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„Böse Bank Goldman Sachs unterstützt Diktatur in Venezuela“: Nein, die Fakten sehen anders aus – ein Skandal, der keiner ist!

Aber wer wie was warum, wieso kann Goldman eine Schuld des Landes Venezuela im Wert von 2,8 Milliarden Dollar für nur 865 Millionen Dollar kaufen? Hat man mit der Regierung Maduro gekungelt? Gibt es eine Verschwörung, eine Hilfe der bösen Kapitalisten für…

Redaktion

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FMW-Redaktion

Den Vorwurf haben wir in Ausrufezeichen gesetzt, weil er heute oberflächlich durch soziale Medien und durch so einige Medienportale umher geistert. Die „böse Bank Goldman Sachs“, die ja inzwischen für fast alles Böse im Finanzwesen herhalten muss (manchmal auch berechtigt), soll doch tatsächlich die sozialistische Diktatur in Venezuela unterstützen, in den man venezuelanische Anleihen gekauft und damit der Regierung frische Devisen verschafft hat. Gut, ob die Regierung von Präsident Maduro nun eine Diktatur ist, oder was genau es sonst ist – da mag sich jeder seine eigene Meinung bilden.

Es gibt heute in Deutschland Medienportale, die konkret davon sprechen, dass Goldman die Regierung Maduro mit diesem Investment direkt unterstützt, also dass Geld an die Regierung geflossen ist. So wird unter anderem konkret davon gesprochen, dass die Regierung Maduro ausgerechnet in dem Wall-Street-Institut einen Retter in der Not gefunden habe. Diese Formulierung suggeriert, dass frisches Geld in die Staatskasse geflossen ist. Das ist aber inhaltlich falsch. Es ist auch nicht wichtig, dass Goldman in die Anleihe der staatlichen Ölgesellschaft investiert hat. Denn allen ist ja klar, dass sie zum Staat gehört, und er damit auch Zugriff auf solche frischen Devisenzuflüsse hätte.

Was ist genau passiert: Goldman Sachs kaufte eine Anleihe der staatlichen Ölgesellschaft PDVSA. Laut „WSJ“ kaufte man die Anleihe, die einen Rückzahlungswert (Nennwert) von 2,8 Milliarden US-Dollar hat, zu einem Discountpreis von 865 Millionen Dollar (31 Cents auf den Dollar). Da am Ablauftag der Anleihe im Jahr 2022 der Nennwert von 2,8 Milliarden Dollar fällig ist, streicht Goldman die Differenz als Gewinn ein – natürlich nur für den Fall, dass Venezuela die Anleihe auch zurückzahlen kann und will. Aber bisher hat die Regierung Maduro stets alles dafür getan am Kapitalmarkt mit Ach und Krach die Verpflichtungen zu erfüllen.

Aber wer wie was warum, wieso kann Goldman eine Schuld des Landes Venezuela im Wert von 2,8 Milliarden Dollar für nur 865 Millionen Dollar kaufen? Hat man mit der Regierung Maduro gekungelt? Gibt es eine Verschwörung, eine Hilfe der bösen Kapitalisten für den bösen linken Diktator? Nein, die Antwort ist leider langweilig und alles andere als ein Skandal. Goldman bestätigt, dass man die Anleihe am sogenannten „Sekundärmarkt“ gekauft hat. Diese Anleihe notiert längst am freien Anleihemarkt. Das heißt zwischen privaten Investoren werden diese Anleihen gehandelt zum jeweils gängigen Marktpreis. Ein privater Verkäufer reicht die Anleihe an einen anderen privaten Käufer weiter. Der Staat Venezuela hat mit dieser Transaktion daher überhaupt nichts zu tun, und bekommt auch kein frisches Geld in die Kasse!

Aber warum so ein billiger Kaufpreis? Ganz einfach. Der Kurs einer Anleihe spiegelt immer die Wahrscheinlichkeit wieder, ob der Schuldner am Laufzeitende auch die Schuld zurückzahlt. Im Fall von Venezuela glauben die Investoren derzeit anscheinend, dass diese Wahrscheinlichkeit extrem gering ist. Von daher wettet Goldman mit großem Risiko darauf, dass Venezuela in fünf Jahren noch nicht pleite ist und zurückzahlen kann. Selbst wenn sich Maduro mit Goldman in fünf Jahren einigen sollte vielleicht statt 2,8 nur 2,5 oder 2,0 Milliarden Dollar zurückzuzahlen, wäre es immer noch ein richtig guter Deal für Goldman.

