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Boeing – Belastung für die gesamte US-Wirtschaft

Boeing belastet mit seinen Problemen nicht nur diverse Zulieferer und Fluggesellschaften, sondern als größter Exporteur auch die gesamte US-Konjunktur

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Boeing belastet mit seinen Problemen nicht nur diverse Zulieferer und Fluggesellschaften, sondern als größter Exporteur auch die gesamte US-Konjunktur.

Boeing zieht die Reißleine – und die US-Konjunktur mit nach unten

Mitte November zeigte sich das Management des nach Airbus aktuell zweitgrößten Flugzeugbauers der Welt noch optimistisch, dass der Krisenjet 737 Max ab Januar dieses Jahres in den USA wieder in Betrieb genommen und ausgeliefert werden könne. Ende Oktober ließ der ehemalige Boeing-CEO Dennis A. Muilenburg noch verkünden, dass die 737 Max bereits ab Ende Dezember 2019 wieder fliegen würde.

Anstatt jedoch mit der 737 Max, die das Brot- und Buttergeschäft des Konzerns darstellt, wieder durchzustarten, entließ der Vorstand des Unternehmens einen Tag vor Weihnachten den seit Juli 2015 als CEO fungierenden Muilenburg. Aus dem Verwaltungsrat trat der ehemaliger Boeing-Manager ebenfalls aus. Der neue Mann auf dem Chefsessel ist David L. Calhoun, der als ehemaliger Vorsitzender des Boeing-Aufsichtsrats das gesamte 737 Max-Desaster eigentlich mitzuverantworten hat.

Wie üblich bei Führungswechseln in der Chefetage wird nun erst einmal der ganze Dreck hinausgekehrt. Dazu gehört auch die Weitergabe interner Dokumente über die skandalöse Kommunikation an die US-Flugaufsichtsbehörde FAA sowie den Sonderuntersuchungsausschuss des US-Kongress.

In den jüngst publizierten Dokumenten, die einen Zeitraum von 2013 bis 2019 umfassen, diskutierten die Mitarbeiter verschiedene Aspekte der Entwicklung und Produktion: „Würdest du deine Familie in ein Flugzeug mit einem von einem Max-Simulator ausgebildeten Piloten setzen? Das würde ich nicht.“, schrieb ein Mitarbeiter in einer Meldung vom Februar 2018 an einen anderen. Der zweite Mitarbeiter stimmt zu. In einer anderen Mail heißt es: „Dieses Flugzeug wurde konstruiert von Clowns, die von Affen beaufsichtigt wurden“. Besonders peinlich für die FAA, die Teile des Zulassungsprozesses an den Flugzeughersteller ausgelagert hatte, ist die Einschätzung eines Boeing-Mitarbeiters, dass es sich bei der 737 MAX um eine „solche Show“ handelt und dass er schockiert wäre, wenn die FAA das Flugzeug für den Luftverkehr zulassen würde.

Die FAA hat mittlerweile klargestellt, dass die 737 Max-Maschinen noch für unbestimmte Zeit am Boden bleiben müssen. Boeing hat bereits am 16. Dezember angekündigt, die Produktion der 737 Max im Januar dieses Jahres einzustellen, da bereits 400 Flugzeuge auf Halde stehen. Bis die FAA die Flugsicherheit erneut bestätigt, kann Boeing diese Maschinen nicht ausliefern. Das Unternehmen hatte noch bis Mitte Dezember 42 Stück pro Monat gebaut.

Enormer wirtschaftlicher Schaden

Der Schaden, den das „Grounding“ der Top-Sellers von Boeing verursacht, geht weit über den Konzern hinaus. Besonders Airlines leiden unter der massiven Verzögerung der dringend benötigten Maschinen. Allen voran ist Southwest Airlines als größter 737 Max Kunde betroffen. Das Unternehmen hat insgesamt 280 Maschinen der Baureihe bestellt und erst 31 Stück geliefert bekommen. Die Fluggesellschaften müssen nun ihre Flugpläne anpassen, geplante Expansionen und der Austausch von weniger effizienten Modellen müssen verschoben werden. Flüge fallen aus und Reisende müssen Verspätungen in Kauf nehmen.

