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Börse: Die Aktienmärkte in den Fängen von Neulingen

Die neue Generation der „Robinhooder“ spielt eine immer größere Rolle für die Börse: über gehebelte Optionen beinflussen sie den Gesamtmarkt immer stärker. Auf Dauer wird das aber nicht funktionieren

Wolfgang Müller

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Wenngleich sich die Masse der Aktien in den Depots von Kapitalsammelstellen, Staatsfonds, Investmentfonds und weiterer Langfristinvestoren befinden, spielt sie doch eine immer größere Rolle für die Börse: Die neue Generation der „Robinhooder“, die in bestimmten Marktphasen sogar den großen Hedgefonds eine lange Nase gezeigt hat. Mittlerweile haben die Neuen eine derartige Größe angenommen, dass sie (gehebelt) den Gesamtmarkt beeinflussen. Mit immer größerem Risiko.

Börse: RobinHood, das Symbol für eine neue Generation

Wieder so ein Börsen-Märchen in den USA: Die Trading-App RobinHood, im Jahre 2013 gegründet, bietet eine Plattform an, um nahezu kostenlos Aktien, ETFs, Optionen und sogar Krypto-Währungen zu handeln. Mit immer größerem Kundenkreis. Jetzt strebt man sogar einen Börsengang für 2021 an, der von Goldman Sachs begleitet werden soll. Bereits jetzt kalkuliert man mit einem Börsenwert von über 20 Milliarden Dollar.

Die Geschäftsidee:

Man wollte einen Markt für Mikroinvestoren schaffen, in dem nicht fünf bis zehn Dollar pro Trade gezahlt werden müssen und auch keine Mindestdepotsumme von 500 Dollar, wie früher üblich. Man verlangt keine Gebühren für einen Trade, erzielt die Einnahmen durch die Weitergabe der Kleinaufträge an eine größere Einheit, die in der Lage ist Tausende Aufträge zu bündeln, um bessere Konditionen zu erhalten. Dafür enthält RobinHood eine Zahlung – das Verfahren ist nicht ganz ununmstritten, da dies etwas gegen die Interessen der Wall Street verstößt, mit dem Vorwurf nicht den besten Preis zu erzielen. Dafür musste das Unternehmen auch schon einmal eine Strafe bezahlen (2019 – 1,25 Millionen Dollar). RobinHood erwirtschaftet anscheinend nur einen Cent pro Trade, aber bei 13 Millionen Kunden ergeben sich Skaleneffekte. Außerdem verdient man an Sparkonten, Krypto-Handel u.w.

Die Entwicklung des Unternehmens:

Schon vor dem Start der App hatten sich im Jahr 2015 – 700.000 Kundenanträge angehäuft Im Jahr 2016 überschritt man die erste Million, 2018 sechs Millionen und im Coronajahr ist man schon bei 13 Millionen Kunden angelangt. Das Durchschnittsalter betrug zu Beginn 26 Jahre und ist aktuell mit 31 Jahren immer noch ein Zeichen dafür, dass der Finanzdienstleister Zielgruppe für viele Neueinsteiger an der Börse ist.

Auch die Umsatzentwicklung ist rasant: Von 2,9 Millionen Dollar (2015), 9,3 Millionen (2016), 69 Millionen (2018) hat man allein schon im zweiten Quartal 2020 180 Millionen Dollar erreicht. Umsatz, denn die Transaktionen liegen schon länger im Milliardenbereich.

Hier noch der Vergleich Robinhood – Assets unter Verwaltung:

Robin Hood: 20 Milliarden Dollar

E-Trade: 600 Milliarden Dollar

TD Ameritrade: 1,3 Billionen Dollar

Charles Schwab: 3,8 Billionen Dollar

 

Interessant auch der Vergleich der durchschnittlichen Depotgröße:

Robin Hood: 1.000 bis 5.000 Dollar

E-Trade: 100.000 Dollar

TD Ameritrade: 110.000 Dollar

Charles Schwab: 240.000 Dollar

Warum soll mit so kleinen Depotgrößen die Börse bewegt werden können? Weil man sehr viele Trades pro Tag absetzt, häufig durch Optionen stark gehebelt handelt – und viele andere auf den Zug aufspringen.