In dem Fall hätte Goldman verdient, und Maduro gespart. Die Kreditwürdigkeit des Landes bliebe erhalten, und alle hätten gewonnen. Aber halt: Wenn alle gewinnen, muss es doch trotzdem irgendwo einen Verlierer geben? Richtig. In diesem Fall wäre der private Anleiheverkäufer am freien Anleihemarkt der Verlierer, der Angst vor einer Staatspleite Venezuelas hatte, und die Anleihe so günstig an Goldman abgibt. Dieser Investor hat den Verlust. Man könnte Goldman´s Wette auch anders interpretieren: Man hofft auf einen Sturz von Maduro, bessere wirtschaftliche Verhältnisse und einen raschen Vertrauensgewinn in die Anleihen, womit man einen schnellen Kursgewinn machen könnte!

Auch andere Investoren kaufen und verkaufen am freien Anleihehmarkt venezuelanische Anleihen. Das beeinflusst in keinster Weise die Lage im Land und bringt der Regierung ebenfalls kein frisches Geld. Nur hat wohl nicht jeder so einen „bösen“ Namen wie Goldman Sachs. Der oppositionelle venezuelanische Parlamentspräsident Borges hat dennoch an Goldman-Chef Blankfein einen offenen Brief gerichtet. Darin beklagt er, dass Goldman dem „diktatorischen Regime eine finanzielle Rettungsleine“ gereicht habe, und die Bank suche den „schnellen Dollar im Leid meines Volkes“, so Borges. Das ist aber inhaltlich falsch!

Fazit unsererseits: Bei diesem Deal gibt es keinen Skandal, kein schmutziges Geschäft, kein bösen Deal! Wäre Goldman Erstkäufer der Anleihe bei der tatsächlichen Erstausgabe gewesen, dann wäre es eine Unterstützung der Regierung Maduro gewesen, denn dann würde das frische Geld an den Staat fließen. Aber in diesem Fall hat Goldman am freien Anleihemarkt von einem anderen Marktteilnehmer diese bereits existierende Anleihe gekauft, und das Geld floss an den privaten Verkäufer. Also hat vorher irgendein anderer Investor bei der Erstemission Geld an den venezuelanischen Staat gezahlt. Wenn man jemanden anprangern sollte für die Unterstützung von Maduro, dann diesen Investor, der bei der Erstemission gezeichnet hat. Goldman beeinflusst mit seinem Kauf die Geschicke in Venezuela in keinster Weise. Die Bank tut das, wozu sie da ist: Spekulieren, und hoffen damit möglichst viel Geld zu verdienen!

P.S.: Nein, Goldman Sachs bezahlt uns nicht für diesen Artikel. Wir finden nur es ist notwendig etwas klarzustellen, was auf den ersten Blick wie ein deftiger Skandal aussieht, aber in Wirklichkeit gar keiner ist… auch wenn Goldman in anderen Bereichen noch so kritikwürdig sein mag!


Die Flagge Venezuelas. Foto: Zscout370 / Gemeinfrei

3 Kommentare

3 Comments

  1. Avatar

    Savestrax

    30. Mai 2017 20:44 at 20:44

    „In keiner Weise“ würde ich jetzt nicht unterschreiben. Natürlich nutzt es der venezolanischen Regierung wenn potente Investoren durch Käufe am Sekundärmarkt für Liquidität in diesen Anleihen sorgen. Liquidität ist nunmal auch ein Faktor für den Preis, da sich ein Investor auch für das Liquiditätsrisiko entlohnt sehen will.
    Und ein ausgetrockneter Sekundärmarkt kann auch zum Versiegen des Primärmarktes führen.
    Aber solange alles legal ist sehe ich auch keinen Skandal.

  2. Avatar

    Schwarz

    31. Mai 2017 08:02 at 08:02

    Der Autor sollte mal einen Grammatikkurs besuchen und vielleicht etwas stilvoller schreiben lernen.

  3. Avatar

    Nixisfix

    31. Mai 2017 09:27 at 09:27

    Und wer sagt, dass der ERSTKÄUFER nicht in direkter Verbindung zu Goldman Sachs steht? Könnte ja auch ein Strohmann sein, damit Goldman Sachs nicht als böser Erstaufkäufer erscheint, sondern nur als guter Zweitkäufer. In der Luxus-Immobilienbranche ist so ein Vorgehen nicht selten. Ich wurde vor ein paar Jahren von einem Strohmann mit Kaufinteresse kontaktiert, 1 Jahr später stellte sich dann heraus, dass der eigentliche Käufer der Luxusimmobilie ein europäisches Königshaus war.

