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Börsianer in Angst vor „Sozialisierung der KI-Gewinne“

Ein Gedanke wurde gestern in Südkorea in den Raum geworfen: Sollten Erträge aus KI-Erlösen sozialisiert werden?

Grafik: ChatGPT

Gestern früh sackten die Kurse von großen KI-Aktien in Südkorea plötzlich ab (siehe Chart), und zogen auch weltweit KI-Aktien mit nach unten. Der Auslöser: Ein hochrangiger Berater des südkoreanischen Präsidenten brachte die Idee für eine Art KI-Steuer auf den Tisch. Nach dem Motto: Sozialisierung der Gewinne aus KI-Geschäften? Eine gruselige Vorstellung für Konzernbosse, Fondsmanager und Anleger, aber eine verführerische Idee für Politiker?


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KI-Gewinne sozialisieren?

Die Frage ist eine Überlegung wert: Über Jahrhunderte von allen Menschen erstelltes, angesammeltes und niedergeschriebenes Wissen fließt in KI-Modelle und Rechenzentren ein, wo dieses Wissen quasi zu Geld gemacht wird. KI-Nutzer zahlen Abo-Gebühren an die Konzerne. Aber sollten die Konzerne dafür nicht vielleicht eine Art Gebühr, Steuer oder Gewinnbeteiligung zahlen, weil die Grundlage ihres Erfolgs auf dem Wissen basiert, das quasi alle Menschen in einer Gesellschaft erschaffen haben? Eine komplexe Frage, die nicht so einfach geklärt werden kann. Aber in Südkorea wurde diese Frage nun gestern in den Raum geworfen, und sie schwebt auf einmal über den Börsenkursen. Aber man sieht im Chart: Die Furcht hielt nur sehr kurz an.

KI-Aktien in Südkorea im Verlauf dieser Woche

Südkorea: Präsident stellt den Beitrag seines Politikchefs zur „Bürgerdividende“ klar

In Südkorea war die Aussage des Präsidentenberaters gestern ein Riesenthema, ein großer Aufreger. Der südkoreanische Präsident Lee Jae Myung erklärte daher heute beschwichtigend, der virale Beitrag seines Beraters über die Umverteilung von Gewinnen aus dem KI-Boom habe eine breitere öffentliche Debatte darüber anstoßen sollen, wie mögliche Steuermehreinnahmen verwendet werden sollten. Lee erklärte in einem Beitrag auf X, dass die Äußerungen seines Politikchefs Kim Yong-beom „eine Überprüfung eines Plans zur Verteilung der durch Übergewinne im KI-Sektor erzielten nationalen Steuereinnahmen an die Öffentlichkeit in Form einer Bürgerdividende“ darstellten. Es gebe keinen Hinweis darauf, dass Unternehmensgewinne zur Finanzierung solcher Zahlungen verwendet würden, sagte er.


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Kims Äußerungen auf Facebook lösten laut Bloomberg am Dienstag starke Schwankungen bei südkoreanischen Aktien aus, da Investoren Mühe hatten, den Umfang der Vorschläge einzuschätzen. Der Leitindex Kospi sank um bis zu 5,1 %, konnte seine Verluste dann aber wieder ausgleichen, nachdem der einflussreiche Politikberater klarstellte, dass er „Steuereinnahmen aus dem KI-Boom“ nutzen wolle, anstatt eine neue Sondersteuer auf Unternehmensgewinne einzuführen. Ein Vertreter des Präsidialamtes erklärte am Dienstag gegenüber Bloomberg News, Kims Äußerungen stellten seine persönliche Meinung dar und seien nicht Gegenstand formeller Diskussionen.

Der Gedanke ist in der Welt

Auch wenn man in Südkorea nun für die Börsianer die „Wogen geglättet hat“. Die Idee steht im Raum. Man denke nur mal an den aktuellen Drang vieler europäischer Länder, nun die Social Media-Nutzung für unter 16-jährige zu verbieten. Australien war das weltweit erste Land mit einem Verbot, das im Dezember 2025 tatsächlich in Kraft trat. Ab diesem Zeitpunkt konnten sich europäische Politiker gar nicht mehr zurückhalten. Man konnte nicht schnell genug ein ähnliches Verbot für sein eigenes Land fordern. Auch hierzulande treibt man dieses Projekt voran. Warum ich das erwähne? Durch so eine Äußerung wie in Südkorea kann eine globale Diskussion losgetreten werden: Soll die KI, die Wissen von überall her aus dem Internet wie ein Staubsauger aufsaugt, dafür aber nichts zahlt, die Erträge nur an ihre Veranstalter ausschütten? Oder soll die Gesellschaft, die dieses Wissen erschaffen hat, davon etwas abbekommen?