Die Konkurrenz in den USA

Der Erfolg von RobinHood führte dazu, dass die wesentlich größere Konkurrenz nachzog. CharlesSchwab, E-Trade und Ameritrade haben im Jahr 2019 ihre Gebühren radikal gesenkt, um mit dem Aufsteiger Schritt zu halten. Die Übernahme von TD Ameritrade durch Charles Schwab für 26 Milliarden US-Dollar und die Übernahme von E-Trade durch Morgan Stanley im Wert von 13 Milliarden US-Dollar gelten als Ergebnis einer durch Robinhood initiierten Entwicklung.

Weitere Folgen:

„Die Rückkehr dieser Investorengruppe hat den gesamten Charakter des Marktes verändert“, so die Meinung des Börsenmoderators Jim Cramer, (Mad Money bei CNBC). „Sie agieren anders als es Experten tun. Gleichwohl sollte man sie ernst nehmen.“ Denn sie waren ein wichtiger Grund dafür, dass die Börse nach dem Corona-Crash so drastisch gestiegen sind. Zum Beispiel Tesla oder auch Zoom – Aktien, die in Jahr diesem Jahr 500 bis fast 700 Prozent geklettert sind. Denn nur wenige Profiinvestoren haben wohl noch auf diesem Niveau noch zugegriffen, außer sie taten es mit Käufen in Indexfonds und weil man den Aufstieg Teslas in den S&P 500 einpflegen musste. Auch sind die Neuen für die derzeitige Anomalie im Optionshandel mitverantwortlich, für die exorbitant hohe Zahl an Calls, vor allem auf die Highflyer. Marketmaker müssen zur Absicherung die sehr teuren Titel auch immer wieder nachkaufen. Für die Börse gilt also: Die Hausse nährt die Hausse, diesmal in leicht anderer Form.

Für Options-Orders erhält Robinhood von den Marktmachern aber das Dreifache gegenüber Aktien-Orders. Entsprechend groß ist der Anreiz der Plattform, die Kunden statt in Aktien in Optionen zu treiben.

Mit 180 Millionen Dollar Quartalsumsatz hat sich Robinhood auf den zweiten Platz der Retail-Broker gesetzt. Nummer eins in diesem Segment war beim Umsatz noch TD Ameritrade mit 324 Millionen Dollar Erlösen in dem Vergleichsquartal. Andere, alteingesessene Handelsplattformen für Kleinanleger wie E-Trade und Charles Schwab hat Robinhood damit aber schon überholt.

Da nach Angaben des Brokers die Hälfte aller Neukunden im Jahr 2020 junge Menschen sind, die das erste Mal an der Börse handeln, hat sich ein großes Risiko aufgebaut, speziell im Bereich von Optionen und Hebelprodukten. Eine Gefahr für die Rally im neuen Börsenjahr?

Und was ist in Deutschland?

Der Hype der Jungen in Sachen Börse hat sich über die sozialen Medien natürlich auch in Deutschland herumgesprochen. Hierzulande berichten auch ING, Comdirect, Corsorsbank oder DKB von Rekordzahlen bei Depoteröffnungen, so viele wie seit der Dotcom-Bubble vor 20 Jahren nicht mehr. Aber auch für die Billigbroker gibt es schon seit 2019 Nachahmer, sie heißen Trade Republic, Gratisbroker, Smartbroker, Just Trade und Scalable Capital.

2020 hat eine neue Generation live miterlebt, wie die Aktienmärkte unglaubliche Bewegungen vollzogen haben, in unglaublich kurzer Zeit.