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Immobilien: Der Boom läuft immer weiter – aktuelle Daten

Claudio Kummerfeld

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Innenansicht eines Einfamilienhauses

Es ist wirklich erstaunlich. Auch wir bei FMW hatten zu Ausbruch der Coronakrise und im brutalen wirtschaftlichen Absturz im Frühjahr erwartet, dass auch der Markt für Immobilien beeinträchtigt sein wird. Schließlich haben derzeit ja zahlreiche Menschen massive Existenzängste, leben dank Kurzarbeitergeld auf Kante, oder haben als Selbständige ihre Existenz gleich ganz verloren. Da müssten die Preise für Immobilien doch eigentlich einbrechen? Die Nachfrageseite für Häuser und Eigentumswohnungen müsste so schwach sein, dass man spürbare Rückgänge bei den Preisen sehen müsste?

Nichts da. Offenbar bringt die große Gelddruck-Orgie der Notenbanken und die Alternativlosigkeit zu Aktien und Immobilien immer noch genug Anleger und Kaufwillige dazu, die Preise für Immobilien immer weiter klettern zu lassen. Und die Rettungsmaßnahmen der Bundesregierung sind wohl derart umfangreich, dass genug Menschen in prekären Situationen (Arbeiter in der Autoindustrie etc) noch nicht ihre Häuser verlieren, welche auf dem Markt folglich auch nicht für ein Überangebot an Häusern und Eigentumswohnungen sorgen können.

Preise für Immobilien weiter am Steigen

Aktuelle Zahlen der Anbieter F+B sowie Dr. Klein zeigen weiter steigende Preise für Immobilien. Der F+B-Wohn-Index Deutschland als Durchschnitt der Preis- und Mietentwicklung von Wohnimmobilien für alle Gemeinden in Deutschland stieg im 3. Quartal 2020 im Vergleich zum Vorjahresquartal um 5,6 Prozent. Wie gesagt, diese Steigerung von +5,6 Prozent kommt zustande, weil ich auch Mieten enthalten sind. Und die sind dank Corona doch tatsächlich leicht rückläufig mit -0,9 Prozent im Quartalsvergleich (und noch +0,1 Prozent im Jahresvergleich).

Mieten bremsen nur den Gesamtschnitt aus Immobilienpreisen + Mieten

Im Bundesdurchschnitt gehören damit exorbitante Mietensteigerungen laut F+B endgültig der Vergangenheit an. Auch die Betrachtung der Top 50-Standorte in Deutschland mit dem höchsten Mietenniveau lege eine ähnliche Interpretation für diesen Trend nahe. So seien im Vergleich zum Vorquartal in 28 der 50 teuersten Städte Deutschlands die Mieten bei der Neuvermietung gesunken (im Vergleich der Quartale Q2/2020 zu Q1/2020 betraf dies 18 Städte). Im Vergleich zum Vorjahresquartal 2019 gab es reale Mietpreisrückgänge in 10 der teuersten 50 Städte. Nach Beobachtungen von F+B hätten die Corona-bedingten wirtschaftlichen Verwerfungen als Nachwirkungen des ersten Lockdowns vom Frühjahr 2020 zu noch stärkeren Rückgängen bei den Mieten geführt, wenn es die staatlichen Unterstützungsmaßnahmen nicht gegeben hätte. Wir möchten ergänzen: Hunderttausende Wohnungen in Berlin sind vom dortigen Mietendeckel betroffen, was die Mietpreisentwicklung bundesweit ebenfalls beeinflusst. F+B bespricht dieses Thema in seiner Veröffentlichung ebenfalls.

Nachfrageschub

Im Vergleich zum dritten Quartal 2019 liegen die Preissteigerungen bei Eigentumswohnungen laut F+B mit 5,5 Prozent weiterhin deutlich hinter den Ein- und Zweifamilienhäusern mit 8,6 Prozent. Eigenheime dominieren damit endgültig die Gesamtperformance des Wohn-Index von F+B. Man sei der Auffassung, dass die Corona-Pandemie hier einen zusätzlichen und offenbar auch nachhaltigen Nachfrageschub – bei gleichzeitig beschränktem Angebot – erzeugt hat, so F+B. Im Chart sehen wir seit dem Jahr 2004 die Preisentwicklung verschiedener Arten von Immobilien seit dem Jahr 2004. Eigentumswohnungen liegen langfristig klar in Führung.

