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Brasilien mit mustergültiger Zinspolitik – so macht man das liebe EZB

Brasilien-Flagge

Brasilien hat heute Nacht den Leitzins erneut kräftig angehoben. Warum das interessant ist? Man vergleicht das bitte mal mit der Lage in Europa. Heute Mittag entscheidet die EZB mal wieder über die Zinspolitik der Eurozone. Leitzins und Einlagenzins werden wohl unverändert bei Null beziehungsweise -0,50 Prozent bleiben. Alles andere wäre schon wirklich eine riesige Sensation. Es ist relativ klar, dass die EZB die Zinsen im Keller lässt, um den hochverschuldeten Mitgliedsländern in der Eurozone auch weiterhin die Schuldenaufnahme zu möglichst niedrigen Zinskosten zu gewährleisten. Aber man spricht lieber von einer eher vorübergehend höheren Inflation, und von der Unterstützung der Konjunkturerholung in der Eurozone?

EZB klebt bei Null trotz deutlich steigender Inflation

Dabei müsste die EZB eigentlich die Zinsen anheben um die Inflation zu bekämpfen? Aber das tut sie nicht. Erst gestern erhielten wir die Januar-Daten für die Inflation in der Eurozone. Bei Erwartungen von 4,4 Prozent stieg sie weiter an auf 5,1 Prozent. Und dann bleibt der Leitzins weiterhin bei 0 Prozent kleben? Es dürfte heute um 14:30 Uhr bei der PK von Christine Lagarde mehr denn je interessant sein ihre Argumentation zu hören, warum man weiterhin den Leitzins im Keller belässt. Erst gestern forderte der Präsident der deutschen Sparkassen-Vereinigung die EZB dazu auf wegen der hohen Inflation noch dieses Jahr die Zinspolitik zu ändern. Er spricht von der schleichenden Enteignung der Mittelschicht. Dem gegenüber ist es wie gesagt interessant nach Brasilien zu schauen. Auch hier stieg die Inflation in den letzten Monaten deutlich an auf zuletzt 10,06 Prozent.

Brasilien hat mit seinem Leitzins die Inflation eingeholt

Heute Nacht hat die brasilianische Zentralbank nun den Leitzins angehoben von 9,25 Prozent auf 10,75 Prozent! Von Mitte 2020 bis Anfang 2021 lag der Leitzins in Brasilien bei 2 Prozent wegen der Coronakrise. Aber seit März 2021 hat man ihn in nun acht Schritten drastisch angehoben, auf jetzt 10,75 Prozent. Damit hebt man den Zins jetzt sogar leicht über die Inflation, um sie einzudämmen. So sollte es eigentlich auch sein. In der folgenden Grafik sehen wir im Verlauf der letzten fünf Jahre als blaue Linie den Leitzins für Brasilien, und in schwarz die Inflation. Man kann gut erkennen, wie die Zentralbank mit ihrem Leitzins der Inflation gefolgt ist und sie nun eingeholt hat.


source: tradingeconomics.com

Im folgenden Chart sehen wir ebenfalls über fünf Jahre den Verlauf des Leitzinses in der Eurozone – es ist ein waagerechter Strich exakt bei 0 Prozent, während die Inflation auf jetzt 5,1 Prozent ansteigt. Während Brasilien also seine Zinspolitik mustergültig umsetzt um die Inflation in den Griff zu bekommen, verharrt die EZB bei Null.


source: tradingeconomics.com



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4 Kommentare

  1. Der Autor hat völlig recht:
    Es ist ausgesprochen sinnvoll eine Inflation,die durch zyklische Angebotsengpässe erzeugt wird zu bekämpfen,indem man das notwendige Kapital ,welches zur Beseitigung dieser erforderlich ist,mit Zinserhöhungen verteuert.
    Ich denke ,wenn der Leitzinszins erstmal bei 5% liegt,werden sowohl die „Null- Covid-Politik“ an chinesischen Häfen,aber vor allem mangelnde Investitionen in Öl,Gas,aber vor allem alternative Energien der in windeseile der Vergangenheit angehören.
    Respekt vor dieser volkswirtschaftlichen Weitsicht.

    1. @Christian, Sie schreiben:

      „..eine Inflation,die durch zyklische Angebotsengpässe erzeugt wird zu bekämpfen,indem man das notwendige Kapital, welches zur Beseitigung dieser erforderlich ist,mit Zinserhöhungen verteuert.“

      Was meinen Sie damit?? Wie kann denn Kapital diese Angebotsengpässe lindern??

      1. Hallo Markus,

        Ich denke,daß die maßgeblichen inflationstreibenden Faktoren (Rohstoffe,Transporte) nicht durch niedrige Zinsen verteuert wurden. Steigende Zinsen (global) hingegegen würden im Gegenteil eher die Investitionskosten steigern und damit bei „wackeligen“ Projekten eher zur Investitionszurückhaltung führen.
        In jedem Falle würden steigende Zinsen – so schwachsinnig das gegenwärtige Zinsniveau erscheinen mag – lediglich über eine echte Roßkur zum erwünschten Ziel führen. Und – wie Du allmorgendlich bemerkst – eine Rezession ist in dieser Situation nicht erwünscht.Die damit verbundenen Auswirkungen auf Arbeitsmarkt,Firmensolvenz,Finanzmarkt würden wahrscheinlich selbst für den Durchschnittsbürger am Ende schwerer wiegen ,als temporär höhere Energiekosten, die – auch wenn es Dir die Zornesröte in Gesicht treibt – tatsächlich eine Lenkungswirkung haben sollten.
        Das Thema Energie (Transformation) ,Investitionsstau im Rohstoffsektor würde ich tatsächlich separieren .

        Ich möchte Dir – trotz meiner gelegentlichen Kritik in der Sache – meine volle Bewunderung und Respekt für Deine Beharrlichkeit und Durchhaltevermögen und, Dein Finanzmarktwelt – Projekt aussprechen!

        Mit Ich freue mich auf weitere Beiträge.

        Gruß aus dem Südharz

        Christian Miehe

        1. @christian, danke für Ihre Worte und Ihre Anregung!
          Ich denke aber, dass man die Dinge so lange verschleppt hat, dass man um eine „Roßkur“ ohnehin nicht mehr herumkommt..

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