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Börse: Krieg in Europa – so reagierte der Dow Jones in der Vergangenheit

In der Ukraine und damit in Europa herrscht Krieg - wie aber reagierte die Börse in der Vergangenheit auf Krieg? Ein Blick auf den Dow Jones

In der Ukraine und damit in Europa herrscht Krieg – wie aber reagierte die Börse am Beispiel des ältesten Index der Welt, des Dow Jones, in der Vergangenheit auf Krieg?

Börse und Krieg: Historische Rückschau auf die Reaktion des Dow Jones

Markt Twain hat einmal gesagt, „Geschichte wiederholt sich nicht, aber sie reimt sich!“. Schon die Entstehungsgeschichte des Zweiten Weltkrieges zeigt viele Parallelen zur heutigen Ukraine-Krise: Auch damals ging es um Rohstoffe, ethnische Minderheiten, Korridore, Handelskriege, Luftangriffe, alte Grenzkonflikte, Propagandakrieg – und starke und schwache politische Anführer. Wie verhält sich die Börse in Zeiten schlechter Nachrichten und geopolitischer Turbulenzen – ergo Krieg? Ein Blick auf historische Kursentwicklungen am Beispiel des Dow Jones.

Börse am Beginn des 2.Weltkriegs

Als am 1. September 1939 Hitlers Armeen die Grenze nach Polen überschritten, startete der Dow Jones Index eine Rallye, die ihn von ca. 135 Punkten auf ca. 155 Punkte steigen ließ. Dort pendelte er dann bis in den Mai 1940 seitwärts. Mit dem Einmarsch der deutschen Truppen in Frankreich, Belgien, Holland, Dänemark und Norwegen ging es dann jedoch für den Dow Jines deutlich bergab. Am 9. Mai 1940 notierte der Dow Jones bei ca. 148 Punkten. Ende Mai lag der Index bei nur noch 116 Punkten. Bereits Mitte Juni 1940 war ein Markttief erreicht, dass erst wieder kurz nach dem Angriff der Kaiserlich Japanischen Marine am 7. Dezember 1941 auf Pearl Harbor unterschritten wurde. Bis Mitte 1942 ging es dann auf einen Indexstand von ca. 93 Punkten zurück. Dies war aber zugleich der ideale Einstiegszeitpunkt an der Börse, denn dieses Kursniveau wurde nie wieder erreicht!

Der Abwurf der Atombombe auf Hiroshima am 6. August 1945 und auf Nagasaki drei Tage später wurde an der Börse New York mit steigenden Kursen beantwortet. Spätestens damit war wohl jedem Börsianer klar geworden, dass Amerika zu einer imperialen Macht aufgestiegen war.

Korea Krieg und Kuba-Krise

Der Korea Krieg 1950 sorgte zwar kurzzeitig für Panik an der Börse: innerhalb eines Monats ging es zügig knapp 15 Prozent bergab. Danach ging es aber schnell wieder nach oben, der Markt erreichte bereits im selben Jahr neue Höchststände. Auch hier war das „Kriegs“-Tief ein idealer Einstiegszeitpunkt an der Börse – das ebenfalls nie wieder erreicht wurde!

Die Kuba-Krise 1962 hingegen sorgte für kaum Bewegung an der Börse. Allerdings war das gesamte Jahr 1962 kein gutes Börsenjahr: Der Dow Jones verlor auf Jahressicht zehn Prozent an Wert. Das Kennedy-Attentat am 22. November 1963 sorgte nur am selben Tag für Kursverluste, die aber bereits am nächsten Handelstag mehr als ausgeglichen wurden.

Jom-Kippur-Krieg und Golfkrieg

Als am 6. Oktober 1973 für westliche Beobachter überraschend der Jom-Kippur-Krieg ausbrach – der vierte arabisch-israelische Krieg- ging es an der Börse in einer ersten Welle zügig bergab. Der Konflikt in dieser geopolitisch hochbrisanten Region ließ den Ölpreis um über 70 Prozent ansteigen. Nachdem die Kurse anfänglich noch ein paar Monate auf niedrigem Niveau auspendelten, setzte Mitte 1974 eine weitere Verkaufswelle ein, die den Dow Jones von seinem Hoch 1973 aus gerechnet um 45 Prozent einbrechen ließ. Aber auch hier wieder war das „Kriegs“-Tief ein idealer Einstiegszeitpunkt an der Börse . Es wurde ebenfalls nie wieder erreicht!

Der zweite Golfkrieg begann am 2. August 1990 mit dem Einmarsch irakischer Truppen nach Kuwait und sorgte anfänglich für fallende Kurse an der Börse New York. Der Markt verlor zügig über 20 Prozent, aber mit dem Beginn der Operation Wüstensturm startete eine starke Rallye im Dow Jones. Wieder war das „Kriegs“-Tief ein idealer Einstiegszeitpunkt – das in der Folge nie wieder erreicht wurde!

9/11

9/11 war ein heftiger Schock für die Märkte! Da die Börse in New York den Handel ausgesetzt hatte, musste der Dax an diesem Tag alleine acht Prozent Verlust verkraften, bevor auch hier wegen einer Bombendrohung der Handel geschlossen wurde. Die Börse in New York blieb für vier weitere Handelstage geschlossen und eröffnete mit einem Abschlag von minus sieben Prozent. Obwohl es zwar im weiteren Verlauf des Jahres zu einer Kurserholung kam, erreichte der Markt 2002 neue Tiefstände. Diese wurden 2009 während der Finanzkrise nochmal unterschritten.

Fazit

Nur bedeutende geopolitische Verschiebungen und Veränderungen (Zweiter Weltkrieg und Jom-Kippur-Krieg) führen an der Börse zu deutlichen Abschlägen von bis zu 50 Prozent – stellen aber zugleich, in der historischen Rückschau betrachtet, einen günstigen Einstiegszeitpunkt dar. Die Einbrüche durch Krieg waren meist innerhalb von ein bis drei Jahre aufgeholt.

Wie soll man die aktuelle Krise bewerten? Wie wird die Welt nach dem Ukraine-Krieg aussehen? Schließlich ist es nach großen geopolitischen Veränderungen meist zu einer völligen Neuordnung der Machtverhältnisse gekommen. Möglicherweise ist der schrittweise relative Machtverlust und Abstieg der USA die größte langfristige geopolitische Veränderung, die wir als Anleger und Europäer noch bewältigen müssen.

Das wäre kein gutes Omen vor allem für die amerikanische Börse – schließlich hat die Börse an der USA weit über 40% der globalen Marktkapitalisierung, während die Amerikaner derzeit nur 4% der Weltbevölkerung stellen..



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4 Kommentare

  1. https://youtu.be/xguam0TKMw8

    Dazu auch spannend ein 40 Minütiges Video von Dalio, zu seinem Buch the Changing World Order

  2. Die entscheidende Frage ist nun, wie man dieses „Kriegstief“ erkennt.

    1. Das „Kriegstief“ zu erkennen ist mit Sicherheit nur im Nachhinein möglich, aber es gibt einen Parameter, der erfüllt sein muss, zumindest war es in der Vergangenheit so: mind. -40% Verlust vom Hoch aus gerechnet.

  3. Pingback: Aktuelles vom 7. März 2022 | das-bewegt-die-welt.de

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