Die Idee einer Sozialisierung von Gewinnen aus KI-Geschäften könnte an Fahrt gewinnen, falls KI und Roboter wirklich in großem Umfang menschliche Arbeitsplätze überflüssig machen. Was, wenn so viele Menschen ihre Jobs verlieren, dass sie keine neuen Arbeitsstellen mehr finden können? Dann könnte die Idee konkret aufkommen, dass eine bereits besprochene „Robotersteuer“ oder auch eine KI-Steuer erhoben wird, damit Staaten die neuen Arbeitslosen damit finanzieren können. Oder gleich auf ein Modell des Grundeinkommens umsteigen, wenn KI und Roboter uns die Arbeit abnehmen? Andre Stagge hat sich zu dem Thema der möglichen Sozialisierung von KI-Erträgen gestern geäußert. Sehen Sie hier seine Videoanalyse.



Über den RedakteurClaudio Kummerfeld
Claudio Kummerfeld verfügt über langjährige Kapitalmarkterfahrung. Er berichtet als Finanzjournalist über aktuelle Marktereignisse. Dazu kommentiert er politische und wirtschaftliche Themen.
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6 Kommentare

  1. Die „Maschinensteuer“. Der Autor ist schon in die Falle getappt. Wissen ist da und wächst. Wer es nutzt, macht Gewinn, wer Gewinn macht, wird schon besteuert. Die Steuer ist also schon da.

    Die gleichen Leute, die früher bei einer Fortbildung gerne gesagt haben, „kannst Du Dir auch nichts von kaufen“, fordern dann hinterher, wenn Du Dir doch was von kaufen kannst, dass Du was abgibst.

    Zuerst muss man diesem sozialistischen Schwachsinn mal eine klare Absage erteilen. Wer so etwas ernsthaft diskutiert, wird hinterher nämlich mit Sicherheit ohne etwas zu verteilen dastehen.

    Durch die schiere Masse der betroffenen Menschen wird es allerdings zu einer politischen Frage, die aber auch schon lange da ist: wovon leben wir eigentlich, wenn unsere Verschuldungsmöglichkeiten ausgeschöpft sind?

    Unser ganzes System beruht auf den Begriffen der franz. Revolution. Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit.

    Das mit der Brüderlichkeit hat noch nie einer ernst genommen und heute wäre die erste Frage am Gymnasium wahrscheinlich die nach der Gendergerechtigkeit.

    Das Problem steckt in Freiheit und Gleichheit.

    Beides zusammen gibt es nicht. Freiheit erzeugt Ungleichheit und Gleichheit führt zu Unfreiheit.

    Menschen müssen sich für eins von beiden entscheiden. Sie tun das aber nicht. Sie gehen der Frage aus dem Weg so lange es nur geht. Wie lange das geht, ist eine Frage die kulturell unterschiedlich beantwortet wird. Den Franzosen brennt die Sicherung offensichtlich schneller durch, als den Deutschen.

    Fest steht: nur Freiheit ermöglicht einen wachsenden Wohlstand und damit das Potential für mehr Gleichheit. Anders herum funktioniert es nicht.

    Also? Ich habe keine perfekte Lösung. Die Geschichte zeigt, dass neue Technologien den Wohlstand insgesamt heben – nach einem meist schmerzhaften Umstellungsprozess auch für alle.
    Wenn man die Schmerzen aber vermeiden will, verhindert man auch den höheren Wohlstand. Das sehen wir in der Stagnation in Europa sehr deutlich jeden Tag.

    Die Lösung der Nachkriegszeit war sozial-liberal: man hat die Schmerzen zugelassen, aber gelindert.
    Ich denke, die Menschen haben das damals ausgehalten, weil alles besser war, als die vorangegangene Kriegszeit.

    1. @Felix
      Sie schreiben: «Die „Maschinensteuer“. Der Autor ist schon in die Falle getappt. Wissen ist da und wächst. Wer es nutzt, macht Gewinn, wer Gewinn macht, wird schon besteuert. Die Steuer ist also schon da.»

