Indizes

Börse: Aufwärtsgerichtet, aber apathisch – wie lange noch?

Was könnte die Phase des ständigen Hochschleichens der Kurse an der Börse beenden?

Die Börse ist derzeit apathisch

Heute geht das erste Halbjahr an der Börse zu Ende – und betrachtet man sich die Performance der Indizes, so könnte man von einer extrem langweiligen Periode sprechen. Keine einzige echte Korrektur in den Märkten und fast eine identische Gewinnentwicklung vor dem Monatsende und Quartalsende – auf den ersten Blick.

Börse: Rotation zwischen Value und Growth – und eine seltsame Zinsentwicklung

So gleichförmig wie die Performance von Dow, S&P 500, Nasdaq und Dax derzeit aussieht, die für alle Indizes im Bereich von plus 13 bis plus 15 Prozent liegt, ist die Jahreshälfte beileibe nicht abgelaufen. Denn in den letzten sechs Monaten konnten wir einige Wellen erleben und die mehrfache Rotation von der Rotation. Schuld daran hatten im Großen und Ganzen die Entwicklung der Kapitalmarktzinsen, der Anstieg der Inflation, das Anspringen der Konjunktur aufgrund der Impffortschritte, alles nicht gleichmäßig, sondern in einem Auf und Ab, was im Endeffekt einen kontinuierlichen Aufwärtstrend aller Indizes an der Börse zur Folge hatte.

Es begann zu Jahresbeginn mit einer Rate bei den 10-jährigen US-Staatsanleihen mit 0,92 Prozent, die sich Woche für Woche nach oben schraubte, infolge steigender Inflationserwartungen und einem Reopening der US-Wirtschaft. Bis in den März hinein und einer Rendite von 1,77 Prozent bei der Benchmark. Value haussierte, der Dow performte die zinssensitiven Titel des Nasdaq aus und der S&P 500 kletterte, weil er mit beiden Kategorien besetzt ist. Ende März begann sich diese Gemengelage umzudrehen und der technologielastige Nasdaq, der bereits acht Prozent abgegeben hatte, fing sich an zu erholen, weil die Zinsen leicht, aber kontinuierlich zu fallen begannen. Bis auf 1,43 Prozent vor Kurzem und dies obwohl die Inflationsraten bei Verbraucher- und Produzentenpreisen bis auf 5,0 beziehungsweise 6,6 Prozent gestiegen waren.

Die Börse glaubte den Beteuerungen der US-Notenbank einer nur vorübergehenden Inflation und erfreuten sich weiter an den Beschwichtigungen von Fed-Chef Powell hinsichtlich einer nicht sofort fälligen Rückführung der Anleihekäufe (Tapering).

Alles in kleinen Schwingungen: stiegen die Zinsen kam ein kleines Comeback der Value-Titel, fielen diese, floss Kapital in Tech und Nebenwerte.

Ein rollierendes Verfahren, welches die Indizes abwechselnd nach oben hievte.

Ein Hauptgrund, die negativen Realrenditen?

Sicherlich, denn die steigenden Inflationszahlen hatten bei sinkenden oder stagnierenden Kapitalmarktzinsen einen geradezu nötigenden Effekt für Kapitalanleger. Ein Konsumentenpreisindex (CPI) von 5,0 Prozent führt bei einer Rendite der 10-Jährigen US-Treasuries mit 1,5 Prozent zu einer absurd niedrigen Realrendite von minus 3,5 Prozent. Einem Wert, wie man ihn schon 40 Jahre nicht mehr gesehen hat.

Das Ergebnis war an der Börse eine ständige Rotation von der Rotation, immer in der Hoffnung ein paar Zusatzprozent an Performance zu erzielen. Was aber dazu führte, dass immer wieder Investoren schief lagen und der S&P 500 als gigantischer Weltindex keine einzige Korrektur seit Oktober 2020 mehr verbuchen musste. Dabei gab es jede Menge Schieflagen, Pain Trades, wie zum Beispiel die große Spekulation auf steigende Zinsen, die im Endeffekt zum Gegenteil geführt hat.

Das Halbjahr brachte an der Börse bisher unglaublich viele Tage mit minimalen Schwankungen, mit dünnsten Umsätzen, Vieles dem Umstand geschuldet, dass die Investoren in einem andauernden Prozess das Gute, sprich gute Unternehmensergebnisse, bereits eingepreist haben. Und auf der anderen Seite fehlt die Parkmöglichkeit für die Riesenbeträge beim Ausstieg und große Inflationsraten bei Minuszinsen bedeuten bei einem Umstieg in den Geldmarkt sofort Kaufkraftverlust.

Fazit

Was könnte die Phase des ständigen Hochschleichens der Kurse an der Börse beenden? Zunächst einmal hoffen die Optimisten auf Zufluss von weiterem Kapital zu Monatsbeginn bei gleichzeitig weiteren Anleihekäufen der Notenbanken und damit auf einen weiteren Schluck aus der Pulle. Anfang Juli beginnt für gewöhnlich noch einmal eine sehr gewinnträchtige Periode – nur habe ich dies bereits derart oft auf verschiedensten Kanälen vernommen, dass man fast vermuten kann, dass ein reflexiver Markt davon schon wieder viel vorweggenommen hat.

Dies ist nur in einem kleineren Umfang bei der bald beginnenden Berichtssaison zu Q2 der Unternehmen möglich, die hierdurch ein gewisses Unsicherheitselement beinhaltet. Ein Lockdown wie im Vorjahr muss gigantische Folgedaten bewirken, schließlich gab es einen solchen staatlich verordneten Stillstand von Wirtschafts- und Gesellschaftsleben noch nicht in Friedenszeiten. Die Analysten überschlagen sich mit ihrer Anhebung der Gewinnaussichten für das zweite Quartal, die letzte Revision, die ich an der Wall Street für die akkumulierten Gewinne gesehen habe, lag bei 63 Prozent, gegenüber der Vorjahresperiode.

Eine sportliche Zahl – und das bei kräftig gestiegenen Produktionskosten.

Inflationsdaten versus Unternehmensergebnisse, das kommende Thema an der Börse?



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