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Börsenweisheiten: Eine absichtlich subjektive Analyse

Redaktion

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Von Claudio Kummerfeld

Es gibt so einige Börsenweisheiten, oder auch Bauernregeln, Zitate, Leitlinien von Gurus, Börsenexperten und Analysten. Hier eine absichtlich subjektive Analyse dieser Weisheiten, da Objektivität nicht möglich ist bei so einem Thema.

The Trend is your Friend

Wer dieses „Börsenweisheit“ einmal eingeführt oder erfunden hat, konnte ich nicht mehr rekonstruieren, aber der Spruch ist so abgeleiert, dass ich ihn nicht mehr hören kann. Mit dem „Trend is your friend“ verhält es sich wie bei der Reise nach Jerusalem. Wenn man noch einen Stuhl abbekommt, ist diese Weisheit echt prima. Die Leute, die z.B. dachten der Absturz des Euros würde immer so weitergehen, und haben vor Kurzem z.B. bei 1,06 geshortet in der Hoffnung EURUSD würde stramm Richtung Parität marschieren, kann erleben, dass jeder Trend einmal endet. Die „Nach hinten-Verlegung“ der US-Zinsanhebung, die Janet Yellen quasi verkündet hat, kann jetzt eine kurz- und mittelfristige Trendumkehr im EURUSD einleuten, und wer an einen langen Abwärtstrend glaubte gemäß des Mottos, war halt der Letzte bei der Reise nach Jerusalem und bekommt keinen Stuhl mehr ab. Das kann passieren. Denn der Trend ist nur so lange Dein Freund, wie er intakt ist. Also…. sinnfrei diese Weisheit.

Kaufe das Gerücht, verkaufe die Fakten

Da ist durchaus was dran. Börse ist Phantasie. Gibt es z.B. das Gerücht, dass eine Firma gekauft wird, treibt die Phantasie der Anleger eine Aktie oft monatelang nach oben. Wird dann die Übernahme tatsächlich verkündet, steht der Preis fest, die Phantasie ist weg, also weg mit der Aktie. Ähnlich verhält es sich mit „soft facts“, also weicheren Gerüchten als handfesten Firmenübernahmen.

Buy on bad news

Das geht in einem “funktionierenden” Markt. Was meine ich damit? Ein Markt funktioniert, wenn er sich in “normalen” Bahnen verhält. Ich denke mal alle sind sich einig, dass der derzeitige Markt nicht funktioniert, sondern durch die Nullzins-Politik sowie die Geldschwemme der EZB mit Cash geflutet wird und gar nicht mehr anders kann als zu steigen, bis irgendwann der große Zusammenbruch kommt. Ein Markt, wo man sich (halbwegs) an realen Unternehmensbewertungen und Gewinnaussichten orientiert, funktioniert. In so einem Markt, wo eine Aktie z.B. mit einem gesunden KGV von sagen wir mal 12 bewertet ist, und druch ein schlechtes Quartalsergebnis sackt die Aktie ruckartig ab, und das KGV verbilligt sich auf 9 oder 8…. das wäre ein Szenario, wo ich sagen würde die Börsenweisheit “buy on bad news” ist sinnvoll. Sowas kommt ja auch recht häufig vor, nur im derzeitigen Marktumfeld sind fast alle Aktien dermaßen überhitzt, dass man nicht alleine auf solche einzelnen Abrutscher setzen sollte.

Ein interessanter Marktkommentator (Experte) ist z.B. Marc Faber. Er sagte einige Krisen richtig voraus. Aber auch er liegt nicht immer richtig.

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Sell on good news

Diese Börsenweisheit funktioniert natürlich besonders gut bei Aktien, die strukturell nicht viel zu bieten haben (Zalando?)… steigt so eine Aktie steil an, weil es z.B. Übernahmegerüchte gibt, ist diese Börsenweisheit meiner Meinung nach gerechtfertigt, da man als Anleger ja weiß, dass nichts wirklich Substanzielles hinter der Kurs vorhanden ist. Gewinn einstreichen und sich drüber freuen! Das Problem hat dann derjenige, der auf dem hohen Niveau gekauft hat. So ist das an der Börse.