Entwicklung der Preise für Immobilien seit dem Jahr 2004

Preise in Nordrhein-Westfalen steigen weiter

Der Anbieter Dr. Klein berichtete erst vor wenigen Tagen, dass das Volumen pro Immobilienkredit neue Rekordhochs erreicht hat (hier die Details). Heute berichtet Dr. Klein über die neuesten Preisentwicklungen für Immobilien in Nordrhein-Westfahen. Der bis 2015 zurückreichende Chart zeigt auch jetzt keinen Abknick bei der Preisentwicklung. Im mondänen Düsseldorf dürfe es gerne ein bisschen mehr sein – auch bei den eigenen vier Wänden: Der Trend gehe hin zu mehr Exklusivität und Geräumigkeit. Köln und Dortmund vermelden indessen neue Rekorde bei den Immobilienpreisen. Die Details finden Sie beim Klick an dieser Stelle.

Preise für Immobilien in Nordrhein-Westfalen

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BioNTech, Pfizer und Moderna, erfüllen sich die Impfstoff-Erwartungen?

Wolfgang Müller

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Erfüllen sich die hohen Erwartungen an die Impfstoffe von BioNTech und Pfizer sowie Moderna? Die Börsen sind im Jahresendspurt: Immer wieder werden derzeit die aktuellen Wirtschaftsdaten als Indikatoren herangezogen, verbunden mit dem großen Optimismus vieler Investoren, die nach Korrektur schreien. Aber dies ist neben dem monetären Faktor nicht der entscheidende Treiber für Börsenkurse. Es zählt die mittelfristige Aussicht, auch wenn man in einer Rezession oder in einem Lockdown etwas anderes verspürt. Was die Märkte antizipieren, sind die Fortschritte in der Impfstoffentwicklung und deren Anwendung. Dies kann man auch aus einem Interview schlussfolgern, welches eine Reporterin der Welt am Sonntag aktuell mit dem Chef von Moderna, Stéphane Bancel, geführt hat.

BioNTech & Co: Die große Wende bis zum Sommer 2021

Bei aller Skepsis über die Geschwindigkeit und Validität der Entwicklung eines Impfstoffes ist es nicht zu übersehen: Die Nachrichten über den Fortgang des Kampfes gegen Covid-19 überschlagen sich, Unternehmen für Unternehmen berichtet von den Ergebnissen aus der klinischen Studie-3 und der baldigen Beantragung für eine Zulassung des eigenen Vakzins. Es ist daher sicher interessant, was der langjährige Chef eines der Unternehmen an vorderster Front dazu zu sagen hat, auch unter Berücksichtigung der subjektiven Darstellung des eigenen Unternehmens. Hier die Kernaussagen des CEOs von Moderna:

Der Chef von Moderna fühlt sich von der Erstmeldung von BioNTech und Pfizer nicht überfahren. Man bräuchte mindestens vier oder fünf Unternehmen, um die Welt mit 7,6 Milliarden Menschen impfen zu können.

Bemerkung: Fraglich, ob es zur Impfung von so vielen Menschen durch westliche Impfstofffirmen kommt. China impft sich selbst (1 Mio. Chinesen wurden schon geimpft), ebenso Russland. In Indien sind 750 Millionen Menschen unter 25 Jahre alt, ein ähnliches Verhältnis dürfte auch für den Milliardenkontinent Afrika gelten. Und wie viele Menschen werden sich einer Impfung verweigern?

Zur Frage, warum BioNTech/Pfizer schneller waren: Pfizer sei100-mal größer als Moderna, man habe vorher noch nie eine Studie mit 30.000 Menschen durchgeführt. Zudem wurde das Vakzin gemeinsam mit der US-Gesundheitsbehörde NIH entwickelt und mit staatlichen Stellen dauere es etwas länger, sich untereinander abzustimmen.