      1. Wissen und Informationen sind nicht kostenlos

      (Neues) Wissen zu generieren erfordert immensen Aufwand, Geld und Arbeit. Studien, Statistiken, Fachartikel und wissenschaftliche Arbeiten schreiben sich nicht von alleine; Forschung, Recherchen und Validierungen erledigen sich nicht im Schlaf.

      Wer bisher auf herkömmliche Art an Informationen gelangen wollte, bezahlte direkt oder indirekt dafür: durch den Kauf von Büchern, Fachzeitschriften oder Abonnements hinter digitalen Bezahlschranken. Und nun soll auch noch dieser kleine Tribut für große Investitionen in menschliche Denkleistung an oligarchische Konzerne fließen – indem KI-Nutzer teure Abo-Gebühren an diese Datenkraken entrichten?

      2. Minimale Steuern ersetzen keine Urheberrechtsvergütung
      Diese Tech-Giganten entwenden seit Jahren mehr oder weniger ungefragt persönliche Daten aus verschiedensten Anwendungen. Sie verknüpfen diese aus datenschutzrechtlicher Sicht äußerst fragwürdig zu «gläsernen» Profilen. Sie scheuen selbst vor digitalem Tracking nicht zurück, das man im analogen Leben schlicht als Stalking bezeichnen würde. Diese Profile werden in der Folge mit unanständigen Gewinnmargen an Werbetreibende verkauft – von denen die Nutzer dann ein zweites Mal instrumentalisiert werden.

      Und nun sollen diese ohnehin kaum versteuerten Rekordgewinne (die bspw. in Irland zeitweise mit mickrigen 0,005 % besteuert wurden) auch noch dafür genutzt werden dürfen, fremdes Wissen, Daten und Informationen völlig kostenlos abzugreifen? KI-Modelle machen vor Bezahlschranken nicht halt. Sie entrichten von sich aus weder Lizenzgebühren noch Urheberrechtsabgaben an Medienschaffende, Künstler oder Wissenschaftler.

      Das ist keine Besteuerung, das ist Enteignung zur eigenen Bereicherung.
      Denn hier werden das geistige Eigentum und persönliche Daten von Millionen Menschen kurzerhand sozialisiert, damit die Gewinne am Ende privatisiert werden können. Dass ausgerechnet ein libertärer Verfechter des freien Marktes diesen digitalen Raubtier-Sozialismus der Tech-Elite nicht hinterfragt, entbehrt nicht einer gewissen Ironie.

      3. Oligopole und Machtmissbrauch
      In der Summe führt all dies zu einer extremen Konzentration von Information, Wissen, Geld und Macht – in einem Ausmaß, das mit Demokratie und einer fairen, freien Marktwirtschaft nicht länger vereinbar ist. Dieses Geschäftsmodell bewegt sich dauerhaft am Rande der Legalität – regelmäßige Grenzüberschreitungen nicht ausgeschlossen.

      Sobald demokratische Mittelmächte versuchen, derartige Machenschaften etwas einzuschränken oder angemessene Steuern von den Broligarchen des Oligopols zu erheben, tritt der verbündete orangene Autokrat und Stadtbildverschönerer aus dem Oval Office auf den Plan und droht mit Zöllen, Sanktionen oder Annexion.

      Ist es das, was Sie unter Freiheit und angemessenen Abgaben verstehen?

      Für jemanden, dem das Recht auf Privateigentum eigentlich heilig sein müsste, verteidigen Sie hier ein erstaunlich kollektivistisches Prinzip: Die schamlose Enteignung vieler Individuen zum Wohle einer Handvoll Tech-Milliardäre 😘

      1. Guten Morgen!

        Ich finde Ihren Beitrag sehr gut, weil man so argumentieren kann. Ich habe deutlich gemacht, dass ich die Probleme ebenfalls sehe. Allerdings werden alle diese Probleme für die am größten, die sich der Entwicklung mit Umverteilung entgegenstellen. Umverteilung der Gewinne von Innovation bedeutet, weniger Innovation. Gesellschaften die hier vorgeblich etwas Gutes tun wollen, werden nur erreichen, dass große Teil ihrer bestehenden Produktion ihre Konkurrenzfähigkeit verlieren und das soziale Problem größer als ohne Umverteilung wird.

