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Börsenjahr 2021: Es gibt Freibier für alle!

Jede Menge Euphorie für das Börsenjahr 2021

Wie wird das Börsenjahr 2021 verlaufen? Nun, vorab möchte ich erwähnen, dass der folgende Text wohl eine Mischung ist aus Nachricht, kritischem Kommentar und Realsatire. Von jedem etwas. Das Motto des kommenden Jahres lautet wohl „Freibier für alle“. Markus Fugmann hatte es in seinem Video von gestern Abend schon gut und kritisch besprochen (hier anzusehen). Alle Kurse können ja nur noch steigen? Egal ob Dax, Dow, Nasdaq, Bitcoin, Gold? Alles geht nur noch nach oben?

Viele Gründe für Rekorde im Horrorjahr

Die Kleinstanleger, die im Jahr 2020 dank Corona und Zuhause-Rumsitzen wohl zu viel Langeweile und zu viel angehäuftes Kleingeld hatten, befeuern derzeit zusätzlich die Börsenhausse. Dazu noch das ganz frisch in den USA beschlossene Stimulus-Paket. Dann noch der Start der Impfungen gegen Corona. Auch in den „Leitmedien“ kann man derzeit nachlesen, wie toll doch alles werden wird. Seit zwei Wochen liest man im Handelsblatt auf der Hauptseite ein Interview mit einem Wirtschaftshistoriker. Thema: „Nach der Pandemie wird es eine Einkaufstour gigantischen Ausmaßes geben“. Na also, riesige Nachholeffekte, die für einen weiteren Wirtschafts-Stimulus sorgen werden.

Also sind die derzeitigen Rekordstände an den Börsen berechtigt? Der Dax ist auf Rekordniveau, die US-Indizes sowieso. Der Bitcoin erreichte erst vor zwei Tagen sein neues Allzeithoch. Also selbst das angeblich neue Flucht-Asset haussiert, während die Assets, vor denen man angeblich flieht, ebenfalls auf Allzeithochs notieren. Irgendwas passt da nicht? Nein, man findet dieser Tage für alles eine gute Erklärung. Der Goldpreis, der notiert noch nicht auf einem neuen Allzeithoch. Aber dass es nächstes Jahr eine weitere Gold-Hausse geben könnte, ist möglich. Denn auch hier gibt es gute Argumente. Die Gelddruck-Orgien der Notenbanken, Verwässerung des Papiergelds, Null- und Negativzinsen, immer höhere Staatsschulden, drohende Inflation. Da ist eine weitere Fluchtwelle ins Gold nur logisch?

Gleichzeitig kann der Aktienmarkt im Börsenjahr 2021 immer weiter steigen, eben weil die Notenbanken immer weiter Geld drucken, womit alles geflutet und gepusht wird, hauptsächlich Immobilien und Aktien? Ach ja, siehe da. Die Immobilienpreise, die sind im Jahr 2020, im schlimmsten Krisenjahr seit Jahrzehnten, weiter kräftig angestiegen, weil die Regierung hierzulande alles gerettet und gestützt hat. Also  haben wir eine schlimme Rezession, aber keine Krise bei Immobilien, Aktien und anderen Geldanlagen. Ganz im Gegenteil. Die Lücke in Form eines brutalen Wirtschaftseinbruchs wird sozusagen mit dem Mörtel namens Druckerpresse aufgefüllt, und wenn der Nachfrageboom nach der Coronakrise kommt, hat die Börse gleich das Anschlussargument, um weiter steigen zu können?

Wer lange an der Börse unterwegs ist, der weiß: Der Crash kommt dann, wenn niemand, aber auch wirklich überhaupt niemand mehr daran glaubt. Wenn die völlige Euphorie herrscht, und alle nur noch von steigenden Kursen sprechen, dann ist der ideale Zeitpunkt für einen großen Crash gekommen. Aber halt. Dann müsste der Crash ja noch so lange warten, bis auch wir von FMW nur noch stumpf von steigenden Kursen sprechen?

