Nummer 1 von Boeing, die 737 Max-Reihe. Nach zwei Abstürzen mit vielen Toten ist nicht nur die Flugerlaubnis entzogen. Auch die Produktion wurde vor einem Monat eingestellt, weil mehr als 400 produzierte Flugzeuge dank Flugverbot nicht ausgeliefert werden konnten. Die Halde vor dem Hauptwerk in Everett nördlich von Seattle ist gigantisch, und nimmt sogar die Autoparkplätze der Mitarbeiter in Anspruch.

Man darf nicht vergessen: Boeing wird womöglich nicht so einfach den Bach runtergehen, wie man es auf den ersten Blick vermuten könnte. Denn neben Lockheed Martin ist Boeing mit der größte Rüstungskonzern in den USA. Und die Militärsparte kann für einige Zeit sicherlich die Zivilflugzeug-Sparte von Boeing mit durchfüttern. Aber wie lange? Hannes Zipfel hatte sich gestern ausführlich mit den derzeitigen Problemen rund um die 737 Max beschäftigt. Lesen Sie seinen sehr informativen Artikel beim Klick an dieser Stelle. Kurz gesagt: Die Pannen enden nicht, es treten immer neue Probleme auf. Wie soll Boeing da in Kürze eine neue Flugerlaubnis erhalten? Erst vorgestern sprach Boeing offiziell davon, dass man aufgrund von Gesprächen mit Aufsichtsbehörden davon ausgehe, dass die 737 Max wohl ab Mitte 2020 wieder fliegen dürfe. Aktuell erwähnt man laut Berichten, dass kurz vorher (also Frühjahr?) auch die Produktion wieder starten könnte.

Auf deutlich fallende Kurse wetten?

Am 29. Januar wird Boeing seine Quartalszahlen melden. Bei den letzten Zahlen vor drei Monaten (für das 3. Quartal 2019) meldete Boeing einen Umsatzrückgang von 25 Milliarden Dollar im Vorjahr auf nur noch 20 Milliarden Dollar – dank des 737 Max-Debakels. Der Gewinn sank von 3,58 auf 1,45 Dollar. Und was wird nächste Woche passieren? Werden die Daten die Erwartungen der Analysten erneut unterbieten, wie schon vor drei Monaten? Und wird die 737 Max wirklich ab Sommer wieder fliegen dürfen? Wer solche Punkte negativ einschätzt, könnte zum Schluss kommen, dass Boeing vor einer größeren Krise steht, und dass es lohnenswert sein könnte auf einen größeren Absturz in der Aktie zu setzen. Wie gesagt, das ist nur ein Szenario, und es muss nicht so kommen!

Im folgenden Chart sieht man seit 2016 die Boeing-Aktie in rot-grün gegen den Dow 30 in blau. Obwohl die Abstürze schon gut ein Jahr zurückliegen, hat sich die Aktie erst ab Oktober 2019 von der Gesamtmarktentwicklung abgekoppelt, auf jetzt 309 Dollar vom Hoch bei 446 Dollar im Februar 2019. Ist noch viel mehr Abwärtspotenzial vorhanden, The Big Short sozusagen? 2014 stand die Aktie noch bei 132 Dollar. Ab 2017 legte sie ihren furiosen Anstieg hin. Ist daher jetzt noch großes Abwärtspotenzial vorhanden, wenn man den Chart und die aktuelle Lage des Unternehmens zusammen betrachtet? Entscheiden Sie selbst. Nächste Woche zu den Quartalszahlen gibt es eine weitere Antwort auf die Frage, wie sehr die 737-Krise bis Ende letzten Jahres auf die Finanzdaten des Unternehmens durchgeschlagen ist.

Boeing-Aktie vs Dow seit 2016

8 Kommentare

8 Comments

  1. Avatar

    sabine

    23. Januar 2020 16:46 at 16:46

    Ich glaub, daß die Fakten weniger wichtig sind, wie bei Tesla ja auch.

    Einerseits ist die Akte Tesla ganz anders, aber auch da sind Fakten absolut egal. Und das scheint mir bei Boeing auch zu kommen, denn sie ist too big für den DowJones, als das man sie fallen lassen dürfte. Das hätte ganz andere Ausmaße, einfach nur wegen der Dow-Gewichtung. Da wird man also Tweeten müssen, …

    • Avatar

      Claudia

      23. Januar 2020 21:08 at 21:08

      @Sabine, da wird wer tweeten müssen? … Doch hoffentlich nicht Ihr bisheriger Superheld, der Sie bisher so peinlich oft zum Schwitzen gebracht hat?