Wie einfach ist es da geworden, per Smartphone zu handeln, im Sinne von „Buy the Dip“ und von jedem Ort aus.

Ja, und die Robinhood-App ist derzeit nur in den USA verfügbar, der Marktstart in Europa aber nur eine Frage der Zeit. Wenn es da vorher nicht schon eine kalte Dusche für die Börse gegeben hat.

Fazit

Es ist fast schon wieder ein Déjà-vu, mit den Entwicklungen des Aktienhandels um die Jahrtausendwende. Auch damals wurden selbst in Deutschland Tausende Depots von Daytradern eröffnet, um in kurzer Zeit möglichst viel an der Börse zu verdienen.

Ein paar kleine Unterschiede gibt es: Damals wurde noch viel mehr mit Werten gehandelt, die überhaupt kein funktionierendes Geschäftsmodell besaßen, außerdem hatte die Federal Reserve von 1999 auf 2000 sechs Mal die Zinsen angehoben von 4,75 auf 6,5 Prozent und den Geldhahn zugedreht. Aber dennoch: Rendite ist zu jeder Zeit mit Risiko assoziiert. Zudem: Gewinne verleiten zum Leichtsinn, man erhöht den Einsatz und den Hebel, bis ein Ereignis (The Unknown Unknown) zur Marktbereinigung führt – vor allem bei den Gierigen und Unvorsichtigen. Kostenloser Handel, ein neuer Weg zum Reichwerden? Mitnichten: „There is no such thing as a free lunch“, heißt es. Es gibt nichts umsonst – und jede Studie der Welt zeigt, dass laienhafte Trader an der Börse auf Dauer kein Geld machen.

Neulinge - die Robinhooder - spielen für die Börse eine immer größere Rolle

 

 

2 Kommentare

2 Comments

  1. Avatar

    Mike Lohmann

    11. Dezember 2020 17:20 at 17:20

    Wenn der Altersdurchschnitt so um die 30-ig ist, hat von den Jungs noch keiner einen Bärenmarkt erlebt. Ausser laufend nur die Richtung nach oben und immer neue Geldflut der Notenbanker gab es für die Generation nichts. Bei der Frage, wer für all die Exzesse Verantwortung hätte, wäre wohl diese bei den Notenbanker zuerst zu suchen. Denn die erzählen auch bei wirtschaftlich guter Situation, man müsse noch weiter stimulieren, um Inflation zu erzeugen. Diese Inflation werden sie eines Tages mit Sicherheit auch noch kriegen. Nur ist dann die Frage, ob sie dafür auch Verantwortung übernehmen werden oder wieder einen anderen Schuldigen finden.

  2. Avatar

    U-80 Zokker

    11. Dezember 2020 19:01 at 19:01

    Es gibt auch viele ältere, erfahrene „Profis“ die schon 3 oder 4 grosse Korrekturen erlebt haben und trotzdem meinen diesmal sei die Hausse endlos.Vor allem wüssten alle diese Schlaumeier, das bei Optionsgeschäften ca. 80 % wertlos verfallen und die Verkäufer die Gewinner sind.Wenn jetzt die Baby- Optionskäufer wegen der Riesenaktien -Manipulation kurzfristig Gewinne gemacht haben, werden sie später eines Besseren belehrt werden.
    Was für mich fast unglaublich ist , ist dass anscheinend einige Tausend Anfänger die Märkte so stark bewegten.Natürlich ist mit Optionen eine grosse Hebelung möglich.Aber hat denn nicht bei jedem Geschäft ein Analyst/ Bänker oder Berater die Hände im Spiel die die Baby- Zokker hätten warnen müssen.
    Eine unausweichliche Korrektur wird für gewisse Dünnfische tragische Folgen haben.