Der US-Staat hat Moderna mit einer Milliarde Dollar unterstützt, aber man brauche das Geld, um im kommenden Jahr eine Milliarde Impfstoffdosen herzustellen. Für die Beschaffung von Grundmaterialien.
Zum Impfstoffpreis: Man werde zwischen 25 und 37 Dollar aufrufen, je nachdem, wie viel die Regierungen bei Moderna bestellen. Damit liege man im Bereich wie bei einer Grippeimpfung, die zwischen 10 und 50 Dollar kostet. Das sei ein fairer Preis, wenn man bedenkt, wie hoch die Kosten für das Gesundheitssystem sind, wenn ein Mensch schwer an Covid-19 erkrankt. Die teuerste Impfung der Welt sei derzeit Pfizers Impfstoff Prevnar gegen Pneumokokken mit 300 Dollar je Dosis.
Zur Dauer der Impfung: Das hänge davon ab, wie viele Impfstoffe das Rennen machen. Wenn es beim Impfstoff von BioNTech und Moderna bliebe, würde es bis zum nächsten Sommer dauern, bis allein die Menschen in Europa und den USA geimpft sind. Für den Rest der Welt würde es vermutlich bis Ende 2022 dauern.
Bemerkung: Reichlich optimistisch, so viele Menschen (mehr als eine halbe Milliarde, auch wenn sich viele verweigern) innerhalb von sechs Monaten zu impfen.

Zur Hektik bei der Notzulassung: Bancel betrachtet jede Morgen die Zahlen der John-Hopkins-Universität. Es gebe täglich weltweit 11.000 Coronaopfer und dies dürfte sich im nächsten Monat noch steigern. Die Impfung habe bereits bewiesen, dass sie wirke und sicher sei. mRNA werde innerhalb von 48 Stunden nach der Impfung im Körper abgebaut, das Lipid als Trägerstoff ebenfalls. Danach sei man geschützt vor Covid und den teilweise schlimmen Langzeitfolgen. Deshalb sei seine Entscheidung klar.

Beim Vergleich mit Biontech-Chef Ugur Sahin: Bancel bezeichnet sich selbst als nicht besonders guten Verkäufer. Was er aber könne sei komplizierte Wissenschaft einfach zu erklären. Zum Beispiel warum mRNA die größte medizinische Revolution seit der Erfindung von kleinen Molekülen wie Aspirin sei.
Zum Stand der Genforschung: Man lebe im Zeitalter der Sequenzierung. Es würde nur fünf Dollar und ein paar Stunden Zeit kosten, bis man das Genom eines Virus entschlüsselt habe, dank mRNA habe man jetzt die Möglichkeit, sehr schnell wirksame Medikamente zu machen. Dies katapultiere die analoge Medizin in das Zeitalter der Digitalisierung. Dieser Erfolg sei aber nicht über Nacht gekommen, wie viele Leute denken. BioNTech und Moderna arbeiten daran seit zehn Jahren.
Bei der ultimativen Frage nach dem eigenen Impfzeitpunkt sagt Bancel: Er könne es gar nicht abwarten, hätte das gern schon vor Monaten getan, denn er wolle sein altes Leben zurück.

Fazit

Egal, wie man die Aussagen eines Unternehmensvorstands zum eigenen Produkt bewertet. Es ist schon erstaunlich, wie konkret die Informationen zu dem Jahrhundertprojekt Impfstoffentwicklung gegen Covid-19 bereits gediehen sind. Sollte es tatsächlich keine gravierenden Nebenwirkungen des Impfstoffes geben, so könnte man tatsächlich von einer Normalisierung der Verhältnisse im Hinblick auf die Pandemie bereits im Jahre 2021 rechnen. Sollte es tatsächlich dazu kommen, wäre es ein neuer Meilenstein in der Entwicklung des medizinischen Fortschritts der Menschheit. Noch ist Vieles im Konjunktiv.

Erfüllen die Impfstoffe von BioNTech oder Moderna die hohen Erwartungen?

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Warum für Deutschland im Winter eine technische Rezession ansteht

Claudio Kummerfeld

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Leere Restaurants im zweiten Lockdown befeuern die Rezession

Die Industrie liefert wieder, und China als Abnehmer deutscher Waren hilft kräftig mit bei der Erholung der Konjunktur. Aber es ist klar. Die Dienstleistungen vermasseln derzeit der deutschen Wirtschaft die tiefgreifende Erholung. Die Rezession steht bevor oder startet wohl gerade wieder, und das Bruttoinlandsprodukt könnte schrumpfen. Und das nicht nur, weil die Dienstleistungen wie Gastronomie wegen dem aktuellen „kleinen“ Corona-Lockdown zu großen Teilen gar nicht stattfinden. Nein, da ist noch ein Faktor, der auf den ersten Blick übersehen werden kann.

