Folgen Sie uns

Anleihen

Bombe aus Tokyo – was macht der Dax daraus?

Redaktion

Veröffentlicht

am

FMW-Redaktion

Und es hat bums gemacht: völlig überraschend hat die Bank of Japan den Einlagezins gesenkt – von +0,1% auf nun -0,1%. Damit ist faktisch der Abwertungswettlauf der Währungen in ein neues Stadium getreten, das wird auch China unter Druck setzen. Kuroda, der Chef der Bank of Japan, hat eben in der Pressekonferenz gesagt, dass man die Einlagezinsen nicht in den Negativbereich gesenkt habe, weil die Grenzen des QE erreicht seien. Ganz sicher nicht, nein nein. Auf gar keinen Fall.

Diese Entscheidung wird Folgewirkungen haben, die wir in einem gesonderten Artikel heute behandeln. Fakt ist jedoch, dass damit Japans Probleme – Überalterung, fehlende Immigrationspolitik, extreme Verschuldung, stagnierende Löhne etc. etc. – natürlich nicht gelöst werden.

Was bedeutet das für die Märkte: zunächst sehen wir am Anleihemarkt heftige Reaktionen. Die Rendite der 2-jährigen deutschen Staatsanleihe (Schatz) erreicht ein neues Allzeittief, der März-Bund-Future erreicht ein neues Hoch. Damit also die Intensivierung des Trends zu Negativrenditen bei Staatsanleihen, das System treibt den Wahnsinn auf die Spitze. Es ist ein Experiment mit ungewissem Ausgang, bei genauerem Hinsehen jedoch mit ziemlich gewissem Ausgang..

Grundsätzlich dürfte der „game changer“ durch die Bank of Japan erst einmal positiv sein für die Aktienmärkte. Die neue Yen-Schwäche ist gut für die Aktienmärkte, der extrem unsichere sichere Hafen Yen wird unattraktiver, nicht nur Japans Investoren werden damit verstärkt in Risiko-assets getrieben. Es ist daher zu erwarten, dass das Potential nach unten beim Dax heute begrenzt sein dürfte, während die Chance nach oben gut ist. Ein Kaufsingnal entstünde, wenn der Dax über den Bereich 9820 steigt, Ziel dann das gestrige Tageshoch im Bereich 9900, dann 9940. Problematisch wird es für den Dax, wenn die zuletzt immer wichtiger gewordene Unterstützungszone bei 9575/9580 nachhaltig brechen sollte, was jedoch derzeit nicht unser bevorzugtes Szenario ist..

dax290116

Zu achten ist nun heute auf das US-BIP, die Erwartungen sind gering, nachdem gestern die US-Autfragseingäge so herb enttäuscht hatten..

9 Kommentare

9 Comments

  1. Avatar

    Klack

    29. Januar 2016 09:16 at 09:16

    Wiederholt wird in der FMW daraufhingewiesen ,daß aufgrund einer fehlenden Immigrationspolitik Japan in der ökonomischen Sackgasse stecke. Dies ist für mich nicht
    nachvollziehbar,hier wird wohl der allgemeine Mainstream – Medientenor einfach mitgesungen.Japan hat ja in der Automatisierungs- und Robotertechnik einiges zu bieten womit ja für eine Hilskräftezuwanderung ja kein Bedarf besteht ,vielmehr ist aufgrund der seit Jahrzehnten durch billiges Geld aufgeblasene Güter- und Kapitalstock soweit angestiegen,daß die Nachfrage dem nicht adäquat nachfolgen kann.
    Japan ist wohl eine der ersten Volkswirtschaften ,die die Grenzen des Wachstums erfahren hat und woran man erkennen kann ,daß durch noch soviel Finanzmanipulation irgendwann das Ende des Gelände erreicht ist und durch die Realität ,die entspechenden Anpassungen erzwungen werden.
    In einem Fall wird Japan besser dastehen,es ist eine homogene Gesellschaft in der die idiologischen und multikulturellen Zerfallsprozesse nicht stattfinden werden.