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SAP in der Krise: Ist das eine Chance für uns? – Werbung

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Lieber Börsianer,

das war ganz harte Kost, die der europäische Software-Riese SAP am 26. Oktober für seine Aktionäre hatte. Die Cloud-Sparte blieb überraschend deutlich hinter den Erwartungen zurück. Einzelne Anwendungen wie die Software Concur (Verwaltung und Organisation von Geschäftsreisen) floppten völlig. Und noch mehr: Die Walldorfer kassierten auch gleich die Gewinnschätzungen für die nächsten Jahre, wie wir aus dem Quartalsbericht entnehmen mussten.

So kam es wie es kommen musste. Die Aktie des DAX-Schwergewichts kollabierte an jenem Tag binnen weniger Sekunden und verlor 20 % ihres ursprünglichen Marktwertes. Per saldo sank die SAP-Aktie von über 140 Euro unter 100 Euro ab. Milliarden Euro waren plötzlich durch den Schornstein.

Ungefähr im gleichen Zeitraum meldete die US-Konkurrenz bestes Zahlenwerk. Oracle und Salesforce nutzten die Dollarschwäche des vergangenen Jahres und griffen den deutschen Software-Riesen in seinem europäischen Heimatmarkt an. Die Analysten hängten wie üblich ihr Mäntelchen in den Wind und urteilten vernichtend über das Software-Unternehmen. Der Tenor: Eine Wachstumsgeschichte geht zu Ende. SAP bringt es nicht mehr.

In der Tat befindet sich die Walldorfer Software-Schmiede in einer veritablen Krise. So wird der Umsatz 2021 kaum noch wachsen, der Gewinn wird großer Wahrscheinlichkeit sogar rückläufig sein.

Das sind die Stärken der SAP

Aber gemach! SAP ist unverändert ein großartiges Unternehmen, dessen Software-Anwendungen weltweit in rund 25 Branchen genutzt werden. Bei Großunternehmen sind die Deutschen immer noch das Maß aller Dinge. 9 von 10 Playern nutzen mindestens eine kleine SAP-Anwendung. Die Kundenkartei der Walldorfer liest sich imposant. Dort finden Sie typische Traditionsunternehmen wie Chevron, Ford oder AT&T. Aber auch die…..

Wollen Sie meine komplette Analyse lesen?

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Wall Street: Kommen jetzt Regulierungen durch die Biden-Regierung?

Wird es für die Wall Street unter Biden sehr viel schwieriger als unter Trump? Was passiert mit den Monopolen der großen Tech-Firmen?

Wolfgang Müller

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Wird es für die Wall Street unter Biden sehr viel schwieriger als unter Trump? Bereits seit Monaten wird darüber spekuliert, wie eine demokratische Regierung den großen Techfirmen mit ihren monopolartigen Stellungen zu Leibe rücken wird. Schon die Bildung der Regierung wird Hinweise darauf geben, viele designierte Minister haben bereits in der Regierung unter Barack Obama politische Posten bekleidet.

Die Wall Street und der Abbau der Regulierungen

Die Ära Trump war für die Wall Street geprägt von Deregulierungen, insbesondere im Finanzsektor, was natürlich den oberen Einkommensklassen zugute kam – trotz seiner Beteuerungen dem Establishment auf den Leib rücken zu wollen. Joe Biden hat bereits im Wahlkampf davon gesprochen, gegen die wachsende Ungleichheit im Lande vorgehen zu wollen, was zwangsläufig auf einen Machtkampf mit der Wall Street hinauslaufen würde. Jetzt hat er aber mit der neuen Finanzministerin Janet Yellen, der einstigen Notenbankchefin, eine Entscheidung gefällt, die eher Kontinuität als Radikalität in Finanzfragen erwarten lässt. Sie unterstützt natürlich das Corona-Hilfspaket von 1,9 Billionen Dollar, zu dem die Ministerin vor dem Senat betonte, dass diese Verschuldung mehr nutze, als dass sie schade. Ihre Zielstellung seien mehr und besser bezahlte Jobs und höherer Wohlstand für mehr Amerikaner.

