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Aktien

Börsenjahr 2021: Es gibt Freibier für alle!

Claudio Kummerfeld

Veröffentlicht

am

Jede Menge Euphorie für das Börsenjahr 2021

Wie wird das Börsenjahr 2021 verlaufen? Nun, vorab möchte ich erwähnen, dass der folgende Text wohl eine Mischung ist aus Nachricht, kritischem Kommentar und Realsatire. Von jedem etwas. Das Motto des kommenden Jahres lautet wohl „Freibier für alle“. Markus Fugmann hatte es in seinem Video von gestern Abend schon gut und kritisch besprochen (hier anzusehen). Alle Kurse können ja nur noch steigen? Egal ob Dax, Dow, Nasdaq, Bitcoin, Gold? Alles geht nur noch nach oben?

Viele Gründe für Rekorde im Horrorjahr

Die Kleinstanleger, die im Jahr 2020 dank Corona und Zuhause-Rumsitzen wohl zu viel Langeweile und zu viel angehäuftes Kleingeld hatten, befeuern derzeit zusätzlich die Börsenhausse. Dazu noch das ganz frisch in den USA beschlossene Stimulus-Paket. Dann noch der Start der Impfungen gegen Corona. Auch in den „Leitmedien“ kann man derzeit nachlesen, wie toll doch alles werden wird. Seit zwei Wochen liest man im Handelsblatt auf der Hauptseite ein Interview mit einem Wirtschaftshistoriker. Thema: „Nach der Pandemie wird es eine Einkaufstour gigantischen Ausmaßes geben“. Na also, riesige Nachholeffekte, die für einen weiteren Wirtschafts-Stimulus sorgen werden.

Also sind die derzeitigen Rekordstände an den Börsen berechtigt? Der Dax ist auf Rekordniveau, die US-Indizes sowieso. Der Bitcoin erreichte erst vor zwei Tagen sein neues Allzeithoch. Also selbst das angeblich neue Flucht-Asset haussiert, während die Assets, vor denen man angeblich flieht, ebenfalls auf Allzeithochs notieren. Irgendwas passt da nicht? Nein, man findet dieser Tage für alles eine gute Erklärung. Der Goldpreis, der notiert noch nicht auf einem neuen Allzeithoch. Aber dass es nächstes Jahr eine weitere Gold-Hausse geben könnte, ist möglich. Denn auch hier gibt es gute Argumente. Die Gelddruck-Orgien der Notenbanken, Verwässerung des Papiergelds, Null- und Negativzinsen, immer höhere Staatsschulden, drohende Inflation. Da ist eine weitere Fluchtwelle ins Gold nur logisch?

Gleichzeitig kann der Aktienmarkt im Börsenjahr 2021 immer weiter steigen, eben weil die Notenbanken immer weiter Geld drucken, womit alles geflutet und gepusht wird, hauptsächlich Immobilien und Aktien? Ach ja, siehe da. Die Immobilienpreise, die sind im Jahr 2020, im schlimmsten Krisenjahr seit Jahrzehnten, weiter kräftig angestiegen, weil die Regierung hierzulande alles gerettet und gestützt hat. Also  haben wir eine schlimme Rezession, aber keine Krise bei Immobilien, Aktien und anderen Geldanlagen. Ganz im Gegenteil. Die Lücke in Form eines brutalen Wirtschaftseinbruchs wird sozusagen mit dem Mörtel namens Druckerpresse aufgefüllt, und wenn der Nachfrageboom nach der Coronakrise kommt, hat die Börse gleich das Anschlussargument, um weiter steigen zu können?

Wer lange an der Börse unterwegs ist, der weiß: Der Crash kommt dann, wenn niemand, aber auch wirklich überhaupt niemand mehr daran glaubt. Wenn die völlige Euphorie herrscht, und alle nur noch von steigenden Kursen sprechen, dann ist der ideale Zeitpunkt für einen großen Crash gekommen. Aber halt. Dann müsste der Crash ja noch so lange warten, bis auch wir von FMW nur noch stumpf von steigenden Kursen sprechen?