Durch den Stillstand der Produktion sind nun aber auch Zulieferbetriebe wie GE Aviation betroffen, einem Tochterunternehmen von General Electric, die die Triebwerke für das zweistrahlige Schmalrumpfflugzeug bauen.

Die komplette Einstellung der Produktion der 737 Max ist eine schlechte Nachricht für die gesamte US-Wirtschaft. Da Boeing einer der größten Industriekonzerne der USA sowie der größte Exporteur des Landes ist, könnte die Aussetzung des meistverkauften Boeing-Produkts das US-BIP-Wachstum im ersten Halbjahr 2020 spürbar belasten.

Ein Produktionsstillstand, der über das gesamte erste Quartal 2020 andauert, könnte das Bruttoinlandsprodukt der Vereinigten Staaten um einen halben Prozentpunkt nach unten drücken.

Die Ökonomen von J.P. Morgan erwarten sogar eine gesamtwirtschaftliche Belastung von 0,6 Prozent oder ca. 35 Mrd. US-Dollar.

Die Analysten der Bank of America hat die Nachricht von der Produktionsstilllegung der 737 Max dazu veranlasst, ihre ohnehin schon schwache Wachstumsprognose für das erste Quartal dieses Jahres von 1,7 Prozent auf eine annualisierte Rate von 1,2 Prozent abzusenken.

Es wird erwartet, dass die Probleme bei Boeing besonders den US-Fertigungssektor, der sich in den letzten Monaten ohnehin schwach zeigte und im Dezember auf den tiefsten Stand seit Juni 2009 fiel, weiter belasten wird. Der Vorsitzende von FedEx, Fred Smith, hat im Rahmen der jüngsten Gewinnwarnung des Logistikkonzerns den 737 Max-Produktionsstopp als Probleme für eine in Schwierigkeiten geratene US-Industrie bezeichnet.

Bisher hielt sich der Schaden bei Boeing noch in Grenzen

Die Maschinen der Baureihe dürfen zwar schon seit März letzten Jahres nicht mehr fliegen, wurden aber noch weiter gebaut. Daher musste Boeing keine Mitarbeiter freisetzen, ebenso wenig wie die Zulieferbetriebe. Doch das könnte sich nun v. a. bei kleineren und mittleren Zulieferern und Dienstleistern ohne größere Kapitalpuffer schnell ändern.

Die seit dem Flugverbot der Krisenmaschine gebauten 400 Stück stellen hingegen größtenteils totes Kapital dar, da bis auf eine Anzahlung der überwiegende Teil des Flugzeugs erst bei der Auslieferung bezahlt wird. Dieses Geld wird vorerst nicht als Umsatz verbucht werden können. Da eine positive Veränderung der Lagerbestände das BIP-Wachstum statistisch hebt, hielt sich der gesamtwirtschaftliche Negativeffekt im vergangenen Jahr noch in Grenzen. Bis auf Weiteres wird Boeing aber seine Lagerbestände an 737 nicht weiter aufstocken, was das BIP-Wachstum ebenfalls belastet. Negativ wirkt sich der Produktionsstopp auch auf die Auftragseingänge aus. Bereits im vergangenen Jahr war das Ordervolumen in der zivilen Luftfahrtsparte bei Boeing negativ, da es mehr Stornierungen als Neubestellungen gab.

Fazit und Ausblick

Die Probleme bei Boeing scheinen momentan immer größer zu werden und sich zu einer veritablen Branchenkrise auszuweiten, bei der ganze Lieferketten Schaden nehmen könnten. Die jüngsten Enthüllungen zum 737 Max-Skandal sind jedenfalls erschreckend und werfen ein schlechtes Licht auf den bisherigen Branchenführer. Die Konsequenzen daraus reichen von einer Verzögerung bei der Wiederzulassung durch die Zulassungsbehörden weltweit bis hin zu einem endgültigen Flugverbot der 737 Max-Reihe.