    • Markus Fugmann

      Markus Fugmann

      29. Januar 2016 09:23 at 09:23

      @Klack eine Frage: worin genau besteht der Vorteil einer „homogenen Gesellschaft“??

      • Avatar

        V

        29. Januar 2016 09:50 at 09:50

        Ich verstehe darunter eine Gesellschaft, die im Grunde dieselben Werte teilt.

        Das ist bei uns leider immer weniger der Fall. Ich sage es ungern, weil man dann so schnell rechts abgestempelt wird, was ich definitiv nicht bin und nie war, ich bin lediglich Realist. Es liegt nicht nur an den bisher Einheimischen. Das was derzeit in D passiert wird über Jahrzehnte sozialen Unfrieden mit sich bringen – so gesehen durch eine massive Inhomogenität bis hin zu Parallelgesellschaften, die unsere Werte komplett ablehnen.

        Haben Sie sich schon mal umgehört, wie unser Leben derzeit schon beschnitten wird? Frauen, die sich ohne Angst an bestimmten Plätzen oder Uhrzeiten nicht mehr frei bewegen können, und damit meine ich nicht Köln und Silvester, nein auch auf dem Land.

        Kinder, v.a. Mädchen, die inzwischen von ihren Eltern in die Schule und zum Sport gefahren werden müssen.

        Eltern, die während dem Sport dabeibleiben, weil Flüchtlingsmassen auf den Tribünen den Mädchen zuschauen.

        Ach was rede ich, Herr Fugmann, bitte einfach mal auch den gesunden Menschenverstand einschalten und auch darüber nachdenken, was wir mit den Millionen vorwiegend jungen Männern, die absolut anders geprägt sind als wir, für gewaltige Veränderungen ins Land lassen.

        Aber wir Deutschen lassen uns ja lieber in unserer Freiheit beschneiden als mal richtig Nein zu sagen. Die anderen Länder sind hier massiv klüger, wir sind leider die Geisterfahrer in Europa.

        Bzgl Freiheit beschneiden: so die angesprochenen Mütter, die diese Einschränkungen nun einfach so hinnehmen und noch nicht kapieren, wie ihre Freiheit eingeschränkt wird

        Sorry für diesen Einwurf, aber ich bin für Homogenität einer Wertegesellschaft. Und dabei meine ich nicht die Hautfarbe oder sonstige rassistische Kennzeichen!

        • Avatar

          Boncas

          29. Januar 2016 10:35 at 10:35

          Voll und ganz auch meine Einschätzung. Multi-Kulti verkompliziert die Politik und schwächt den gesellschaftlichen Zusammenhalt. „Der Untergang des Abendlandes“ vollzieht sich schleichend schwächt auch sukzessive die Wirtschaftskraft.

  2. Avatar

    V

    29. Januar 2016 09:37 at 09:37

    Der DAX nimmt diese Steilvorlage nicht an ….

    • Markus Fugmann

      Markus Fugmann

      29. Januar 2016 10:10 at 10:10

      @V, aber sehr wahrscheinlich die Amis!! (Steilvorlage)

  3. Avatar

    Jupp

    29. Januar 2016 10:02 at 10:02

    Was sollen die Japaner denn machen? Man sollte nicht vergessen, dass Japan seit 20 Jahren unter Deflation leidet. Nachdem nun der Ölpreis (aber auch alle anderen Ressourcenpreise) derart in den Keller gegangen ist, wird es zunehmend schwierig, die selbstgesteckten Anti-Deflations-Ziele einzuhalten.

    @ FMW-Redaktion: Die Negativzinsen fallen nicht auf alle Bankreserven bei der Zentralbank an: Die Einlagen jeder Bank sollen der Höhe nach in jeweils drei unterschiedliche Kategorien aufgeteilt werden: nur auf einen Teil werden negative Zinsen erhoben.

    • Markus Fugmann

      Markus Fugmann

      29. Januar 2016 10:19 at 10:19

      @Jupp, das stimmt, entscheidend aber ist die Botschaft der BoJ: wir wollen die zuletzt stark gestiegenen Yen-Long-Positionen aus dem Markt kegeln und den Banken klar machen, wo es hingehen wird..