Euphorie für das Börsenjahr 2021

Aber zurück zu den Leitmedien. Die Euphorie kennt keine Grenzen. Henrik Müller überschlägt sich derzeit im Spiegel vor Optimismus, und sieht die „Goldenen 20er Jahre“ auf uns zukommen. Nach der Coronakrise blühe uns ein rascher Aufschwung. Mehr noch – ein Jahrzehnt des Fortschritts könnte anbrechen, so seine Meinung. Na, bei solchen Aussichten, da sollte der Dax (als Frühindikator für die Konjunktur) schon mal schnell auf 20.000 Punkte steigen? Auch von Experten wie Robert Halver, Hendrik Leber und Co hört man derzeit Optimismus (mehr dazu hier). Jochen Stanzl von CMC Markets wird aktuell in einigen Medien so zitiert, dass große Probleme in letzter Sekunde gelöst wurden, und auf dem Weg aus der Corona-Pandemie seien Wirtschaft und Gesellschaft mit dem Impfstart in Europa ein ganzes Stück vorangekommen. Also, wie gesagt: Alles kann ja nur noch steigen im Börsenjahr 2021?

Man darf vermuten: Die Impfung breiter Bevölkerungsschichten braucht wohl noch mehr als ein halbes Jahr, und weitere Lockdowns stehen an. Oder besser gesagt, der aktuelle Lockdown bis 10. Januar wird verlängert werden? So oder so, man darf annehmen, dass Fed und EZB ihre Rettungsprogramme erneut aufstocken. Vorstellbar ist ja inzwischen alles. Wird die EZB, wenn sie alles am Anleihemarkt aufgekauft hat, was möglich war, auch andere Assets kaufen?

Kein Free Lunch?

Man denke wirklich an das Motto „Freibier für alle“ oder an den „Free Lunch“, wie die Amerikaner es nennen. Denn den gibt es nicht wirklich. Nur wollen alle oft gerne daran glauben. Seit Jahren gibt es keine marktgerechten Zinsen mehr. Mittelmeer-Länder wie Spanien haben inzwischen Null Prozent-Renditen bei ihren Staatsanleihen. Soll man dazu noch mehr sagen? Das Risiko eines Zahlungsausfalls existiert also demnach nicht mehr. Denn die EZB, die wird alles und jeden retten, egal was da kommt? Also gibt es ihn doch, den Free Lunch? Die Inflation wird nicht kommen, Regierungen und Notenbanken retten alles und jeden, drucken von nun an alle Krisen weg, die Südländer erhalten dauerhaft Transfergelder über die in 2020 gestarteten EU-Schuldenprogramme. Was für paradiesische Zustände.

Das Paradies, der Free Lunch, all die steigenden Kurse, die Millionen nicht arbeitslos gewordener Menschen, all das basiert nur auf einer einzigen Sache. Schulden. Kann man also sagen: Die Euphorie basiert nur darauf, dass die Kapitalmärkte an die Seriosität und Rechtsstaatlichkeit in Europa und den USA glauben, nämlich dass die Schulden immer ihren Wert für die Gläubiger behalten werden, dass man sich als Staat nicht für pleite erklärt, dass es eine unendliche Umschuldung gibt? Was ja letztlich eh kaum noch eine Rolle spielt, wenn die EZB der größte Gläubiger ist, wodurch ein Kreislaufsystem bei Schulden und Forderungen etabliert wird! Während Aktien und Immobilien dank immer weiterer Rettungen und Gelddruck-Orgien steigen können, da können Gold und Bitcoin steigen, weil ein Teil der Anleger sie als Fluchthäfen vor eben diesen Gründen ansieht? Also, alles kann nur noch steigen?

13 Kommentare

13 Comments

  1. Avatar

    PK

    29. Dezember 2020 10:45 at 10:45

    und was passiert, wenn die Gläubiger tatsächlich mal den Glauben in die Werthaltigkeit der Anleihen und damit der Währungen verlieren ?
    Mag ich dann lieber Cash am Konto haben oder Aktien ?