Bevorstehende Rezession befeuert durch höhere Mehrwertsteuer

Eine aktuell womöglich schon gestartete technische Rezession für diesen Winter dürfte ab Anfang Januar verschärft werden. Denn ab 1. Januar wird die seit Juli 2020 geltende Mehrwertsteuersenkung wieder rückgängig gemacht. Dann dürften die Verbraucherpreise wieder steigen. Wer schon lange Zeit vor hatte einen neuen Fernseher, Küche, Auto oder sonstige hochpreisige Einrichtungsgegenstände anzuschaffen, hat dies wohl schon in den letzten Monaten getan, und dabei nette Mehrwertsteuerbeträge gespart. Umso kräftige dürfte der Konsumrückgang ab Januar ausfallen. Oder darf man mutmaßen, dass die Politik in Berlin dem noch schnell entgegenwirkt, und die Mehrwertsteuer bis zum Sommer 2021 auf reduziertem Niveau belässt? Die Kurzarbeiter-Regelung hat man ja schließlich auch gerade erst bis Ende 2021 verlängert.

Dr. Jörg Krämer, Chefvolkswirt der Commerzbank, bringt es in einer aktuellen Kurzanalyse auf den Punkt. Warum er sich gerade jetzt äußert? Heute um 10 Uhr wurde mit dem ifo-Index das wichtigste deutsche Konjunkturbarometer veröffentlicht (hier die Details). Er fiel von 92,5 auf 90,7 Punkte. Die Zahlen waren zwar leicht besser als gedacht, aber eben doch schlechter als im Vormonat. Wie der Chart (geht bis 2016 zurück) zeigt, geht es aktuell wieder leicht bergab mit dem Geschäftsklima in Deutschland.


source: tradingeconomics.com

Experte spricht von bevorstehender technischen Rezession

Deutschland droht eine technische Rezession, das Winterhalbjahr wird hart. Das kann durch die robuste Entwicklung in der Industrie kaum verhindert werden. Erst die wärmeren Temperaturen im Frühling und die Impfungen werden die Wirtschaft vor allem in der zweiten Jahreshälfte deutlich anziehen lassen, so Jörg Krämer. Ein Monat Lockdown koste fast ein Prozent Wachstum beim Bruttoinlandsprodukt. Krämer erwartet eine technische Rezession im Winterhalbjahr, auch wenn sich das verarbeitende Gewerbe super halte. Im folgenden Chart der Commerzbank sehen wir, wie die Industrie in gelb weiter ansteigt, während die Dienstleistungen wieder abschmieren.

Chart zeigt Tendenz der Rezession dank schwachen Dienstleistungen

Laut Jörg Krämer ist ein Abwärtstrend bei den Corona-Neuinfektionen noch nicht erkennbar. Die Bundesländer dürften den Lockdown nach seiner Meinung bis mindestens Weihnachten verlängern und die Kontaktbeschränkungen verschärfen. Sehe man von möglichen Lockerungen rund um Weihnachten ab, dürfte der Lockdown mindestens bis Ende Dezember gelten. Weil die kalte Jahreszeit die Infektionen begünstigt, erwarte man, dass Restaurants, Kneipen, Hotels, Fitness-Center etc auch während des ersten Quartals überwiegend geschlossen bleiben.

Basierend auf dem Anteil der betroffenen Branchen an der gesamten Wertschöpfung drücke ein Monat Lockdown das quartalsweise Bruttoinlandsprodukt wie gesagt um fast 1 Prozent. Entsprechend dürfte laut Jörg Krämer das Bruttoinlandsprodukt im vierten Quartal um 2 Prozent schwächer ausfallen als ohne Lockdown – es werde vermutlich schrumpfen. Das dürfte die robuste Entwicklung in der Industrie nicht verhindern. Auch im ersten Quartal, das ohnehin durch die Mehrwertsteuererhöhung zum 1. Januar belastet wird, sei kaum mit einem Plus zu rechnen. Deutschland drohe eine technische Rezession. Die Wirtschaft gehe durch ein hartes Winterhalbjahr, bevor die wärmeren Temperaturen und die Impfungen die Wirtschaft vor allem in der zweiten Jahreshälfte deutlich anziehen lassen.

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