Wenn Boeing die Produktion nach dem ersten Quartal 2020 wieder aufnimmt, könnte es hingegen gesamtwirtschaftlich betrachtet bei einem temporären Negativeffekt bleiben, vorausgesetzt, das Flugzeug darf wieder starten.

Der Produktionsstopp der 737 Max von Boeing schadet der US-Wirtschaft immens

Größte Werkhalle von Boeing nahe Seattle. Foto: Maurice King – Boeing Widebody assembly plant CC BY 2.0

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    leftutti

    13. Januar 2020 20:17 at 20:17

    Da eine positive Veränderung der Lagerbestände das BIP-Wachstum statistisch hebt, hielt sich der gesamtwirtschaftliche Negativeffekt im vergangenen Jahr noch in Grenzen.

    Baue Schrott, lege diesen auf Halde, und die Statistken florieren. America great again!

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Leerverkäufe – Das Debakel um Tesla, Beyond Meat und Wirecard

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Leerverkäufe sind eine wichtige Funktion an den Finanzmärkten: sie bilden eine Art Korrektiv für Überbewertungen. Aber sie können eben auch sehr gefährlich werden für die Leerverkäufer selbst!

Aus der Santa Claus Rally wurde eine Januar-Rally, die Kurse stiegen auf breiter Front. Seit sieben Wochen geht es nahezu ohne Korrektur bergauf, ungewöhnlich schon der 11 Prozent-Anstieg des riesigen S&P 500 in drei Monaten –  und dies nicht etwa nach einer Phase eines Einbruchs, sondern nach einer langen Haussephase.

Aber es gibt Aktien, die alles andere in den Schatten stellen: In den USA sind dies die sehr medienträchtigen Firmen Tesla und Beyond Meat, die beide für einen Umbruch in ihrem wirtschaftlichen Umfeld stehen. Anstiege völlig losgelöst von den fundamentalen Daten – Hintergrund waren Leerverkäufe und eine dann folgende gewaltige Eindeckungsrally von Leerverkäufern, die bereits seit längerer Zeit auf einen Einbruch der Hoffnungsträger setzen. Hier ein paar Daten der Analysefirma S3 Partners für die letzten Jahre, die die große Spekulation im Bereich Shortselling insbesondere gegen Tesla beleuchten.

Leerverkäufe: Tesla seit Langem die Aktie für Shortseller

Bereits seit Jahren misstraut man an der Wall Street den Versprechungen des Visionärs Elon Musk, der nicht nur ein Elektrofahrzeugunternehmen kreiert hat, sondern einem Technologiekonzern vorsteht. Dennoch hatte er in der Vergangenheit Quartal für Quartal mit seinen Produktionsvorhersagen enttäuscht – und damit mehr und mehr Shortseller angelockt. 2014 waren in der Spitze 40 Prozent der frei verfügbaren Aktien leerverkauft, im Jahr 2016 in etwa 35 Prozent im Maximum und im Mai 2019 um die 33 Prozent. Das waren Leerverkäufe von fast 44 Millionen geliehenen Aktien im Wert von über 8,1 Milliarden Dollar – bei einem Kurs von 185 Dollar.

Von da an startete das Unheil für die Leerverkäufer, welches sich ab 2019 Oktober dramatisch entwickelte. Die Aktie stieg von gut 200 auf 547 Dollar, ausgelöst durch die Shorties, die sich zu immer höheren Kursen in Pain Trades ihre Leerverkäufe eindecken mussten. Was aber auch dazu führte, dass neue Leerverkäufer auf den Plan traten, weil man diesen Kursanstieg für völlig unsinnig erachtete und als Gelegenheit empfand, richtig Geld zu verdienen. Derzeit sind immerhin noch 26 Millionen Aktien leerverkauft und damit 18,5 Prozent der Aktien – die irgendwann auch noch zurückgekauft werden müssen. Nach Angabe von S3 Partners sind für die Leerverkäufer in den letzten sieben Monaten mehr als 8,4 Milliarden Dollar Verluste aufgelaufen und innerhalb eines Jahrzehnts mehr als 10 Milliarden Dollar. Diese Wette dürfte für die Hedgefonds die schmerzhafteste des vergangenen Jahrzehnts gewesen sein.