  2. Avatar

    MMT- Leugner

    29. Dezember 2020 11:15 at 11:15

    Guter Kommentar vom sowieso vernünftigen Kummerfeld.Einziger Nachteil, mit einer solchen leicht skeptischen Ansicht wird man nie in den MMT Klub der weltberühmten BörsenProfis wie Lars Erichsen und Markus Koch aufgenommen.Sie sind zwar auch erstaunt über den Hype an den Märkten, finden aber trotzdem, dass die Notenbanken tun mussten was sie taten, nämlich mit dem Abschaffen der Zinsen den ganzen Anleihenmarkt als Konkurrenz zu den Aktien ausser Betrieb zu setzen.War doch immerhin der ganze Anleihenmarkt weltweit etwa dreimal so gross wie der Aktienmarkt.Da die Schulden immer die Guthaben einer Gegenpartei sind und nun fast alle einig sind,dass viele Schulden nie bezahlt werden können, müssen wir auch akzeptieren, dass irgendwann irgendwo Riesenverluste auftreten werden.
    Argentinien und Co. lässt grüssen.

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    Roland

    29. Dezember 2020 11:19 at 11:19

    Gut erklärt, so funktioniert das System. Und deshalb wird alles nur noch nach oben gehen. Vielleicht gibt es auch mal technische Gegenreaktionen, aber Bärenmärkte wird es nicht mehr geben. Selbst über einen Bankencrash ala Lehman können Anleger nur noch schmunzeln, denn die Notenbanken würden die entstandenen Schäden heute einfach aufkaufen. An der Börse gibt es kein Problem mehr, dass mit Geld nicht zu lösen wäre. 20.000 Punkte im DAX ist keine Frage des Ob…Die neue Börsengeneration hat den Free Lunch serviert bekommen, schade für die alte Generation, die noch Verluste kennenlernen musste:-D

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    Clausimausi

    29. Dezember 2020 12:18 at 12:18

    The end is near, lets have a beer.

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    Koch

    29. Dezember 2020 15:21 at 15:21

    @Roland.Nachher werde ich mich schimpfen,dass ich auf ihr,sicher nur unter Drogen zustandegekommenes,Geschreibsel,antworte.Sie sind nicht so einzigartig(beschränkt),wie sie vielleicht meinen.Die letzten,welche andauernd solch einen Stuss von sich gegeben haben,waren die Wunderwaffen verehrenden Vollnazis!(ich bin mir durchaus bewusst,dass mit dem Tausendjährigen Reich schwer zu argumentieren ist.Es dient jedoch auch öfter Journalistenprofis die extreme Diskrepanz zwischen Wunschvorstellung und Realität extrem darzustellen!A propos „Bankencrash a la Lehman“.Hätten Sie „Vom Aufstieg und Fall der Deutschen Bank“von Dirk Laabs gelesen,würde Ihnen wohl kaum solch ein „Schmähgedicht“ auf die Generation,welche noch „Verluste“gekannt hat,verfassen.Ein intelligenter Kabarettist der „Generation Verluste“sagt zu solchen wie ihnen:Wenn man keine Ahnung hat,einfach mal die Fresse halten!Derb aber angebracht.P.s.An die Redaktion:Meinen Kommentar weglassen,wenn er nicht dem Social Distancing entspricht.

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    Zimmermann

    29. Dezember 2020 16:04 at 16:04

    Charttechnisch begründbar ist aber schon, dass es im DAX bis zum nächsten großen Verfall im März mit kleineren dazwischen geschalteten Korrekturen bis 16400 gehen könnte. Ich jedenfalls bleibe bis auf weiters Long und geniese das leckere Freibier.

  7. Avatar

    AlterSchwede

    29. Dezember 2020 16:14 at 16:14

    @Koch. Lass doch den Roland schreiben. Als Palliativmediziner würde mich eher interessieren, welche Mittel er bekommt, um das ertragen zu können.

  8. Avatar

    Fundamentalist

    29. Dezember 2020 16:48 at 16:48

    @ Zimmermann, wenn ich auch den Corona -Chart betrachte ( wackelig nach oben gem.Born) hat auch Corona noch sehr viel Potential. Wenn die Fallzahlen sich verdoppeln und verzehnfachen werden wir medizinisch einProblem bekommen und die Leute werden merken dass fundamentale Daten wichtiger sind als Charttechnik.