  4. Avatar

    Sabine

    29. Januar 2016 20:29 at 20:29

    a) Wer hat die Webseite „fluchthelfer.in“ erstellt und betreibt sie? USA Thinktank „Ayn Rand Institute“. In der Selbstbeschreibung heißt es „Wir inszenieren Revolutionen und freie Gesellschaften“.
    http://www.info-direkt.eu/fluchthelfer-in-made-by-us-think-tank/
    Zusätzlich beachtenswert ist der Umstand, dass die genannten US-Think Tanks lediglich „Fluchthelfer“ in Europa sein wollen. Eine vergleichbare Kampagne in den USA, etwa zur Fluchthilfe von Mexiko in die USA, gibt es nicht!
    Dazu auch: Schuldbekenntnis eines CIA-Agenten: Man gab uns Millionen für die Zerstückelung Jugoslawiens!
    http://www.info-direkt.eu/schuldbekenntnis-eines-cia-agenten-man-gab-uns-millionen-fuer-die-zerstueckelung-jugoslawiens/
    b) Die Strategie der USA, von Thomas Barnett definiert :https://www.youtube.com/watch?v=IHfwVYlqfTc
    Europa muß vermischt werden, gegen eine homogene Gesellschaft!
    Auch Außenminister Fischer ist dafür. Nach seiner Grundüberzeugung ist bereits die Existenz Deutschlands ein „Risiko“ für alle Länder: „Deutschland sei schon immer über seine Nachbarn hergefallen und deshalb per Definition gefährlich.“ DIe Fischer-Doktrin ist die Vorgabe innerer „Heterogenisierung, quasi ‚Verdünnung’“. Fischer ist im Unterschied zu Claudia Roth mit ihrer doofen Türkeifrömmelei kein Multikulturalist. Fischer will den inneren gesellschaftlichen Zusammenhalt der Deutschen brechen: Solange nämlich ein solcher gesellschaftlicher Zusammenhalt vorhanden ist, besteht für ihn die Gefahr, dass die Deutschen sich eines Tages zusammentun und die EU-Herrschaft wieder abschütteln. Bitte nicht mit dem Gegenargument, sollen wir etwa alle rauswerfen? Nein, eine Einwanderungspolitik wie die USA genügt uns schon! Oder sind das NAZIS?

    c) Noch Fragen? Außer einem Jurnalisten der Lügenpresse kenn ich niemand, der sich über die Flüchtlinge freut, inkl. meiner Firma mit 100.000 Mitarbeitern. Ich lebe zu 30% in einer Millionenstadt, den Rest auf dem Land.

Hinterlassen Sie eine Antwort

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

ACHTUNG: Wenn Sie den Kommentar abschicken stimmen Sie der Speicherung Ihrer Daten zur Verwendung der Kommentarfunktion zu.
Weitere Information finden Sie in unserer Zur Datenschutzerklärung

Allgemein

Coronakrise: Größter Schuldenanstieg – aber Zinsen rutschen in Euroland

Wir erleben in der Eurozone gerade wegen der Coronakrise den größten Schuldenanstieg der Geschichte. Gleichzeitig sinken die Zinssätze. Die Vergemeinschaftung von Schulden hat begonnen

Avatar

Veröffentlicht

am

Wir erleben in der Eurozone gerade wegen der Coronakrise den größten Schuldenanstieg in seiner Geschichte. Jegliche fiskalische Zurückhaltung weicht angesichts einer pandemischen Bedrohung der Volkswirtschaften. Gleichzeitig sinken die Zinssätze in den Mitgliedstaaten in atemberaubender Geschwindigkeit in Richtung der deutschen Bunds. Der letzte Auslöser war der große Wiederaufbaufonds, den die Gemeinschaft trotz des Widerstandes der sparsamen Fünf – Dänemark, Schweden, die Niederlande, Finnland und Österreich – beschlossen hat. Wittern die Märkte angesichts der Coronakrise eine Vergemeinschaftung der Schulden?