Euphorie für das Börsenjahr 2021

Aber zurück zu den Leitmedien. Die Euphorie kennt keine Grenzen. Henrik Müller überschlägt sich derzeit im Spiegel vor Optimismus, und sieht die „Goldenen 20er Jahre“ auf uns zukommen. Nach der Coronakrise blühe uns ein rascher Aufschwung. Mehr noch – ein Jahrzehnt des Fortschritts könnte anbrechen, so seine Meinung. Na, bei solchen Aussichten, da sollte der Dax (als Frühindikator für die Konjunktur) schon mal schnell auf 20.000 Punkte steigen? Auch von Experten wie Robert Halver, Hendrik Leber und Co hört man derzeit Optimismus (mehr dazu hier). Jochen Stanzl von CMC Markets wird aktuell in einigen Medien so zitiert, dass große Probleme in letzter Sekunde gelöst wurden, und auf dem Weg aus der Corona-Pandemie seien Wirtschaft und Gesellschaft mit dem Impfstart in Europa ein ganzes Stück vorangekommen. Also, wie gesagt: Alles kann ja nur noch steigen im Börsenjahr 2021?

Man darf vermuten: Die Impfung breiter Bevölkerungsschichten braucht wohl noch mehr als ein halbes Jahr, und weitere Lockdowns stehen an. Oder besser gesagt, der aktuelle Lockdown bis 10. Januar wird verlängert werden? So oder so, man darf annehmen, dass Fed und EZB ihre Rettungsprogramme erneut aufstocken. Vorstellbar ist ja inzwischen alles. Wird die EZB, wenn sie alles am Anleihemarkt aufgekauft hat, was möglich war, auch andere Assets kaufen?

Kein Free Lunch?

Man denke wirklich an das Motto „Freibier für alle“ oder an den „Free Lunch“, wie die Amerikaner es nennen. Denn den gibt es nicht wirklich. Nur wollen alle oft gerne daran glauben. Seit Jahren gibt es keine marktgerechten Zinsen mehr. Mittelmeer-Länder wie Spanien haben inzwischen Null Prozent-Renditen bei ihren Staatsanleihen. Soll man dazu noch mehr sagen? Das Risiko eines Zahlungsausfalls existiert also demnach nicht mehr. Denn die EZB, die wird alles und jeden retten, egal was da kommt? Also gibt es ihn doch, den Free Lunch? Die Inflation wird nicht kommen, Regierungen und Notenbanken retten alles und jeden, drucken von nun an alle Krisen weg, die Südländer erhalten dauerhaft Transfergelder über die in 2020 gestarteten EU-Schuldenprogramme. Was für paradiesische Zustände.

Das Paradies, der Free Lunch, all die steigenden Kurse, die Millionen nicht arbeitslos gewordener Menschen, all das basiert nur auf einer einzigen Sache. Schulden. Kann man also sagen: Die Euphorie basiert nur darauf, dass die Kapitalmärkte an die Seriosität und Rechtsstaatlichkeit in Europa und den USA glauben, nämlich dass die Schulden immer ihren Wert für die Gläubiger behalten werden, dass man sich als Staat nicht für pleite erklärt, dass es eine unendliche Umschuldung gibt? Was ja letztlich eh kaum noch eine Rolle spielt, wenn die EZB der größte Gläubiger ist, wodurch ein Kreislaufsystem bei Schulden und Forderungen etabliert wird! Während Aktien und Immobilien dank immer weiterer Rettungen und Gelddruck-Orgien steigen können, da können Gold und Bitcoin steigen, weil ein Teil der Anleger sie als Fluchthäfen vor eben diesen Gründen ansieht? Also, alles kann nur noch steigen?