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    leftutti

    29. Dezember 2020 17:49 at 17:49

    @Koch, eine neutral-semipermeable und Kritik-liberale FMW-Lesermehrheit habt uns mehrfach belehrt, dass man extrem Andersdenkenden keinen Drogenkonsum unterstellen darf. Das macht einen zum Oberlehrer, Blockwart, zum überheblichen Besserwisser. Das unterwandert einseitig die Menschenwürde und Meinungsfreiheit.

    Gehen wir im Sinne der Meinungsfreiheit also davon aus, dass Menschen und Bots daran glauben, was sie posten. Gerne denke ich in diesem Zusammenhang an den einmaligen Thai-Bauern zurück. Was hat der selbst in Alias als Walter, Vier-Säulen-Kasper und vielen anderen Namen seinerzeit für Unterhaltung und Stimmung gesorgt. Der Stimmungsaufschwung bei den Devisen in seinem Wunschland hat die Einfuhr von bayerischem Weißbier massiv befeuert. Seine Goldschätze, soweit noch nicht in bayerisches Gold umgetauscht, sollten ihn noch mehr jubeln lassen. Ich hoffe, er wurde nicht wegen Leberzirrhose oder Thai-Gras in Thailand oder Steuer- oder Subventionsbetrugs in Deutschland ruhig gestellt.

    Wie dem auch sei, verschwunden ist der lustige Bauern-Troll, ein leider noch viel dämlicherer, und nichtssagender Nachfolger tritt immer in die Fußstapfen. Roland, ein weiterer Bauer im Dumm- und Dümmer-Schachspiel ohne Springer, Läufer, Türme und Königspaare tritt an. Wollen Sie sich ernsthaft darauf einlassen?

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    rettich

    29. Dezember 2020 18:27 at 18:27

    Jetzt hackt nicht immer so auf Roland herum. Erstens ist Übertreibung ein Stilmittel der Satire (und irgendwie habe ich den Eindruck, dass Roland eigentlich genauso fassungslos vor der Situation steht wie Markus Fugmann oder Claudio Kummerfeld). Zweitens spielt die subjektive Absicht von Roland auch keine Rolle. Er verdeutlicht schlichtweg die derzeit vorherrschende Stimmung am Markt in extremer Weise.

  11. Avatar

    leftutti

    29. Dezember 2020 18:44 at 18:44

    @MMT-Leugner, der sowieso vernünftige Kummerfeld ist doch bereits Mitglied im exquisiten Zombie-Untergangs-Club. Vernünftig, wie er ist, will er sicher nicht auch noch einen Clubausweis im MMT-Verein beantragen. Nun, vorab möchte er erwähnen, dass der Text wohl eine Mischung aus Nachricht, kritischem Kommentar und Realsatire ist. Somit subjektiv, eine einzelne Meinung, ein individueller Kommentar in Richtung Satire.

    Argentinien & Co. lassen grüßen, was Ihre persönliche Einschätzung betrifft. Mit Leuten wie Ihnen könnten wir tatsächlich dort landen. Will aber kaum einer.

  12. Avatar

    Michael

    29. Dezember 2020 19:34 at 19:34

    @PK, Gegenfrage: Und was passiert, wenn die Gläubiger tatsächlich mal den Glauben in die Werthaltigkeit der Aktien verlieren?
    Mag ich dann lieber Cash am Konto haben, Gold, Immobilien oder Aktien ?

  13. Avatar

    rettich

    30. Dezember 2020 13:33 at 13:33

    @Michael

    Das hängt auch von Deinem Zeithorizont ab. Wenn Du die Aktien kurzfristig nicht verkaufen musst, kannst Du einfach abwarten. Die Unternehmen, die die Krise überleben, werden ja auch danach noch ihren Aktionären gehören. Und wenn sie wieder Gewinne machen, dann klappt es auch mit den Kursen.

    Auf ein Szenario, in dem alle Unternehmen kaputtgehen (oder zumindest die ganz große Mehrheit), kann man sich ohnehin nicht seriös vorbereiten, weil gar nicht absehbar ist, welche Verlaufsformen und politischen Weiterungen so eine Krise nähme.

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Aktien

Wall Street: Kommen jetzt Regulierungen durch die Biden-Regierung?

