Aktien

Steht der Markt nach jahrelanger Hausse vor einer Auszeit? Dieses Indiz spricht dafür

Wir reden in diesem Artikel nicht über die exakte jahrelange Performance bei Dax und Co, und ob die Indizes noch tatsächlich überbewertet sind. An einem anderen Indikator kann man sehr gut ablesen, ob professionelle Investoren noch uneingeschränkt Lust auf Aktien haben – beziehungsweise ob sie noch alles kaufen, was zu haben ist. Es geht um Börsengänge. Wenn alle Unternehmen, die zum ersten Mal an die Börse gehen, ihre Aktien problemlos in vollem Umfang und zum gewünschten Kurs platzieren können, dann ist das Vertrauen der Börsianer in einen weiterhin gestiegenen Gesamtmarkt offensichtlich noch vorhanden.

Aber wenn Unternehmen ihren Börsengang absagen, und dies mit einem „schwierigen Marktumfeld“ begründen, ist Vorsicht angesagt. Denn das bedeutet nichts anderes, als dass die Konsortialbanken nicht in der Lage waren genug Nachfrage an Land zu ziehen, um das gewünschte Aktienvolumen verkaufen zu können. So ein Desaster will sich niemand antun, und daher verschiebt man lieber seinen Börsengang. Schlimmer wird die Lage noch, wenn das IPO-willige Unternehmen solide Kennzahlen aufweist.

Dann ist klar, dass es eine „grundlegende“ Zurückhaltung der Anleger ist. Denn Aktien, die frisch an die Börse gehen, sind anfällig für starke Kursverluste, wenn der Gesamtmarkt einbricht. Hinzu kommt aktuell noch die Zinswende in den USA, die es gerade für angelsächsische Großanleger langsam wieder attraktiver macht in US-Anleihen zu investieren statt in Aktien. Allmählich also wird das Geld für neue Börsengänge somit knapper.

Beide Faktoren (steigende Zinsen + Angst vor Gesamtmarktabsturz) könnten zutreffen beim gerade erst abgesagten Börsengang von Sprinter Nature. Der deutsche Wissenschaftsverlag wollte eigentlich letzte Woche an die Frankfurter Börse gehen und 1,6 Milliarden Euro erlösen. Das ist nicht gerade wenig für den deutschen Börsenmarkt. Und Sprinter Nature liefert genau die Begründung, die zum Nachdenken anregen sollte. „Aufgrund des Marktumfelds“ habe man seinen Börsengang abgesagt.

Also gab es wohl nicht genug Nachfrage und/oder Preisvorstellungen der Anleger, die für das Unternehmen enttäuschend waren. Vor Kurzem noch gingen die ehemalige Siemens-Spare „Siemens Healthineers“ und der Deutsche-Bank-Tochter „DWS“ ebenfalls mit Milliardenvolumen noch problemlos an die Börse. Dann scheint es möglicherweise genau jetzt den Zeitpunkt zu geben, wo die Investoren einen Cut gemacht haben bei großen Emissionsvolumen.

NFON

Aber halt. Man könnte nun auch argumentieren, dass gerade vor 3 Tagen die NFON AG, ein Anbieter von Telefonie-Lösungen aus der Cloud, seinen Börsengang in Frankfurt erfolgreich hingelegt hat. Das mag sein. Aber bei NFON ging es um einen extrem kleinen Erlösbetrag in Höhe von 80,5 Millionen Euro. In Relation zu Sprinter Nature mit 1,6 Milliarden Euro kann man sagen, dass diese kleinen und sehr kleinen IPO´s auch in schwierigeren Zeiten noch platzierbar sind.

Börsengang
Beispielbild vom Frankfurter Parkett. Foto: Deutsche Börse AG



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