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13 Kommentare

  1. und was passiert, wenn die Gläubiger tatsächlich mal den Glauben in die Werthaltigkeit der Anleihen und damit der Währungen verlieren ?
    Mag ich dann lieber Cash am Konto haben oder Aktien ?

  2. Guter Kommentar vom sowieso vernünftigen Kummerfeld.Einziger Nachteil, mit einer solchen leicht skeptischen Ansicht wird man nie in den MMT Klub der weltberühmten BörsenProfis wie Lars Erichsen und Markus Koch aufgenommen.Sie sind zwar auch erstaunt über den Hype an den Märkten, finden aber trotzdem, dass die Notenbanken tun mussten was sie taten, nämlich mit dem Abschaffen der Zinsen den ganzen Anleihenmarkt als Konkurrenz zu den Aktien ausser Betrieb zu setzen.War doch immerhin der ganze Anleihenmarkt weltweit etwa dreimal so gross wie der Aktienmarkt.Da die Schulden immer die Guthaben einer Gegenpartei sind und nun fast alle einig sind,dass viele Schulden nie bezahlt werden können, müssen wir auch akzeptieren, dass irgendwann irgendwo Riesenverluste auftreten werden.
    Argentinien und Co. lässt grüssen.

  3. Gut erklärt, so funktioniert das System. Und deshalb wird alles nur noch nach oben gehen. Vielleicht gibt es auch mal technische Gegenreaktionen, aber Bärenmärkte wird es nicht mehr geben. Selbst über einen Bankencrash ala Lehman können Anleger nur noch schmunzeln, denn die Notenbanken würden die entstandenen Schäden heute einfach aufkaufen. An der Börse gibt es kein Problem mehr, dass mit Geld nicht zu lösen wäre. 20.000 Punkte im DAX ist keine Frage des Ob…Die neue Börsengeneration hat den Free Lunch serviert bekommen, schade für die alte Generation, die noch Verluste kennenlernen musste:-D

  4. The end is near, lets have a beer.

  5. @Roland.Nachher werde ich mich schimpfen,dass ich auf ihr,sicher nur unter Drogen zustandegekommenes,Geschreibsel,antworte.Sie sind nicht so einzigartig(beschränkt),wie sie vielleicht meinen.Die letzten,welche andauernd solch einen Stuss von sich gegeben haben,waren die Wunderwaffen verehrenden Vollnazis!(ich bin mir durchaus bewusst,dass mit dem Tausendjährigen Reich schwer zu argumentieren ist.Es dient jedoch auch öfter Journalistenprofis die extreme Diskrepanz zwischen Wunschvorstellung und Realität extrem darzustellen!A propos „Bankencrash a la Lehman“.Hätten Sie „Vom Aufstieg und Fall der Deutschen Bank“von Dirk Laabs gelesen,würde Ihnen wohl kaum solch ein „Schmähgedicht“ auf die Generation,welche noch „Verluste“gekannt hat,verfassen.Ein intelligenter Kabarettist der „Generation Verluste“sagt zu solchen wie ihnen:Wenn man keine Ahnung hat,einfach mal die Fresse halten!Derb aber angebracht.P.s.An die Redaktion:Meinen Kommentar weglassen,wenn er nicht dem Social Distancing entspricht.

  6. Charttechnisch begründbar ist aber schon, dass es im DAX bis zum nächsten großen Verfall im März mit kleineren dazwischen geschalteten Korrekturen bis 16400 gehen könnte. Ich jedenfalls bleibe bis auf weiters Long und geniese das leckere Freibier.

  7. @Koch. Lass doch den Roland schreiben. Als Palliativmediziner würde mich eher interessieren, welche Mittel er bekommt, um das ertragen zu können.

  8. @ Zimmermann, wenn ich auch den Corona -Chart betrachte ( wackelig nach oben gem.Born) hat auch Corona noch sehr viel Potential. Wenn die Fallzahlen sich verdoppeln und verzehnfachen werden wir medizinisch einProblem bekommen und die Leute werden merken dass fundamentale Daten wichtiger sind als Charttechnik.

