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Börse: Zahlen und Fakten zum Jahresende

Obwohl es bis zum Jahreswechsel noch über eine Woche dauert, gibt es feiertagsbedingt, wie in jedem Jahr, nur noch wenige Tage Handelszeit an der Börse, um kleine Korrekturen in den Depots umzusetzen: Stichwort „Window Dressing„. Die Großen haben ihre Bücher bereits geschlossen, was im letzten Jahr aber noch zu hektischen Maßnahmen vor Silvester 2018 geführt hatte. Doch wie ist eigentlich das durchschnittliche Handelsvolumen an den Börsen zwischen den Jahren?

Börse und der besondere Dezember 2018

Bevor ich auf die statistischen Daten zum Jahresultimo eingehe, noch ein paar Sätze zum letztjährigen Dezember, der in puncto Statistik an der Börse gewiss aus der Rolle fiel. Fed-Chef Powell hatte mit seiner vierten Zinssenkung des Jahres am 19. Dezember und dem Hinweis auf eine automatische Bilanzreduzierung (auf Autopilot) die Märkte in Panik versetzt. Der mit Abstand größte Index der Welt, der S&P 500, fiel bis zum heiligen Abend um 19,78 Prozent von seinem Jahreshoch in die Tiefe und befand sich damit nur wenige Zehntel vor dem Eintritt in einen Bärenmarkt.

Wenige Tage später aber dann die dovishe Wende der Federal Reserve mit der Ankündigung Powells geduldig mit weiteren Zinsmaßnahmen („patient“) zu sein und den Prozess der Bilanzrückführung überdenken zu wollen. Die Folge war ein rasanter Kurswechsel an der Börse: die Institutionellen mussten in den Markt rein, nichts war es mit der üblichen weihnachtlichen Ruhe – und dennoch schloss der Monat Dezember als schlechtester Abschlussmonat seit über 80 Jahren.

Die übliche Umsatzschwäche der Börse zwischen den Jahren

Normalerweise gehen die Umsätze an der Börse zwischen den Jahren deutlich zurück. Hier ein paar Daten zu den Umsatzvolumina (Quelle statista):

Während an normalen Tagen an der Frankfurter Börse deutsche Aktien im Wert von 3,5 Milliarden Euro gehandelt werden (10-Jahresdurchschnitt), so fällt das Volumen an den drei oder vier Handelstagen vor Neujahr auf 1,8 bis 1,3 Milliarden Euro zurück. Die Rekordstände werden immer an den vier Verfallstagen (Hexensabbat) erzielt mit Umsätzen bei etwa neun Milliarden Euro an diesen vier Freitagen im Jahr 2019.

Eine schwache Zeit ist auch der Urlaubsmonat August, in dem nicht nur die Umsätze schwächeln, auch das berühmte (Kurs) Sommerloch bringt dies zum Ausdruck. Wie schwach aber der Aktienhandel in der viertgrößten Volkswirtschaft der Welt ausgeprägt ist, zeigt das durchschnittliche jährliche Umsatzvolumen an den US-Börsen:

  • Nasdaq 17,4 Billionen Dollar
  • New York Stock Exchange 16,4 Billionen Dollar
  • Shanghai 7,6 Billionen Dollar
  • Tokio 5,4 Billionen Dollar
  • Deutsche Börse 1,6 Billionen Dollar

Allein schon daraus ist das anämische Volumen an Deutschlands Börsen zu erklären, wenn die USA feiertagsbedingt geschlossen haben. Hat nicht der Fondsriese BlackRock bereits einen Dax-Anteil von fast 10 Prozent in seiner Verwaltung?

Interessant sind auch die Zahlen, die das Gesamtvolumen der in Deutschland gehandelten Aktien widerspiegelt –  es ist rückläufig, trotz deutlich gestiegener Kurse gegenüber vor 10 Jahren.

Auch kann man die gerne vorgetragene Mär von den allmächtigen „Algos“ im Sekundenhandel, zumindest für Deutschland, zu Grabe tragen: Das Umlauftempo, also das Tempo, welches angibt, wie oft eine Aktie im Jahr ihren Besitzer wechselt, ist von seinem Hoch im Jahr 2008 von 2,0 auf 0,8 (2019) gefallen – und zwar fast kontinuierlich.

Die höchsten Handelsvolumina an der deutschen Börse im Jahr 2019 bei Dax-Werten erreichte SAP mit 62 Milliarden Euro bei einem Börsenwert von 150 Milliarden Euro, gefolgt von Siemens mit 55 Milliarden Euro (Börsenwert 99 Milliarden €).

Fazit

Trotz der eben dargestellten Umsatzschwäche der Börse an den Tagen zum Ende und zum Beginn eines Jahres, ist dennoch eine Santa Claus Rally, also ein sehr häufiger Kursanstieg zu bilanzieren. Woran liegt das? Da wäre zum einen das sehr „seltsame“ Window Dressing der aktiven Fondsmanager, welches aber bereits schon vorher einsetzt. Man kauft die Werte, die das ganze Jahr über gut gelaufen sind (z.B. Apple), um sie beim Jahresabschluss in den Depots vorweisen zu können: „Seht her liebe Kunden, wir hatten die richtigen Werte im Depot“, so die Botschaft.

Und zu Jahresbeginn werden die Geldgeschenke von Weihnachten häufig zu Aktienkäufen an der Börse genutzt, zumindest in den USA, wie der Fondsmanager André Stagge vor gut einer Woche in einem Börsentalk verraten hatte. Zudem kommt es zumeist nochmals oft zu dem Versuch die Kurse zu Jahresende zu hieven – der Jahresbonus lässt grüßen.

Kurzum: In den letzten Tagen dürfte an der Börse kurstechnisch nicht mehr viel anbrennen, zu groß ist das Interesse an einem schönen Jahresabschluss für den S&P 500 mit der besten Performance seit 1997 – und für den Dax mit dem besten Ergebnis seit 2012. Außer „jemand“ vertwittert sich, oder die Chinesen lassen einen vorgezogenen Sllvesterkracher starten – beides erscheint aber eher unwahrscheinlich!

Zahlen und Fakten zur Börse



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