Droht ein globaler Börsencrash, und die Masse der Privatanleger sieht ihn gar nicht kommen, da er von völlig unerwarteter Stelle ausgeht? Von der breiten Öffentlichkeit unbemerkt gibt es seit langer Zeit die sogenannten Carry Trades. Profi-Anleger verschuldeten sich zu extrem niedrigen Zinsen im japanischen Yen. Man nahm das billige Geld aus Japan und investierte es zum Beispiel am amerikanischen Aktienmarkt, in höher verzinsten US-Anleihen, oder vielleicht auch in Kryptowährungen? Was, wenn dieses Tradingmodell platzt? Es geht um ganz große Summen! Am 19. Dezember ist ein wichtiger Stichtag.
Börsencrash möglich? Japan-Zinsen sägen an Carry Trades
Wie groß ist diese „Wette“, dieses billige Verschulden in Japan, und danach das Investieren in anderen Märkten? Die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich spricht von 1,7 Billionen Dollar. Andere Quellen sprechen sogar von 20 Billionen Dollar. Jüngste Berichte sprechen von Schätzungen zwischen 1 bis 2 Billionen US-Dollar Volumen. Das American Enterprise Institute sprach erst gestern von 500 Milliarden Dollar Volumen. Man sieht, die Schätzungen liegen extrem weit auseinander. Aber es sind gewaltige Summen.
Der Börsenexperte Andre Stagge sprach diese Woche in seiner Videoanalyse (ab Minute 6:15) von Billionensummen im Japan Carry Trade. Er erwähnt die am 19. Dezember anstehende Zinserhöhung der Bank of Japan, die bereits im Vorfeld für eine Yen-Aufwertung sorgt. Auch sprechen große Vermögensverwalter aktuell davon, dass nach dem 19. Dezember weitere Zinserhöhungen in Japan anstehen könnten (und damit eine weitere Yen-Aufwertung). Damit droht den Carry Trades immer stärker eine Auflösung. Dies könnte womöglich eine Verkaufswelle bei US-Aktien auslösen, und dann auch einen Börsencrash? Da es keine offiziellen Statistiken über die Japan Carry Trades gibt, und auch nicht transparent nachvollzogen werden kann, welche Fonds und sonstige Investoren wie viel Geld aus diesen Deals in welche US-Assets angelegt haben, kann man keine Prognosen abgeben. Aber es bestehen wohl immense Risiken.
Möglich wäre, dass zum Beispiel für Tech-Aktien in den USA in den nächsten Wochen und Monaten ein verstärkter Verkaufsdruck einsetzt, wenn zunehmend Investoren ihre Carry Trades abbauen. Ob daraus ein Börsencrash entstehen kann? Dies läge dann wohl an der Marktdynamik, die niemand kontrollieren oder prognostizieren kann. Aber man sollte als Anleger die Bank of Japan, die weiteren Zinsaussichten und die Entwicklung im Yen im Auge behalten!
Händler unterschätzen laut Vanguard das Risiko höherer Renditen in Japan
Während Händler auf eine Zinserhöhung durch die Bank of Japan in diesem Monat setzen, übersehen sie laut dem weltweit zweitgrößten Vermögensverwalter Vanguard Group immer noch das Risiko, dass die japanischen Zinsen noch weiter steigen müssen, um die Inflation einzudämmen, so Bloomberg News. Weiter wird berichtet: Die Rendite zweijähriger japanischer Staatsanleihen ist in den letzten Tagen auf über 1 % gestiegen und hat damit den höchsten Stand seit 2008 erreicht, da Investoren darauf setzen, dass die BOJ-Vertreter unter der Leitung von Gouverneur Kazuo Ueda bei ihrer Sitzung am 18. und 19. Dezember die Leitzinsen wieder anheben werden. Nach Jahren einer anhaltend lockeren Geldpolitik liegt der Zinssatz jedoch immer noch weit unter dem Niveau der G10-Länder – obwohl die Inflationserwartungen in Japan fast so hoch sind wie nie zuvor seit Beginn der Aufzeichnungen im Jahr 2004.
„Der Markt unterschätzt, wie hoch der neutrale Zinssatz in Japan steigen muss, um den Inflationsdruck zu mindern. Daher ist es richtig, japanische Staatsanleihen unterzugewichten“, sagte Roger Hallam, globaler Leiter für Zinssätze bei Vanguard, das Vermögenswerte in Höhe von 11 Billionen US-Dollar verwaltet, in einem Interview am Donnerstag. „Wir gehen weiterhin davon aus, dass die Bank of Japan ihre Normalisierung fortsetzen und im Dezember die Zinsen anheben wird.“
Ueda sagte diese Woche, dass der neutrale Zinssatz, also der Punkt, an dem die Geldpolitik weder restriktiv noch stimulierend wirkt, nur innerhalb einer breiten Spanne geschätzt werden kann. Die Bank of Japan hat zuvor angegeben, dass er zwischen 1 % und 2,5 % liegt. Der aktuelle Leitzins beträgt 0,50 %. Vanguard ist bei japanischen Staatsanleihen im kurzen bis mittleren Bereich der Zinsstrukturkurve im Vergleich zu den Fonds-Benchmarks untergewichtet, sagte Hallam.
Bloomberg News berichtete am Donnerstag, dass wichtige Mitglieder der Regierung von Premierministerin Sanae Takaichi einer Zinserhöhung nicht im Wege stehen werden, was Swap-Händler dazu veranlasste, ihre Erwartungen hinsichtlich einer Erhöhung zu erhöhen. Sie preisen nun eine Straffung um etwa 22 Basispunkte zum Abschluss der BOJ-Sitzung am 19. Dezember ein, verglichen mit etwa 14 Basispunkten vor nur einer Woche.
Die Erwartungen von Vanguard hinsichtlich Zinserhöhungen durch die Bank of Japan untermauern auch die Einschätzung, dass japanische kurzfristige Zinsen hinter den langfristigen zurückbleiben werden – eine Ansicht, die in den letzten Monaten von dem Unternehmen und anderen Akteuren wie der Sumitomo Mitsui Trust Bank und T. Rowe Price International vertreten wurde.
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Die Normalisierung der Geldpolitik der Bank of Japan „führt tendenziell zu einer Abflachung vom vorderen Ende aus“, so Hallam. „Angesichts der relativ steilen Zinskurve sind Flachmacher zwischen dem mittleren und dem langen Ende tatsächlich recht attraktiv.” Während sich der Spread zwischen fünf- und 30-jährigen japanischen Staatsanleihen von September bis Oktober um etwa 35 Basispunkte verringerte, hat sich diese Differenz kürzlich wieder vergrößert und liegt nun etwa 15 Basispunkte über den Tiefstständen vom Oktober.
FMW/Bloomberg
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