      • Avatar

        sabine

        24. Januar 2020 11:59 at 11:59

        Ich weiß ja nicht, was dieses dauernde Angequassel dauernd soll. Ich habs glaub ich schon gesagt, normalerweise kehr ich nicht zu meinen Kommentaren zurück, um irgendwelche Spottverse oder Gehässiges lesen zu dürfen. Nur wenn ich mal zufällig was suche.
        Da ich kein Ideologe bin, weder grün-, noch braun- oder rotsozialistisch, ist die Wahrheit überall. Das können sich Leute, die nur in schwarz-weiß denken können, gar nicht vorstellen. Wir leben alle unter dem gleichen Himmel, haben aber nicht den gleichen Horizont. (Adenauer)
        Schönen Tag noch. (Einen erneute Anrede können Sie sich sparen. Ich arbeite Vollzeit in der Industrie.)

  2. Avatar

    Hesterberg

    23. Januar 2020 17:31 at 17:31

    Apple kann man shorten, Boeing und Tesla muss man jetzt shorten, wenn man richtig Geld verdienen will. Wer jetzt nicht zugreift, ist selbst schuld. Aber für Angsthasen ist Shortgehen grundsätzlich nichts. Und für Leute, die nicht in Lage oder willens sind, auch mal ordentlich Margin nachzuschießen ist Shortgehen ebenfalls nichts. Wer short geht, muss auch cool bleiben können.

    • Avatar

      Michael

      23. Januar 2020 19:10 at 19:10

      @Hesterberg, Und für Leute, die nicht in Lage oder willens sind, auch mal ordentlich Margin nachzuschießen ist Shortgehen ebenfalls nichts. Das ist ja eine fast schon sensationelle fundamentale Erkenntnis, die allerdings grundsätzlich gilt, auch für Leute, die „Longgehen“ oder zwischenzeitlich „Fremdgehen“ ;)

      • Avatar

        Hesterberg

        23. Januar 2020 23:00 at 23:00

        @Michael
        Das ist nicht ganz richtig, denn Shortgehen ist viel gefährlicher als Longgehen. Longpositionen lassen sich viel beruhigter aussitzen und man kann mit ihnen auch nur maximal 100% seines Einsatzes verlieren. Bei einer ungehebelten Position, versteht sich. Noch gefährlicher kann allerdings Fremdgehen werden, wenn die Ehefrau Zugang zum Gewehrschrank hat.

  3. Avatar

    Beobachter

    23. Januar 2020 19:44 at 19:44

    @ Hesterberg, eigentlich kann man den ganzen aufgeblasenen Ami-Scheiss shorten.Ich bin erstaunt wie im so verhöhnten kommunistischen China die Aktienmärkte noch funktionieren.Da haben doch die wichtigen Indices die 07 er Hochs nie mehr erreicht u.liegen heute ca. 40% darunter.
    Also China hat die USA schon abgelöst als Weltmacht, das Amiland würde bei einer Börsenkorrektur von mehr als 25 % in Schutt u.Asche zerfallen.
    Die Chance, dass der nächste Aufwärtsschub in China/ Asien passiert ist sehr gross. Ein grosser Dickfisch-Boss hat das auch erwähnt.
    Meine Vermutung: China hilft beim Aufblasen der USMärkte, dann reicht ein Flügelschlag eines Schmetterlings um Donalds Meistetwerk wegzublasen.

  4. Avatar

    Beff Jezos

    24. Januar 2020 07:19 at 07:19

    @ Michael, Fremdgehen kann auch sehr teuer werden wenn man sehr reich ist, das Handy gehackt wird,
    u.die aufgedeckten Frauengeschichten zu einer Scheidung führen.
    Ich bin erstaunt wie die naiven Anwender an die Sicherheit der Systeme von E- Banking u.s.w. glauben.
    Wurden doch auch schon öfter Konten der sicheren Wunderwährung Bitcoin abgeräumt.

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Amerikaner kaufen in der Coronakrise Waffen, Deutsche dagegen Toilettenpapier – wie Analysen aus dem Frühjahr gezeigt haben. Kurz vor den US-Wahlen steigt die Unsicherheit in vielerlei Hinsicht – und die Aktienkurse von Waffenherstellern. Waffenkäufe in den USA sind in Zeiten der Coronakrise schon seit längerer Zeit feststellbar –  jetzt aber gesellen sich noch weitere Ursachen dazu. Die Steigerungen bei den Kursen der Waffenfirmen brauchen sich nicht einmal hinter den Tech-Werten zu verstecken. Und wieder einmal könnte ein Regierungswechsel einen Boom auslösen.

Das Recht des Amerikaners zum Waffenbesitz

Wie oft wurde in den USA schon über eine Verschärfung des Waffenrechts diskutiert, zumeist im Zusammenhang mit Amokläufen! Stets beruft sich die US-Waffenlobby in Gestalt der NRA – National Rifle Association of America, Nationale Schützen-Vereinigung – auf das verfassungsrechtlich garantierte Recht der Amerikaner zum Waffenbesitz.