Gab es dafür Gründe?

Es sind nicht zu sehr fundamentale Gründe, also überbordende Geschäftsaussichten, die so eine Aktienrally verursachen, es ist eher eine Mischung aus Überinvestition in Richtung Leerverkäufe mit einer vielleicht auch nur moderaten Fehleinschätzung der unternehmerischen Lage. Da wird man zwangsläufig an die VW-Aktie erinnert, bei der eine Verknappung des Angebots bei dem gescheiterten Versuch der Übernahme durch Porsche den Aktienkurs durch eine Shortsqueeze innerhalb von 48 Stunden von 200 auf 1000 Euro emporschnellen ließ. Volkswagen war kurzfristig das teuerste Unternehmen der Welt, ohne dass sich an den Geschäftsaussichten irgend etwas geändert hätte.

Bei Tesla, dessen Zukunft gewiss noch nicht entschieden ist, hat man anscheinend darauf gewettet, dass die etablierten Hersteller (VW, BMW, Daimler, Toyota) mit ihrer Elektro-Offensive Tesla rasch den Garaus machen würden. Aber bei den neuen Fahrzeugen geht es anscheinend auch sehr viel um Software – und da hat Tesla noch einen großen Vorteil.

Selbst VW-Chef Diess hat in einem bemerkenswerten Interview davon gesprochen, dass das Auto künftig auch eine andere Funktionen wahrnehmen wird, mit einer erheblich gesteigerten Bedeutung von Software und Internet. Und hat VW nicht wegen Softwareproblemen die Markteinführung des Modells ID.3 bis in den Sommer verschoben?

Mit der Shortquote bei Tesla lag eigentlich stets eine Mammuteindeckung in der Luft, wie ein Analyst des Informationsdienstes Benzinga aus den USA es formuliert hat: „Short Squeezes don’t need a fundamental rationale; they just need a catalyst.“ Oder es braucht nur einen banalen Anlasses zur rechten Zeit, so wie der berühmte Schmetterlingsschlag vor einem Gewitter.

Aus fundamentaler Sicht ist die Bewertung des Unternehmens dennoch auf absurdem Terrain: Das Unternehmen ist mit seiner Marktkapitalisierung von über 90 Milliarden Dollar nicht nur doppelt so hoch bewertet wie GM oder Ford, sondern auch anhand seiner Fahrzeugzahlen: Diese Bewertung liegt pro Fahrzeug nach letzten Zahlen bei 261.000 Dollar pro verkauftem Auto, im Vergleich hierzu BMW und Daimler mit 21.612 und 24.522 Dollar pro Kfz, bei VW liegt dieser Wert sogar nur bei 12.680 Dollar. Und so besteht die Hoffnung vieler Shortseller weiter, doch noch ihre Leerverkäufe mit Gewinnen schließen zu können.

Beyond Meat

Ähnliche Überlegungen wie bei Tesla konnte man auch für die Notierungen bei dem Veggie-Burger-Hersteller Beyond Meat anstellen. Nach dem Börsengang schoss das Unternehmen von 25 Dollar auf über 240 Dollar und damit auf eine Marktkapitalisierung von 15 Milliarden Dollar. Nach Ablauf der Lockup-Periode für Altaktionäre fiel die Aktie nach und nach auf 74 Dollar und lockte die Hedgefonds an wie die Fliegen. Aber die Unternehmensergebnisse wurden besser, allein der Umsatz stieg von 88 Millionen Dollar (2018) auf 275 Millionen Dollar im letzten Jahr.