  9. @Koch, eine neutral-semipermeable und Kritik-liberale FMW-Lesermehrheit habt uns mehrfach belehrt, dass man extrem Andersdenkenden keinen Drogenkonsum unterstellen darf. Das macht einen zum Oberlehrer, Blockwart, zum überheblichen Besserwisser. Das unterwandert einseitig die Menschenwürde und Meinungsfreiheit.

    Gehen wir im Sinne der Meinungsfreiheit also davon aus, dass Menschen und Bots daran glauben, was sie posten. Gerne denke ich in diesem Zusammenhang an den einmaligen Thai-Bauern zurück. Was hat der selbst in Alias als Walter, Vier-Säulen-Kasper und vielen anderen Namen seinerzeit für Unterhaltung und Stimmung gesorgt. Der Stimmungsaufschwung bei den Devisen in seinem Wunschland hat die Einfuhr von bayerischem Weißbier massiv befeuert. Seine Goldschätze, soweit noch nicht in bayerisches Gold umgetauscht, sollten ihn noch mehr jubeln lassen. Ich hoffe, er wurde nicht wegen Leberzirrhose oder Thai-Gras in Thailand oder Steuer- oder Subventionsbetrugs in Deutschland ruhig gestellt.

    Wie dem auch sei, verschwunden ist der lustige Bauern-Troll, ein leider noch viel dämlicherer, und nichtssagender Nachfolger tritt immer in die Fußstapfen. Roland, ein weiterer Bauer im Dumm- und Dümmer-Schachspiel ohne Springer, Läufer, Türme und Königspaare tritt an. Wollen Sie sich ernsthaft darauf einlassen?

  10. Jetzt hackt nicht immer so auf Roland herum. Erstens ist Übertreibung ein Stilmittel der Satire (und irgendwie habe ich den Eindruck, dass Roland eigentlich genauso fassungslos vor der Situation steht wie Markus Fugmann oder Claudio Kummerfeld). Zweitens spielt die subjektive Absicht von Roland auch keine Rolle. Er verdeutlicht schlichtweg die derzeit vorherrschende Stimmung am Markt in extremer Weise.

  11. @MMT-Leugner, der sowieso vernünftige Kummerfeld ist doch bereits Mitglied im exquisiten Zombie-Untergangs-Club. Vernünftig, wie er ist, will er sicher nicht auch noch einen Clubausweis im MMT-Verein beantragen. Nun, vorab möchte er erwähnen, dass der Text wohl eine Mischung aus Nachricht, kritischem Kommentar und Realsatire ist. Somit subjektiv, eine einzelne Meinung, ein individueller Kommentar in Richtung Satire.

    Argentinien & Co. lassen grüßen, was Ihre persönliche Einschätzung betrifft. Mit Leuten wie Ihnen könnten wir tatsächlich dort landen. Will aber kaum einer.

  12. @PK, Gegenfrage: Und was passiert, wenn die Gläubiger tatsächlich mal den Glauben in die Werthaltigkeit der Aktien verlieren?
    Mag ich dann lieber Cash am Konto haben, Gold, Immobilien oder Aktien ?

  13. @Michael

    Das hängt auch von Deinem Zeithorizont ab. Wenn Du die Aktien kurzfristig nicht verkaufen musst, kannst Du einfach abwarten. Die Unternehmen, die die Krise überleben, werden ja auch danach noch ihren Aktionären gehören. Und wenn sie wieder Gewinne machen, dann klappt es auch mit den Kursen.

    Auf ein Szenario, in dem alle Unternehmen kaputtgehen (oder zumindest die ganz große Mehrheit), kann man sich ohnehin nicht seriös vorbereiten, weil gar nicht absehbar ist, welche Verlaufsformen und politischen Weiterungen so eine Krise nähme.

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