Niemals in ein fallendes Messer greifen

Überschneidet sich etwas mit “buy on bad news”… diese Weisheit kann wichtig werden, wenn die aktuelle Blase platzt. Kommt es zu einem lang anhaltenden Absturz, sagen wir mal von 12.000 im Dax runter auf 7.000, verbrennt man sich fürchterlich die Finger, wenn man bei 11.000 oder 10.000 eingestiegen ist, weil man dachte das war es jetzt schon. Nach dem Absturz 2008 war es ja ähnlich. Natürlich kann ich verstehen, dass Vollblut-Börsianer versuchen den absoluten exakten Tiefstpunkt zum Einstieg zu erwischen, aber das zu erreichen, ist reiner Zufall. Es ist eine Gefühlssache, mit viel Glück verbunden, ob man auf einem guten tiefen Niveau einsteigt. Auf jeden Fall sollte man an diese Weisheit immer denken, wenn Kurse von so extrem hohen Niveaus zurückkommen. Oft denkt man “das war es jetzt” nach 1.000 Punkten Absturz, und einen Monat später ist man dann nochmal 1.000 Punkte tiefer. Es hängt einfach von der Größe der vorigen Blase ab.

Sell in May and go away

Eine statistische schwachsinnige Weisheit, vergleichbar mit Freitag dem 13. Nur weil aufgrund einer Wahrscheinlichkeitsrechnung an Freitagen, die auf den 13. fallen, minimalst mehr Unglücke passieren als an anderen Daten, hat das nichts zu bedeuten. Weil angeblich bis Mai die Kurse steigen, soll man dann auf dem Hoch verkaufen. Diese Weisheit kann man im Klo runterspülen; nützt nämlich nichts, wenn man einen 3 Jahre anhaltenden Crash hat.

Gegen den Trend schwimmen

In einem lang anhaltenden Trend wird man mit dieser Weisheit natürlich sein Geld los. Aber wenn sich das Ende eines Trends abzeichnet, sollte man diese Weisheit verinnerlichen. Z.B. wenn alle nur noch vom Kaufen und neuen Rekorden reden, sollte man langsam darüber nachdenken sich gegen den Trend zu stellen.

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“Was die klügsten Köpfe derzeit raten”

Kostolany

Andre Kostolany, der Altmeister der langfristigen Geldanlage (Gott habe ihn selig), verkündete in den 90ern sogar in der „Harald Schmidt Show“ seine Leitlinie für Privatanleger: „Kaufen Sie Aktien, dann legen Sie sich schlafen, schlafen sie, schlafen sie, und nach langer langer Zeit wachen sie auf und haben ein großes Vermögen„. Was der „normale“ Privatanleger kaum weiß, ist in der Branche kein wirkliches Geheimnis: Kostolany selbst, der dem Börsen-„Volk“ die langfristige Aktienanlage ohne „Rein raus“ predigte, praktizierte selbst das Gegenteil und zockte brutal, mit größtenteils Verlusten. Nur durch einige wenige Trades mit großen Gewinnen kam er zu einem ansehnlichen Vermögen. Da lässt es sich dann nach außen gut über Langfristanlagen reden. Aber es sei ihm gegönnt, er hat ja schließlich nichts Böses verbrochen. Aktien lange liegen lassen und „schlafen“ kann auch arg na ch hinten losgehen. Man sollte immer einen Blick auf seine Anlagen haben und auch bei extrem langfristigen Anlagen in der Lage sein teilweise Anpassungen vorzunehmen.

“Schafe werden geschlachtet”

“Weißt Du warum Fondsmanager auch nicht besser sind als der Markt? Weil sie Schafe sind, und Schafe werden geschlachtet”. Zitat von “Gordon Gekko” (Michael Douglas) aus dem Film “Wall Street”. Da ist was dran… Fondsmanager müssen ihr Geld auf so viele Einzelwerte streuen, sind gebunden an die Vorgaben des Fondsprospekts, haben Angst Verluste zu machen, haben Angst Anleger zu vergraulen, dürfen sich nicht lächerlich machen usw usw… am Ende zeigt die Realität, dass die allermeisten Fondsmanager schlicht und einfach langfristig schlechter sind als die Hauptindizes wie Dax, Dow und MSCI. Man kann sein Geld auch selbst in Einzelaktien anlegen, in viele einzelne Werte, und so seinen eigenen Fonds aufbauen. Man hat es selbst unter Kontrolle, und spart jede Menge Gebühren.