Im 2. Zusatzartikel der Verfassung der Vereinigten Staaten, verabschiedet bereits am 15. Dezember 1791 hieß es:

„Da eine wohlgeordnete Miliz für die Sicherheit eines freien Staates notwendig ist, darf das Recht des Volkes, Waffen zu besitzen und zu tragen, nicht beeinträchtigt werden.“ Obwohl es immer wieder Versuche gibt dieses uralte „Grundrecht“ abzuändern, unterstützen insbesondere die Republikaner mit ihrem Präsidenten Donald Trump die Interessen der NRA. Da ein Regierungswechsel zu den Demokraten sehr wahrscheinlich geworden ist, haben die Aktien von Waffenherstellern einen weiteren Aufwind bekommen – man erwartet Hamsterkäufe im Falle eines Wahlsiegs von Joe Biden.

Die Hausse der Revolveraktien im Jahr der Coronakrise – oder Amerikaner kaufen Waffen, Deutsche Toilettenpapier

So lautete eine etwas scherzhaft gemeinte Feststellung zu Zeiten des Lockdowns im April. Betrachtet man sich aber die Entwicklung der Aktien von Pistolen-, Revolver-, und Gewehrherstellern in den letzten neun Monaten, so erkennt man, dass dies kein billiger Kalauer gewesen ist. Im Übrigen waren die Regale mit dem Toillettenutensil eine Zeitlang wirklich Mangelware in Deutschland.

Die Performance:

Konnte der große S&P 500 in diesem Jahr bisher um sieben Prozent zulegen, so ging es mit den Aktien der weltbekannten Waffenfirma Smith&Wesson um 135 Prozent nach oben, die weniger bekannte Firma Sturm Ruger aus Southport (Connecticut) bringt es immerhin auf 51 Prozent. Allein im Monat Oktober ging es bereits um 8 beziehungsweise 9,5 Prozent nach oben.

Waren es im Spätwinter Sorgen der Amerikaner vor Plünderungen infolge der Coronakrise, später die Angst vor Unruhen im Lande wegen des gewaltsamen Todes des Afroamerikaners George Floyd, so fürchtet man sich jetzt vor einem möglichen Chaos nach dem 3. November, sollte es keinen eindeutigen Sieger geben. Zusätzlich sorgen sich die Waffennarren vor härteren Regelungen, insbesondere von Schnellfeuerwaffen, die für die Demokraten ein echtes Übel darstellen. In Deutschland würde manche Waffengattung unter die Regelungen des Kriegswaffenkontrollgesetzes (KrWaffKontrG ) fallen. Die Chefs der Waffen-Firmen in den USA hingegen freuen sich über die Nachfrage, man komme mit den Auslieferungen kaum hinterher.

Absonderliche Entwicklungen unter den Reps und Dems

Die eindeutige Positionierung von Demokraten und Republikanern haben in der Vergangenheit zu seltsamen Entwicklungen der Aktienkurse von Waffenfirmen geführt. Unter den acht Jahren von Präsident Barrack Obama stiegen die Aktien von Sturm Ruger um etwa 900 Prozent, weil der Demokrat zwar immer für schärfere Waffengesetze eintrat, dieses im Kongress aber nicht durchsetzen konnte. Unter Donald Trump stieg die Aktie dieser Firma nur um mickrige 16 Prozent, weil sich die NRA der Unterstützung des Präsidenten sicher sein konnte. Jetzt könnte Joe Biden aufgrund der Coronakrise ins Weiße Haus zurückkehren, um die Ideen von Barack Obama in die Tat umzusetzen.

Wozu brauchen die Amerikaner so viele Waffen?

Diese Frage kommt einem sofort in den Sinn, wenn man sich die Statistiken über den Waffenbesitz in den USA betrachtet – eine „kleine“ Privatarmee. 43 Prozent aller Amerikaner leben in einem Haushalt mit mindestens einer Schusswaffe. Es gibt in den USA 300 Millionen Waffen, Pistolen und halbautomatische Sturmgewehre.

Fazit

Es ist für uns Europäer schon eine schauerliche Vorstellung: Dass es in fast jedem zweiten Haushalt Schusswaffen gibt, dass Millionen von Amerikanern selbst im Handschuhfach ihres Wagens eine Waffe mitführen. Gerade in der jetzigen Situation eines gespaltenen Landes, in dem sich bestimmte Gruppierungen im Lande unversöhnlich und fanatisch gegenüberstehen, bei einem Präsidenten, der vieles gewähren lässt, um es höflich auszudrücken. Dazu die Coronakrise mit ihren wirtschaftlichen Folgen: Gestiegene Waffenkäufe und gestiegene Aktienkurse bei Smith&Wesson und Co, ob das nicht der gefährlichste Teil der Aktienhausse in den USA ist?

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