        Ein paar Anmerkungen zum besseren Verständnis meiner Position:

        1. Es war schon immer so, dass ein Buchkäufer, die im Buch enthaltenen Informationen nutzen konnte. Ob er sich durch Weiterbildung zum Unternehmer entwickelte, wie etwa der Gründer von Rocket Lab, oder sich zum Multiplikator macht, um damit Geld zu verdienen oder ein sonstiges Ziel zu verfolgen, liegt in der individuellen Freiheit begründet.
        Ich finde auch, für eine KI sollten die Informationen auf dem gleichen Wege gekauft werden, wenn sie nicht gemeinfrei sind.
        Nach meiner Erfahrung behaupten die meisten KIs, die Urheberrechte zu schützen, und zumindest inhaltliche Diskussionen beweisen, dass sie über wenig „Buchwissen“ verfügen.
        Ob sie das vortäuschen, um Urheberrechtsverletzungen zu vermeiden, oder um Inhalten aus dem Weg zu gehen, die ihrer politischen Programmierung widersprechen, kann man nur vermuten.

        2. Machtmißbrauch gibt es leider immer. Aber in einer maximal freiheitlichen Gesellschaft wird er minimiert. In kollektivistischen Systeme wird er maximiert.

        3. Niemand wird gezwungen, sich ein KI-Abo zu kaufen. Es scheint auch nicht der Weg zu sein, um die nötigen Investitionen zu amortisieren.

        4. Was die persönlichen Daten betrifft, stimme ich Ihnen zu. Aber jeder entscheidet selbst, welche Systeme er nutzt. Niemand wird dazu gezwungen, sich vollkommen zu digitalisieren. Noch nicht. Meist sind diejenigen, die mehr besteuern wollen, auch die, die vom Staat mehr digitale Überwachung wünschen. Das sollte zu denken geben.
        Sie können einwenden, dass bestimmte Berufe in der Zukunft darauf angewiesen sein können – aber niemand muss diese Berufe ergreifen oder sie innerhalb einer bestimmten Jurisdiktion ausüben. Wir akzeptieren das auch an anderer Stelle: ganz selbstverständlich wollen Linke oft keine Polizisten oder Soldaten werden, und Rechte auch nicht, aus ganz anderen Gründen.

        5. Relevantes Wissen entsteht meist spontan und durch Eingebung, allerdings nach vorhergehender Arbeit. Das ist für unsere Frage hier zunächst nicht relevant, läßt mich aber am finalen Erfolg der „Superintelligenz“ zweifeln.

        6. Linke argumentieren schon immer so, dass sie sagen, es genügt nicht, Freiheitsrechte in die Verfassung zu schreiben. Es muss auch jeder in den Stand gesetzt werden, diese Freiheit zu nutzen. Deswegen verteilen sozialistische Systeme das Geld anderer Menschen an irgendwen.
        Das ist der Grundfehler im Denken, der dazu führt, dass die Menschheit nur im Krebsgang voran kommt.

  2. Dr. Sebastian Schaarschmidt

    Wenn ich 40..50..60..Prozent Gewinn jedes Jahr mache…warum habe ich dann Angst vor höheren Zinsen…?

    Oder existieren diese Gewinne nur auf dem Papier und sind gar… nur durch neue Schulden… finanziert…?

    Dann sollte ich viel Angst haben…

    Bis jetzt konnten die Unternehmen ihre neuen Schulden …mit immer tieferen Zinsen refinanzieren…aber was wenn nicht mehr…?
    Wenn die Notenbanken diesmal nicht eingreifen können oder wollen …was dann..?
    Wenn die Inflation länger oben bleibt….?
    Dann wäre die Phase des billigen Geldes vorbei…

  3. Seit Längerem frage ich mich, wie die Staaten die Steuerausfälle kompensieren wollen. KI Arbeitsplätze zahlen weder Einkommenssteuer noch konsumieren sie.

    1. Dafür gibt es einen Spruch: Spare in der Zeit, dann hast Du in der Not. Die staatliche Variante ist: Spare in der Not, dann hast Du Zeit dazu.

      Die „Volksvertreter“ sind heute alles Millionäre durch Kickbacks und Insider-Spekulation. Was glauben Sie, wen die als Nachbar haben und wessen Interessen sie im Zweifel höher ansetzen?

      Bereiten Sie sich vor auf:

      Einsparungen bei allem, was das Volk braucht. Renten, Stütze, Krankenkasse, Öffentlicher Dienst usw.. Der Kanzler hat es doch schon gesagt: Sie müssen mehr arbeiten.

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