Die letzten Personalentscheidungen deuten aber daraufhin, dass man die Wall Street doch in Teilbereichen stärker regulieren wolle.

Chef der Börsenaufsichtsbehörde SEC soll Gary Gensler werden, ein Mann, der schon von 2009 bis 2014, also unter der Präsidentschaft von Barrack Obama, die Aufsicht über die Derivate CFTC innehatte. Er hatte damals die Untersuchungen bei den Manipulationen des Zinssatzes Libor geleitet und die Finanzreform umgesetzt. Er gilt als harter Hund in der Szene, aber wie könnte es auch anders sein – er hatte zuvor schon 20 Jahre bei Goldman Sachs gearbeitet.

Die Aufgaben der SEC dürften gewaltig sein, im Stadium der derzeitigen Spekulationsauswüchse. Zum Beispiel bei den Special Purpose Acquisition Companies, kurz SPAC genannt. Firmen, die zunächst Kapital über einen Börsengang einsammeln, um das Geld in die Übernahme eines noch nicht feststehenden Unternehmens zu investieren. Ein kaum regulierter Bereich, bei dem es wieder auf Kosten der Kleinanleger gehen könnte. Bereits in den ersten drei Wochen wurden im Bereich der SPACS schon wieder 56 solcher Mantelfirmen an die Börse gebracht und 16 Milliarden Dollar an Geldern eingesammelt. Nach 300 Firmen im Jahr 2020.

Was Gensler auch besonders auszeichnet, sind seine Kenntnisse im Bereich der Kryptowährungen – einem Thema, über welches er auch an seiner Universität gelehrt hat. Er hat sich zur Szene schon sehr kritisch geäußert und wird sich ganz besonders mit Fintech-Unternehmen und Kryptowährungen befassen.

Unterstützt wird Gensler von Rohit Chopra, der Chef der Verbraucherschutzbehörde für Finanzprodukte (CFPB) werden soll, die nach der Finanzkrise gegründet wurde.

Der Mann hatte sich bereits in in seiner Zeit bei einer anderen Behörde gegen die Macht der großen Tech-Konzerne ausgesprochen. Er stimmte für die Klage der Behörde gegen Facebooks ungesetzliche Monopolisierung, der sich auch eine Gruppe von Generalstaatsanwälten angeschlossen. Unter Trump war der Einfluss der Verbraucherschutzbehörde deutlich zurückgefahren worden.

Chef der Bankenaufsicht (OCC) soll Michael Barr werden, ein Mann der auch schon im Finanzministerium zu Obamas Zeiten gearbeitet hatte und nun auf 1200 Banken ein Auge werfen soll.

Die Personalauswahl Bidens zeigt in jedem Fall, dass dem Schutz der Verbraucher zulasten der großen Firmen mehr Bedeutung zukommen wird – und das könnte ein Problem für die Wall Street werden.

Fazit

Wieder einmal stellt sich bei einer neuen Regierung die Frage, wie viel von den Programmpunkten aus dem Wahlkampf im politischen Kampf und vor allem gegen das mächtige Kapital der Wall Street in den USA umgesetzt werden kann. Wer glaubt, dass es jetzt zu einer größeren Umverteilung von Wall Street zu Main Street kommen würde, dürfte ein bisschen blauäugig sein. Bidens Mannschaft besteht aus vielen älteren Semestern, die schon unter Barrack Obama im Einsatz waren.

Außerdem spielen die Wall Street und die Kapitalmärkte in den USA eine viel dominantere Rolle als in allen anderen Industriestaaten der Welt. Es dürfte kaum Gouverneure, Senatoren und Politiker in führenden Positionen geben, die nicht auf einem großen Aktienpaket sitzen. Den Ast ansägen, auf dem man selbst sitzt? Das beste Beispiel ist doch die ehrwürdige Sprecherin der Demokraten, die bereits 80-jährige Nancy Pelosi. Wenn die Grande Dame der US-Demokraten sogar eine halbe Million Dollar für Optionen auf die Tesla-Aktie gesetzt hat, erst vor Kurzem und bereits in der Gewissheit in Regierungsverantwortung zu stehen, was werden wohl die anderen Abgeordneten in ihrem Vermögensdepots haben? Bestimmt kein gefülltes Girokonto, wie unser Finanzminister.