Coronakrise: Die Einführung des Euro und die Zinsen

Die Einführung der Gemeinschaftswährung am 1. Januar 1999 brachte für einige der elf Teilnehmerstaaten zunächst eine gewaltige Erleichterung bei der Bewältigung der Staatsschulden. Im Jahr 2000 musste man für italienische Langläufer kaum mehr bezahlen, als für die deutschen „Bunds: in etwa 5,5 Prozent. Etwa sechs Jahre zuvor lag der Zinssatz für die 10-Jährigen bei fast 14 Prozent. Waren da nicht noch die so genannten Maastricht-Verträge mit den Konvergenzkriterien für eine Aufnahme, die eine Höhe der Staatsverschuldung von max. 60 Prozent und eine Neuverschuldung von höchstens drei Prozent erlaubten? Doch wenn selbst das Vorbild Deutschland diese über mehrere Jahre nicht erfüllen konnte, wie dann Disziplin einfordern von den anderen Staaten?

Kurzum: Die Zinserleichterungen wurden erfreut mitgenommen, die Schuldenstände jedoch nicht zurückgeführt. In der Staatsschuldenkrise nach 2011 weiteten sich die Spreads aus, Griechenland stand am Rande des Bankrotts, bis man sich mit Umschuldungsprogrammen und Schuldenerlass zur Rettung Griechenlands und damit auch der Eurozone durchrang. Denn auch die Zinsaufschläge von Italien, Spanien, Portugal und teilweise auch die von Frankreich waren in die Höhe gesprungen.

Bis die Europäische Zentralbank, in Gestalt ihres Chefs, Mario Draghi in Aktion trat, der die mittlerweile mehrfach kopierten und psychologisch entscheidenden Worte sprach: „Within our mandate, the ECB is ready to do whatever it takes to preserve the euro. And believe me, it will be enough.” Die Folgen sind bekannt: Zinssenkungen auf null, massive Anleihekäufe bis zur erlaubten Obergrenze von 33 Prozent pro Staat und ein für nicht möglich gehaltener Verfall der Zinslandschaft, der in der Coronakrise gerade seinen Höhepunkt feiert.

Die Pandemie, PEPP und der Wiederaufbaufonds

Das Jahr 2020 wird nicht nur wegen des globalen Vormarschs eines Virus in die Geschichte eingehen als das Jahr der Coronakrise. In einer weltweiten Allianz einigten sich Staaten und Notenbanken zu bisher noch nie gesehenen und einmalig hohen Rettungsprogrammen. In Europa lautet der Name für das große Ankaufprogramm für Staatsanleihen und privater Schulden PEPP – Pandemic Emergency Purchase Programme – zunächst in Höhe von 750 Milliarden Euro, welches am 2. Juni nochmals um 600 Milliarden Euro aufgestockt wurde. Da es ausgerechnet die hoch verschuldeten südlichen Länder durch die Pandemie besonders hart getroffen hat – Italiens und Spaniens Bruttoinlandsprodukt sanken im zweiten Quartal um 13 beziehungsweise 18,5 Prozent – musste man noch einmal nachlegen, um einen Zinsanstieg für diese Länder zu verhindern. Der von Frankreich initiierte und hart umkämpfte Wiederaufbaufonds war der nächste Schritt, ein spezielles Konstrukt gemeinsamer Anleihen in Höhe von zunächst 750 Milliarden Euro.

Die Zinsen in der Eurozone – Limes gegen null

Der viel umkämpfte Wiederaufbaufonds hat eindeutig das Ziel gerade den Staaten zu helfen, die einerseits hoch verschuldet aber andererseits besonders schwer betroffen von der Coronakrise in Not geraten sind. Durch die Emission gemeinsamer Anleihen werden Schulden finanziert, die die EU aufnimmt und für die alle Mitglieder gemeinsam geradestehen. Zweifellos ist das der Einstieg in eine Vergemeinschaftung von Schulden im Euro-Raum. Investoren jubelten, speziell auch aus dem Ausland, weil man sich jetzt sicher ist, dass man die Eurozone unter allen Umständen beisammen halten will, auch wenn man früher beschlossenen Festlegungenzuwider handelt. Die Folge ist ein Absturz der Zinsen in Tiefen, die nichts mehr mit der Bepreisung von Risiko zu tun haben.