Hinzu kamen Meldungen über den Einstieg von Großkunden wie Mc Donalds. Dann erfolgte in der zweiten Woche des Jahres die berüchtigte Short Squeeze: Der Wert sprang innerhalb von fünf Tagen um 53 Prozent nach oben, ohne große Unternehmensnachrichten. Aber lag die Shortquote bei dem Unternehmen 2019 nicht bereits bei sagenhaften 50 Prozent aller ausstehenden Aktien? Jedenfalls hat die kurze Shortsqueeze nach Angaben von S3 Partners in den wenigen Tagen des Jahres den Shorties bereits 500 Millionen Dollar gekostet.

Leerverkäufe: Folgt jetzt der nächste Shortsqueeze bei Wirecard?

Ein ähnliches Spiel scheint sich jetzt bei unserem Dax-Konzern Wirecard abzuspielen. Wie bei den oben genannten US-Aktien gibt es auch im Dax-Konzern ein gewaltiges Short Interest bei diesem Wert. Über die Hintergründe wurde hier schon des Öfteren berichtet. Laut S3 Partners war die Quote der Leerverkäufe kürzlich noch bei fast 20 Prozent, bei einem festen Aktienbestand, der durch die großen Fonds und dem Gründer Braun selbst schon bei über 50 Prozent liegen sollte – ETFs und Kleinanleger noch gar nicht berücksichtigt.

Ist der große Sprung von Wirecard in den letzten 14 Börsentagen von 106 auf 131 Euro nicht schon ein kleines Zeichen für eine Eindeckungsrally? An fundamentalen Gründen kann es nicht gelegen haben, bis auf den Wechsel im Aufsichtsratvorsitz gab es keine News von der Unternehmensfront. Es gibt aber immer wieder Gerüchte darüber, dass das Prüfungsergebnis von KPMG deutlich vor dem Quartalsende kommen könnte. Was geschähe mit den Leerverkäufen, sollte es einen positive Berichtsmeldung geben, die vielleicht auch noch außerhalb der Handelszeiten bekanntgegeben würde?

Fazit

Gerade in einer Phase der Euphorie, gepusht durch große Liquiditätszufuhr durch die Zentralbanken, erscheint derzeit ein aggressives Shortinvestment schon etwas wie der Ritt auf der Rasierklinge zu sein.

Hierzu noch die Empfehlung des oben zitierten Analysten für die nahe Zukunft:

„Longs, shorts and short-term traders should all be extremely cautious with both these stocks (Tesla and Beyond Meat) in the coming days.“ Zumal die Börsenregeln derzeit zum Teil etwas außer Kraft gesetzt zu sein scheinen..

Leerverkäufe und die dann folgenden Eindeckungen dieser Leerverkäufe bringen die Tesla-Aktie nach oben - Elon Musk freut das

By Steve Jurvetson from Menlo Park, USA – Elon Musk at TED 2017, CC BY 2.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=72830002

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Aktienmärkte: Fahnenstangen bei den Aktienkursen haben Substanz

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Immer weiter bergauf? Aktienmärkte steigen immer weiter an

Allzeithöchststände werden zum täglichen Ritual und Bewertungen spielen v. a. in den USA nur noch sekundär eine Rolle. Doch haben die Fahnenstangen der Aktienmärkte auch Substanz?

Die Attraktivität der Aktienmärkte hat sich stark gewandelt

Kaufte man klassischerweise an der Börse gehandelte Unternehmensanteile, um an einem erfolgreichen Geschäftsmodell zu partizipieren, regelmäßige Ausschüttungen zu erhalten oder die blühende Zukunft einer Aktiengesellschaft zu antizipieren, so haben sich die Gründe für den Erwerb von Dividendentiteln zuletzt stark gewandelt. Die klassischen Kaufmotive mögen heute auch noch eine Rolle spielen, werden aber in der Kursentwicklung durch andere Faktoren enorm verstärkt oder völlig verzerrt. Als Beispiel soll hier nur das starke Aufwärtsmomentum erwähnt sein, das ständig neues, nach schnellen Gewinnen trachtendes Kapital anzieht (die Hausse nährt die Hausse).