Wird es für die Wall Street unter Biden sehr viel schwieriger als unter Trump? Was passiert mit den Monopolen der großen Tech-Firmen?

Wolfgang Müller

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am

Wird es für die Wall Street unter Biden sehr viel schwieriger als unter Trump? Bereits seit Monaten wird darüber spekuliert, wie eine demokratische Regierung den großen Techfirmen mit ihren monopolartigen Stellungen zu Leibe rücken wird. Schon die Bildung der Regierung wird Hinweise darauf geben, viele designierte Minister haben bereits in der Regierung unter Barack Obama politische Posten bekleidet.

Die Wall Street und der Abbau der Regulierungen

Die Ära Trump war für die Wall Street geprägt von Deregulierungen, insbesondere im Finanzsektor, was natürlich den oberen Einkommensklassen zugute kam – trotz seiner Beteuerungen dem Establishment auf den Leib rücken zu wollen. Joe Biden hat bereits im Wahlkampf davon gesprochen, gegen die wachsende Ungleichheit im Lande vorgehen zu wollen, was zwangsläufig auf einen Machtkampf mit der Wall Street hinauslaufen würde. Jetzt hat er aber mit der neuen Finanzministerin Janet Yellen, der einstigen Notenbankchefin, eine Entscheidung gefällt, die eher Kontinuität als Radikalität in Finanzfragen erwarten lässt. Sie unterstützt natürlich das Corona-Hilfspaket von 1,9 Billionen Dollar, zu dem die Ministerin vor dem Senat betonte, dass diese Verschuldung mehr nutze, als dass sie schade. Ihre Zielstellung seien mehr und besser bezahlte Jobs und höherer Wohlstand für mehr Amerikaner.

Die letzten Personalentscheidungen deuten aber daraufhin, dass man die Wall Street doch in Teilbereichen stärker regulieren wolle.

Chef der Börsenaufsichtsbehörde SEC soll Gary Gensler werden, ein Mann, der schon von 2009 bis 2014, also unter der Präsidentschaft von Barrack Obama, die Aufsicht über die Derivate CFTC innehatte. Er hatte damals die Untersuchungen bei den Manipulationen des Zinssatzes Libor geleitet und die Finanzreform umgesetzt. Er gilt als harter Hund in der Szene, aber wie könnte es auch anders sein – er hatte zuvor schon 20 Jahre bei Goldman Sachs gearbeitet.

Die Aufgaben der SEC dürften gewaltig sein, im Stadium der derzeitigen Spekulationsauswüchse. Zum Beispiel bei den Special Purpose Acquisition Companies, kurz SPAC genannt. Firmen, die zunächst Kapital über einen Börsengang einsammeln, um das Geld in die Übernahme eines noch nicht feststehenden Unternehmens zu investieren. Ein kaum regulierter Bereich, bei dem es wieder auf Kosten der Kleinanleger gehen könnte. Bereits in den ersten drei Wochen wurden im Bereich der SPACS schon wieder 56 solcher Mantelfirmen an die Börse gebracht und 16 Milliarden Dollar an Geldern eingesammelt. Nach 300 Firmen im Jahr 2020.

Was Gensler auch besonders auszeichnet, sind seine Kenntnisse im Bereich der Kryptowährungen – einem Thema, über welches er auch an seiner Universität gelehrt hat. Er hat sich zur Szene schon sehr kritisch geäußert und wird sich ganz besonders mit Fintech-Unternehmen und Kryptowährungen befassen.

Unterstützt wird Gensler von Rohit Chopra, der Chef der Verbraucherschutzbehörde für Finanzprodukte (CFPB) werden soll, die nach der Finanzkrise gegründet wurde.

Der Mann hatte sich bereits in in seiner Zeit bei einer anderen Behörde gegen die Macht der großen Tech-Konzerne ausgesprochen. Er stimmte für die Klage der Behörde gegen Facebooks ungesetzliche Monopolisierung, der sich auch eine Gruppe von Generalstaatsanwälten angeschlossen. Unter Trump war der Einfluss der Verbraucherschutzbehörde deutlich zurückgefahren worden.