Ergo: Regulierungen an der Wall Street werden kommen, aber wohl immer noch mit Schonung des Aktien-Wunderlandes USA.

Wird die Biden-Regierung die Wall Street bald stärker regulieren?

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Auto1 vor IPO: Buch gut gefüllt, Aktie im Pre-IPO-Handel höher

Claudio Kummerfeld

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Börsenkurse

Haben wir eine Coronakrise, eine Rezession so schlimm wie seit Jahrzehnten nicht mehr? Nein, Notenbanken und Regierungen schließen die Lücke, die Börse läuft auf Rekordkursen, und alles wird gut? Jetzt gibt es den nächsten Kandidaten für die große Sause, nämlich die Firma Auto1 aus Berlin. Sie gab gestern Details für ihren Börsengang in Frankfurt bekannt, wonach am 4. Februar der erste Handelstag stattfinden soll (Angebotszeitraum für die Aktien läuft vom 26. Januar bis 2. Februar). An der Frankfurter Wertpapierbörse wird die Aktie von Auto1 unter dem Handelssymbol AG1 und der ISIN DE000A2LQ884 zu finden sein.

Laut aktuellen Berichten haben am Börsengang von Auto1 beteiligte Banken gemeldet, dass Kauforders für das vollständige Emissionsvolumen von 1,5 bis 1,8 Milliarden Euro vorlägen. Daran erkennt man, wie groß der Drang der Börsianer sein muss. Man blicke auf zahlreiche andere IPOs dieser Tage, und möchte sagen: Es gehört auch hier zum guten Ton dazu, dass das begehrte Unternehmen natürlich noch Verluste macht. So hat Auto 1 nach eigenen Angaben letztes Jahr 2,8 Milliarden Euro umgesetzt und gut 15 Millionen Euro Verlust gemacht. In drei Jahren will man in die Gewinnzone kommen.

Wer das Unternehmen nicht kennt: Auto1 kauft nach eigenen Aussagen über zwei Kanäle Fahrzeuge an. Über das Netzwerk der wirkaufendeinauto.de-Marken biete man Verbrauchern eine einfache Möglichkeit, ihre Gebrauchtwagen zu verkaufen. Die Remarketing-Lösungen für Händler würden den Partnern helfen ihren Bestand an Gebrauchtwagen zu verkaufen. Die Fahrzeuge werden dann auf den Verkaufskanälen der AUTO1 Group, der Konsumentenmarke Autohero und der Handelsplattform für Händler, AUTO1.com angeboten.

Die Anleger scheinen auch im vorbörslichen inoffiziellen Handel auf die Aktie abzufahren. Im „Handel per Erscheinen“ auf Tradegate sieht man bei einer IPO-Spanne von 32-38 Euro aktuell einen Handelskurs von 44-47 Euro. Mag sein, dass anfangs ein kleiner Hype entsteht. Schaut man aber auf zahlreiche IPOs in Deutschland und vor allem in den USA in den letzten Jahren, dann darf man aber fragen, ob der Kursverlauf in den nächsten Monaten von Erfolg gekrönt sein kann. Man sieht jedenfalls aktuell: Nach allem menschlichen Ermessen wird das IPO von Auto1 kurzfristig ein Erfolg werden (wenn bis dahin nicht noch ein großer Börsencrash geschieht). Auto1 will übrigens von den angestrebten Einnahmen von 1 Milliarde Euro rund 750 Millionen Euro in das Wachstum des Unternehmens stecken, und 250 Millionen Euro in die Rückzahlung einer bestehenden Wandelanleihe.

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