Hin und her macht Taschen leer

In der Tat, die Realität zeigt, dass extreme Zocker idR die größten Verluste machen. Krampfhaft versuchen Sie dann durch noch mehr Trades sich selbst und allen Außenstehenden zu beweisen, dass sie es doch können und nur genug zusätzliche Trades machen müssen, um die Verluste wieder reinzuholen. Die Kommissionen an den Broker vergrößern das Desaster noch – selbst wenn diese minimal gering sind, addiert sich das ganz schön auf. Aber da ist ja jeder für sich selbst verantwortlich.

Verluste begrenzen, Gewinne laufen lassen

Ein Pauschal-Spruch, der nicht auf Einzelsituationen anwendbar ist. Jede Aktie, jeder Index, jede Situation ist anders. Jedesmal muss man aufs Neue einschätzen, ob ein Stopp-Loss sinnvoll ist, wie weit er vom Einstieg entfernt sein sollte – und auch Gewinnmitnahmen können verdammt sinnvoll und angebracht sein.

Das Fazit für alle Börsenweisheiten

Was soll man von all den Weisheiten halten? Man kann sich alles anhören und in seine Meinungsbildung mit einfließen lassen. Letztendlich muss man nur wissen, dass man keine Börsensituation mit vorigen Phasen vergleichen kann. Jeder Trend, jede Situation ist anders, und man muss sich jedes Mal aufs Neue selbst eine eigene Meinung bilden.

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Aktien

Beschlossen: Dax mit 40 Aktien und neue Qualitätskriterien – hier die Details

Claudio Kummerfeld

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Der Wirecard-Skandal hat die deutsche Börsenlandschaft erschüttert. Ein Dax-Wert geht pleite und löst sich sang und klanglos als Luftnummer in Rauch auf. Die Vorstände sind in Haft oder auf der Flucht. Was für ein Debakel für die Deutsche Börse. Die Aufnahme- und Qualitätskriterien für die Indizes wie dem Dax waren wohl mangelhaft. Nach der Konsultation von Marktteilnehmern hat die Deutsche Börse jetzt Änderungen beschlossen. Hier alle Details, im Wortlaut von der Deutschen Börse:

Ab September 2021 wird der Leitindex DAX um zehn Werte auf insgesamt 40 Werte erweitert. Damit wird er die größten börsennotierten Unternehmen in Deutschland noch umfassender abbilden. Im Gegenzug verkleinert sich der MDAX-Index auf 50 statt bisher 60 Werte.

Ab Dezember 2020 müssen alle künftigen DAX-Kandidaten vor Aufnahme ein positives EBITDA in den zwei letzten Finanzberichten aufweisen.

Ab März 2021 wird es Bestandteil der Indexmethodologie, dass zukünftig alle Unternehmen in den DAX-Auswahlindizes testierte Geschäftsberichte und vierteljährlich Quartalsmitteilungen veröffentlichen müssen. Nach einer 30-tägigen Warnfrist führt ein Verstoß gegen diese Anforderungen unmittelbar zum Indexausschluss.

Infolge dessen entfällt für alle Unternehmen in den DAX-Auswahlindizes die Pflicht zur Notierung im Prime Standard der Frankfurter Wertpapierbörse. Die Notierung im Regulierten Markt ist künftig ausreichend. Diese neue Regel wird eingeführt, um dem Indexanbieter zu ermöglichen, im Falle einer Regelverletzung unabhängig und schneller reagieren zu können.

Zusätzlich müssen ab März 2021 alle Neuzugänge zur DAX-Familie den Empfehlungen des Deutschen Corporate Governance Kodex hinsichtlich eines Prüfungsausschusses im Aufsichtsrat entsprechen. Für bestehende Mitglieder gilt eine Übergangsfrist, um Kontinuität in der DAX-Familie zu bewahren; sie müssen die Vorgabe ab September 2022 erfüllen.

Ab 2021 gibt es bei den DAX-Indizes zweimal im Jahr eine planmäßige Hauptüberprüfung (März und September). Zurzeit gibt es eine derartige Überprüfung nur im September.

Um die Regeln zu vereinfachen, ohne jedoch auf Investierbarkeit zu verzichten, werden ab der Überprüfung im September 2021 Indexmitglieder nur noch nach Marktkapitalisierung bestimmt. Der Börsenumsatz wird bei der Rangliste nicht mehr berücksichtigt; stattdessen müssen Indexmitglieder eine Mindestliquidität aufweisen.