Chef der Bankenaufsicht (OCC) soll Michael Barr werden, ein Mann der auch schon im Finanzministerium zu Obamas Zeiten gearbeitet hatte und nun auf 1200 Banken ein Auge werfen soll.

Die Personalauswahl Bidens zeigt in jedem Fall, dass dem Schutz der Verbraucher zulasten der großen Firmen mehr Bedeutung zukommen wird – und das könnte ein Problem für die Wall Street werden.

Fazit

Wieder einmal stellt sich bei einer neuen Regierung die Frage, wie viel von den Programmpunkten aus dem Wahlkampf im politischen Kampf und vor allem gegen das mächtige Kapital der Wall Street in den USA umgesetzt werden kann. Wer glaubt, dass es jetzt zu einer größeren Umverteilung von Wall Street zu Main Street kommen würde, dürfte ein bisschen blauäugig sein. Bidens Mannschaft besteht aus vielen älteren Semestern, die schon unter Barrack Obama im Einsatz waren.

Außerdem spielen die Wall Street und die Kapitalmärkte in den USA eine viel dominantere Rolle als in allen anderen Industriestaaten der Welt. Es dürfte kaum Gouverneure, Senatoren und Politiker in führenden Positionen geben, die nicht auf einem großen Aktienpaket sitzen. Den Ast ansägen, auf dem man selbst sitzt? Das beste Beispiel ist doch die ehrwürdige Sprecherin der Demokraten, die bereits 80-jährige Nancy Pelosi. Wenn die Grande Dame der US-Demokraten sogar eine halbe Million Dollar für Optionen auf die Tesla-Aktie gesetzt hat, erst vor Kurzem und bereits in der Gewissheit in Regierungsverantwortung zu stehen, was werden wohl die anderen Abgeordneten in ihrem Vermögensdepots haben? Bestimmt kein gefülltes Girokonto, wie unser Finanzminister.

Ergo: Regulierungen an der Wall Street werden kommen, aber wohl immer noch mit Schonung des Aktien-Wunderlandes USA.

Wird die Biden-Regierung die Wall Street bald stärker regulieren?

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Aktien

Auto1 vor IPO: Buch gut gefüllt, Aktie im Pre-IPO-Handel höher

Claudio Kummerfeld

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am

Börsenkurse

Haben wir eine Coronakrise, eine Rezession so schlimm wie seit Jahrzehnten nicht mehr? Nein, Notenbanken und Regierungen schließen die Lücke, die Börse läuft auf Rekordkursen, und alles wird gut? Jetzt gibt es den nächsten Kandidaten für die große Sause, nämlich die Firma Auto1 aus Berlin. Sie gab gestern Details für ihren Börsengang in Frankfurt bekannt, wonach am 4. Februar der erste Handelstag stattfinden soll (Angebotszeitraum für die Aktien läuft vom 26. Januar bis 2. Februar). An der Frankfurter Wertpapierbörse wird die Aktie von Auto1 unter dem Handelssymbol AG1 und der ISIN DE000A2LQ884 zu finden sein.

Laut aktuellen Berichten haben am Börsengang von Auto1 beteiligte Banken gemeldet, dass Kauforders für das vollständige Emissionsvolumen von 1,5 bis 1,8 Milliarden Euro vorlägen. Daran erkennt man, wie groß der Drang der Börsianer sein muss. Man blicke auf zahlreiche andere IPOs dieser Tage, und möchte sagen: Es gehört auch hier zum guten Ton dazu, dass das begehrte Unternehmen natürlich noch Verluste macht. So hat Auto 1 nach eigenen Angaben letztes Jahr 2,8 Milliarden Euro umgesetzt und gut 15 Millionen Euro Verlust gemacht. In drei Jahren will man in die Gewinnzone kommen.

Wer das Unternehmen nicht kennt: Auto1 kauft nach eigenen Aussagen über zwei Kanäle Fahrzeuge an. Über das Netzwerk der wirkaufendeinauto.de-Marken biete man Verbrauchern eine einfache Möglichkeit, ihre Gebrauchtwagen zu verkaufen. Die Remarketing-Lösungen für Händler würden den Partnern helfen ihren Bestand an Gebrauchtwagen zu verkaufen. Die Fahrzeuge werden dann auf den Verkaufskanälen der AUTO1 Group, der Konsumentenmarke Autohero und der Handelsplattform für Händler, AUTO1.com angeboten.

