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Böses Erwachen: Chinas Absage an großen Stimulus

Von Markus Fugmann

Am Aktienmarkt in Shanghai könnte es in der Nacht zu Morgen turbulent zugehen: Chinas Notenbankgouverneur hat auf dem Wirtschaftsgipfel in Davos neuen größeren Stimulusmaßnahmen eine klare Absage erteilt – und genau darauf spekulieren die Aktienmärkte in Shanghai. Bereits heute Nacht waren die Kurse in Shanghai deutlich gefallen, nachdem Gerüchte über weitere Einschränkungen des Margin-Handels die Runde gemacht hatten.

Überhaupt scheint sich die Regierung mit schwächeren Wachstumsraten abzufinden – definiert als „new normal“. So senkte die Regierung ihre Prognose für die Industrieproduktion auf nunr noch 8,0% – im Vorjahr waren es noch 9,5%. Aber selbst die 8,0% sei sehr ehrgeizig und schwer zu erreichen, hiess es in Peking. Diese Bescheidenheit wird unterfüttert durch Daten staatlicher Industrieunternehmen, deren Gewinne um 8% eingebrochen sind.

Zwar hat der Yuan heute Nacht leicht gegenüber dem Dollar aufgewertet, an den beiden Vortagen aber verzeichnete der Yuan den stärksten Zwei-Tagesverlust seit 2008. Auch die Unternehmen im Reich der Mitte erwarten offenkundig eine weitere Abwertung: sie horten US-Dollars und versuchen, Dollar-Schulden zurück zu zahlen. Überhaupt scheint der Trend nun zu Kapitalabflüssen aus dem Reich der Mitte zu gehen: So flossen im zweiten Quartal 2014 16,2 Milliarden Dollar aus China ab, im dritten Quartal waren es immerhin noch 9 Milliarden Dollar. Auch das vierte Quartal dürfte zeigen, dass erneut Kapital aus dem Land der Mitte abgeflossen ist – allerdings liegen die Zahlen nocch nicht vor.

All das könnte die überoptimistischen Investoren in Shanghai auf dem falschen Fuß erwischen. Am Montag hatte die Margin-Hebelung bei Shanghaier-Aktien einen neuen Rekordstand erreicht mit 771 Milliarden Yuan (ca. 123 Milliarden Dollar). Inzwischen hat die Regulierungsbehörde den Margin-Handel für jene Trader untersagt, die weniger als 500.000 Yuan auf dem Handelskonto haben – und damit fast für alle Kleininvestoren. Die Luft jedenfalls wird dünner am Aktienmarkt in Shanghai, der als einer der besten Aktienmärkte weltweit in 2014 um 53% gestiegen war.



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