Es wurde in letzter Zeit schon öfters berichtet, wie tief die Zinsen für länger laufende Anleihen im Süden gefallen sind, zum Beispiel in Italien mit 0,78 Prozent für die 10-Jährigen – die also inzwischen genauso hoch stehen, wie die bisher sicherste Staatsanleihe der Welt, die 10-jährige US-Treasury. Aber es geht noch extremer: Für griechische Anleihen mit einer Laufzeit von sechs Monaten werden schon Minuszinsen bezahlt, in Italien akzeptieren Sparer schon vier Jahre Laufzeit mit Zinsen nahe null, in Spanien und Portugal muss man für eine positive Rendite schon Langläufer mit acht Jahren Laufzeit wählen. Dabei stellt sich die Frage: Ist ganz Europa durch die Notenbankpolitik in der Coronakrise auf dem Weg zu Nullzinsen, also zur Schuldenaufnahme zum Nulltarif? Wenn man sich eine Übersicht betrachtet, die die Zinsdifferenz auflistet, die europäische Staaten zu den abnorm niedrigen deutschen 10-jährigen Bund (circa minus 0,60 Prozent) zahlen müssen, so kann man nur zu dieser Schlussfolgerung gelangen.

Zinsaufschläge zu deutschen Langläufern, in Prozent:

Niederlande plus 0,11
Österreich plus 0,17
Belgien plus 0,25
Slowakei plus 0,26
Frankreich plus 0,29
Irland plus 0,37
Portugal plus 0,78
Spanien plus 0,80
Zypern plus 1,00
Italien plus 1,34
Griechenland plus 1,45

Nochmal, die Vergleichsbasis ist nicht null, sondern deutlich darunter.

Fazit

Die Politik der Notenbanken in der Coronakrise hat eine Situation geschaffen, in die wohl niemand jemals geraten wollte. „Point of no return?“ Staatsfinanzierung durch die Notenbanken?

Ist diese Entwicklung nicht auch der Einstieg in eine gemeinsame europäische Schuldenunion? Vermutlich ja, denn die Präsidentin der EZB, Christine Lagarde, zugleich Ex-Finanzminsterin von Frankreich, hat gerade erst in einem Interview mit der Tageszeitung „Le Monde“ den Gedanken geäußert, man müsse über ein dauerhaftes konjunkturelles Stützungsinstrument nachdenken. Der Fonds in Höhe von 750 Milliarden Euro solle erhalten bleiben – damit er immer wieder verwendet werden kann, wenn außergewöhnliche Umstände eintreten. Wer soll eigentlich die auslaufenden und zu ersetzenden Anleihen von Italien und Griechenland kaufen, Staaten, die demnächst mit 200 beziehungsweise 160 Prozent zum BIP verschuldet sind, deren Staatsanleihen aber bereits fast keine Rendite mehr abwerfen?

Wie wird man dieses Programm wohl abkürzen?

 

Die Coronakrise lässt die Schulden explodieren, aber die Zinsen fallen

weiterlesen

Anleihen

Woher die aktuelle Euro-Stärke kommt – ein Analyst gibt Hinweise

Claudio Kummerfeld

Veröffentlicht

am

Das Euro-Symbol

Der Euro steigt seit genau zwei Tagen gegen den US-Dollar spürbar an von 1,1700 auf aktuell 1,1865. Dafür könnte es einen interessanten Grund geben. Man schaue auf den gestrigen Tag. Quasi unbemerkt von der breiten medialen Öffentlichkeit hat die EU ihre erste eigene Anleihetranche am freien Anleihemarkt platziert. Laut Berichten (siehe beispielsweise Bondguide) sei die Attraktivität dieses Angebots an EU-Anleihen schwer zu übersehen gewesen. Denn Moody’s habe die EU-Anleihen mit „Aaa“ bewertet. Und der Emissionspreis sei so festgesetzt worden, dass die Emission vom Markt gut aufgenommen wurde. Eine Nachfrage von 233 Milliarden Euro traf auf gerade mal 17 Milliarden Euro Angebot! Das zeigt, wie groß die Nachfrage der Institutionellen nach den Anleihen der EU war. Und wo soll da noch das Risiko sein, wenn Brüssel selbst die Anleihen ausgibt, und nicht ein Einzelstaat?