Die Anleger scheinen auch im vorbörslichen inoffiziellen Handel auf die Aktie abzufahren. Im „Handel per Erscheinen“ auf Tradegate sieht man bei einer IPO-Spanne von 32-38 Euro aktuell einen Handelskurs von 44-47 Euro. Mag sein, dass anfangs ein kleiner Hype entsteht. Schaut man aber auf zahlreiche IPOs in Deutschland und vor allem in den USA in den letzten Jahren, dann darf man aber fragen, ob der Kursverlauf in den nächsten Monaten von Erfolg gekrönt sein kann. Man sieht jedenfalls aktuell: Nach allem menschlichen Ermessen wird das IPO von Auto1 kurzfristig ein Erfolg werden (wenn bis dahin nicht noch ein großer Börsencrash geschieht). Auto1 will übrigens von den angestrebten Einnahmen von 1 Milliarde Euro rund 750 Millionen Euro in das Wachstum des Unternehmens stecken, und 250 Millionen Euro in die Rückzahlung einer bestehenden Wandelanleihe.

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Aktien

Aktien: Blase? Manches spricht wohl eher dagegen!

Erleben wir derzeit eine große Blase bei Aktien? Warum fallen die Börsen nicht bei den immer wieder aufs Neue präsentierten „Bad News“?

Wolfgang Müller

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Erleben wir derzeit eine große Blase bei Aktien? Derzeit wundern sich viele über die Langlebigkeit der Euphorie an den Märkten bei bestimmten Aktien: bei den ständig zitierten Mode-Aktien, ob im Elektromobil- oder im Wasserstoffbereich, oder bei Pennystocks, die teilweise jenseits von Gut und Böse notieren. Aber auch über unglaubliche Stories bei den wiederentdeckten aus dem Bereich Aktien . Dort ist nicht alles „Dreck“, der nach oben gespült wird. Es gibt hierfür sogar fundamentale Zusammenhänge. Unabhängig von einer bevorstehenden Korrektur, die aufgrund der Hemmungslosigkeit von bestimmten Anlegerkreisen, immer wahrscheinlicher wird.

Aktien und die Mutter aller Kursanstiege

„We are in a bubble, but it’s a rational bubble“, so der sehr geschätzte Pimco-Berater Mohamed-El-Erian kürzlich in einem Interview. Was meint er damit?

Natürlich den großen Einsatz der Notenbanken, der alte Relationen bei Gewinn- und Umsatzdaten von Aktien und Indizes relativiert, deshalb ist es stets etwas verwunderlich, warum man alte Daten als Vergleichsmaßstab für Übertreibungen heranzieht.

Was bereits seit vielen Jahren die Aktienmärkte unterstützt, ist die Marginalisierung der Anlageklasse Anleihen, wie an diesem Chart ersichtlich, der eine Korrelation zwischen Bilanzausweitung der Notenbanken und dem Welt-Aktienindex aufzeigt.

Aktien - eine Blase? Die Bilanzen der Notenbanken

Die Branchenrotation

Als man im Spätsommer 2020 erkannt hat, dass es in absehbarer Zeit eine medizinische Lösung für die Covid-19 Pandemie geben könnte, ist eine Gattung von Aktien angesprungen, die besonders unter den Wirtschaftseinbrüchen gelitten hat und bereits schon ein Jahrzehnt die Wachstumsaktien underperformt – der Sektor der Small Caps. Klar ist der Nebenwerte-Index Russell 2000 sehr schnell gestiegen und manche Branchen wie der Energiesektor haben kleine Fahnenstangen ausgebildet – aber ist das eine Bubble? Wenn man sich die langfristige Performance betrachtet? Ich habe bereits im Herbst in einigen Artikeln darüber berichtet, dass es langfristig immer zu einem Ausgleich zwischen den Großen und den Kleinen und zwischen Value und Growth gekommen ist. Mit Small Caps meine ich natürlich nicht die vielen Pennystocks, die von Neo-Zockern derzeit „gehypt“ werden. Auch diese scheinbare Erfolgsgeschichte wird ein Ende haben. Hier sieht man die großen Zyklen der Auf- und Abschwünge.