Nicht übernommen wird der Vorschlag zum Ausschluss von Unternehmen mit Beteiligung an kontroversen Waffen. Stephan Flägel: „Wir haben ein sehr heterogenes Meinungsbild zu den Themen Nachhaltigkeit und ESG außerhalb der Vorschläge, die wir zur Governance gemacht haben, bekommen. Es wird von vielen Seiten die grundsätzliche Frage aufgeworfen, ob diese Kriterien bei der Auswahl der DAX-Mitglieder eine Rolle spielen sollten. Deshalb werden wir den Austausch mit den Marktteilnehmern fortführen. Nachhaltiges Investieren ist und bleibt einer der wichtigsten Trends an den Finanzmärkten und wird das Investitionsverhalten in den kommenden Jahren grundlegend verändern. Das Thema ESG hat für Qontigo sehr hohe Priorität. Im März haben wir bereits den DAX 50 ESG Index gestartet und wir verfügen seit Längerem über eine breite Palette an ESG-Indizes, die wir auch künftig weiter ausbauen werden.“

Dax und MDax werden von der Deutschen Börse ermittelt
Foto: Deutsche Börse AG

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Markus Koch LIVE vor dem Handelsstart in New York – Impfstoff-Montag 3.0

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Markus Koch meldet sich im folgenden Video LIVE vor dem Handelsstart in New York. Den dritten Montag in Folge veröffentlicht ein Pharmahersteller einen konkrete Impfstoff-Meldung.

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SAP nach Kurssturz antizyklisch kaufen? – Werbung

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Lieber Börsianer,

das war nicht das Gelbe vom Ei, liebe SAP! Während die US-Konkurrenz in den Coronazeiten mit Cloud und anderen digitalen Anwendungen punktet, tritt die europäische Branchengröße auf der Stelle. Unter dem Strich sank der Umsatz um 4 %, während der operative Gewinn sogar um 12 % schrumpfte.

Offensichtlich sind die schwachen Quartalszahlen keine Eintagsfliege. So hat man die Umsatz- und Gewinnprognosen auch für die Jahre 2021 und 2022 gleich nach unten korrigiert. In der Folge erlebte die Aktie einen mächtigen Ausverkauf und verlor zeitweise über 20 % ihres ursprünglichen Wertes. Das kommt einem mittelprächtigen Erdbeben gleich.

Wo hakt es bei der SAP, warum kann das Unternehmen aus Walldorf zunächst nicht an die starken Wachstumsraten der vergangenen Jahre anknüpfen? Ich sehe drei Faktoren:

1)
Negative Währungseffekte: Die Dollarschwäche bzw. Eurostärke hat die Gewinnentwicklung spürbar belastet. Die US-Konkurrenz hingegen profitiert vom weichen Dollar.

2)
Das Covid-Virus: Die Software-Palette des Unternehmens ist nur eingeschränkt Corona-fest. Ein Beispiel: Mit der SAP-Software Concur planen die Unternehmenskunden der SAP Dienst- und Geschäftsreisen ihrer Mitarbeiter. Es bedarf keiner besonderen Erklärung: Diese Anwendung war in diesem Jahr kein Verkaufsknüller, sondern schlichtweg überflüssig.

3)
Schwächen in der Cloud: Aus der Branche hört man, dass SAP derzeit Defizite im Cloud-Geschäft hat. Die Kunden streben in die Cloud, allein SAP konnte nicht immer liefern. Hier gilt also: US-Konkurrenten wie Oracle und Salesforce haben hier die Nase vorne. Deshalb schwächelt das Neugeschäft der SAP.

Gleichwohl haben die Investoren – wie so oft – das Kind mit dem Bade ausgeschüttet. Der Kursrücksetzer war zwar notwendig, aber in seiner Dimension stark übertrieben. SAP verfügt über eine treue Kundenbasis. Rund 74 % des Umsatzes beruhen auf langfristigen Software-Verträgen. Mit anderen Worten: Das Unternehmen wird auch künftig gut verdienen und verfügt über die Mittel, um den technologischen Rückstand im Cloud-Geschäft wettzumachen.

Trotzdem: Kurzfristig ist die SAP-Aktie sicherlich noch kein Kauf. Wie gesagt es wurde schon Porzellan zerschlagen und Vertrauen verloren. Das deutsche Software-Unternehmen muss sich also nun…..

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