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Böses Brexit-Omen? Britischer Baukonzern Carillion pleite

Der britische Baukonzern Carillion, der nicht nur in UK an wichtigen (staatlichen) Bauprojekten beteiligt ist (Hospitäler, Hochgeschwindikeitsbahnstrecken, Gefängnisse etc.), sondern auch ein wichtiger Bauträger für die Infrastuktur der Fußball-Weltmeisterschaft in Katar im Jahr 2022 ist, ist pleite! Für die Regierung von Teheeresa May ist das ein (weiteres) Desaster!

FMW-Redaktion

Im November 2017 hatte es sich schon abgezeichnet: der britische Baukonzern Carillion, der nicht nur in UK an wichtigen (staatlichen) Bauprojekten beteiligt ist (Hospitäler, Hochgeschwindikeitsbahnstrecken, Gefängnisse etc.), sondern auch ein wichtiger Bauträger für die Infrastuktur der Fußball-Weltmeisterschaft in Katar im Jahr 2022 ist, ist pleite!


Ein Hochhaus in Manchester, gebaut von Carillion
By sykerabbit77 – The Hilton, CC BY 2.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=20414525

Die britische Regierung verweigerte Garantie-Gelder für das Unternehmen, sodass die kreditgebenden Banken nun den Stecker für den Konzern zogen, der mit 1,7 Milliarden Pfund verschuldet ist. Damit sind 43.000 Jobs in Gefahr, davon auch die Stellen der 20.000 Mitarbeiter des Unternehmens in Großbritannien. Entscheidende Gründe für die Pleite sind Verzögerungen bei Bauprojekten, vermutlich aber auch die schlechte Zahlungsmoral einiger Kunden, speziell wohl der Kataris, wie Carillion bereits im November angedeutet hatte.

Unterdressen hat die britische Regierung die Carillion-Beschäftigten dazu aufgerufen, weiter auf der Arbeit zu erscheinen:

„All employees should keep coming to work, you will continue to get paid. Staff that are engaged on public sector contracts still have important work to do“.

Damit entsteht für die britische Regierung eine schwierige Situation: sie muß nun die laufenden Projekte von Carillion, die sie beauftragt hat, teilweise selbst weiterführen und bezahlen. Daneben drohen weitere Jobs bei den vielen tausend kleineren Zuliefererfirmen, die für Carillion gearbeitet hatten, verloren zu gehen. Und: ohne die still und heimlich gewährte Hilfe der britischen Regierung für Carillion wäre der Konzern schon vor Monaten pleite gegangen, wie informierte Kreise berichten.

Einspringen muß die britische Regierung auch für die Pensionsverpflichtungen des Konzerns, die 600 Millionen Pfund betragen – diese Pensionsverpflichtungen werden nun auf den Pension Protection Fund (PPF) übertragen, also springt der Staat faktisch für diese Pensionsverpflichtungen ein, wie die britische Regiering mitteilte:

„We want to reassure members of Carillion’s defined benefit pension schemes that their benefits are protected by the PPF.“

Die oppositionelle Labour-Partei wiederum fordert nun eine parlamentarische Untersuchung der Geschäftsbeziehungen zwischen der britischen Regierung und Carillion, wie Rebecca Long-Bailey, zuständig für den Bereich „Schattenwirtschaft“, ankündigte: Carillion habe zuletzt drei Gewinnwarnungen gegeben, dennoch habe die Regierung dem Unternehmen weiter Aufträge gegeben und damit viel Geld in den Sand gesetzt.

Für Theresa May ist das eine herbe Hiobsbotschaft mitten in den Brexit-Verhandlungen mit der EU: die immer stärker auf Dienstleistung fokussierte britische Wirtschaft verliert damit einen weiteren wichtigen Player im Bereich Produktion, tausende Jobs werden verloren gehen, die für Carillion bereit gestellten Gelder sind vernichtet, wichtige staatliche Infrastrukturprojekte müssen nun neu organsiert werden.

Manche Beobachter vermuten, dass die Pleite von Carillion nur die Spitze des Eisbergs und der Auftakt einer Pleitewelle von britischen Unternehmen ist..



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1 Kommentar

  1. Die Börsen reagieren darauf mit einem fulminanten Anstieg bei GBPUSD (300 Pips gestern und heute). Wenn die gesamte britische Wirtschaft pleite ist, werden wir ATHs verzeichnen können. Völlig losgelöst…

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