Aktien in einer Blase? Small Caps

Zu Zeiten von Corona ein 42-Jahrestief, getrieben durch den Hype um die GAFAM-Titel. Die Small Caps befanden sich vor ein paar Monaten noch auf einem 20-Jahrestief und es ist nicht alles „Dirt“, der nach oben gespült wird.

Value gegen Growth

Wie bereits erwähnt, gibt es seit Jahrzehnten einen Zweikampf zwischen den Wachstums- und den langweiligen Aktien aus dem Bereich Value, bei denen es immer wieder zu einem Ausgleich in der Performance gekommen ist. Was liegt also näher, als dass der technogielastige Nasdaq-Index nach seinen 1100 Prozent Performance seit 2009 sich eine Zeitlang schlechter entwickeln wird, als die Aktien aus dem Bereich Value? Dafür dürften schon allein die Regulationen unter der neuen Regierung Biden sorgen. Deshalb wird die Breite der Kursanstiege zunehmen, weil die Big Seven mit ihren 27 Prozent Marktanteil an Dominanz verlieren könnten. Hier ein langfristiger Chart, der das Auf- und Ab zwischen den Anlageklassen dokumentiert.

Die Vergleiche zwischen Energie- und Finanztiteln und dem S&P 500 und zwischen Gesundheit, Konsumgüterherstellern, Versorgern und dem Leitindex.

Die Entwicklung der Aktien Zykliker und defensive Aktien

Fazit

Warum fallen die Börsen nicht „Stante Pede“ bei den immer wieder aufs Neue präsentierten „Bad News“? Zum einen, weil die oben beschriebene Branchenrotation läuft und weil die Märkte Corona abgehakt haben und aufgrund des zeitlichen Vorlaufs schon auf den Herbst blicken. Unabhängig von den jederzeit möglichen Korrekturen, aufgrund der vielen Anleger, die glauben an den Börsen einen „Free Lunch“ zu bekommen. Bei dem Irrsinn am Optionsmarkt mit kleinen Titeln, die immer wieder „Gamma-Squeezes“ auslösen. Deshalb kann jederzeit ein Washout einsetzen, die Volatilität steigen.

Vergessen wir aber bei all der Zockerei mit den kleinen Aktien nicht. Alle 2000 Werte im Russell zusammen besitzen nicht einmal ein Zehntel der Marktkapitalisierung des Aktienmarktes in den USA. Allein eine Enttäuschung bei einem FAANG-Wert in dieser Berichtssaison wird größere Marktreaktionen zeitigen, wie ein Wert GameStop, auch wenn er auf absurde 10 Milliarden Dollar gepusht wird, es ist nicht einmal ein halbes Prozent von Apple. Die große Gefahr lauert im Nasdaq.

Der Verlauf der Corona-Krise, Beispiel USA: Die Coronainfektionen haben bereits offiziell die schreckliche Zahl von 26 Millionen Bürger (7,7 Prozent der Bevölkerung erreicht). Nimmt man die Dunkelziffer in moderater Form hinzu, dürfte man schon bei 100 Millionen Menschen angelangt sein. Aber wie viele Menschen wurden schon in wenigen Wochen geimpft? Über 22 Millionen und es werden in Kürze mehr als eine Million pro Tag sein, wenn AstraZeneca, Johnson&Johnson, CureVac, Novavax, Inovio, Sanofi und viele andere auch noch auf den Markt drängen (nach BioNTech und Moderna). Die Zahl der Impfstoffprojekte beträgt aktuell 186, 60 davon sind in klinischen Studien. Da scheint das Vorhaben der USA die eigene Bevölkerung bis in den Spätsommer immunisiert zu haben, gar nicht so abwegig zu sein. Nicht so sehr in der EU, die sich beim Ordern der Impfdosen über den Tisch hat ziehen lassen (America und Money First). Darauf blicken die Märkte – aber was das mit Kapitalmarktzinsen, Inflation und Firmenpleiten zu diesem Zeitpunkt macht, das ist das Thema des Herbstes und kann auch heute nicht von den Börsen beurteilt werden.

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