EU-Anleihen als Grund für aktuell steigenden Euro?

Eben dieser Drang in ein neues Anleihevehikel, nämlich eine zentrale Emission von EU-Anleihen, könnte bei den großen global agierenden Investoren (Fonds, Versicherungen, Pensionskassen etc) einen verstärkten Drang in den Euro verursachen. Der Deutsche Bank-Analyst George Saravelos hat ganz aktuell einige sehr interessante Aussagen zum Euro veröffentlicht mit der Headline „Someone likes Europe“, also übersetzt „Irgendwer mag Europa“. Über das große Auftragsbuch im Vorfeld der Emission sei ausführlich berichtet worden, aber weniger über die große Nachfrage seitens der Notenbanken, so seine Aussage. Nahezu 40 Prozent der gestrigen zehnjährigen Emission der EU wurden laut George Saravelos von den Notenbanken aufgenommen, was fast doppelt so viel sei wie die durchschnittliche Inanspruchnahme bei früheren europäischen Emissionen.

Warum das wichtig sei? Erstens seien Notenbanken in der Regel nicht abgesicherte Investoren, so dass eine starke Nachfrage von dieser Seite nach den neuen EU-Anleihen eine direkte Nachfrage für den Euro gegenüber dem US-Dollar bedeute, so George Saravelos. Zweitens sei die hohe Nachfrage von Notenbanken für diese neuen EU-Anleihen ein Vertrauensvotum für den Euro als Reservewährung, insbesondere in einer Zeit, in der die dominierende Rolle des Dollars in Frage gestellt werde.

Aber George Saravelos sagt auch, dass dieses aktuelle Ereignis nicht als alleiniger Grund für die aktuelle Euro-Stärke gesehen werden soll. Es solle auch in den Kontext größerer struktureller Verschiebungen gestellt werden. Es gehe um einen extrem starken negativen Policy-Mix für den US-Dollar. Die großes US-Haushaltsdefizite, eine sehr lockere Geldpolitik der Fed und sich verschlechternde Außenhandelskonten der USA. Schon vor den Wahlen in den USA verschlechtern sich diese Trends, so George Saravelos. Schauen wir an dieser Stelle mal auf den Chart. Er zeigt Euro gegen US-Dollar im Verlauf der letzten 30 Tage. Ist das neue „Aufnahmevehikel“ der EU (meine Wortkreation) für internationale Investorengelder aktuell ein zusätzlicher Impuls, der den Euro-Anstieg befeuert? Gut möglich.

Chart zeigt Kursverlauf von Euro gegen US-Dollar

weiterlesen

Anleihen

Anleihen und Zinsen – eine weltweite Vernichtung der Anlegergelder

Avatar

Veröffentlicht

am

Für viele Großanleger gibt es seit Jahrzehnten eigentlich nur zwei große Anlageklassen – Anleihen oder Aktien: Um das Anlagekapital langfristig zu vermehren, oder um regelmäßig Zinsen oder Dividenden einzunehmen, wie es zum Beispiel Pensionsfonds tun, um die Kunden im Alter zu versorgen. Und gerade dieser ehemals so sichere und zuverlässliche Renditebringer ist durch die Interventionen der Notenbanken geradezu marginalisiert worden. Dabei müssen viele Institutionelle wie Versicherungen sogar ihren Hauptanteil der Finanzanlagen in Anleihen positionieren. Dort geschieht derzeit weiterhin viel Absurdes mit weitreichenden Konsequenzen.

Anleihen: Lage an den Rentenmärkten wird immer skurriler

In Europa schütteln viele Ökonomen nur noch den Kopf über die Kapitalmarktzinsen, speziell im Bereich der Staatsanleihen.