Doch es gibt darüber hinaus noch andere Impulse für die ungewöhnlich konstant steigenden Aktienmärkte, die man nicht per se als irrational oder nicht nachhaltig bezeichnen kann. Insofern ist die Fragestellung, ob die Fahnenstangen bei immer mehr Aktienkursen mit Substanz gestützt sind, durchaus berechtigt. Die Formulierung aus der Überschrift geht übrigens auf einen aufmerksamen Leser der FMW zurück und war die Inspiration für diesen Artikel. Vielen Dank dafür!

Der Zwang zur Nachahmung

In einem Artikel von Anfang Dezember hatte ich bereits auf den stattfindenden Impulswechsel für steigende Aktienmärkte hingewiesen. Dieser Wechsel vollzieht sich hin zur reinen zins- und liquiditätsgetriebenen Hausse, bei denen fundamentale Entwicklungen nur noch als Alibi-Investmentstory dienen, aber für die Bewertungen vieler Aktiengesellschaften sekundär sind. So ist es mittlerweile Usus, dass Unternehmen mit der hippsten Story und dem dynamischsten Momentum deutlich besser performen, als solide Unternehmen mit positivem Cashflow und moderaten Bewertungen.

Wobei die überteuerten Highflyer ganze Indizes nach oben ziehen und diese durch ihr zunehmendes Gewicht dominieren. Dies zwingt wiederum indexbasierte Anlageprodukte oder Benchmark orientierte Fonds dazu, ebenfalls diese Highflyer in ihren Portfolios überzugewichten. Andernfalls wird man als Fondsmanager schnell aussortiert, zumal der Siegeszug der passiven Indexfonds auch in dieser Branche zu einem Personalkahlschlag historischen Ausmaßes führt. Im Zuge der Trumpschen Steuerreform kam der Markt bekanntermaßen auch in den Genuss von Zusatznachfrage in Form von „Buybacks“ aus den Aktiengesellschaften selbst. Ein Effekt, der sich basiseffektbedingt sukzessive abschwächt. Nach ca. 1,3 Billionen US-Dollar im letzten Jahr soll es laut Schätzungen in diesem Jahr nur noch ca. 500 Mrd. US-Dollar Aktienrückkaufvolumina geben, also über 50 Prozent weniger.

Neuer Raketentreibstoff für die Börse

Dennoch verbirgt sich hinter den fahnenstangenartig ansteigenden Kursen eine gewisse Substanz. Diese Substanz speist sich ausschließlich aus der Geldpolitik der Notenbanken. Historisch niedrige Zinsen und eine Geldschwemme, die sich gemäß dem Cantillon-Effekt zu aller erst über die Banken und die Finanzmärkte ergießt, treibt die Vermögenspreise nach oben. Die Gründe für diese äußerst akkommodierende Geldpolitik sind so nachhaltig, dass sie eine echte Substanz darstellen. Welchen Zwängen die Zentral- und Notenbanken unterliegen und wie sich der Cantillon-Effekt nachhaltig auf die Vermögenspreise auswirkt, erläutere ich in diesem Video. Dort erfahren Sie auch, wie sich mit relativ wenig Aufwand und zu geringen Kosten ein auf diese außergewöhnliche Situation ausgerichtetes Wertpapierportfolio strukturieren lässt.