Zinsen um die ein Prozent für Langläufer in hoch verschuldeten Ländern, wie Griechenland oder Italien, liegen auf Höhe mit den amerikanischen Pendants. Einem Land (USA), welches trotz der eminent hohen aktuellen Verschuldung in seiner 244-jährigen Geschichte noch nie einen Staatsbankrott erleben musste und welches noch einen absoluten Ausnahmestatus innehat, da der US-Dollar als Weltreservewährung einen Sonderbonus genießt.

Aber auch für die am längsten laufenden Anleihen der Staaten im Zentrum Europas – Österreich, Schweiz und Deutschland – müssen für die 30- oder 50-jährigen Staatsanleihen fast keine Zinsen mehr gezahlt werden.

Die ultimative Begründung für die derzeitige Ausnahmestellung der Aktienmärkte

Diese wird von einer Erhebung durch die US-Großbank JPMorgan geliefert:

Weltweit gibt es für 17 Billionen Dollar an Anleihen keine oder sogar Minuszinsen
Berücksichtigt man die jeweiligen Inflationsraten, so beträgt die Summe der Anleihen, die eine negative Realrendite abwerfen 32 Billionen Dollar, oder 76 Prozent aller Staatsanleihen von Industrieländern
Woher sollen die vielen Kapitalsammelstellen, die auf Einnahmen angewiesen sind, eine Rendite erwirtschaften?

Fazit

Die Zinslandschaft in großen Teilen der Welt ist fast schon als brutal zu bezeichnen – für die Halter der Papiere.

Man kann täglich hundert Indikatoren heranziehen, um die Überbewertung der Aktienmärkte zu begründen. Vom Shiller-KGV, dem Buffett-Indikator, historischen Vergleichen zur Bewertung von Aktien zur Gesamtwirtschaft und vieles mehr. Aber wir haben auch eine historisch einmalige Situation. Wenn allein die drei großen Notenbanken (Fed, EZB, BoJ) in ihren Bilanzen schon über 20 Billionen Dollar stehen haben, die zum großen Teil von Käufen von Anleihen herrühren, kann es das Regulativ Anleihemarkt zu Aktienmarkt in alter Form nicht mehr geben.

Anders ausgedrückt: Was juckt ein KGV der Aktienmärkte von 20 bis 30, wenn selbst die großen Anleihemärkte ein mindestens dreistelliges aufweisen?

Und noch sieht es nicht nach einer Wende aus – weder bei den Käufen von Anleihen, noch bei den Kapitalmarktzinsen. Die Kapitalsammelstellen stehen täglich vor dem Problem, einerseits neue Gelder anlegen zu müssen, andererseits ihren Auszahlungsverpflichtungen nachzukommen. Dies ist für mich der Hauptgrund dafür, warum die Aktienmärkte einfach nicht größer korrigieren wollen. „There is no alternative!“ (TINA).

Zwar gab es den brutalen Einbruch wegen Corona im Februar/März, aber damals musste jeder Aktieninvestor mit dem Schlimmsten rechnen und seither hat die „Zerstörung“ der Zinsmärkte erst so richtig Fahrt aufgenommen. Wie könnte dieser Zustand sich zumindest etwas ändern? Schon öfters erwähnt: Ein substanzieller Anstieg der Inflation, der zu einem Anstieg der Kapitalmarktzinsen führt – nicht zu einem Anstieg der Leitzinsen.

Werden neue Schuldenprogramne 2021 bei einer Erholung der Wirtschaft dazu führen? Wenn es zumindest wieder etwas positive Realzinsen gibt? Wir werden es sehen, zunächst an den Zins-Charts.

Die absurde Entwicklung bei Anleihen - oder warum die Aktienmärkte so hoch stehen

weiterlesen

Anmeldestatus

Meist gelesen 7 Tage

Wenn Sie diese Webseite weiter verwenden, stimmen Sie automatisch der Verwendung von Cookies zu. Zur Datenschutzerklärung

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen" eingestellt, um Ihnen das beste Surferlebnis zu ermöglichen. Wenn Sie diese Website ohne Änderung Ihrer Cookie-Einstellungen verwenden oder auf "Akzeptieren" klicken, erklären Sie sich damit einverstanden.

Schließen