Der Zwang in die Aktienmärkte zu investieren

Die Abkürzung „TINA“ (There Is No Alternative) ist in Bezug auf die Aktienmärkte natürlich übertrieben, da es auch andere Vermögenswerte gibt, die von dem Raketentreibstoff der Notenbanken beflügelt werden. Gleichwohl gibt es aus Sicht professioneller Investoren und Geldverwalter einen enormen Rendite- und Anlagedruck. Aktien sind am leichtesten für Vermögensverwalter zugänglich, sie sind zudem hochfungibel und bieten im Idealfall zusätzlich laufende Erträge. Die Renditen vieler Aktien, zum Beispiel in Deutschland, erfüllen zudem nach wie vor die Anforderungen der Kapitaleigner. Durch die Ballung des Vermögens in relativ wenigen Händen generieren die Kapitaleigner permanent laufende Erträge aus Vermietung, Verpachtung, Dividenden, Sonderausschüttungen, Zinsen und Tilgungen. Dieses Geld muss neu angelegt werden und konkurriert mit der Zusatzliquidität aus den Notenbanken. Die Anforderungen für die Geldverwalter sind dabei hoch. Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass man unter 5 Prozent Bruttorendite p. a. bezogen auf die Gesamtkapitalverzinsung keine Chance am Markt hat – trotz Nullzinsumfeld.

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Dow Richtung 30.000, Banken-Vergleich, Handelsdeal, Tesla und Wirecard

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Dow visiert 30.000 Punkte an, US-Banken verdienen gut - New York im Fokus

Die Indizes laufen super. Der Dow Jones läuft dieser Tage mit voller Kraft Richtung 30.000 Punkte. Über die aktuelle Lage am Markt sprechen im folgenden Video Sissi Hajtmanek und Manuel Koch in Frankfurt. Sie blicken zurück auf die aktuelle Handelswoche, wo vor allem die hochprofitablen US-Banken im Mittelpunkt standen. Die größten Banken in den USA (JP Morgan, Citi etc) meldeten ihre Zahlen. Vor allem der Branchenprimus JP Morgan konnte die Erwartungen deutlich übertreffen. Die Banken in den USA machen gigantische Gewinne. Sissi Hajtmanek und Manuel setzen die US-Banken in Relation zu der Ertragslage bei deutschen Banken.

Und da wird es interessant. Während die US-Banken (so unsere Anmerkung) ein großes Kapitalmarktgeschäft haben und somit unabhängiger von Zinsmargen sind, so haben sie zusätzlich noch ein existierendes Zinsumfeld dank der Fed, die die Zinsen in den USA in den Jahren nach der Finanzkrise wieder angehoben hatte, anders als die EZB. Die Banken vor allem in Deutschland hängen traditionell fast komplett von ihren Zinserträgen ab. Die EZB hat diese Ertragsquelle aber quasi vernichtet. Und so dümpeln die deutschen Banken vor sich hin, mit lächerlich niedrigen Erträgen in Relation zu den Konkurrenten in den USA.

Auch war diese Woche der Handelsdeal zwischen China und den USA ein wichtiges Thema. Sissi Hajtmanek erwähnt die Aufforderung von Donald Trump, dass die amerikanischen Landwirte schon mal mehr Traktoren kaufen sollten, weil die Chinesen so viele zusätzliche landwirtschaftliche Produkte aus den USA kaufen würden. Eine mehr als zweifelhafte Aufforderung, da der unterschriebene Phase 1-Deal ja nur ein erster Schritt zur Einigung im Handelskrieg ist. Und jederzeit kann dieses fragile Gebilde wieder zusammenbrechen.

Besprochen werden im folgenden Video auch zwei konkrete Handelsempfehlungen der trading-house Börsenakademie. Die Aktie von Tesla (derzeit über 500 Dollar) solle man zwar kaufen, aber erst mit einem Limit von 377 Dollar. Sie müsste also erstmal kräftig fallen, bevor sie entsprechend dieser Empfehlung wieder ein Kauf wäre. Auch die Aktie von Wirecard könne man kaufen, aber über dem aktuellen Kurs, nämlich mit einer Stop-Buy-Order bei 132 Euro. Und abschließend nochmal die Frage unsererseits: Läuft der Dow wirklich weiter mit voller Kraft auf die 30.000 Punkte-Marke zu? Noch fehlen dazu 635 Punkte. Aber das ist heutzutage ja kein großer Abstand mehr.

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